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Bose Frames im Test: Guter Sound, den man sehen kann

Die Bose Frames wollen Sonnenbrille, Kopfhörer und Augmented-Reality-Device in einem sein. Ob dieses spannende Experiment aufgehen kann, erfährst Du im Test.

Kaum ein Audio-Hersteller hat sich in den letzten Jahren mehr getraut als Bose. Standen die Amerikaner früher hauptsächlich für stylische Kompaktanlagen und hochwertige Kopfhörer, so positioniert sich das Unternehmen mit jüngeren Produkten wie den Sleep Buds und dem Soundwear Companion viel stärker als Innovator. Doch selten hat sich das Unternehmen so stark aus der klassischen Audio-Schiene herausgewagt, wie mit seinem neuesten Produkt: der Sonnenbrille Bose Frames.

Ja, ganz richtig: Bei der Bose Frames handelt es sich tatsächlich um eine Sonnenbrille, die auch als solche funktioniert. Doch natürlich steckt da noch mehr dahinter. Denn die Brille ist ausgestattet mit Lautsprechern, Mikrofonen und jeder Menge Sensoren. Aus technologischer Sicht haben wir es mit einem Open-Ear-Bluetooth-Headset zu tun, das zudem auch Augmented-Reality-Funktionen bieten soll.

Klingt kompliziert? Ist es auch! Tatsächlich haben wir es also mit einem ziemlich vielschichtigen und ambitionierten Produkt zu tun – deshalb möchte ich mich der Brille bei meinem Test Schritt für Schritt nähern.

Optik und Haptik versprühen kein Premium-Feeling

Nach dem Öffnen der Verpackung kommt zunächst ein ganz klassisches Brillen-Etui mit Bose-Logo zum Vorschein. Im Inneren steckt die Bose Frames, die auf den ersten Blick aussieht, wie eine ganz normale Kunststoff-Sonnenbrille mit ziemlich dickem Rahmen und noch dickeren Bügeln.

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Die Bose Frames werden in einem klassischen Etui geliefert.

Rein von Optik und Wertigkeit der Materialien hätte ich mir beim Namen Bose, und auch angesichts der UVP von 229 Euro, durchaus mehr erwartet. Der haptische Eindruck ähnelt eher dem einer typischen Takstellen-Sonnenbrille für 10 bis 20 Euro als einer Ray-Ban. Das mag jetzt hart klingen, ist aber gar nicht böse gemeint.

Angeboten wird die Bose Frames übrigens in zwei verschiedenen Formen. Die von uns getestete Version Alto ist dabei eher das Herren-Modell, während die meisten Damen sicherlich das runde Modell namens Rondo bevorzugen dürften. Die Kunststoffgläser lassen sich übrigens austauschen, wobei Bose selbst Wechselgläser in verschiedenen Farbtönen anbietet.

Besonders stylish wirken weder Alto noch Rondo. Rein auf ihre Funktion als Sonnenbrille beschränkt, kann ich die Bose Frames daher nur als zweckmäßig bezeichnen.

Die Bose Frames als Bluetooth-Headset

Wie schon angesprochen, sind vor allem die Bügel der Brille recht dick geraten. Das liegt natürlich daran, dass darin die gesamte Technik verbaut ist – allen voran die Lautsprecher. Gekoppelt wird die Brille mit dem Smartphone ganz einfach per Bluetooth-Schnittstelle. Ein längeres Drücken auf den goldenen Knopf am linken Bügel, versetzt die Frames in den Pairing-Modus, den Rest erledigst Du in den Bluetooth-Einstellungen von Android oder iOS.

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An der Unterseite der Bügel befinden sich Lautsprecher und Mikrofone.

Verbindungsschwierigkeiten oder -aussetzer konnte ich während meiner Tests mit verschiedenen Smartphones keine feststellen. Auch das erneute Koppeln der Brille aus dem Standby-Modus klappte jeweils nahtlos und innerhalb von zwei bis drei Sekunden. Wer möchte, kann die Kopplung auch direkt über die Bose-Connect-App durchführen, die es kostenlos im Play Store und App Store gibt. Für die reine Nutzung der Bose Frames als Kopfhörer ist diese jedoch nicht notwendig.

Klanglich sind die Frames richtig stark

Die erste Frage, die sich jetzt wohl jeder stellt: ja, wie klingt das denn? Und die Antwort: richtig gut!

Vom Klang der Bose Frames war ich ganz ehrlich überrascht. Musik klingt über die Brille sehr klar und differenziert und dabei selbst bei höheren Lautstärken erfreulich unaufdringlich. Da die Lautsprecher nicht direkt auf dem Ohr sitzen, nimmt man den Klang eher so war, als würde er direkt aus dem Raum kommen. Höhen, Mitten und Tiefen sind dabei klar und transparent zu hören.

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Die Brille liefert einen überraschend guten Sound auf die Ohren.

Der eigentliche Twist ist aber, dass man, weil es sich um ein offenes System handelt, seine Umgebung bei moderater oder mittlerer Lautstärke trotzdem noch hören und sich auch beim Musikhören mit anderen unterhalten kann.

Der einzige Punkt, bei denen man als Hörer leichte Abstriche machen muss, ist der Bass. Der wirkt nicht so druckvoll wie bei einem Over-Ear-Kopfhörer oder einem Bose-Bluetooth-Lautsprecher in der Nähe. Diese Schwäche teilen sich die Frames aber mit den meisten In-Ear-Kopfhörern.

Die Umgebung hört kaum etwas mit

Die zweite Frage, die sich natürlich stellt: Können andere dann alles mithören, was ich höre? Und die Antwort lautet hier: nicht unbedingt!

Bei moderaten und mittleren Lautstärken sind die Bose Frames selbst für Personen in der direkten Umgebung nicht oder nur in Form eines sehr leisen Rauschens hörbar. Erst wenn die Musik lauter gedreht wird, können auch Personen in der Umgebung mithören. Selbst dann wirkt die Brille aber längst nicht so störend, als würde jemand die Musik direkt über die Lautsprecher seines Smartphones abspielen. Wenn überhaupt, dann bekommt die Außenwelt nur sehr wenig von dem mit, was Du über die Bose Frames hörst.

Auch Telefonieren klappt überraschend gut

Da sie über eingebaute Mikrofone verfügen, eignen sich die Bose Frames übrigens auch zum Telefonieren. Das funktioniert sogar recht gut, denn im Falle eines eingehenden Anrufes reicht ein kurzes Drücken auf den Bedien-Button am rechten Bügel, um das Gespräch anzunehmen.

Allerdings solltest Du Dich in der Öffentlichkeit auf den ein oder anderen seltsamen Blick Deiner Mitmenschen einstellen. Denn ohne sichtbares Headset (wer verdächtigt schon eine Sonnenbrille?) sieht es für andere dann eher so aus, als würdest Du mit Dir selbst sprechen.

Eine Augmented-Reality-Brille ohne Display

Als ob eine Sonnenbrille, mit der man in der Öffentlichkeit fast unbemerkt Musik hören kann, nicht schon interessant genug wäre, hat Bose die Frames auch als Augmented-Reality-Plattform konzipiert. Allerdings gibt es dabei im Vergleich zur Microsoft Hololens oder zur Magic Leap One einen interessanten Twist.

Die Bose Frames verfügen nämlich über keinerlei integrierte Displays oder Kameras und können dementsprechend auch keine optischen Inhalte in das Blickfeld ihres Trägers projizieren. Sämtliche AR-Inhalte werden stattdessen akustisch transportiert.

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Die Kunstoff-Gläser der Frames haben kein unsichtbares Display integriert.

Praktisch setzt der Hersteller dieses Konzept über speziell dafür entwickelte Apps um, die auf dem gekoppelten Smartphone installiert werden müssen. Diese bieten dann beispielsweise ein 360-Grad-Klangerlebnis, bei dem die Brille über Positionssensoren ermittelt, aus welcher Richtung Musik oder Töne auf deine Ohren treffen, je nachdem in welche Richtung Du Dich drehst. Mit der App NaviGuide kannst Du dir sogar Navigationsdaten direkt akustisch ansagen lassen, ohne das Du dafür auf das Display Deines Handys schauen musst. Leider funktioniert dies aber bislang nur in englischer Sprache.

Überhaupt wirken die AR-Apps, die Bose über seine Connect-App auflistet, im Moment eher wie ein großer Betatest. Hinzu kommt, dass diese bislang nur für iOS veröffentlicht wurden und für Android noch in Entwicklung sind. Theoretisch können Entwickler über ein frei verfügbares Entwicklerkit jedoch eigene AR-Anwendungen für die Bose Frames entwickeln und dabei die zahlreichen Sensoren der Brille für verschiedenste akustische Erlebnisse nutzen.

Die Bose Frames regen zum experimentieren an

Auch wenn ich bei meinem Test von den doch sehr rudimentären AR-Anwendungen enttäuscht war, so hat mich die Brille dennoch zum Experimentieren angeregt. Denn allein die Tatsache, dass es sich um eine Brille handelt, die funktioniert wie ein Bluetooth-Kopfhörer ohne komplette akustische Abschirmung, eröffnet einige interessante Anwendungszwecke.

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Das Potenzial der Bose Frames ist beachtlich - leider wird es bislang kaum genutzt.

Ich selbst habe die Frames in Kombination mit Google Maps auf dem Smartphone beispielsweise als Sprach-Navi verwendet. Damit habe ich quasi ganz ohne AR-App genau das simuliert, was Bose in Form der App Naviguide als Augmented-Reality-Erlebnis anbieten möchte. Das klappt zwar nicht ganz perfekt, weil Google Maps nicht wirklich dafür optimiert ist, völlig ohne Display genutzt zu werden, zeigt mir jedoch einen potenziellen Anwendungszweck für die Zukunft.

Schwache Akkuleistung und mangelnde Bedienmöglichkeiten

Neben vielen positiven Überraschungen erlebte ich beim Testen leider auch einige negative. Da wäre vor allem die Akkulaufzeit zu nennen, die mit lediglich 2 bis 3 Stunden deutlich kürzer ausfällt als die der meisten In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer.

Außerdem haben mich die mangelnden Bedienmöglichkeiten an der Brille selbst ein wenig gestört. Über den Button am rechten Bügel lassen sich zwar Songs skippen und zurückspringen sowie Anrufe annehmen oder ablehnen – aber zum Anpassen der Lautstärke muss ich dann doch wieder das Smartphone selbst zur Hand nehmen. Das sind kleine Inkonsequenzen, die sich bei einem möglichen Nachfolgeprodukt leicht beheben ließen.

Fazit: Ein gutes First-Gen-Produkt

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Die Bose Frames sind ein Produkt, wie es im Moment wohl kein zweites gibt – und sie haben mich während des Tests überwiegend positiv überrascht. Tatsächlich habe ich die Brille in den letzten Tagen relativ oft getragen, wenn ich tagsüber aus dem Haus gegangen bin. Das lag zuallererst am wirklich guten Klangerlebnis und an der Tatsache, dass ich Musik hören kann, ohne mich komplett von der Außenwelt abzuschirmen und ohne meine Mitmenschen zu nerven.

Als Kopfhörer-Ersatz mit Sonnenschutz-Funktion macht sich die Brille somit recht gut. Eher ernüchtert haben mich hingegen die eher rudimentären Augmented-Reality-Features. Diese würde ich in der aktuellen Form definitiv nicht als Selling-Point der Brille sehen.

Aber es gibt eben auch noch so einige andere Punkte, welche die Bose Frames zu einem typischen First-Gen-Produkt machen. Die kurze Akkulaufzeit macht ein tägliches Aufladen bei regelmäßiger Nutzung quasi unabdingbar. Das wiederum dürfte der Lebensdauer des Akkus insgesamt nicht zuträglich sein. Zudem würde ich mir für eine zweite Generation wünschen, dass sich die Lautstärke auch direkt an der Brille verändern lässt.

Schade finde ich auch, dass der allgemeine Look der Brille doch arg unterwältigend ist. Klar zahlt man die knapp 230 Euro hier nicht fürs Design. Dennoch hätte ich mir einen etwas hochwertigeren Look gewünscht. Dass Brillen für viele Leute auch ein modisches Statement sind, hatte Bose beim Design offenbar nicht wirklich auf dem Schirm.

Und so sind die Bose Frames am Ende doch ein Produkt, das vor allem mit den klassischen Bose-Trademarks punkten kann. Denn wie guter Sound geht, wissen die Amerikaner einfach. Im Prinzip kann ich jedem nur empfehlen, die Bose Frames einmal selbst auszuprobieren, falls sich die Gelegenheit bietet. Was die Sound-Brille wirklich gut macht, lässt sich nämlich nur schwer beschreiben. Man muss es hören.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Starker Sound - Unausgereifte AR-Features
+ Angenehmes Hörgefühl - Wenig wertiges Design
+ Interessantes Konzept - Wenige Bedienmöglichkeiten
Das sagt Patrick:
Überzeugt haben mich die Bose Frames vor allem in ihrer Funktion als offener Kopfhörer. Einen Klang, der gleichzeitig so detailreich und doch so unaufdringlich rüberkommt, kriegen klassische Kopfhörer aufgrund ihrer Bau- und Funktionsweise einfach nicht hin. Modisch muss ich wegen des Designs der Brille zwar ein paar Abstriche machen, aber das trifft bei AirPods und Co. bekanntlich auch zu.

Wirklich schade finde ich hingegen, dass die Augmented-Reality-Features im Prinzip nicht mehr sind als eine Demo. In diesem Bereich sehe ich nämlich tatsächlich großes Potenzial. Vor allem die Vorstellung, dass mir eine Brille im Alltag als Navigationsassistent dienen könnte, finde ich spannend – zumal, weil das eben nicht wie erwartet durch optische Einblendungen, sondern durch akustische Ansagen passiert. Die Idee ist ebenso einfach wie genial.
Bose Frames
Bose Frames
  • Datenblatt
  • Hardware
  • Gerätetyp
    Open-Ear-Audio-Sonnenbrille
  • Modelle
    Alto, Rondo
  • Preis
    229 Euro
  • Gewicht
    50 Gramm
  • Betriebsdauer
    bis zu 3,5 Stunden laut Hersteller
  • Besonderheiten
    Bluetooth-Verbindung, Augmented-reality-fähig
  • Lieferumfang
    Brille, Schutzetui und Ladekabel im Lieferumfang enthalten
TURN ON Score:
3,8von 5
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