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Android 7.0 im Test: Nougat schmeckt besser

Android 7.0 hat den Beinamen Nougat. Aber schmeckt es auch?
Android 7.0 hat den Beinamen Nougat. Aber schmeckt es auch? (©TURN ON 2016)

Die Nougat-Saison ist angebrochen – zumindest auf Smartphones und Tablets. Wir haben uns das neue Android 7.0 Nougat im Test angeschaut und uns der Frage gewidmet, wie viel besser denn Nougat nun im Vergleich zu Marshmallow schmeckt.

Da ist es also: Nach monatelangen Betatests hat Google am Dienstag endlich die finale Version von Android 7.0 Nougat veröffentlicht. Ich selbst konnte das fertige Betriebssystem direkt auf mein Nexus 5X herunterladen – und dann natürlich ausprobieren. Macht Android 7 alles besser als Android 6? Macht es überhaupt so viel anders? Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial? In unserem Test versuchen wir, all diese Fragen zu klären.

Android 6.1?

Auf den ersten Blick wirkt Android 7 überhaupt nicht anders als Android 6. Die recht schicke und übersichtliche Benutzeroberfläche hat Google nämlich beinahe unverändert belassen. Die wenigen optischen Änderungen, die es tatsächlich gibt, sind zudem so dezent, dass sie erst auf den zweiten oder dritten Blick auffallen. Sie betreffen unter anderem die Benachrichtigungen im Benachrichtigungscenter. Wischt man vom oberen Displayrand herunter, erscheinen die Karten nun etwas überarbeitet. Auch die Schnelleinstellungen wurden leicht überarbeitet. Allerdings bewegen sich alle optischen Anpassungen immer noch im Rahmen des gewohnten Material-Designs. So gesehen wirkt Android 7 auf den ersten Blick eher wie ein Android 6.1.

Optimierung an allen Ecken und Enden

Schaut man sich jedoch an, was die Google-Entwickler im Vergleich zu Android 6 im Detail geändert haben, fällt schnell auf, dass an nahezu allen Ecken und Enden optimiert wurde. Das beginnt schon in der App "Einstellungen", die für mich zu den wichtigsten Applikationen überhaupt auf einem Smartphone gehört. Je nachdem, wie übersichtlich oder kompliziert diese gestaltet ist, lassen sich schließlich die einzelnen Funktionen des Gerätes an-und ausschalten, überwachen oder überhaupt erst finden.

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Das Einstellungsmenü bietet auf den ersten Blick mehr Infos. (©Screenshot Google/ TURN ON 2016)

Tatsächlich tut das Android 7.0-Update einiges um die Übersichtlichkeit und Bedienbarkeit der Smartphone-Einstellungen zu verbessern. Schon auf der Startseite der "Einstellungen" werden jetzt hinter jedem einzelnen Unterpunkt die wichtigsten Informationen direkt angezeigt. Wer wissen möchte, wie viele Apps gerade installiert sind, sieht die Zahl direkt hier und muss nicht erst ins Untermenü wechseln. Gleiches gilt für Ladestand des Akkus, die Speicherbelegung und viele andere Dinge. Das spart Zeit und bringt Übersicht.

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Das Hamburger-Menü beschleunigt die Navigation. (©Screenshot Google/ TURN ON 2016)

Neu ist auch das Hamburger-Menü, dass nun in jedem Unterpunkt der "Einstellungen"-App zu finden ist. Einmal geöffnet, gelangt man von hier aus zu jeder anderen Unterkategorie der App, ohne dass man dafür wieder zum Startbildschirm zurück muss. Zugegeben, das sind kleine Änderungen, aber sie sind sinnvoll.

Schnell individualisierbar

Ganz besonders praktisch wird es allerdings, wenn man die "Einstellungen"-App gar nicht erst braucht, um bestimmte Funktionen am Smartphone an- beziehungsweise abzuschalten. Das Menü für die Schnelleinstellungen, das sich beim Wischen vom oberen Bildschirmrand öffnet, ist nicht neu, aber es ist in Android 7.0 besser als je zuvor. Schon der erste Wisch zeigt nun nämlich bis zu fünf Symbole, über die User auf ihre fünf wichtigsten Funktionen zugreifen können.

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Welche das sind? Das entscheidet jeder Nutzer für sich selbst, denn wie ein zweites Wischen offenbart, verfügen die Schnelleinstellungen nun über einen Button zum "Bearbeiten". Mit diesem lassen sich sämtliche wichtigen Funktionen auswählen, die in den Schnelleinstellungen verfügbar sein sollen. Wer es eher übersichtlich mag und gar nicht so viel an seinem Gerät herumbastelt, kann hier das Meiste abschalten. Die Reihenfolge legt übrigens fest, welche fünf Einstellungen am Ende ganz oben stehen.

Ein Update für Benachrichtigungen

Direkt unterhalb der Schnelleinstellungen befinden sich normalerweise die neuesten Benachrichtigungen. Das ändert sich auch mit Android 7.0 nicht. Neu ist aber, dass sich Nachrichten wie Mails oder WhatsApp-Posts hier direkt beantworten lassen, ohne dass dafür erst die App gestartet werden muss. Wie das funktioniert? Nun einfach über den "Antworten"-Button, der unter den Nachrichten auftaucht. Fast exakt die gleiche Funktion bietet iOS übrigens seit der Version 9.1 von Oktober 2015.

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Antworten auf Nachrichten lassen sich nun direkt vom Homescreen aus verschicken. (©Screenshot Google/ TURN ON 2016)

Neu ist auch, dass Notifications nun automatisch nach Apps sortiert werden. Wer beispielsweise fünf WhatsApp-Mitteilungen, zwei E-Mails und drei Facebook-Notifications wild durcheinander erhält, bekommt diese am Ende trotzdem sortiert angezeigt und kann sie App für App abarbeiten. Gerade für Smartphone-User, die förmlich mit Notifications überflutet werden, kann das eine sinnvolle Hilfestellung sein.

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Notifications werden automatisch nach App sortiert. (©Screenshot Google/ TURN ON 2016)

Multitasking: Arbeiten als (Semi)-Profi

Ein großes Thema ist bei Android 7.0 auch das Thema Multitasking. Nachdem Google seit dem letzten Jahr mit dem Pixel C ein Tablet anbietet, das als Laptop-Ersatz vermarktet wird, gibt es nun mit Android 7.0 Nougat endlich auch ein Betriebssystem, das dem Gerät eher gerecht wird als frühere Android-Versionen. Genau wie in Windows 10 oder iOS auf dem iPad lassen sich nun endlich zwei Apps in einer Splitscreen-Ansicht auf dem Screen darstellen. Auf dem Smartphone macht das wenig Sinn, auf dem Tablet ist es aber ein tolles Feature. Loben sollte man Google an dieser Stelle allerdings nicht, denn Hersteller wie Samsung oder LG bauen eine derartige Funktion schon seit Jahren in ihre Android-Versionen ein.

Richtig praktisch ist jedoch eine weitere Multitasking-Funktion. Tippt man unter Android 7.0 nämlich doppelt auf den viereckigen Taskmanager-Button, schaltet dieser automatisch in einem Sekundenbruchteil auf die zuletzt verwendete App um. Das Hin- und Herwechseln zwischen zwei Applikationen gestaltet sich damit so angenehm wie nie. Allein in den ersten drei Tagen mit Nougat habe ich diese Funktion bei jeder sich bietenden Gelegenheit genutzt. Insgesamt lässt sich mit Android 7.0 schon etwas professioneller Arbeiten als mit den Vorgängerversionen. Wer allerdings ein richtiges Profi-Tablet sucht, sollte sich auch weiterhin im Windows-Segment umschauen.

Fazit: Optimierung auf hohem Niveau

Insgesamt bietet Android 7.0 natürlich noch viel mehr Neuerungen und Features, wie unsere Topliste zeigt. Vor allem der verbesserte Doze-Modus, der noch mehr Laufzeit aus den Akkus herauskitzelt, soll allerdings noch einmal erwähnt werden. Dieser muss nirgends aktiviert oder konfiguriert werden, sondern funktioniert einfach so – und das ist gut so.

Doch wie schmeckt Nougat denn nun eigentlich? Festzuhalten bleibt, dass sich Google mit dem 7.0-Update vor allem auf die Optimierung eines schon weitgehend optimalen Betriebssystems konzentriert. An allen Ecken und Enden finden wir Verbesserungen der bestehenden Funktionen und die wirken fast immer auch gut durchdacht und umgesetzt. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass niemand große Veränderungen erwarten sollte. Da Google seine System-Apps darüber hinaus ohnehin separat aktualisiert – und das permanent, sind auch an dieser Stelle nicht so viele Veränderungen zu erwarten, wie sie vielleicht ein neues iOS-Update mit sich bringt. Nougat schmeckt also eindeutig besser als Marshmallow, allerdings sind die Unterschiede in Software-Form nicht so krass wie in der Realität.

Wer sein Smartphone oder Tablet auf Android 7.0 aktualisiert, wird im Idealfall also feststellen, dass alles funktioniert wie immer – nur etwas besser. Schade ist nur, dass nun wieder das große Warten und Rätselraten losgeht, wann denn welches Gerät sein Update auf Android 7.0 erhält. Hier bleibt uns leider nichts weiter übrig, als den Druck auf Hersteller und Mobilfunkbetreiber aufrecht zu erhalten, damit diese ihre Update-Prozesse noch schneller gestalten. Denn eines steht fest: Android 7.0 Nougat lohnt sich.

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