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Polaroid OneStep+ im Test: So macht Retro-Fotografie Spaß!

Wir durften die neue Polaroid OneStep+ direkt auf der IFA ausprobieren.
Wir durften die neue Polaroid OneStep+ direkt auf der IFA ausprobieren.

Analoge Fotografie ist tot? Eine riesige Polaroid-Kamera auf der IFA 2018 wollte uns vom Gegenteil überzeugen. An diesem Stand wurde die Polaroid OneStep+ vorgestellt, mit der wir zwei Tage über die Technikmesse laufen durften. Warum die verwaschenen Fotos immer noch einen ganz besonderen Charme haben, erklären wir im Test.

Jahr für Jahr fahren wir von TURN ON zur IFA, um uns das Neueste aus der Welt der Technik anzusehen. Das Neueste am Stand von Polaroid Originals schaffte es aber, uns um Jahrzehnte zurückzuversetzen. Die Polaroid OneStep+ sieht nämlich gar nicht so viel anders aus als das originale OneStep-Modell aus dem Jahr 1977. Im Inneren steckt auch immer noch Analogtechnik. Aber: Heutzutage gibt es eine passende App zur Kamera. Warum? Das liest Du in unserem Test.

Der Regenbogen ist zurück

Der Stand von Polaroid Originals auf der IFA 2018 war nicht zu verfehlen! Nicht zuletzt wegen seiner bunten Regenbogenfarben, vor allem aber fiel der gigantische Nachbau der Polaroid OneStep+ ins Auge, die auf der Technikmesse in Berlin frisch vorgestellt wurde. Sie folgt auf die OneStep 2 aus dem vergangenen Jahr, bringt aber ein paar kleinere Neuerungen mit – auch optisch. So kehrt zum Beispiel der Regenbogenstreifen zurück, den schon die OneStep-Kamera von 1977 besaß. An der Oberseite des schwarzen Gehäuses findest Du jetzt außerdem einen roten Schieberegler, der Dich zwischen Standard- und Porträtlinse wechseln lässt. Anstelle des Timers neben dem Blitz sitzt nun ein Bluetooth-Knopf zum Koppeln von Sofortbildkamera und Smartphone.

Das Smartphone dient als Auslöser

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Die analoge Polaroid OneStep+ verbindet sich per Bluetooth mit dem Smartphone.

Moment mal! Die Analogkamera lässt sich mit dem Smartphone verbinden? Ja, allerdings darfst Du nicht erwarten, eine Live-Vorschau Deines Fotomotivs in der Polaroid-Originals-App vorzufinden. Das Smartphone dient im Falle der Polaroid OneStep+ zum Beispiel als alternativer Auslöser – etwa, wenn Du die Kamera für ein Gruppenfoto auf ein Stativ stellst und selbst mit aufs Bild willst. Auch einen manuellen Modus bietet die App. Hier lassen sich die Belichtungszeit, eine Belichtungskorrektur und die Blende einstellen sowie der Blitz ein- oder ausschalten. Standardmäßig blitzt die Sofortbildkamera immer. Mit einem Schieberegler unterhalb des Suchers kannst Du das Bild zusätzlich etwas aufhellen oder abdunkeln.

Kreative Spielereien mit der App

Polaroid-Fotos haben immer einen etwas verwaschenen Look. fullscreen
Polaroid-Fotos haben immer einen etwas verwaschenen Look.
Sie sind nicht annähernd so scharf wie Digitalfotos. fullscreen
Sie sind nicht annähernd so scharf wie Digitalfotos.
Dennoch haben sie einen ganz eigenen Charme. fullscreen
Dennoch haben sie einen ganz eigenen Charme.
Jeder Versuch zählt. fullscreen
Jeder Versuch zählt.
Polaroid-Fotos haben immer einen etwas verwaschenen Look.
Sie sind nicht annähernd so scharf wie Digitalfotos.
Dennoch haben sie einen ganz eigenen Charme.
Jeder Versuch zählt.

Die App eröffnet aber noch weitere Möglichkeiten, die es beim Vorgängermodell nicht gab. Der Timer lässt sich jetzt übers Smartphone frei zwischen einer und zwölf Sekunden einstellen. Wer auf besonders kreative Art und Weise auslösen will, nutzt den Noise Trigger. Damit legst Du ein Dezibel-Level fest – wird dieses überschritten, wird das Foto geknipst. In leisen Umgebungen kannst Du so zum Beispiel mit einem Fingerschnipsen auslösen.

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Ein Hybrid aus Alex & Jens war auf der IFA auch zu finden...

Für kreative Ergebnisse hingegen bieten sich vor allem zwei Features der App an: Double Exposure und Light Painting. Bei der Doppelbelichtung wird ein Bild auf das vorherige belichtet. Unterschiedliche Motive werden transparent und verschwimmen auf dem Bild miteinander. So haben wir etwa auch einen Hybrid aus Alex und Jens geschaffen, der gleichzeitig nach links und nach rechts schauen kann. Gemacht ist das mit der Polaroid OneStep+ ganz einfach. Du suchst Dir das erste Motiv aus, löst per App im Double-Exposure-Modus aus, wechselst zum zweiten Motiv und löst ein zweites Mal aus.

Je nach Motiv kannst Du zwischen Standardlinse... fullscreen
Je nach Motiv kannst Du zwischen Standardlinse...
... und Porträtlinse wechseln. fullscreen
... und Porträtlinse wechseln.
Der Pro-Modus gibt Dir weitere Möglichkeiten, das Ergebnis zu beeinflussen. fullscreen
Der Pro-Modus gibt Dir weitere Möglichkeiten, das Ergebnis zu beeinflussen.
Je nach Motiv kannst Du zwischen Standardlinse...
... und Porträtlinse wechseln.
Der Pro-Modus gibt Dir weitere Möglichkeiten, das Ergebnis zu beeinflussen.

Eine weitere Möglichkeit, mit der Belichtung zu spielen, bietet der Light-Painting-Modus. Dieser lässt Dich eine Langzeitbelichtung mit Lichtmalerei anfertigen. Die Lichtquelle wird quasi zu Deinem Pinsel, mit dem Du Bilder in die Luft malen kannst. Des Weiteren zeigt Dir die App den Akkustand der Polaroid OneStep+ an, die per Micro-USB geladen wird und bis zu 60 Tage lang durchhalten soll. Zu lange, um es auf der IFA auf die Probe zu stellen...

Das bange Warten aufs Ergebnis

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Bis die Fotos fertig entwickelt sind, vergehen etwa zehn bis 15 Minuten.

Gerade bei den Kreativmodi wird das Warten aufs fertige Foto zur Geduldsprobe. Rund zehn bis 15 Minuten dauert es, bis das ausgeworfene Foto fertig entwickelt ist. Und nein: Schütteln hilft nicht. Im Gegenteil – das kann dem Bild sogar schaden. Die Filme sind dann nämlich doch andere als die, die 1977 verwendet wurden. Aber genau wie damals sind sie nicht gerade günstig. Eine Packung für acht Farb- oder acht Schwarz-und-Weiß-Fotos kostet bei Polaroid knapp 16 Euro – also zwei Euro pro Foto. Das schafft wieder ein ganz neues Bewusstsein fürs Fotografieren. Und dafür feiere ich die Polaroid-Kamera.

Back to the roots

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Mit einer Sofortbildkamera überlegst Du genau, wann Du den Auslöser drückst.

Plötzlich fängt man nämlich wieder an, sich Gedanken um Dinge wie den Bildaufbau, die optimale Perspektive und Belichtung zu machen, statt einfach draufzuhalten, wie es mit dem Smartphone üblich ist. Mit der Polaroid OneStep+ nach dem Trial-and-Error-Prinzip zu fotografieren, kann ganz schön teuer werden. Ich denke keineswegs, dass die Sofortbildkamera eine Alternative zum Smartphone ist – aber eine sinnvolle Ergänzung, mit der man viel über Fotografie lernen und sich auf ihren Ursprung zurückbesinnen kann.

Die schlechte Bildqualität hat Charme

Qualitativ können Polaroid-Fotos natürlich nicht mit den Digitalfotos eines Smartphones, geschweige denn einer hochwertigen Kamera mithalten. Selbst Einsteiger-Smartphones knipsen schärfere Bilder mit satteren Farben. Polaroid-Fotos wirken immer etwas verwaschen, haben Bildfehler und geben Farben nicht wirklich realitätsgetreu wieder. Und dennoch haben die Bilder ihren ganz eigenen Charme. Alles, was Du mit der OneStep+ fotografierst, hat einen speziellen Vintage-Look und wirkt wie aus den 80ern. Dass es viele Fotofilter – zum Beispiel bei Instagram – gibt, die einen ähnlichen Look erzielen sollen, belegt nur, dass er noch immer gefragt ist.

Fazit: Nicht nur für Retro-Fans interessant

Leute, die ihr pastellfarbenes Singlespeed-Rennrad in ihre Wohnung mit den Vintage-Möbeln hängen, werden die Polaroid OneStep+ wie jedes andere Polaroid-Modell aufgrund seines Retro-Charmes feiern. Zu diesen Leuten zähle ich mich nicht. Dennoch hatte ich auf der IFA 2018 meinen Spaß mit der neuen Sofortbildkamera. Für jemanden, der zwar mit analogen Kleinbildkameras aufgewachsen ist, heutzutage aber ausschließlich digital fotografiert, ist es wirklich etwas Besonderes, nach dem Drücken des Auslösers etwas Greifbares in der Hand zu haben.

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Die Polaroid OneStep+ kostet 160 Euro.

Mit jedem LED-Lämpchen, das ausging, weil ein weiteres Foto geknipst wurde, wurde ich penibler bei der Motivauswahl. So viele Chancen auf den perfekten Schuss wie beim Smartphone hat man schließlich nicht. Die digitalen Funktionen, die kreative Spielereien wie Doppelbelichtung oder Lichtmalerei ermöglichen, lassen Dich noch mehr über kreative Fotografie lernen. Und wenn Du die Fotos anschließend doch in sozialen Medien teilen willst, statt sie an den Kühlschrank zu hängen, kannst Du sie mit der Polaroid-App einfach einscannen.

Wer sich für die Polaroid OneStep+ interessiert, sollte sich aber bewusst machen, dass die Kamera mit einem Preis von knapp 160 Euro nicht das Teure ist – die Filme für je 16 Euro sind es, die auf Dauer ins Geld gehen. Eine Alternative könnte eine Hybridkamera wie die Fujifilm Instax Square SQ10 sein, mit der Du nur die Fotos auf Film verewigst, die Dir gefallen.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Retro-Design mit Regenbogen - Teure Filme
+ Einfach in der Bedienung - Nicht in jeder Situation einsetzbar
+ Sinnvolle Ergänzung durch App - Richtige Belichtung ist tricky
+ Neuer Blick auf die Fotografie

 

Polaroid OneStep+
Polaroid OneStep+
  • Datenblatt
  • Hardware und Software
  • Gerätetyp
    Analoge Sofortbildkamera
  • Abmessungen
    150 x 111 x 97 Millimeter
  • Gewicht
    493 Gramm (ohne Film)
  • Farben
    Schwarz
  • Lieferumfang
    Polaroid OneStep+, Trageschlaufe, USB-Kabel
  • Preis (UVP)
    159,99 Euro
  • Brennweite
    103 Millimeter (Standardlinse), 89 Millimeter (Porträtlinse)
  • Kompatibler Film
    Polaroid Originals 600 & i-Type Film
  • Verschluss
    Eigendesign mit Präzisions-Schrittmotor
  • Anschlüsse
    Micro-USB
  • Konnektivität
    Bluetooth LE
  • Akkulaufzeit
    Rund 160 Bilder (mit LCD an)
  • Besondere Merkmale
    Polaroid Originals Smartphone-App zur Fernsteuerung und für weitere Funktionen wie Doppelbelichtung, neue Porträtlinse zusätzlich zur Standardlinse für Nahaufnahmen aus Entfernungen ab 30 Zentimetern
Turn-On Score:
3,9
  • Akkuleistung
    5,0
  • Design
    4,0
  • Handling
    3,0
  • Preis-Leistung
    3,5
  • Hardware
    3,0
  • Ausstattung
    4,0
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