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Die besseren AirPods? Sennheiser Momentum True Wireless im Vergleich

Apple AirPods und die Sennheiser Momentum True Wireless im Vergleich.
Apple AirPods und die Sennheiser Momentum True Wireless im Vergleich.

Mit den Sennheiser Momentum True Wireless bringt der deutsche Hersteller kabellose In-Ear-Kopfhörer in Premium-Qualität auf den Markt. Schon beim Kauf der Apple AirPods hatte ich aufgrund des recht hohen Preises gezögert – Sennheiser verspricht nun besseren Sound und interessante Zusatz-Features, aber lohnt sich der Aufpreis wirklich?

Vor allem in Sachen Sound sollen die Sennheiser Momentum True Wireless der Konkurrenz den Rang ablaufen. Darüber hinaus wirbt der deutsche Audiospezialist mit Oberklassen-Qualität – kein Wunder, sollen die smarten Ohrstöpsel doch laut UVP ganze 299 Euro wert sein. Das ist deutlich mehr als die 179 Euro, die Apples AirPods kosten. Die sind für iPhone-Besitzer wie mich bisher die naheliegende Wahl in Sachen True-Wireless-Kopfhörer, vor allem wegen der einfachen Bedienung. Ich habe mich also ganz besonders dafür interessiert, wie viel mehr Sennheiser mir mit den In-Ears im Vergleich zu bieten hat.

Hinweis

Für diesen Vergleichsartikel habe ich die Sennheiser Momentum True Wireless mit den Apple AirPods verglichen und sie ausschließlich mit einem iPhone X getestet. Vor allem in Verbindung mit Android-Geräten verhalten sich Funktionen vielleicht anders als bei meinem Vergleich.  

Klang: Um Längen besser als Apple

Was den Klang angeht, ziehen die AirPods von Apple eindeutig den Kürzeren. Dynamikumfang und klarer Sound sind bei den Sennheiser Momentum True Wireless auch für das ungeübte Ohr besser hörbar, die verbauten 7-Millimeter-Treiber klingen erstaunlich gut für In-Ear-Kopfhörer. Der saubere Sound zeigt lediglich leichte Schwächen, wenn es um den Bassbereich geht. Verschiedene Töne im niedrigen Frequenzbereich können beim ganz genauen Hinhören tatsächlich ab und zu leicht matschig erscheinen. Im Vergleich zu den Apple AirPods ist der Sound dennoch um Längen besser. Mitten und Höhen werden natürlich und klar wiedergegeben und spendieren ein insgesamt ausgewogenes Musikerlebnis.

Die Smartphone-App zur Sennheiser-Momentum-Reihe bietet neben verschiedenen Optionen auch einen grafischen Equalizer. Dieser ist einfach zu nutzen und ermöglicht es, den Klang noch individuell zu verändern – für mich war das etwa beim Hören älterer Aufnahmen oder halbprofessionell produzierter Podcasts sehr nützlich.

Auch beim Telefonieren mit den Sennheiser Momentum True Wireless sind sowohl Wiedergabe- als auch Aufnahmequalität sehr gut. Im Gegensatz zu den AirPods kann man einzeln allerdings nur mit dem rechten Sennheiser telefonieren, da in diesem das entsprechende Mikrofon verbaut wurde.

Klang und Bluetooth-Kompression

Wer sich auf HiFi-Genuss am iPhone mit den Sennheiser Momentum True Wireless freut, sollte seine Erwartungen bremsen. Schließlich unterstützen weder die Sennheiser Momentum True Wireless noch die neueste Smartphone-Generation von Apple Bluetooth-Übertragungstechniken mit höherer Bandbreite, wie zum Beispiel AptiveX HD. Die Übertragung verlustfreier FLAC-Streams, wie sie etwa Tidal gegen Aufpreis anbietet, ist kabellos daher ohnehin nicht möglich, da das Signal vom iPhone ins komprimierte AAC-Format gewandelt wird.

Qualität & Design: Glatt und klein gefällt mir besser

Das Case: Zwei zusätzliche Ladungen zum Mitnehmen. fullscreen
Das Case: Zwei zusätzliche Ladungen zum Mitnehmen.
Ja, ich habe es im Test trotz Beschriftung geschafft, die Stecker zu verwechseln. fullscreen
Ja, ich habe es im Test trotz Beschriftung geschafft, die Stecker zu verwechseln.
Das Case: Zwei zusätzliche Ladungen zum Mitnehmen.
Ja, ich habe es im Test trotz Beschriftung geschafft, die Stecker zu verwechseln.

Die Verarbeitung der Sennsheiser Momentum True Wirless wirkt sehr hochwertig, das Design ist angenehm dezent. Die In-Ears haben keinerlei Knöpfe, dafür aber eine metallisch anmutende Touch-Fläche, dazu vergoldete Ladekontakte. Die Hörer werden mit einer leichten Drehung in die Ohren eingesetzt. Adapter aus Gummi in vier unterschiedlichen Größen liegen bei, sie lassen sich ohne Mühe austauschen oder zur Reinigung abnehmen.

Akku und Lade-Case

In Sachen Batterie-Laufzeit steht Apple besser da: Mit Aufladungen im Case schaffen die Sennheiser Momentum je nach Nutzung insgesamt bis zu 12 Stunden, die AirPods sogar 24 Stunden.

Durch die magnetischen Kontakte gleiten die True-Wireless-Kopfhörer an ihren Platz im mitgelieferten Lade-Case – bei Sennheiser ganz genauso wie bei Apple. Das Case der Momentum True Wireless gefällt mir persönlich allerdings nicht so sehr. Es ist deutlich größer als das Pendant von Apple und mit einem grauen Stoff überzogen. Das mag auf den ersten Blick schick sein – im Alltagsgebrauch mache ich mir aber Sorgen, ob durch Abrieb Verfärbungen an dem sündhaft teuren Lade-Accessoire entstehen können oder ob der Stoff irgendwann einfach abgewetzt aussieht.

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Im Vergleich ist für mich das glatte AirPod-Case praktischer als das Pendant von Sennheiser.

Das raue Sennheiser-Case macht für mich im Nachhinein die entsprechende Design-Entscheidung von Apple nachvollziehbar: Das kleine, aalglatte AirPod-Ladecase aus schmucklosem weißen Plastik gleitet schnell in meine Tasche, wirkt relativ unempfindlich und spannt auch in der engen Hosentasche nicht unangenehm. Keines der beiden würde ich darin allerdings zusammen mit meinem Schlüssel aufbewahren.

Gestensteuerung: Ist weniger doch mehr?

Was mich nach dem Kauf der Apple AirPods enttäuscht hat, ist der dürftige Umfang der Gestensteuerung. Seit iOS 11 kann man immerhin die Funktion des doppelten Tap auf den rechten und den linken Hörer verändern. Leider stehen nur Titel vor, Titel zurück, Start / Pause oder Siri als Optionen zur Verfügung. Die Lautstärke lässt sich ohne die Hilfe der Sprachassistentin oder einen Griff zum iPhone gar nicht verstellen. Aber auch hier zeigt mir das Konkurrenzprodukt von Sennheiser nun, weshalb sich Apple bewusst gegen weitere Befehle entschieden haben könnte.

Denn eines muss man den AirPods lassen: Die Steuerung funktioniert bei mir meist fehlerfrei beim jeweils ersten Versuch. Die Sennheiser Momentum True Wireless bieten dagegen mehr Befehle, dafür reagiert die entsprechende Gestensteuerung im Gebrauch klobig oder gar nicht.

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Die Gestensteuerung erfolgt ausschließlich über die metallenen Flächen.

Um die Lautstärke zu senken, soll man etwa den linken Earbud gedrückt halten; einmaliges Tippen hält die Wiedergabe an oder setzt sie fort; doppeltes Tippen springt zum nächsten Titel; dreifaches Antippen springt zurück. Der rechte Ohrhörer beherbergt dann die Funktionen zum Telefonieren, dem Sprachassistenten, Transparent Hearing und dem Anheben der Lautstärke – zumindest in der Theorie.

Ich muss die metallenen Flächen aber schon recht genau treffen und die richtige Geschwindigkeit beim mehrfachen Tippen einhalten. Sonst passiert gar nichts oder zumindest nicht das, was ich mir wünsche. Vor allem die richtige Dosierung der Drucklänge, um die  Wunschlautstärke zu erreichen, ist schwer und mir beim ersten Versuch so gut wie nie geglückt.

Kein Noise-Cancelling, dafür Transparent Hearing

Ein Feature, das die Sennheiser Momentrum True Wireless den Apple AirPods voraus haben, ist das Transparent Hearing. Zwar verfügen die Earbuds trotz des hohen Preises nicht über aktives Noise-Cancelling, sondern schirmen den Gehörgang passiv durch das Gummi von der Außenwelt ab. Das funktioniert aber ziemlich gut und man hört nur noch sehr wenig von seiner Umwelt. Per Transparent Hearing bleiben auf Wunsch Außengeräusche durch das verbaute Mikrofon der Momentum True Wireless auch während der Musikwiedergabe hörbar. So bleibt man mit eingesetzten Kopfhörern ansprechbar und verpasst auch Durchsagen am Bahnhof nicht so einfach.

Bluetooth: Spürbar ein Alien im Apple-Ökosystem

Apple-Produkte zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie funktionieren, wenn sie es sollen: Die AirPods werden mit einem Handgriff mit dem iPhone gekoppelt, ab da lassen sie sich auf allen Apple-Geräten fast nahtlos verwenden, Verbindungsabbrüche habe ich höchstens bei leerem Akku erlebt.

Wer die Sennheiser Momentum True Wireless ausschließlich mit seinem iPhone nutzt, sollte ebenso auf wenige Probleme stoßen. Wechselt man allerdings regelmäßig zwischen Geräten, ist Geduld gefragt. An meinem MacBook Pro etwa steigt die Verbindung ab und zu einfach aus oder die Übertragung wechselt unvermittelt zur Telefonqualität. Ein Wechsel zwischen iPhone und Laptop ist auch nur möglich, wenn die Verbindung vorher vom entsprechenden Gerät getrennt wird.

Ein Beispiel: Die Momentum True Wireless sind beim Arbeiten mit dem MacBook Pro verbunden. Ich klappe den Laptop zu, nehme das iPhone in die Hand und will die Bluetooth-Verbindung herstellen – abgelehnt. Ich muss die Verbindung erst am Laptop kappen oder die In-Ears mit langem Druck auf beide Hörer in den Pairing-Modus versetzen. Hier haben die Apple-Kopfhörer also eindeutig die Nase vorn.

Tragekomfort: Nichts für Mützenträger

Die Sennheiser-In-Ear-Kopfhörer sitzen über dem Ohr. fullscreen
Die Sennheiser-In-Ear-Kopfhörer sitzen über dem Ohr.
Die AirPods verschwinden größtenteils in der Ohrmuschel. fullscreen
Die AirPods verschwinden größtenteils in der Ohrmuschel.
Die Sennheiser-In-Ear-Kopfhörer sitzen über dem Ohr.
Die AirPods verschwinden größtenteils in der Ohrmuschel.

Die Sennheiser Momentum True Wireless sitzen sehr gut im Ohr. Wer mit der Einheitsgröße der Apple-Kopfhörer Probleme hat, wird sich über die beiliegenden Ohradapter der Sennheiser freuen. Im Vergleich mit den AirPods sind sie für meine Ohren aber trotzdem deutlich unbequemer zu tragen.

Im Gegensatz zu den AirPods liegt ein großer Teil der Sennheiser über dem Ohr. Vor allem, wenn ich bei kaltem Wetter eine Mütze über den In-Ear-Kopfhörern trage, drückt das Plastik der Sennheiser von außen unangenehm auf die Ohrmuscheln.  Nach einiger Zeit ist das sogar ein wenig schmerzhaft, ein Problem, das ich von den AirPods nicht kenne.

Die passive Audio-Isolation durch die Gummieinsätze schottet mich im Vergleich zu den Apple AirPods deutlich stärker von der Außenwelt ab. Im Straßenverkehr für meinen Geschmack fast etwas zu stark. Als Fahrradfahrer nutze ich allerdings eher ungern Transparent Hearing, da der Fahrtwind laut an den Außenmikrofonen vorbeizieht – das entsprechende Rauschen macht dann die überlegende Soundqualität der Sennheiser Momentum True Wireless überflüssig. Wer sie beim Sport nutzen will, sollte das im Hinterkopf behalten.

Fazit: Guter Klang um jeden Preis? Dann greif zu!

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Die Sennheiser Momentum True Wireless kosten fast doppelt so viel wie Apples AirPods.

Ich bin fasziniert vom Klang der Sennheiser Momentum True Wireless und die akustische Abschirmung von der Außenwelt, selbst ohne Noise-Cancelling, funktioniert bemerkenswert gut – die In-Ears sind auf jeden Fall ein sehr hochwertiges Produkt. Dennoch fällt es mir schwer zu empfehlen, fast den doppelten Preis der AirPods für sie auszugeben. Zu groß ist für mich die Differenz in Sachen Trage- und vor allem Bedienkomfort. Wer mit Apple-Kopfhörern aber ohnehin Größenprobleme hat und in Sachen Sound ganz oben mitspielen will, sollte sie sich die Sennheiser-In-Ears trotzdem genauer ansehen.

Das gefiel mir gut Das gefiel mir weniger gut
+ Erstklassiger Sound - Tragekomfort im Vergleich schlechter
+ Transparent Hearing - Gestensteuerung unzuverlässig
+ Gute akustische Abschirmung - Bluetooth-Verbindung im Vergleich komplizierter

 

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