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Cat 2Droid im Test: Es geht auch ohne Feuer & Knochenbrüche

Der Cat 2Droid hat echtes Suchtpotenzial.
Der Cat 2Droid hat echtes Suchtpotenzial. (©TURN ON 2016)

Als "Hoverboards" sind sie derzeit in aller Munde. Elektroscooter wie der Cat 2Droid liegen voll im Trend. Jetzt haben auch wir uns aufs moderne Spaßgerät gewagt und das Modell einer deutschen Firma im Test unter die Lupe genommen – genauso wie die Standfestigkeit und Balance unserer Redakteure.

Dieser Trend kommt – wie so oft – aus den USA. Nachdem unzählige Stars und Sternchen auf zweirädrigen elektrischen Rollbrettern gesichtet wurden, schwappte die Erfolgswelle der "Hoverboards" auch nach Europa. Wie Justin Bieber, Jamie Foxx oder Kendall Jenner – und eher nicht wie Mike Tyson – wollten alle plötzlich über den Asphalt schweben. Wenn auch noch nicht ganz so futuristisch wie Martin McFly in "Zurück in die Zukunft II", woher man das eigentliche Hoverboard kennt. Doch dieser Name hat sich nun irgendwie für die Elektroscooter eingebürgert, die durch soziale Netzwerke bekannt wurden. Klingt ja auch einfacher als "selbstbalancierendes elektrisches Rollbrett", wie man es bei Wikipedia findet. E-Boards, Mini-Segway, Waveboard, Elektroscooter oder Swagway klingen da schon ansprechender. Manch einer nennt die Spaßmaschinen mittlerweile aber auch Deathboard oder Explodeboard.

E-Boards = Explodierende Knochenbrecher?

Und das hat einen einfachen Grund: In den USA und Großbritannien gab es bereits mehrere Fälle von Wohnungsbränden, die durch E-Boards ausgelöst wurden. Diese seien beim Laden einfach in Flammen aufgegangen. Selbst Fälle, bei denen die Scooter im Betrieb Feuer fingen oder ihren Benutzern unter den Füßen explodierten, gab es. Amazon reagierte darauf nun schon mehrfach mit einem Verkaufsstopp, viele Airlines verbieten den Transport von E-Boards. Schwachpunkt der Rollbretter sind anscheinend ihre Lithium-Ionen-Akkus. Diese sind extremen Belastungen ausgesetzt und können wohl – nicht nur nach vorheriger Beschädigung bei Stürzen – überhitzen.

Ein zweiter Grund, warum Hoverboards auch den Spitznamen "Deathboard" tragen, ist noch offensichtlicher: Wer nur kurz zu dem Thema recherchiert, stößt nicht nur auf Videos von Promis auf E-Boards, sondern auch auf Abertausende Fail-Videos. Es gibt ganze Twitter-Accounts, die alle möglichen missglückten Fahr- oder Stuntversuche dokumentieren. Und wenn man bei YouTube "Hoverboard" eingibt, lautet der zweite Autovervollständigungsvorschlag gleich "Fail".

Cat 2Droid: E-Scooter vom deutschen Anbieter

Da es auf dem noch jungen Markt für E-Boards große Preisunterschiede zwischen verschiedenen Modellen gibt, liegt die Vermutung nahe, dass es auch deutliche Qualitätsunterschiede gibt. Allerdings beziehen die meisten Anbieter ihre Komponenten aus denselben chinesischen Fabriken in Shenzhen, in denen auch die Billigversionen entstehen. Vorsicht im Umgang mit Hoverboards ist daher wohl immer angebracht. Mit auf der sichersten Seite ist man vielleicht, wenn man sein E-Board nicht über eine Verkaufsplattform wie eBay aus Hongkong bezieht, sondern über einen deutschen Anbieter.

Der Cat 2Droid kommt von der Berliner Firma Cat Sound. fullscreen
Der Cat 2Droid kommt von der Berliner Firma Cat Sound. (©TURN ON 2016)
Er besitzt zwei Vollgummireifen mit 16 Zentimetern Durchmesser. fullscreen
Er besitzt zwei Vollgummireifen mit 16 Zentimetern Durchmesser. (©TURN ON 2016)
Die Gewichtssensoren in der Trittfläche erkennen, wenn jemand aufsteigt. fullscreen
Die Gewichtssensoren in der Trittfläche erkennen, wenn jemand aufsteigt. (©TURN ON 2016)
Unter den schwarzen Flächen am Gelenk verbirgt sich u.a. eine Akkustandsanzeige. fullscreen
Unter den schwarzen Flächen am Gelenk verbirgt sich u.a. eine Akkustandsanzeige. (©TURN ON 2016)
Power-Knopf und Ladeanschluss des Cat 2Droid sitzen an der Seite. fullscreen
Power-Knopf und Ladeanschluss des Cat 2Droid sitzen an der Seite. (©TURN ON 2016)
Beim Fahren leuchten LEDs unterhalb der Trittfläche auf. fullscreen
Beim Fahren leuchten LEDs unterhalb der Trittfläche auf. (©TURN ON 2016)
Das Hoverboard bringt es auf ein stolzes Gewicht von 11,5 Kilogramm. fullscreen
Das Hoverboard bringt es auf ein stolzes Gewicht von 11,5 Kilogramm. (©TURN ON 2016)

Unser Testgerät 2Droid stammt von Cat, einer Berliner Firma, und wird auch bei Elektronikfachmärkten wie Saturn oder Media Markt verkauft. Damit hat man immerhin schon einmal mögliche Ansprechpartner vor Ort. Man kann sich bei Fragen und Problemen auch direkt an den Hersteller wenden, der in einem FAQ versichert, dass der 2Droid nur aus hochwertigen Komponenten von Markenherstellern zusammengebaut wird. Deshalb und aufgrund der komplizierteren Fertigungstechnik sowie kostenintensiver Prüfungsprozesse ist der Elektroscooter der deutschen Firma teurer als die chinesische Billigkonkurrenz – 599 Euro verlangt der Hersteller, 549 Euro viele Händler. Das Cat-Versprechen klingt aber auch deutlich vertrauenswürdiger.

Die ersten Fahrversuche: Noch etwas wacklig

Ok, wir trauen uns und steigen aufs Testgerät. TURN ON-Social-Media-Redakteur Malte war der Mutigste, stieg gleich auf, sprang nach kurzer Strecke aber schnell wieder ab und fragte nach dem zweiten, recht ähnlichen Versuch: "Wie soll das nur gehen?!?" Und tatsächlich fallen die ersten Fahrversuche bei den meisten Menschen ziemlich wacklig aus. Man hat das Gefühl, man müsse nur an eine Bewegung denken und der Cat 2Droid erkennt sie schon. Weil er aber jede kleinste Fußbewegung und Gewichtsverlagerung erkennt, erfordert gerade das Auf- und Absteigen sehr viel Feingefühl und die ersten Fahrversuche daher etwas Mut – oder eine helfende Hand zum Festhalten. Helfen kann es auch, wenn eine zweite Person zunächst ein Rad mit beiden Füßen blockiert. Dann kann man erst einmal in Ruhe aufsteigen und sich ausbalancieren, bevor es durch Gewichtsverlagerung vorwärts geht.

Aus Angst wird Spaß: "Hovern" ist wirklich einfach zu lernen

Auf der Verpackung des Cat 2Droid steht allerdings: "Innerhalb von 15 Minuten erlernbar". Na gut, dann muss es doch irgendwie gehen. Und tatsächlich! Ist der erste Schreck überwunden und geht man etwas ruhiger an die Sache heran, ist das Fahren schnell erlernt. Und auch das Auf- und Absteigen klappt nach einigen Versuchen, bei denen man sich Mal für Mal weniger an Helfer oder Wand festhält, einwandfrei. Schnell bekommt man ein Gefühl dafür, wie stark sich eine Gewichtsverlagerung auf die Geschwindigkeit des E-Boards auswirkt und wie sehr man die Füße in verschiedene Richtungen neigen muss, um sich zu drehen. Und dann macht das Ganze wirklich Spaß. Lange Flure entlangfahren oder kurze Ausflüge zur Kaffeemaschine machen – auf einmal möchte man sich gar nicht mehr anders fortbewegen.

Spätestens nach 15 bis 20 zurückgelegten Kilometern mit bis zu 15 km/h muss man das allerdings. Dann will der Cat 2Droid nämlich an die Steckdose. Das Aufladen geht aber erstaunlich schnell. Nach nur 60 Minuten ist das E-Board für die nächsten 15 bis 20 Kilometer bereit. Wie es um den Ladestand der Akkus bestellt ist, zeigt ein Statusbalken auf dem Hoverboard an.

Der Haken: Nicht im Straßenverkehr erlaubt

So viel Spaß das Hovern auch macht – wer mit dem Gedanken an die Anschaffung eines E-Boards spielt, sollte sich ebenso der Nachteile bewusst sein. Mal abgesehen von den Gefahren, die durch Selbstüberschätzung oder unsachgemäße Handhabung entstehen, gibt es einen weiteren großen Haken: E-Boards sind nicht im Straßenverkehr zugelassen. Da sie schneller als 6 km/h fahren, gelten sie als Kraftfahrzeug und dürfen nicht auf Gehwegen gefahren werden. Für eine Nutzung auf der Straße fehlt allerdings die Zulassung. Damit bleibt nur noch das Fahren in den eigenen vier Wänden oder auf Privatgrundstücken – wobei die meisten Wohnungen wohl eher kein gefahrloses Hovern ermöglichen. Wissen sollte man auch, dass die Geräte nicht ganz leicht sind. Der Cat 2Droid bringt es auf 11,5 Kilogramm. Im Gegensatz zum Skateboard lässt er sich also nicht ganz so leicht unter den Arm klemmen und mitnehmen.

Fazit: Spaß mit angezogener Handbremse

Nicht jeden Trend muss man mitmachen. Diese Erkenntnis kommt leider häufig erst nach Jahren, die ein vermeintlich cooles Gadget dann schon in der Ecke versauerte. Tamagotchis und Jojos erging es so, vielen Snakeboards und Schuhen mit integrierter Rolle in der Ferse blühte ein ähnliches Schicksal. Dass der Hype um die Hoverboards allerdings durchaus Ansteckungspotenzial hat, können viele verstehen, die solch eine Spaßmaschine einmal testen durften.

Zum Glück ist das Hovern schnell erlernt. fullscreen
Zum Glück ist das Hovern schnell erlernt. (©TURN ON 2016)
Anfangs hilft eine Wand beim Aufsteigen. fullscreen
Anfangs hilft eine Wand beim Aufsteigen. (©TURN ON 2016)
Einfach den ersten Fuß ausbalancieren und dann den zweiten nachziehen. fullscreen
Einfach den ersten Fuß ausbalancieren und dann den zweiten nachziehen. (©TURN ON 2016)
Anschließend kann man sich mit dem Fahren vertraut machen. fullscreen
Anschließend kann man sich mit dem Fahren vertraut machen. (©TURN ON 2016)
Dabei hilft es, etwas in die Knie zu gehen. fullscreen
Dabei hilft es, etwas in die Knie zu gehen. (©TURN ON 2016)
Beim Auf- oder Absteigen kann auch eine zweite Person helfen. fullscreen
Beim Auf- oder Absteigen kann auch eine zweite Person helfen. (©TURN ON 2016)
Diese blockiert einfach ein Rad mit beiden Füßen. fullscreen
Diese blockiert einfach ein Rad mit beiden Füßen. (©TURN ON 2016)

Allerdings handelt es sich dabei in gewisser Weise immer um einen Spaß mit angezogener Handbremse. Wem das simple Hovern von A nach B langweilig wird, ist schnell dazu verleitet, anspruchsvollere Stunts auf dem Rollbrett zu testen. Dass das gehörig schiefgehen kann, stellen mittlerweile unzählige Fail-Videos unter Beweis. Hinzu kommt die Sache mit der fehlenden Straßenzulassung. Wer sich also gesetzeskonform und möglichst sicher verhalten will, bewegt E-Boards wie den Cat 2Droid also nur auf Privatgrund, mit Schutzkleidung und auf beiden Beinen stehend. Ja, es gibt Menschen, die können das Hoverboard im Handstand kontrolliert bewegen. Es gibt aber auch Menschen, die mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug springen und zielsicher in einem fahrenden Cabrio landen...

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