Meinung

Fazit zu Windows 10: Microsoft schlägt zurück

Mit Windows 10 könnte Microsoft verlorenes Terrain zurückerobern.
Mit Windows 10 könnte Microsoft verlorenes Terrain zurückerobern. (©Microsoft 2015)

Microsoft feiert sein Comeback mit Windows 10: Doch ist das neue Betriebssystem wirklich eine triumphale Rückkehr oder eine erneute Enttäuschung? Mein Fazit nach den ersten Wochen mit Windows 10.

Als technikbegeisterter Mensch unterliegt man manchmal gewissen Zwängen. Vor Augen geführt hat mir das einmal mehr der 29. Juli 2015. Kaum war Windows 10 offiziell gestartet, musste ich das Betriebssystem natürlich sofort ausprobieren. Dank des kostenlosen Updates von Microsoft war das noch nicht mal ein Problem.

Die Frage, die sich zu Anfang stellte, war natürlich: Wird es Microsoft diesmal richtig machen? Zu viel Porzellan hatte der Entwickler mit dem verkorksten Launch von Windows 8 zerschlagen. Und auch wenn sich das Betriebssystem letztlich als besser erwies als sein Ruf, war letzterer nachhaltig ramponiert. Nicht wenige wähnten Microsoft schon auf dem absteigenden Ast. So gesehen barg die Entscheidung, frühzeitig auf Windows 10 umzusteigen, schon ein gewisses Risiko. Doch es sollte sich auszahlen.

Windows 10: Alles wie immer – nur besser

Rund einen Monat läuft Windows 10 nun auf meinen Rechnern. Sowohl privat als auch beruflich konnte ich in dieser Zeit einige Erfahrungen mit dem neuen Betriebssystem sammeln. Als jemand, der bis zuletzt sowohl mit Windows 7 als auch mit Windows 8.1 (daneben auch ein bisschen mit Mac OS X) gearbeitet hat, fühle ich mich unter Windows 10 sofort zu Hause. Tatsächlich gelingt Microsoft das Kunststück, sein neues Betriebssystem angenehm vertraut und gleichzeitig frisch wirken zu lassen. So befinden sich fast alle gewohnten und beliebten Bedienelemente trotz der überarbeiteten Benutzeroberfläche genau dort, wo man sie vermuten würde. Neue Elemente, wie das "Einstellungen"-Menü ergänzen das klassische Bedienkonzept sinnvoll und machen das Betriebssystem etwas zugänglicher.

fullscreen
Das Info-Center gehört zu den sinnvollen Neuerungen von Windows 10. (©Microsoft/TURN ON 2015)

Gleiches gilt auch für das Info-Center. Schon jetzt möchte ich die praktische Benachrichtigungsleiste, die auf Wunsch am rechen Bildschirmrand aufploppt, nicht mehr missen. Auch die neue Taskansicht und die virtuellen Desktops habe ich auf Anhieb ins Herz geschlossen. Anders als vor drei Jahren bei Windows 8 wirken die neuen Funktionen und Elemente von Windows 10 keineswegs aufgesetzt, sondern fügen sich nahtlos in das System ein. Die gewohnte Benutzerführung, die ich als langjähriger Windows-User gewohnt bin, wird an keiner Stelle empfindlich gestört.

Gleiche Hardware – bessere Performance

Ein echtes Aushängeschild für das neue Betriebssystem ist für mich der Edge-Browser, der pfeilschnell und extrem intuitiv funktioniert – was für ein Sprung vom ungeliebten Internet Explorer! Und überhaupt: Alle Rechner, auf denen ich Windows 10 bislang installiert habe, scheinen an Performance zu gewinnen. Offenbar ist es Microsoft gelungen, die neue Software besonders leistungsschonend zu programmieren.

fullscreen
Der Edge-Browser ist intuitiv und ziemlich schnell. (©YouTube/Windows 2015)

Weniger gut gefällt mir im Moment die Sprachassistentin Cortana. Diese kann glatt als Zwillingsschwester von Apples Siri durchgehen. Auch bei Apple konnte mich das Konzept bislang allerdings nicht wirklich überzeugen.

Endlich auch in der mobilen Welt zu Hause?

Doch nicht nur auf dem klassischen PC weiß Windows 10 zu gefallen. Auch im Tablet-Modus finde ich das Betriebssystem intuitiver als den Vorgänger. So war das erste Gerät, auf dem ich das neue Betriebssystem installiert hatte, mein Acer Aspire Switch 10-Convertible – ganz einfach um zu testen, wie gut Microsoft der Wechsel zwischen PC- und Tablet-Modus gelingt.

Windows10_Desktop fullscreen
Windows10_Tablet fullscreen

Zu meiner anfänglichen Enttäuschung darüber, dass der Wechsel zwischen Desktop- und Tablet-Modus nicht automatisch erfolgt, gesellte sich auch hier bald Verzückung. Der Hauptgrund dafür sind die neuen Universal-Apps. Anders als unter Windows 8.1 benötige ich nicht mehr zwei verschiedene Versionen ein und desselben Programms, von denen eine für die Maus-Tatstatur-Steuerung angepasst ist und eine andere für die Touch-Bedienung. Vielmehr passen sich die neuen Apps der jeweiligen Situation an. Das funktioniert zwar noch nicht überall reibungslos und auch gibt es noch längst nicht von jedem Programm eine entsprechende Universal-App, aber die Entwicklungsrichtung stimmt hier definitiv.

Fragezeichen bei Smartphones bleibt

Tatsächlich ist Microsoft bei der Verschmelzung von klassischem Desktop-PC und mobilem Gerät schon in dieser frühen Phase von Windows 10 weiter gekommen als jemals zuvor – und auch weiter als Apple oder Google zum aktuellen Zeitpunkt. Klar: Hier und da wirkt das Ganze noch etwas unrund, aber das Potenzial einer Software, die von Haus aus in jeder Situation funktioniert, ist definitiv groß. Gespannt bin ich daher, wie Microsoft das Konzept auf Smartphones übertragen wird und ob es am Ende tatsächlich möglich sein wird, ein Windows 10 Phone mit Bildschirm, Maus und Tastatur zu verbinden und es wie einen PC zu nutzen.

Datenschutz: So lala

Natürlich gibt es auch Grund zum Meckern: Die Datenschutz-Problematik wurde in den vergangenen Tagen bereits ausführlich diskutiert und tatsächlich sollte man als Nutzer einige Tipps berücksichtigen, um die Datensammelwut von Windows 10 zu zügeln. Auch die Sprachassistentin Cortana zählt genau wie Siri das Sammeln von Nutzerdaten zu ihren Hobbys. Ein bisschen mehr Zurückhaltung hätte ich mir an dieser Stelle von Microsoft durchaus gewünscht. Stattdessen muss der Nutzer selbst aktiv werden, um größere Sammelaktionen zu unterbinden. Skandalträchtig sind die Schnüffelversuche von Microsoft im Zeitalter von Google, Facebook und Co. trotzdem nicht, zumal diese sich an den meisten Stellen deaktivieren lassen.

fullscreen
Beim Datenschutz muss der Nutzer selbst aktiv werden. (©TURN ON 2015)

Fazit: Windows 10 macht Spaß und hat Potenzial

Fest steht jetzt schon: Für mich wird in den kommenden Jahren zumindest auf dem PC kein Weg an Windows 10 vorbeiführen. Das Betriebssystem wurde an den richtigen Stellen optimiert und alle Neuerungen fügen sich bislang ziemlich elegant ins Gesamtgefüge ein. Wenn es Microsoft zudem gelingen sollte, auch im mobilen Bereich endlich seine Stärken auszuspielen, dann könnte Windows 10 möglicherweise sogar dort seine Fußspuren hinterlassen. Auf jeden Fall gefällt mir der Ansatz, die Grenzen zwischen einzelnen Geräteklassen und Ökosystemen niederzureißen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Microsoft die gute Ausgangsbasis nutzt, um die Software an den richtigen Stellen weiterzuentwickeln.

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben