Test

Amazon Chime ausprobiert: Es zwickt an allen Ecken und Enden

Amazon Chime will Videokonferenzen so einfach wie nie machen.
Amazon Chime will Videokonferenzen so einfach wie nie machen. (©YouTube/ Amazon Web Services 2017)

Mit Chime bietet Amazon einen neuen Messenger für Videotelefonate und -Konferenzen an, der mit seiner Einfachheit überzeugen soll. In unserem Kurz-Test offenbarte das Tool leider in kurzer Zeit sehr viele schwerwiegende Probleme.

Nachdem Amazon zuletzt mit Produkten wie Echo oder Amazon Music vor allem im Entertainment-Bereich von sich reden machte, scheint sich der Konzern nun ein weiteres Geschäftsfeld zu suchen. Mit Amazon Chime bietet das Unternehmen erstmals eine App an, die vor allem für Videotelefonie und Videokonferenzen konzipiert wurde. Damit wagt sich der Versandriese in einen Bereich, der in den letzten Jahren vor allem von Microsoft mit Skype beackert wurde: Business und Kommunikation.

Nach eigenen Angaben soll Chime das Erstellen und Führen von Videokonferenzen so einfach wie noch nie machen. Das hat uns natürlich interessiert, weshalb wir uns die neue App für einen Kurz-Test näher angeschaut haben.

Anmeldung über Amazon-Konto

Die Anmeldung für Privatpersonen funktioniert über einen Amazon-Nutzer-Account und die damit verbundene E-Mail-Adresse. Ein eigens für Chime eingerichtetes Mail-Konto gibt es erst in der kostenpflichtigen Plus-Version, die 2,50 US-Dollar im Monat kosten soll.

Schicker und übersichtlicher Messenger

Aktuell bietet Amazon seinen Messenger nur in englischer Sprache an. Das Programm steht zum Download für iOS, Android, MacOS und Windows auf einer Website des Anbieters bereit. Nach der Installation zeigt sich auf allen Endgeräten ein beinahe identisches Interface, das zudem sehr übersichtlich gestaltet ist. Es besteht aus den Reitern "Home", "Message", "Call", "Rooms", "Meetings" und der Schaltfläche "Add Contact". Zusätzlich gibt es noch ein Feld zur In-App-Suche und das war es schon. Schön ist, dass alles seinen Platz hat und sich Funktionen genau dort finden, wo man sie logischerweise erwarten würde.

Die Funktionsweise von Chime erklärt sich aus dieser Gliederung praktisch von selbst. Über den Reiter "Message" versenden wir Textnachrichten, Dokumente, Bilder oder Links. Hier funktioniert alles so, wie man es aus anderen Standard-Messengern gewohnt ist. Im Vergleich zu Skype wirkt das Chat-Interface aufgeräumter und insgesamt erwachsener, allerdings kann sich das bei vielen Teilnehmern in einem Chatroom natürlich schnell ändern. Wirklich überprüfen konnten wir das noch nicht. Wie erwähnt: Chime ist brandneu und noch gar nicht in einer deutschen Version verfügbar.

Noch viele Bugs und Ungereimtheiten

Leider zeigt sich diese Neuheit auch am Programm selbst, das offenbar noch mit vielen Fehlern und Ungereimtheiten zu kämpfen hat. So konnte ich zum Beispiel erst sehen, dass mein Kollege Andreas mich geaddet hatte, nachdem dieser mir zusätzlich eine Nachricht schickte. Zuvor bekam ich von Chime keinerlei Info, dass er mich in seine Kontaktliste aufgenommen hatte.

 Der Messenger ist insgesamt hübsch, hat jedoch noch einige Probleme. fullscreen
Der Messenger ist insgesamt hübsch, hat jedoch noch einige Probleme. (©Screenshot Amazon/ TURN ON 2017)

Auch beim Textchat zeigten sich noch einige Ungereimtheiten. So scheint es im Programm selbst bislang keine Emoji-Tastatur zu geben. Trotzdem werden Emojis im Chatverlauf angezeigt, wenn die entsprechenden Tastenkombinationen eingetippt oder wenn diese über die Standard-Smartphone-Tastatur eingegeben werden. Allerdings wirkte die Darstellung im Test sehr inkonsistent, sowohl was den Unterschied zwischen Mobil- und Desktop-Geräten anging, als auch in Bezug auf Darstellung an ein und demselben Gerät. So wurden einige Smileys am PC farblich dargestellt, während andere nur als Schwarz-Weiß-Grafiken zu sehen waren.

Video-Chats werden zum Glücksspiel

Noch schlimmer waren allerdings die Probleme bei den Videochats, die uns beim Testen untergekommen sind. So war es uns nicht möglich, einen Anruf am PC zu initiieren und diesem am Smartphone entgegenzunehmen. Umgekehrt funktionierte es hingegen problemlos. Auch der Video-Chat schien in der Android-App gar nicht zu funktionieren. Statt des Bildes unseres Gesprächspartners hörten wir hier nur die Stimme und konnten somit zwar einen Voice-Chat, aber keinen Video-Chat führen. Das Problem trat beim Ausprobieren mit mehreren Smartphones auf und ließ sich in unserem Test nicht beheben.

Immerhin klappte das Video-Chat-Feature aber problemlos von PC zu PC. Somit scheinen sich die Probleme derzeit auf Verbindungen zwischen den einzelnen Plattformen zu konzentrieren. Denn das Chatten zwischen Smartphone und PC wollte uns einfach nicht so richtig gelingen.

 Videokonferenzen wollten uns nur von PC zu PC gelingen. fullscreen
Videokonferenzen wollten uns nur von PC zu PC gelingen. (©Screenshot Amazon/ TURN ON 2017)

Da wir Amazon Chime natürlich nur auf wenigen Endgeräten getestet haben, ist es gut möglich, dass sich die Probleme auf anderen Endgeräten nicht zu 100 Prozent reproduzieren lassen. Doch selbst, wenn das der Fall sein sollte, finden wir es beängstigend, auf wie viele Probleme wir in sehr kurzer Zeit gestoßen sind.

Fazit: Simples Programm, das leider noch nicht fertig ist

Unser Fazit zu Amazon Chime fällt nach einem ersten kurzen Test leider nicht besonders positiv aus. Der Anbieter verspricht, Videochats und -Konferenzen mit seiner Software besonders einfach zu machen und zeigt mit seinem schlanken und übersichtlichen Interface auch, dass das Potenzial dazu auf jeden Fall vorhanden wäre. Leider verhindern zu viele Bugs und Probleme derzeit, dass das Programm wie gewünscht funktioniert. Es zwickt einfach noch an zu vielen Stellen und Amazon sollte hier dringend nachbessern, wenn Chime tatsächlich zu einer Alternative zu Skype werden soll. Wer weiß, vielleicht kann Amazon bis zum offiziellen Deutschlandstart der Software ja die gröbsten Fehler beheben.

Aktuell gibt es für Videotelefonie eine ganze Reihe an Alternativen. Neben Skype tummeln sich dort auch Google Hangouts oder Viber und selbst viele klassische Messenger haben mittlerweile ein Feature zur Videotelefonie.

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