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Firefox 57 im Test: Kann der Browser mehr als Chrome?

Mit der neuen Version 57 ist der Firefox-Browser deutlich schneller geworden.
Mit der neuen Version 57 ist der Firefox-Browser deutlich schneller geworden. (©Mozilla 2017)

Mit dem Release von Firefox 57 bekommt es der Chrome-Browser wieder mit einem alten Konkurrenten zu tun. Das neue Firefox hat nämlich eine Generalüberholung hinter sich. Im Test haben wir geprüft, ob Firefox 57 in Hinblick auf Technik, Design und Features dem Marktführer Chrome gefährlich werden kann.

Geschwindigkeit: Kommt Chrome nahe

In den Browser-Benchmarks positioniert sich Firefox 57 stets in der Nähe von Konkurrenten wie Chrome und Opera. Den wichtigsten Test, Basemark Web 3.0, entscheidet allerdings weiterhin Chrome für sich. In der Praxis wirkt sich der Geschwindigkeitsvorteil derweil nur geringfügig aus – Chrome öffnet manche Websites etwas schneller.

 In Basemark Web 3.0 ist Chrome noch etwas rasanter unterwegs, ansonsten kann Firefox 57 gut mithalten. fullscreen
In Basemark Web 3.0 ist Chrome noch etwas rasanter unterwegs, ansonsten kann Firefox 57 gut mithalten. (©Screenshot TURN ON / Basemark Oy, Mozilla 2017)

In den Tests Peacekeeper, Jetstream, Kraken und Octane 2.0 kann der neue Firefox-Browser Chrome hingegen abhängen, wobei Googles Browser in Chalkboard vorne liegt. Bei der Arbeitsspeicher-Auslastung liegen Firefox 57 und Chrome auf einem ähnlichen Niveau, wobei Edge, Vivaldi und Opera deutlich weniger RAM verzehren.

Im Praxistest überzeugt Firefox 57 mit einem großen Vorteil gegenüber Chrome: Mozillas Browser kommt erheblich besser mit mehreren geöffneten Tabs zurecht. Während Chrome unter der Last von vielen Tabs zu leiden hat und mit jedem zusätzlichen Tab langsamer wird, lässt sich Firefox 57 nicht kleinkriegen.

Urteil: Beim Laden von Seiten befindet sich Firefox 57 noch nicht ganz auf Chrome-Niveau, aber der Browser kommt besser mit vielen geöffneten Tabs zurecht.

Technik: Mehr als ein Quantum Trost

Firefox 57 profitiert vor allem von der neuen Browserengine Quantum. Sie unterstützt nun mehrere Prozessorkerne und versorgt den jeweils geöffneten Tab mit mehr Leistung als die Hintergrundtabs. Zudem macht Quantum DOM die Rendering-Engine Gecko reaktionsfreudiger. Das dürften wohl die Gründe dafür sein, dass Firefox viele geöffnete Tabs so gut bewältigen kann.

 Im Hintergrund von Firefox 57 läuft eine völlig neue Engine. fullscreen
Im Hintergrund von Firefox 57 läuft eine völlig neue Engine. (©Screenshot TURN ON / Mozilla 2017)

Der Quantum WebRenderer baut die geladenen Inhalte zusammen und nutzt dafür den Grafikchip des PCs. Die neue CSS-Engine Stylo bearbeitet derweil im Gegensatz zum Vorgänger mehrere Aufgaben parallel. Der Quantum Compositor soll den Browser stabiler machen.

Urteil: Die Technik von Firefox wurde mit der Version 57 runderneuert und sorgt für schnelles und stabiles Surfen im Netz.

Design: Photon räumt auf

Das neue Photon-Design löst den Vorgänger Australis ab. Die Tabs sind nun eckig, neben dem Reload- und Home-Button wurden Buttons zum Vor- und Zurückspringen angebracht. Auf der rechten Seite findet man nun das Bibliotheksmenü, das den Zugriff auf Lesezeichen, Chronik, Downloads, synchronisierte Tabs, Bildschirmfotos und neue wichtige Seiten erlaubt. Daneben ist ein Button angebracht, der links im Browser eine Seitenleiste mit Lesezeichen, Chronik und synchronisierten Tabs einblendet.

 Die Bibliothek bietet Zugriff auf Lesezeichen, Chronik, Downloads und mehr. fullscreen
Die Bibliothek bietet Zugriff auf Lesezeichen, Chronik, Downloads und mehr. (©Screenshot TURN ON / Mozilla 2017)

Unter "mehr Werkzeuge" verbergen sich die Optionen "Privates Fenster" und "Symbolleisten anpassen...". Schließlich ist ganz rechts oben das Hamburger-Icon mit Zugriff auf das Hauptmenü angebracht und darunter findet der Nutzer Optionen wie "Einstellungen" und "Drucken". Optisch wurden Farbgebung, Icons und das Firefox-Logo überarbeitet.

Urteil: Das Photon-Design ist modern und übersichtlich.

Erweiterungen: Umstieg auf WebExtensions

Einige alte Firefox-Hasen dürften trotz aller Vorzüge ein Problem mit Firefox 57 haben. Die neue Browser-Version unterstützt nämlich keine klassischen Erweiterungen beziehungsweise Add-ons mehr, die auf den Schnittstellen XUL, XPCOM oder SDK beruhen. Das gilt für die mit Abstand meisten Firefox-Erweiterungen.

 Firfox 57 unterstützt nur noch WebExtensions und nicht länger die klassischen Erweiterungen. fullscreen
Firfox 57 unterstützt nur noch WebExtensions und nicht länger die klassischen Erweiterungen. (©Screenshot TURN ON / Mozilla 2017)

Alte Schnittstellen wie XUL erlaubten umfassende Veränderungen an Firefox, während die WebExtensions bislang nur oberflächliche Veränderungen und Erweiterungen ermöglichen. Mit anderen Worten lassen sich nicht alle klassischen Erweiterungen fit für Firefox 57 machen, selbst wenn die Entwickler das gerne möchten.

Auf der Habenseite ist der Browser so besser gegen schädliche Manipulationen geschützt und die Entwickler können dieselben WebExtensions ohne großen Aufwand auch für andere Browser wie Chrome anbieten. Zudem fallen Mozilla nun Firefox-Updates leichter, da sie nicht mehr in einen Konflikt mit Erweiterungen gelangen können. Zum Glück sind viele Entwickler mitgezogen und bieten ihre Erweiterungen für Firefox 57 an.

Urteil: Einige Firefox-Nutzer werden die klassischen Erweiterungen vermissen, aber auf lange Sicht dürfte sich der Umstieg auf WebExtensions als Vorteil erweisen.

Fazit: Ein starker Chrome-Konkurrent

Dank Firefox 57 kann Mozilla weiterhin gut im Browser-Wettbewerb mithalten. Die neue Version ist schnell, stabil und überzeugt vor allem mit der geschmeidigen Bewältigung vieler geöffneter Tabs. Der Umstieg auf die WebExtensions schmerzt zunächst, könnte sich aber auf lange Sicht bewähren. Insgesamt empfehlen wir auch Chrome-Nutzern, Firefox 57 eine Chance zu geben.

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