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Microsoft HoloLens im Hands-on: Die AR-Brille ausprobiert

Die Microsoft HoloLens projiziert Hologramme in das Sichtfeld des Trägers.
Die Microsoft HoloLens projiziert Hologramme in das Sichtfeld des Trägers.

Mit der HoloLens bietet Microsoft die erste holografische Brille der Welt für Entwickler an. Auf einem Hardware-Event des Herstellers hatte TURN ON erstmals die Gelegenheit, Augmented Reality mit dem High-End-Headset im Hands-on zu erleben. Ist das wirklich die Zukunft der PC-Nutzung?

Spätestens seit dem Erfolg von "Pokémon Go" ist Augmented Reality in aller Munde. Egal ob Google, Apple oder Snapchat – nahezu alle großen Tech-Firmen sehen ein gigantisches Potenzial in der Erschließung der neuen Welten rund um die Erweiterte Realität. Ein Unternehmen ist jedoch bereits deutlich weiter: Microsoft bietet bereits seit einigen Monaten eine Entwicklerversion des ersten holografischen Computers der Welt an. Die Rede ist natürlich von der HoloLens. In dieser Woche hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, die Augmented Reality-Brille selbst auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln.

Augmented Reality: Was ist das bitte?

Wie schon erwähnt, ist die Microsoft HoloLens nicht einfach nur eine Brille, sondern gleichzeitig auch ein kompletter Windows-PC. Das heißt, dass die Brille komplett ohne ein externes Gerät auskommt und, anders als Virtual Reality-Brillen, keinerlei Kabel zu anderen Computern benötigt. Vom Prozessor über Speicher bis hin zum WLAN-Modul befinden sich alle Teile, die einen Computer ausmachen, auf einer kleinen Platine, direkt in der Brille. Zusätzlich ist die HoloLens mit einer Vielzahl an Sensoren, Kameras und Mikrofonen ausgestattet, mit denen sie ihre Umgebung wahrnimmt und auf Sprachbefehle reagiert.

Die HoloLens ist ein kompletter Computer mit vielen Kameras und Sensoren ... fullscreen
Die HoloLens ist ein kompletter Computer mit vielen Kameras und Sensoren ...
... und einem transparenten holografischen Display. fullscreen
... und einem transparenten holografischen Display.
Die HoloLens ist ein kompletter Computer mit vielen Kameras und Sensoren ...
... und einem transparenten holografischen Display.

Das interessante ist jedoch das holografische Display vor den Augen des Trägers. Darüber werden holografische und am Computer berechnete 3D-Objekte direkt in den Raum projiziert und lassen sich dort physikalisch korrekt bewegen. Doch soweit zur Theorie. Ich wollte natürlich wissen, wie sich das in der Praxis anfühlt.

Das erste Mal HoloLens

Mit einem Gewicht von 580 Gramm ist die Entwicklerversion der HoloLens nicht gerade leicht. Dank der cleveren Konstruktion fällt das Gewicht beim Tragen aber praktisch überhaupt nicht auf. Im Vergleich zu den meisten Virtual Reality-Brillen lässt sich die AR-Brille sogar als bequem bezeichnen. Nach dem Aufsetzen fällt dann allerdings erstmals auf, wie klein das Sichtfeld ist, in dem sich die holografischen Projektionen sehen lassen. Während ich durch die transparenten Brillengläser jederzeit den ganzen Raum vor mir sehen kann, ist der Bereich, in dem die Hologramme tatsächlich erscheinen, relativ klein und sowohl an den Seiten als auch oben und unten abgeschnitten.

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Die HoloLens entpuppte sich beim Aufsetzen als erstaunlich bequem.

Größere 3D-Modelle, die mitunter sogar raumfüllend sein können, lassen sich somit nicht vollständig, sondern nur ausschnittsweise betrachten. Allerdings kann ich weiter weg gehen, wodurch ich natürlich einen besseren Blick auf diese Modelle bekomme. Je näher ich rangehe, desto mehr Details lassen sich hingegen erkennen. Die Microsoft HoloLens skaliert dabei nahtlos in Echtzeit. Wenn ich die Perspektive wechsle und um ein Hologramm herumgehe, passt sich die Perspektive ebenfalls in Echtzeit an. Die Objekte selbst bleiben dabei an der Stelle, an der sie platziert wurden. Lege ich beispielsweise eine holografische Birne auf einen Tisch, dann bleibt diese genau dort liegen, selbst, wenn ich zwischenzeitlich in einen anderen Raum gehe. Die Brille erfasst und erkennt Räume und merkt sich die genaue Position aller Objekte – beeindruckend.

Windows sorgt für eine flache Lernkurve

Das gilt auch für Menüs. Indem ich eine Faust balle und diese öffne, wird das Windows-Startmenü aufgerufen. Alle Menüfenster bleiben ebenfalls an der Stelle, wo ich die anpinne. Ich kann auf Wunsch eine ganze Reihe von Programmen starten und die Programmfenster in einem Kreis um mich herum anordnen. Ich kann sie aber auch übereinander legen und auf Wunsch sowieso jederzeit verschieben. Das Zurechtfinden in den Menüs klappt übrigens auf Anhieb, weil ich mich sofort in der bekannten Windows-Oberfläche zurechtfinde. Hier hat Microsoft den großen Vorteil, das es allen Anwendern ein vertrautes Interface mit vertrauten Apps bieten kann. Die Lernkurve für den Einstieg in die Augmented Reality bleibt damit zumindest am Anfang recht flach.

Um das Windows-Startmenü zu öffnen, balle ich eine Faust ... fullscreen
Um das Windows-Startmenü zu öffnen, balle ich eine Faust ...
... und öffne diese anschließend. fullscreen
... und öffne diese anschließend.
Um das Windows-Startmenü zu öffnen, balle ich eine Faust ...
... und öffne diese anschließend.

Schwieriger ist es da schon, mit Fingergesten zwischen verschiedenen Apps und Menüs zu hantieren. Gerade dann, wenn viele Fenster geöffnet sind und viele 3D-Objekte im Raum schweben, erwische ich im Hands-on öfter mal das falsche Fenster. Anders als am PC, wo ich den Mauszeiger entweder horizontal oder vertikal bewegen kann, kommt hier eben noch eine Tiefenebene hinzu, an die sich der Nutzer erst gewöhnen muss. Auf Wunsch funktionieren jedoch auch diverse Sprachbefehle zum Öffnen von Menüs und zum Verkleinern und Vergrößern von Objekten. Selbst Cortana ist in der HoloLens integriert.

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Der Surface-Monitor zeigt das Space Shuttle-Modell, das ich mit der HoloLens sehe.

Noch kein Gerät für den Endverbraucher

Wie eingangs schon erwähnt, handelt es sich bei der Microsoft HoloLens bislang nur um eine Entwicklerversion. Diese können Programmierer für den stolzen Preis von 3299 Euro ab diesem November endlich auch in Deutschland offiziell kaufen und erste Programme und Anwendungen für die Augmented Reality erschaffen. Dass selbst erfahrene Entwickler dabei noch ganz am Anfang stehen, wurde auf dem Microsoft-Event ebenfalls klar. Vieles wirkt momentan experimentell und an vielen Stellen wird auch Microsoft selbst in den kommenden Monaten noch nachbessern – etwa bei der Bedienung. Auch das, was die Brille an Rechenleistung auf die Waage bringt, ist noch längst nicht zu vergleichen mit High-End-PCs, die in der Industrie etwa für 3D-Rendering verwendet werden. Das ist klar, denn in die Brille passen natürlich keine Grafikkarten vom Schlage einer Nvidia Titan X.

Ein Designer, der etwa einen neuen Wagen als 3D-Modell kreieren möchte, wird dies deshalb auch weiterhin erst einmal an einem flachen Monitor tun. Trotzdem sehe ich die Anwendungsbereiche der Microsoft HoloLens vor allem im industriellen und wissenschaftlichen Bereich. Als Gaming-Device eignet sich die Entwicklerversion meiner Meinung nach jedenfalls (noch) nicht, auch wenn diverse Bilder und Videos von Microsoft etwas anderes vermitteln sollen. Hier bietet eine HTC Vive das deutlich beeindruckendere Erlebnis. Endverbrauchern ohne Programmier-Ambitionen, aber mit zu viel Geld, würde ich deshalb davon abraten, jetzt schon in eine HoloLens zu investieren. Aktuell ist es nicht viel mehr als eine Spielwiese zum Austoben und Lernen.

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So groß wie hier impliziert, ist das holografische Sichtfenster der Brille längst nicht.

Fazit: Der Weg in eine Erweiterte Realität

Dennoch leistet Microsoft mit der HoloLens absolute Pionierarbeit und öffnet das Tor in eine völlig neue Welt der Computernutzung. Ob es dabei letztlich die AR-Brille ist, die irgendwann beim Endverbraucher landet, oder die Brille eines Drittanbieters, dürfte dem Unternehmen sogar relativ egal sein. Worum es geht, ist die Schaffung einer Software-Basis, eines Standards für den Umgang mit dieser neuen Welt der digitalen Nutzung und allein dafür ist die HoloLens natürlich eine hervorragende Plattform.

Ob wir selbst uns eines Tages vielleicht einfach nur noch eine Brille aufsetzen anstatt den PC einzuschalten, lässt sich aktuell schwer abschätzen. Auf absehbare Zeit werden es jedenfalls noch die klassischen Monitore sein, die uns den Blick in die digitale Welt ermöglichen. Die Weichen für eine Zukunft, in der Realität und virtuelle Welt verschmelzen, werden jedoch gerade gestellt und die HoloLens markiert zweifellos den ersten Meilenstein auf diesem Weg.

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