OnePlus 6T im Test: Wieder ein Flaggschiff-Killer?

Andreas Müller Hat im vergangenen Jahr so viele Smartphones getestet, dass er einen Orden verdient hätte.

Mit dem OnePlus 6T kommt ein günstiges Flaggschiff-Smartphone mit den neuesten Features auf den Markt. Besonders auffällig sind der Fingerabdrucksensor im Display und die kleine Wassertropfen-Notch. Im Test haben wir geprüft, ob das OnePlus 6T mit der Konkurrenz von Samsung, Huawei und Co. mithalten kann.

Design und Verarbeitung: Groß und stabil

Das OnePlus 6T ist wieder aus Metall und Glas gefertigt. Der Rahmen besteht dabei aus Metall und Vorder- und Rückseite aus dem neuen und noch stabileren Schutzglas Gorilla Glass 6. Bei uns war das mattschwarze Modell im Test, es wird aber auch ein glänzend schwarzes Modell auf den Markt kommen. Auf der Rückseite ist die vom Vorgänger bekannte Dual-Kamera vertikal angebracht, darunter sitzt wie zuvor der Dual-LED-Blitz und unter diesem das OnePlus-Logo.

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Die Rückseite des OnePlus 6T ist recht einfallslos, aber ergonomisch designt. (©OnePlus 2018)

Der Rahmen ist leicht gewölbt und so liegt das große Smartphone gut in der Hand. Das Display hat nun ein Format von 19,5:9 statt 19:9 und ist somit noch etwas schmaler geworden. Derweil ist es von einer Größe von 6,28 Zoll auf eine Größe von 6,41 Zoll angewachsen, wobei der Displayrand unten (das "Kinn") noch einmal deutlich schmaler geworden ist und ein großer Teil der Aussparung oben im Display (die "Notch") eingespart werden konnte.

Stattdessen ist eine sehr kleine Notch mit der Selfie-Kamera darin im eleganten Wassertropfen-Design übrig geblieben. Ergebnis ist ein so gut wie randloses Display. Das Smartphone ist dank dieser Design-Raffinessen zwar minimal dicker und schwerer als der Vorgänger, aber ungefähr gleich groß. Genau gesagt betragen die Abmessungen 157,5 x 74,8 x 8,2 Millimeter im Vergleich zu den 155,7 x 75,35 x 7,75 Millimetern des Vorgängers.

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Die kleine Wassertropfen-Notch stört kaum. (©TURN ON / Andreas Müller 2018)

Urteil: Das OnePlus 6T ist ein großes, stabiles Smartphone, das mit einem fast rahmenlosen Design inklusive eleganter Wassertropfen-Notch und winzigem Kinn glänzt. Das Design der Rückseite wirkt im Vergleich etwas einfallslos, aber immerhin liegt das Gerät gut in der Hand.

Display: AMOLED-HDR mit Wassertropfen-Notch und Fingerabdruckscanner

Das 6,4 Zoll große AMOLED-Display löst mit 2340 x 1080 Pixeln auf und hat eine Pixeldichte von 402 ppi. Hier liegen Smartphones wie das Galaxy S9 mit einer Pixeldichte von 567 ppi vorne, was man vor allem in Videos erkennt. Das AMOLED-Display unterstützt HDR10 und wird sehr hell, weshalb es die HDR-Highlights gut einfängt und im direkten Sonnenlicht abgelesen werden kann. Im Gegensatz zum Galaxy S9 stellt es Farben eher natürlich und nicht so kunterbunt dar.

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Das große AMOLED-Display weiß zu beeindrucken. (©TURN ON 2018)

Die kleine Notch im Wassertropfen-Design ist ein echter Vorteil, denn sie vergrößert die für Inhalte verfügbare Displayfläche. Sie fällt beim Ansehen von Videos und Gaming kaum auf, im Gegensatz zu größeren Aussparungen im Display, wie sie etwa das iPhone XS besitzt. Schließlich hat OnePlus einen Fingerabdrucksensor im unteren Drittel des Displays untergebracht. Dabei handelt es sich um einen optischen Sensor, also um eine Kamera, die im Display sitzt.

Um das Smartphone zu entsperren, muss der Nutzer seinen Finger auf die richtige Stelle legen, die farblich markiert ist. Dann wird der Finger vom Display mit grünem Licht beleuchtet und der Kamerasensor erfasst den Fingerabdruck. Dieser wird mit dem gespeicherten Abdruck verglichen und das Smartphone wird entsperrt, was schnell und verlässlich funktioniert. Allerdings sind optische Sensoren weniger sicher als kapazitive (die herkömmlichen) Fingerabdrucksensoren.

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Der In-Display-Fingerabdrucksensor funktioniert schnell und verlässlich. (©TURN ON 2018)

Urteil: Das AMOLED-Display bietet natürliche Farben und wird sehr hell. Dank kleiner Wassertropfen-Notch erhält man einen großen Bildschirm für den Medienkonsum. Der Fingerabdrucksensor im Display funktioniert schnell und verlässlich, ist aber aufgrund der Bauart nicht so sicher wie ein herkömmlicher Sensor.

Audio: Mächtiger Mono-Lautsprecher

Zunächst die schlechte Nachricht: Der Kopfhöreranschluss ist weggefallen, stattdessen liegt ein USB-C-zu-Klinkenadapter in der Packung. Den Wegfall begründete der Hersteller uns gegenüber wie folgt: Erstens nutzen 60 Prozent der Besitzer eines OnePlus-Smartphones laut einer internen Umfrage Wireless-Kopfhörer und zweitens war im Smartphone kein Platz mehr für den Anschluss vorhanden. Um uns davon zu überzeugen, zeigte uns OnePlus sogar eine Aufnahme der Smartphone-Innereien und erklärte den Bauplan.

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Der Mono-Lautsprecher unten sorgt für einen guten Bass. (©TURN ON 2018)

Jeder Interessent muss sich überlegen, ob er den Kopfhöreranschluss vermisst, aber zumindest wird mithilfe des Adapters ein sehr guter Klang geliefert. Wir konnten außerdem im Test feststellen, dass sich der Resonanzkörper für den Mono-Lautsprecher im Inneren gelohnt hat. Das Smartphone ist in der Lage, einen deutlich vernehmbaren Bass zu erzeugen, was Handys kaum je gelingt. Der dynamische und klare Sound verbessert die Multimedia-Erfahrung beim Schauen von Videos und Gaming deutlich.

Urteil: Der Klinkenanschluss ist leider weggefallen, aber der Mono-Lautsprecher zählt zu den besten Smartphone-Speakern.

Ausstattung und Leistung: Größerer Akku und mehr Speicher

Die Technik im Inneren ähnelt jener des OnePlus 6. Erneut sorgt der Flaggschiff-Chip Qualcomm Snapdragon 845 für die Leistung, der auch von Smartphones wie dem LG G7 ThinQ und dem Sony Xperia XZ3 bekannt ist. Beim normalen Modell sind 6 GB Arbeitsspeicher und neuerdings 128 GB statt 64 GB interner UFS-2.1-Speicher an Bord und bei den alternativen Modellen gibt es 8 GB Arbeitsspeicher und 128 GB oder 256 GB internen Speicher.

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Das Smartphone lässt sich mit einem physischen Schalter an der Seite stummschalten. (©TURN ON 2018)

Im Alltagseinsatz zeigt sich das OnePlus 6T als Flaggschiff-Renner ohne Kompromisse. Die Bedienung und das Starten von Apps funktionieren sehr schnell, wozu auch die aufgeräumte Benutzeroberfläche OxygenOS auf Basis von Android 9.0 Pie beiträgt. Auf Google-Maps wird der Standort schnell und genau ermittelt.

Spiele wie "PUBG Mobile", "Asphalt 9" und "Sonic Forces" laufen in den höchsten Einstellungen flüssig. Sie werden von einem Gaming-Mode unterstützt, der aber, im Gegensatz zu Huaweis GPU-Turbo, nicht die Spieleleistung erhöht, sondern nur die Helligkeit feststellt, die Spiele beim Datenvolumen bevorzugt behandelt und Benachrichtigungen abstellt.

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Bei Leistung und Ausstattung gibt es nichts zu beanstanden. (©TURN ON 2018)

Ein Upgrade hat auch der Akku erfahren, der nun eine Kapazität von 3700 mAh statt 3300 mAh bietet. In der Praxis liefert er eine sehr lange Laufzeit, die über den Tag hinausreicht. Wir mussten uns im Test keine Gedanken über den Akku machen. Außerdem ist er mit dem mitgelieferten Fast-Charge-Netzteil schnell wieder aufgeladen. In Hinblick auf die Konnektivität werden Bluetooth 5.0, NFC, ac-WLAN, ein Dual-Nano-SIM-Slot und USB-C-Anschluss geboten, der allerdings nur die Geschwindigkeit von USB 2.0 erreicht.

Urteil: Leistung und Ausstattung liegen auf hohem Flaggschiff-Niveau und können mit Konkurrenten wie dem Galaxy Note 9 oder dem Huawei Mate 20 Pro gut mithalten.

Kameras: Neue Software-Features

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Die Dual-Kamera ist noch dieselbe wie beim OnePlus 6. (©TURN ON 2018)

Die Kamera-Hardware ist leider dieselbe geblieben wie beim OnePlus 6: Die Dual-Kamera besteht aus einem 16-Megapixel- und einem 20-Megapixel-Sensor, die beide einen Blendenwert von f/1,7 bieten. Die Selfie-Kamera löst mit 16 Megapixeln auf uns hat einen Blendenwert von f/2,0. Neu ist der Bildverarbeitungs-Algorithmus, der automatisch Gesichter, Text, Essen und Nachtszenen erkennen und gute Bilder von ihnen ermöglichen soll. Es gibt auch einen expliziten Nachtmodus, der die Fotos länger belichtet.

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Die Selfie-Kamera in der Notch liefert sehr scharfe Porträtaufnahmen. (©TURN ON 2018)

In der Praxis macht das OnePlus detaillierte, scharfe Fotos mit natürlichen Farben. Wie beim Display verzichtet OnePlus auf den Bonbonfarben-Boost, wie man ihn etwa von Samsung kennt. Sowohl Selfie-Kamera als auch Hauptkameras liefern gute Porträtaufnahmen, wobei die Selfies mit der Frontkamera äußerst scharf und detailliert wirken, während die Dual-Kamera den besseren Bokeh-Effekt liefert.

Die Nachtfotos gelingen recht gut, wobei die Motive im Vergleich zum Anblick mit dem bloßen Auge aufgehellt werden. Es gibt bei wenig Licht aber den üblichen Schärfe- und Detailverlust. Mit dem "Nachtmodus" gelingen die Fotos bei Dunkelheit noch etwas klarer, aber Wunder sollte man hier keine erwarten. Trotzdem: Insgesamt gehört das OnePlus 6T zu den besseren Smartphones für die Fotografie bei schlechten Lichtverhältnissen.

Die Kameras machen detailreiche Fotos mit natürlichen Farben. fullscreen
Die Kameras machen detailreiche Fotos mit natürlichen Farben. (©TURN ON 2018)
Die Selfie-Kamera knipst scharfe und detailreiche Selfies. fullscreen
Die Selfie-Kamera knipst scharfe und detailreiche Selfies. (©TURN ON / Andreas Müller 2018)
Die Dual-Kamera schafft den besseren Unschärfeeffekt. fullscreen
Die Dual-Kamera schafft den besseren Unschärfeeffekt. (©TURN ON / Andreas Müller 2018)
Das OnePlus 6T eignet sich gut für Nachtaufnahmen. fullscreen
Das OnePlus 6T eignet sich gut für Nachtaufnahmen. (©TURN ON 2018)
Dank Nachtmodus bleiben etwas mehr Details erhalten. fullscreen
Dank Nachtmodus bleiben etwas mehr Details erhalten. (©TURN ON 2018)
Details werden gut eingefangen. fullscreen
Details werden gut eingefangen. (©TURN ON 2018)
Die Farben wirken realistisch und nicht übertrieben. fullscreen
Die Farben wirken realistisch und nicht übertrieben. (©TURN ON 2018)
Auch mit vielen Objekten ist das OnePlus 6T nicht überfordert. fullscreen
Auch mit vielen Objekten ist das OnePlus 6T nicht überfordert. (©TURN ON 2018)
Die Kameras machen detailreiche Fotos mit natürlichen Farben.
Die Selfie-Kamera knipst scharfe und detailreiche Selfies.
Die Dual-Kamera schafft den besseren Unschärfeeffekt.
Das OnePlus 6T eignet sich gut für Nachtaufnahmen.
Dank Nachtmodus bleiben etwas mehr Details erhalten.
Details werden gut eingefangen.
Die Farben wirken realistisch und nicht übertrieben.
Auch mit vielen Objekten ist das OnePlus 6T nicht überfordert.

Videos können mit einer Auflösung von bis zu 4K bei 60 FPS aufgezeichnet werden, wobei die digitale Videostabilisierung bis zu 4K mit 30 FPS ihren Dienst verrichtet. Die 4K-Clips sehen scharf, farbecht und detailreich aus. Leider sind, im Gegensatz zum Sony Xperia XZ3, HDR-Videos keine Option.

Urteil: Das OnePlus 6T knipst scharfe und detailreiche Oberklasse-Fotos, ohne an die besten Foto-Handys wie das Huawei Mate 20 Pro heranzukommen. Eine neue Kamera-Hardware wäre wünschenswert gewesen.

Fazit: Ein echter Flaggschiff-Killer

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Das OnePlus 6T bietet Flaggschiff-Technik zum kleinen Preis. (©TURN ON 2018)

Das Einstiegsmodell des OnePlus 6 ist aktuell mit einem Preis von 520 Euro gelistet und das OnePlus 6T kostet 550 Euro – ein mehr als fairer Preis. Das technisch ähnliche Samsung Galaxy S9 Plus kostet 640 Euro und kann bei der Akkulaufzeit und der Größe des internen Speichers nicht mithalten, bietet aber eine bessere Kamera und ein schärferes Display.

Das Sony Xperia XZ3 ist mit Stereo-Lautsprechern ausgestattet, die aber nicht so viel Power haben wie der Speaker des OnePlus 6T. Auch hier ist das schärfere Display ein Vorteil – allerdings kostet das Xperia 770 Euro. Huawei und Honor haben noch kein ähnlich leistungsfähiges und dabei günstiges Smartphone im Angebot. Das Huawei Mate 20 Pro bietet zwar mehr, kostet aber satte 1000 Euro. So kann man das OnePlus 6T letztlich nur jedem empfehlen, der ein großes Smartphone mit aktueller Technik haben möchte und bereit ist, auf ein wenig Kamera-Qualität und ein eigenständiges Design zu verzichten – um im Gegenzug sehr viel Geld zu sparen.

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Mit dem OnePlus 6T werden nicht nur Sparfüchse zufrieden sein. (©TURN ON 2018)

 

Das ist gut Das ist nicht so gut
+ Großes OLED-Display

+ Gute Performance

+ Gute Ausstattung

+ Unaufdringliche Notch

+ Lange Akkulaufzeit

- Displayauflösung könnte höher sein

- Kamera gut, aber kein Flaggschiff-Niveau

OnePlus 6T
OnePlus 6T
  • Datenblatt
  • Hardware und Software
  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Preis (UVP)
    549 Euro
  • Release
    6. November 2018
  • Farben
    Matt-Schwarz, Glänzend-Schwarz
  • Lieferumfang
    OnePlus 6T, Schnell-Ladegerät, USB Type-C-Kabel, 2 Schutzhüllen, Kopfhöreradapter, Schnellstartanleitung
  • Display-Größe
    6,41 Zoll
  • Display-Auflösung und Display-Typ
    2340 x 1080 Pixel, AMOLED, HDR10
  • Prozessor
    Qualcomm Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher
    6 GB RAM
  • Speicherkapazität
    128 GB
  • Betriebssystem
    Android 9.0 Pie mit OxygenOS (Stand: Oktober 2018)
  • Kameras
    Frontkamera (16 MP) und Dual-Rückkamera (16 MP und 20-MP-Tiefenschärfeobjektiv)
  • SIM-Karten-Format
    Dual-Nano-SIM
  • Anschlüsse und Steckplätze
    USB-Typ-C
  • Konnektivität
    LTE-A, ac-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC
  • Akkukapazität
    3700 mAh
  • Besondere Merkmale
    Wassertropfen-Notch, In-Display-Fingerabdruckscanner, HDR-AMOLED-Display
Turn-On Score:
4,5
  • Akkuleistung
    5,0
  • Design
    4,0
  • Preis-Leistung
    5,0
  • Hardware
    4,5
  • Ausstattung
    4,5
  • Klang
    4,0
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