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App des Monats: Warum SmartLens derzeit das schlauere Google Lens ist

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smart-lens (©SmartLens 2018)

Einfach die Smartphone-Kamera auf ein Objekt richten und eine intelligente Software verrät, um was es sich handelt – mit der iPhone-App SmartLens ist genau das möglich. Wie gut die Newcomer-App tatsächlich ist, und wie sie im Vergleich mit Google Lens abschneidet, klären wir in unserem Test.

Künstliche Intelligenz ist weiter auf dem Vormarsch und wird demnächst fester Bestandteilen der meisten Smartphones sein. Ihre Stärke kann die KI vor allem im Bereich der Fotografie ausspielen, insbesondere was das Erkennen von Objekten anbelangt. Der derzeit bekannteste Vorreiter auf diesem Gebiet ist Google Lens.

Das Prinzip ist simpel: Durch raffinierte Algorithmen und maschinelles Lernen werden Bilder erfasst und analysiert, im Idealfall landet die Software einen Treffer und blendet weiterführende Informationen zum erkannten Element ein. So kannst Du etwa bekannte Bauwerke sowie Pflanzen und Tiere erfassen, aber auch die Infos von Flyern und Visitenkarten leicht herauslesen.

SmartLens kann vier Wochen kostenlos getestet werden

Google Lens gibt es zwar auch hierzulande für Android-Smartphones und iPhones, allerdings muss dafür die Gerätesprache auf Englisch umgestellt werden. SmartLens, exklusiv verfügbar fürs iPhone, macht es Dir etwas einfacher: Die App kannst Du kostenlos aus dem App Store herunterladen. Das Programm selbst gibt es aber ebenso nur auf Englisch. Außerdem ist die kostenlose Nutzung auf 30 Tage beschränkt, danach fallen monatlich knapp 2 Euro oder jährlich rund 10 Euro Gebühren an.

Über SmartLens
Die Geschichte hinter SmartLens ist beeindruckend: Die App stammt nicht von führenden Technologie-Unternehmen wie Amazon, Google oder Apple, sondern laut TechCrunch von Michael Royzen – ein junger US-Amerikaner, der noch die Highschool besucht. Die Anwendung programmierte er in seiner Freizeit. Mittlerweile kann SmartLens mehr als 17.000 unterschiedliche Objekte identifizieren, noch dazu funktioniert sie auch ohne ständigen Zugang zum Internet.

Nach der Installation präsentiert sich SmartLens auf dem iPhone in schlichter und zweckmäßiger Optik, wodurch sie auch für Anfänger leicht zu bedienen ist. Schließlich musst Du nach dem Start nur noch die Kamera auf das gewünschte Objekt richten, damit SmartLens Dir idealerweise korrekt verrät, was es erkannt hat. Das klappte in unserem Test ganz ordentlich, mit Ausreißern nach unten.

SmartLens erkennt Objekte wie Kopfhörer.... fullscreen
SmartLens erkennt Objekte wie Kopfhörer.... (©Screenshot TURN ON 2018)
...oder auch Bauwerke wie die Elbphilharmonie... fullscreen
...oder auch Bauwerke wie die Elbphilharmonie... (©Screenshot TURN ON 2018)
...versagte aber etwa beim Columbus Haus, das von Google Lens wiederum erkannt wurde. fullscreen
...versagte aber etwa beim Columbus Haus, das von Google Lens wiederum erkannt wurde. (©Screenshot TURN ON 2018)
Zu jedem Objekt bietet die App weiterführende Infos und Shopping-Links. fullscreen
Zu jedem Objekt bietet die App weiterführende Infos und Shopping-Links. (©Screenshot TURN ON 2018)

Solide Erkennung mit Schwächen

So wurde meine Wasserflasche zwar immer mal wieder als genau diese identifiziert, mitunter wurde aus ihr aber auch schon mal Whisky, im schlechtesten Fall Toilettenwasser. Schnell merke ich: Künstliche Intelligenz steckt doch noch in den Kinderschuhen. Aus der Mülltüte wurde etwa eine Duschhaube. Dennoch: Im Großen und Ganzen ist SmartLens, insbesondere wenn man berücksichtigt, in welch frühem Stadium sich die App noch befindet, recht brauchbar – und sogar in gewissen Disziplinen deutlich besser als Google Lens.

Der Vergleich mit Google Lens

Denn: Der Fokus von Google Lens liegt derzeit noch auf dem Erkennen von berühmten Bauwerken, Gemälden sowie Spielen, CDs, Büchern und mehr. Möchtest Du eine Visitenkarte digitalisieren und die Daten übernehmen, ist Google Lens das richtige Tool für Dich. Doch schon wenn es um die Erkennung eines Fahrrads geht, verweigert die Google-App ihren Dienst. Noch dazu ist die Bedienung derzeit äußerst umständlich: So gelingt die Aktivierung derzeit meist noch über Google Fotos und nur bei Bildern, die bereits gespeichert wurden.

Mit diesem Schnurlos-Telefon kann Google Lens nicht wirklich etwas anfangen. fullscreen
Mit diesem Schnurlos-Telefon kann Google Lens nicht wirklich etwas anfangen. (©Screenshot TURN ON 2018)
Die Elbphilharmonie wurde ebenso nicht erkannt. fullscreen
Die Elbphilharmonie wurde ebenso nicht erkannt. (©Screenshot TURN ON 2018)
Dafür immerhin das Columbus Haus – aber da stand der Name schließlich schon auf dem Gebäude. fullscreen
Dafür immerhin das Columbus Haus – aber da stand der Name schließlich schon auf dem Gebäude. (©Screenshot TURN ON 2018)

Ganz anders SmartLens: Hier kannst Du in Echtzeit ein Objekt fokussieren und die Anwendung erkennt es innerhalb kürzester Zeit. Den Auslöser musst Du dafür nicht betätigen. Ohnehin beschränkt sich SmartLens aufs Wesentliche: So kannst Du gerade einmal eine einzige Einstellung vornehmen, und zwar die Aktivierung des haptischen Feedbacks, wenn die App ein Objekt erkannt hat. Da SmartLens aber gerne innerhalb weniger Sekunden drei oder mehr unterschiedliche Ergebnisse für ein und dasselbe Objekt ausspuckt, kann es durchaus in kurzer Frequenz vibrieren.

Gute Ansätze, viel Potenzial und derzeit die beste Wahl

Hat SmartLens eine Sache erkannt, hat die App auch weiterführende Informationen parat, die sich aber auf einen Wikipedia-Ausschnitt und einen Link zu Google beschränken. Nicht zu vergessen: Diverse Angebote zu Shops, in denen Du das gescannte Objekt oder ein vergleichbares Produkt gleich kaufen kannst. Die Werbe-Links dürften auch Bestandteil der kostenpflichtigen Variante sein, weswegen das Geschäftsmodell ein wenig fraglich ist.

Dennoch: SmartLens ist auf dem richtigen Weg. Die App ist zwar alles andere als perfekt, doch der Ansatz ist stimmig. Im Test funktionierte die App ziemlich gut, erkannte viele Objekte, leistete sich aber naturgemäß auch Schwächen. Doch mit künftigen Updates dürfte die Anwendung immer besser und präziser werden und die Bibliothek hinterlegter Objekte stetig wachsen. SmartLens hat unheimlich viel Potenzial und demonstriert eindrucksvoll, wie künstliche Intelligenz unseren Alltag ein Stück weit bereichern kann. Klar ist aber auch: Die Global Player werden sich diesen wichtigen Zukunftsmarkt nicht wegnehmen lassen und eher früher als später zurückschlagen. Bis dahin gehört die Bühne SmartLens.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
Einfache Bedienung Testphase verlängert sich in kostenpflichtiges Abo, wenn nicht gekündigt wird
Solide Erkennung von Objekten Derzeit nur auf Englisch
Kein Internetzwang Weiterführende Infos beschränken sich auf Wikipedia, Google und Werbelinks

 

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