Meinung

App des Monats: Just a Line macht Augmented Reality massentauglich

Das AR-Experiment Just a Line ist unsere App des Monats.
Das AR-Experiment Just a Line ist unsere App des Monats. (©TURN ON 2018)

Malen hat mir schon immer Spaß gemacht. Aber ehrlich gesagt nehme ich heutzutage kaum noch Zettel und Stift in die Hand. Für den Test der AR-App Just a Line hat sich das nicht geändert, aber ich wurde mal wieder kreativ – nur eben auf dem Smartphone statt auf dem Papier.

Kaum eine Smartphone-Vorstellung kommt heute noch ohne die Begriffe "Künstliche Intelligenz" oder "Augmented Reality" aus. Apple hat mit iOS 11 das ARKit eingeführt, das die Entwicklung von AR-Apps vorantreiben soll, und Huawei verbaut gar einen Chip mit KI in seinen Smartphone-Flaggschiffen. Doch was merkt man davon eigentlich im Alltag? Obwohl es diese Technologien gibt, sind Augmented-Reality-Apps und Künstliche Intelligenzen noch immer etwas Besonderes und nicht allgegenwärtig. So nette kleine Experimente wie Just a Line könnten das jedoch Stück für Stück ändern.

Meine Voraussetzungen für den Test

Wie mein Kollege Alex, der die letzte App des Monats Focos vorgestellt hat, nutze ich mein Smartphone sehr gerne zum Fotografieren. Allerdings kann ich auf das nachträgliche Verschönern mit Stickern, Emojis oder sonstigen Spielereien, wie sie Instagram, WhatsApp und Co. bieten, gut und gerne verzichten. Ob ich mich also mit einer AR-App anfreunden kann? Von Just a Line hatte ich noch nie gehört und wusste nicht, was mich erwartet.

Voraussetzungen
Um Just a Line nutzen zu können, brauchst Du ein Smartphone mit Android 7.0 oder höher und Unterstützung für Googles ARCore.

Als Testerin habe ich mich einfach und allein durch die Tatsache qualifiziert, dass ich ein Galaxy S7 besitze. Die App ist nämlich nur mit bestimmten Geräten kompatibel, Voraussetzung ist Android 7.0 oder höher sowie eine Unterstützung von Googles AR-Plattform ARCore. Ob Dein Smartphone dazugehört, kannst Du in der Liste auf dieser Übersichtsseite nachsehen.

Was ist Just a Line eigentlich?

Von meinen Kollegen habe ich erfahren, dass Just a Line eine Google-App ist, mit der man einfache Zeichnungen (Linien) auf dem Smartphone-Display anfertigen kann. Das Besondere ist jedoch, dass diese Zeichnungen in ein Augmented-Reality-Abbild der Umgebung eingebettet werden. Bewegt man das Smartphone, bewegen sich auch die Linien. Das kann man filmen und in sozialen Netzwerken teilen. Das war's.

Wie? Mehr bietet die App nicht?

Dementsprechend fiel der erste Eindruck von der Anwendung auch aus. Kennst Du das, wenn Du eine neue App installierst und sie Dich beim ersten Öffnen quasi erschlägt mit Funktionen, Menüs und Untermenüs? Das hast Du bei Just a Line nicht. Wenn Du die Anwendung startest, siehst Du lediglich eine Live-Ansicht Deiner Rückkamera und einige wenige Icons im Bild. Einen pulsierenden Punkt in der Mitte, der Dich zum Loszeichnen auffordert, einen Record-Button an der rechten Seite sowie drei Punkte für das "Menü" oben links. Das Menü steht hier in Anführungszeichen, weil es lediglich einen Punkt zum Teilen der App und eine kurze App-Info anbietet.

Was kann ich mit Just a Line machen?

Ein Tipp auf den Punkt unten rechts lässt Dich die Strichstärke auswählen, mit der Du Deine Umgebung verschönerst. Verschiedene Farben oder Stricharten gibt es nicht. Hast Du den ersten Strich gezogen, erscheinen noch ein Rückgängig-Pfeil zum Entfernen des letzten Strichs sowie ein Symbol, das Dich Deine gesamte Zeichnung löschen lässt. Sobald ein Video aufgenommen wurde, spielt dieses automatisch ab. Du hast nun die Möglichkeit, das Video zu verwerfen, zu speichern oder zu teilen. Für Letzteres empfiehlt Google, den Hashtag #justaline zu verwenden.

Die ersten Schritte in der Augmented Reality

So, aber was zeichnet man denn nun in der AR-Umgebung? Mein erster Impuls war es erst einmal, in die Luft zu krakeln, um zu sehen, wie sich die Linien verhalten, wenn man das Smartphone bewegt. Kreativ sein kann man schließlich auch später noch. Das Ergebnis ist auch so faszinierend. Die gezeichneten Linien bleiben an Ort und Stelle und ich kann sie aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Wenn ich seitlich um sie herumgehe, werden sie platt – klar, ich habe ja nur zweidimensional in die 3D-Umgebung gemalt. Ein Video von meinem Gekrakel teilen möchte ich dann aber lieber doch noch nicht.

Die eigentliche Leistung: Kreativ werden mit der App

Schnell wird mir klar: Da Just a Line so einfach gehalten ist, besteht die eigentliche Leistung darin, eine coole Idee für einen kurzen AR-Clip zu entwickeln. Also schnell ein paar Ideen geholt. Die gibt es zum Beispiel in dem kurzen Video, das Google zum Launch der App veröffentlichte. Oder auf der Google-Webseite AR Experiments, die eine Auswahl an coolen Just-a-Line- und anderen AR-Clips sammelt. Oder einfach bei Instagram und Twitter unter dem entsprechenden Hashtag. Das ist schließlich bei meinen ersten Versuchen herausgekommen:

Was ich im Test auch feststellen musste: Eine kreative Idee ist eine Sache, aber die Umsetzung wieder eine ganz andere. Gerade wenn man eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie das Video später aussehen soll, klappt das nicht immer – und schon gar nicht auf Anhieb. Schwierigkeiten bereiteten mir im Test zum Beispiel bewegliche Motive. Wollte ich etwas aufs Wasser der Elbe zeichnen, blieb die Linie nicht mehr an Ort und Stelle, sondern bewegte sich mit der Strömung mit. Doch auch das kann man sich natürlich zunutze machen und ganz andere Effekte erzielen. Wahrscheinlich macht es mit Just a Line daher die Mischung: Zum einen kreative Ideen suchen und umsetzen, zum anderen auch einfach mal drauflos kritzeln und filmen, wenn es die Situation hergibt.

Und was habe ich nun davon? Mein Testfazit

Zugegeben: Als ich gehört habe, dass es um eine Aumented-Reality-App geht, habe ich etwas viel Komplexeres erwartet, als ich bei Just a Line vorfand. Die App ist, wie Google im Play Store beschreibt, ein AR-Experiment. Aber vielleicht ist es genau das, was der Smartphone-Nutzer von heute braucht, um einen Einblick in die Technologie dahinter zu bekommen. Wo hat man im Alltag sonst schon Berührungspunkte mit Augmented Reality?

Just a Line lässt Dich das Basisprinzip auf ganz einfache und spielerische Weise selbst erleben. Damit wirst Du keine weltbewegenden Kunstwerke erschaffen und Dich vermutlich auch nicht wochenlang beschäftigen. Aber vielleicht findest Du ja Gefallen an der Spielerei und magst künftig noch tiefer in das Thema einsteigen. Denn es gibt natürlich noch umfangreichere AR- und VR-Apps mit mehr Funktionen, selbst Google hat mit Tilt Brush bereits eine. Allerdings ist bei vielen die Einstiegshürde größer, was Just a Line in meinen Augen umso mehr als AR-App für jedermann qualifiziert. Wenn es denn auf jedem Smartphone laufen würde ...

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ super-leichter Einstieg in die Augmented Reality - sehr begrenzter Funktionsumfang
+ kurzweilige Spielerei - Speicherort für Videos lässt sich nicht verändern
+ öffnet den Blick für Potenzial der Technik - nicht mit allen Smartphones kompatibel

 

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