Vergleich

Eine runde Runde: Moto 360, Gear S2 & Huawei Watch im Test

Zweimal Android Wear gegen einmal TIzen: Moto 360, Samsung Gear S2 und Huawei Watch.
Zweimal Android Wear gegen einmal TIzen: Moto 360, Samsung Gear S2 und Huawei Watch. (©TURN ON 2015)

Sie sind schick, smart und allesamt rund: Die neuen Smartwatches von Motorola, Samsung und Huawei, die auf der IFA 2015 zu bestaunen waren, folgen geschlossen diesem Trend. Wir haben die Stärken, Schwächen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der aktuellen Modelle in einem vergleichenden Test unter die Lupe genommen.

Smartwatches 2015: Mehr Modelle als Käufer

Auf den roten Teppichen dieser Welt tragen die Stars und Sternchen ihre teils abstrus gepimpten Apple Watches zur Schau. Doch an den Handgelenken von Hans und Franz sind die schlauen Uhren noch nicht wirklich angekommen. Die großen Elektronikkonzerne geben sich aber alle Mühe, das zu ändern. Zur IFA 2015 etwa reiste kein großer Hersteller ohne neues Smartwatch-Modell im Gepäck. Motorola enthüllte die Moto 360 (2015), Samsung gewährte einen ersten Blick auf die Gear S2 und die Huawei Watch gab es nach der Ankündigung im Frühjahr 2015 erstmals live und in Farbe zu bestaunen. Und das sind nur die prominentesten Beispiele. Fitness-Tracker, Smartwatches, Kombinationen aus beidem und sonstige Wearables konnte man an allen Ecken und Enden entdecken. Der Trend ist da – und wartet nun auf den Kunden.

Design: Ist Rund das neue Eckig?

Alle unsere Test-Modelle haben eine große Gemeinsamkeit: Sie sind rund. Für Samsung etwa ist das ein Novum, noch die Gear S setzte auf eine gänzlich andere Formgebung. Damit folgen Moto 360 (2015), Samsung Gear S2 und die Huawei Watch einem Trend, der sich im Herbst 2015 deutlicher denn je abzeichnet – und natürlich auch von den drei Modellen mitgestaltet wird. So grenzen sich die Hersteller nicht nur mit ihrer Software, sondern auch mit ihrem Design deutlich von der einzigen iOS-Smartwatch am Markt ab, der im April 2015 gestarteten Apple Watch.

Aktuell greifen die meisten Smartwatches das Design klassischer Armbanduhren auf – auf den ersten Blick geben sie sich daher gar nicht immer als smarter Vertreter der Uhrenkategorie zu erkennen. Insbesondere die neue Moto 360 könnte als klassische Armbanduhr durchgehen. Die Huawei Watch auch, aber eher als rein männliches Modell, fällt sie doch noch etwas klobiger aus als die Konkurrenzprodukte. Die Samsung Gear S2 wirkt etwas frischer und moderner als die beiden anderen Uhren, jedenfalls in der von uns getesteten Basisvariante.

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Dass die Hersteller immer breitere Zielgruppen ansprechen, merkt man auch an den stetig wachsenden Individualisierungsmöglichkeiten. Die Huawei Watch etwa steht in drei Versionen zur Auswahl: als Huawei Watch Classic, Active oder Elite. Der Gehäusedurchmesser beträgt jedoch bei allen drei Varianten 42 Millimeter. Unterschiedliche Abmessungen bringen hingegen die verschiedenen Ausführungen der Samsung Gear S2 mit. Die Basisversion fällt mit 42,3 x 49,8 x 11,4 Millimetern etwas größer aus als die Gear S2 Classic mit 39,9 x 43,6 x 11,4 Millimetern und wird mit wechselbaren Silikonarmbändern ausgeliefert. Die elegantere Classic-Version besitzt ein Lederarmband, das durch andere Standard-Uhrenarmbänder ersetzt werden kann. Die größte Vielfalt bietet allerdings die neue Moto 360. Diese ist über den Moto Maker online individuell zusammenstellbar – von der Gehäusegröße (42 oder 46 Millimeter Durchmesser) über die Farbe der Lünette und des Gehäuses bis hin zum Material und der Farbe des Armbands.

Hardware: Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede

Die Optik einer Smartwatch ist aber natürlich nur eine Seite der Medaille. Was die smarte Uhr von der gewöhnlichen Armbanduhr unterscheidet, ist ihr Innenleben. Und auch hier offenbaren die aktuellen Modelle viele Gemeinsamkeiten – zumindest beim Blick aufs Datenblatt. Herzstück von Huawei Watch, Gear S2 und Moto 360 (2015) sind Prozessoren mit einer Taktfrequenz von 1 bis 1,2 GHz, allesamt unterstützt von 512 MB RAM. Zum Speichern von Musik, Hintergründen und sonstigen Daten stehen jeweils 4 GB interner Speicher zur Verfügung.

Nicht ganz auf Augenhöhe liegen die Displays der einzelnen Smartwatches. Die Nase vorn hat in diesem Fall die Samsung Gear S2, die mit einer Pixeldichte von 302 ppi auf ihrem 1,2 Zoll großen Super-AMOLED-Screen beeindruckt. Die Huawei Watch besitzt ein 1,4 Zoll großes AMOLED-Display, auf dem 286 ppi dargestellt werden. Schlusslicht ist die zweite Moto 360-Generation, die eine Pixeldichte von 233 ppi bei der 1,37-Zoll-Version und 263 ppi bei der 1,56 Zoll messenden Herren-Variante bietet. Bei genauem Hinsehen kann man hier einzelne Pixeltreppen an den digitalen Uhrzeigern erkennen.

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Eine weitere Besonderheit der Moto 360 sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Das Display wirkt nur im ausgeschalteten Zustand vollkommen rund. Ist die Uhr an, zeigt sich der schon bei der Vorgängerversion kritisierte Plattfuß oder "Flat Tire" – ein kleiner schwarzer Streifen, hinter dem der Umgebungslichtsensor sitzt. Dadurch sind nicht die vollen 360 Grad des Displays nutzbar. Samsung hat bei der Gear S2 eine bessere Möglichkeit gefunden, den Sensor zu integrieren. Zwar sitzt er genau in der Mitte des Screens, ist aber mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Huawei hat es sich indes ganz einfach gemacht und verzichtet zum Leidwesen des Nutzers auf einen Umgebungslichtsensor. Wer abends nicht geblendet werden und im Sonnenlicht etwas auf der Uhr erkennen will, muss also ständig die Helligkeit nachregeln.

Software: Android Wear vs. Tizen

Auf den größten Unterschied zwischen den drei aktuellen Smartwatch-Modellen trifft man allerdings, wenn man sich die Software ansieht. Denn während Motorola und Huawei auf Android Wear setzen, installiert Samsung das hauseigene Betriebssystem Tizen auf der Gear S2. Nur so konnte der Hersteller angeblich das einfache wie geniale Bedienkonzept mit der drehbaren Lünette umsetzen.

Anders als alle Konkurrenzmodelle kann die Tizen-Uhr nämlich nicht nur via Wischen, Tippen und mithilfe physischer Knöpfe bedient werden. Durch die verschiedenen Startbildschirme, Menüs und Apps lässt sich auch mittels des Uhrenkranzes scrollen, der bei jeder Bewegung ein schönes haptisches Feedback gibt. Das macht Spaß und bringt gleich zwei Vorteile mit sich: Erstens verdeckt man nicht ständig Bildschirminhalte beim Bedienen, und zweitens bleibt das Display etwas länger von fettigen Fingerabdrücken verschont.

Ein weiterer Vorteil von Tizen ist, dass es speziell auf die Gear S2 ausgelegt ist. Das macht die Gestaltung sämtlicher Oberflächen zu einer wirklich runden Sache. Android Wear hingegen läuft sowohl auf eckigen als auch auf runden Smartwatches – auf runden Modellen sind die sogenannten Karten, die etwa bei Smartphone-Benachrichtigungen aufpoppen, daher oft an den Rändern abgeschnitten.

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Dass Tizen aber ebenfalls noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen hat, zeigt ein Blick in den Gear App Store. Dort trifft man zwar nicht auf gähnende Leere. Im Vergleich zu Googles Wearable-OS hinkt Samsungs Betriebssystem hier aber deutlich hinterher. Die Auswahl an verfügbaren Apps ist derzeit noch sehr überschaubar. Und ob sich das künftig ändern wird, hängt vor allem von der Unterstützung durch Drittentwickler ab. Bei Android Wear ist die Wahrscheinlichkeit jedenfalls sehr viel größer, dass es die gesuchte App bereits gibt oder künftig geben wird.

Was den Funktionsumfang angeht, nehmen sich Samsung Gear S2, Huawei Watch und Moto 360 (2015) wiederum nicht viel. Smartwatches dienen im Großen und Ganzen immer noch als Verlängerung des Smartphones, informieren über eingehende Nachrichten, Anrufe, E-Mails, Social-Media-Aktivitäten und anstehende Termine. Sie bieten Basisfunktionen eines Fitness-Trackers, können den Puls messen, den Träger zu mehr Bewegung animieren oder ihn am Morgen zur gewünschten Uhrzeit wecken. Zu den gängigsten Apps zählen News-Programme, eine Sprachsteuerung, Wetter-, Fitness- und Karten-Apps, Musik-Player sowie kleine Smartwatch-Spiele – im Grunde aber nichts, was man nicht schon vom Mobiltelefon kennt.

Akkulaufzeit: Die Gear S2 kann am längsten

Bei der Akkulaufzeit kann es eigentlich nur Verlierer geben. Sie zählt zu den größten Schwachstellen aller Smartwatches. Die meisten Modelle halten nicht länger als ein Smartphone durch und müssen tagtäglich aufgeladen werden. Dabei ist die Erwartungshaltung der Käufer, die von einer klassischen Armbanduhr auf ein smartes Modell wechseln, häufig eine gänzlich andere. Statt ausdauernder Knopfzelle gibt es dann einen Akku, der mit dem hohen Energieverbrauch der Displays und Prozessoren zu kämpfen hat.

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Wermutstropfen: Die Huawei Watch muss direkt über die Pins geladen werden. (©TURN ON 2015)

Am kämpferischsten präsentierte sich die Samsung Gear S2 in unserem Vergleichstest. Obwohl ihr Akku mit 250 mAh am kleinsten dimensioniert ist, reicht eine Ladung im Schnitt für zwei Tage moderaten Betrieb. Das scheint unseren Eindruck zu bestätigen, dass es Samsung bei der Gear S2 gelungen ist, Hard- und Software gut aufeinander abzustimmen. Als glorreichen Sieger wollen wir die Gear S2 dennoch nicht krönen, Huawei Watch und Moto 360 liegen mit ihren 300-mAh-Akkus und rund anderthalb Tagen Durchhaltevermögen nämlich dicht dahinter. Einen kleinen Wermutstropfen stellten wir allerdings beim Huawei-Modell fest: Im Gegensatz zu den anderen beiden Uhren muss die chinesische Smartwatch zum Laden exakt an den Pins auf der Rückseite angestöpselt werden. Bei den Konkurrenzmodellen reicht das beliebige Ablegen auf den magnetischen Ladedocks.

And the winner is...

Tja, eindeutig fällt das Ergebnis unseres großen Vergleichstests leider nicht aus. Fairerweise müssten wir wohl zwei Sieger krönen. Wer die Samsung Gear S2 einmal in Händen halten und das Bedienkonzept mit der drehbaren Lünette testen konnte, wird schnell dazu verleitet, ihr aufgrund dieser einfachen, aber wirkungsvollen Idee den Gesamtsieg zuzusprechen. Dann vernachlässigt man allerdings, dass Android Wear Samsungs Tizen in wichtigen Punkten wie der App-Auswahl und der Entwicklerunterstützung einfach noch überlegen ist.

Daher geht der Vergleichstest unentschieden zwischen der Gear S2 und der neuen Moto 360 aus. Die zu Preisen ab 349 Euro erhältliche Samsung-Uhr bietet das auffälligste Alleinstellungsmerkmal und macht Spaß in der Bedienung. Die wenigstens 299 Euro teure Moto 360 (2015) kann aber mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und den vielfältigen Personalisierungsmöglichkeiten punkten. Die Huawei Watch bietet zwar dieselben Android Wear-Vorteile wie die Motorola-Konkurrentin, ist ansonsten aber eher unauffällig. Sie konnte in keiner der Testkategorien einen klaren Sieg einfahren und ist mit einem Einstiegspreis von 399 Euro auch noch die teuerste der drei Smartwatches.

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