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Honor 8 im Test: Wie viel Flaggschiff gibt es für 400 Euro?

Das Honor 8 will ein Flaggschiff für unter 400 Euro sein.
Das Honor 8 will ein Flaggschiff für unter 400 Euro sein. (©TURN ON 2016)

Das Honor 8 ist das bislang ambitionierteste Smartphone der chinesischen Marke, das sich im Test bei uns beweisen musste.   Ausgestattet mit einer waschechten Dual-Kamera, legt es sich sogar mit dem iPhone 7 Plus an. Doch kann das in einem 400 Euro-Handy wirklich gut gehen?

Mit seiner Zweitmarke Honor zielt Huawei traditionell auf die Kunden, die ein hochwertig verarbeitetes Smartphone zum günstigen Preis wollen. Mit dem neuen Honor 8 greift der Hersteller sogar die Oberklasse bestehend aus dem hauseigenen Huawei P9, dem Samsung Galaxy S7 und neuerdings auch dem iPhone 7 an. Für knapp 400 Euro soll es das 8er-Modell mit den genannten Smartphones aufnehmen. Doch kann das wirklich gelingen?

Optische Oberklasse mit Fingerabdruck-Anziehungskraft

Rein äußerlich macht das Honor 8 schon mal einen guten Eindruck. Die Art der Verarbeitung ähnelt der des Samsung Galaxy S7. Vorder- und Rückseite sind komplett mit Glas bedeckt und werden von einem schlanken Metallrahmen zusammengehalten. Die gläserne Rückseite ist, wie auch bei den Galaxy-Geräten von Samsung, auf den ersten Blick schick und sorgt für einige nette Lichtreflexionen, zieht aber Fingerabdrücke magisch an. Zudem rutscht das extrem glatte Gehäuse auf Tischen gern ein wenig Hin und Her. Dieses Problem haben aber mittlerweile viele Smartphones.

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Besonders gut gefiel uns, dass unser Testgerät in der ungewöhnlichen Farbe Sapphire Blue geliefert wurde. Hier hebt sich Honor glücklicherweise vom schwarz-weiß-goldenen Einheitsbrei ab. Wer möchte, kann es jedoch auch traditionell haben und das Honor 8 auf Wunsch auch in den Farbvarianten in Pearl White, Midnight Black und Sunrise Gold kaufen.

Lichtstarkes Display mit Luft nach Oben

Doch nicht nur das Gehäuse kann sich sehen lassen. Auch das LC-Display im Honor 8 macht einen hervorragenden Eindruck und bietet eine sehr gute Helligkeit. Das macht sich vor allem bei starker Sonneneinstrahlung im Freien bezahlt, denn hier bleibt der Screen jederzeit gut ablesbar. Die Auflösung ist mit 1920 x 1080 Pixeln auf einem hervorragenden Niveau. Ja, sie ist deutlich geringer als bei einem QHD-Display  – aber nein, mit bloßem Auge ist dieser Unterschied praktisch nicht zu erkennen. Daher macht der Hersteller hier viel richtig, indem er seinem neuen Smartphone "nur" ein Full HD-Display beschert, denn die geringere Pixelzahl spart im Alltag merklich Akku- und Prozessorleistung.

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Von der Referenzklasse bei den Smartphone-Displays ist das Honor dennoch ein gutes Stück entfernt. Wer die Flaggschiffe von Samsung oder Apple daneben hält, dürfte den Unterschied insbesondere bei der Farbechtheit bemerken. Für den aufgerufenen Preis geht das jedoch vollkommen in Ordnung.

Das Innenleben: Untere Oberklasse

Apropos Prozessorleistung: Die kann sich für knapp 400 Euro wirklich sehen lassen. Angetrieben wird das Honor 8 nämlich von einem HiSilicon Kirin 950. Der Octacore-Prozessor verfügt über vier Rechenkerne, die mit 2,3 GHz getaktet sind, während die restlichen vier Kerne eine Taktrate von 1,8 GHz besitzen. In Benchmark-Tests muss sich diese Kombination dem Galaxy S7, dem iPhone 7 oder auch dem LG G5 geschlagen geben. Im Alltag spielt das aber kaum eine Rolle, denn die Leistung ist für nahezu alle Anwendungen und Games mehr als ausreichend.

Unterstützt wird der Prozessor übrigens von satten 4 GB Arbeitsspeicher, was sogar ein GB mehr ist als im Huawei P9. Die Multitasking-Tauglichkeit des Smartphones lässt sich nach dem Test bestätigen. Selbst bei mehreren leistungsintensiven Anwendungen war das schnelle Wechseln zwischen den einzelnen Apps noch problemlos möglich. Zusätzlich gibt es dann noch die mittlerweile fast schon obligatorischen 32 GB an internem Speicher, die sich per microSD-Karte erweitern lassen. Alternativ lässt sich der Schacht jedoch auch für eine zweite SIM-Karte nutzen.

Die Software ist typisch Huawei

Wer die Geräte zum ersten Mal in Betrieb nimmt, bekommt die vertraute Huawei-Nutzeroberfläche EMUI 4.1 zu sehen, die auf dem Honor 8 genauso aussieht wie beispielsweise auf dem Huawei P9. Als Basis dient auch hier Android 6.0. Ein Update auf Android 7.0 hat der Hersteller jedoch bereits in Aussicht gestellt, ebenso wie regelmäßige Sicherheitsupdates für mindestens 24 Monate nach dem Release des Gerätes.

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Optisch erinnert EMUI 4.1 stärker an iOS als an Stock-Android und auch einige Design-Entscheidungen, wie der konsequente Verzicht auf den App-Drawer, haben sich die Chinesen bei Apple abgeschaut. Auch das Benachrichtigungscenter und das Einstellungs-Menü sind an iOS angelehnt. Der Funktionsvielfalt tut das allerdings keinen Abbruch. Auch die Android-Version von Huawei lässt sich nach allen Regeln der Kunst anpassen und wer mit dem Look der Nutzeroberfläche partout nichts anfangen kann, darf natürlich auch einen alternativen Launcher verwenden.

Großer Akku, optimal genutzt

Richtig gut gefällt uns beim Honor 8 wieder einmal, was der Hersteller an Akku-Optionen anbietet. So lässt sich der Alltagsverbrauch des 3000 mAh-großen Batteriespeichern mit zahlreichen Einstellungen optimieren. Unter anderem ist es möglich, die Displayauflösung dauerhaft auf 1280 x 720 Pixel zu verringern. Einen großen Unterschied macht das für die meisten Apps nicht und es spart einiges an Akku- und Prozessorleistung. Ein sehr gutes Feature, das wir uns optional bei allen Smartphones wünschen würden. Mit den richtigen Einstellungen informiert das Honor 8 seinen Nutzer zudem regelmäßig über Apps, die im Hintergrund weiterlaufen und dabei unnötig Akkuleistung fressen. Auch das ist ein sehr nützliches Feature.

Blitzschnell entsperrt

Wieder einmal punkten kann Huawei beim Fingerabdrucksensor. Auch wenn mittlerweile eigentlich alle Hersteller einen flinken Scanner verbauen, sind die Chinesen hier immer noch spitze. So arbeitet der Sensor im Honor 8 extrem schnell und sehr akkurat und scheint stets noch einen Tick schneller zu sein als die Scanner in anderen Smartphones. Zudem erlaubt es Huawei über seine Software, dem Scanner auch zusätzliche Funktionen zuzuweisen. So lassen sich über ihn etwa das Benachrichtigungscenter öffnen oder Fotoalben durchblättern. Dabei funktioniert der rückseitig angebrachte Sensor wie ein kleines Touchpad.

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Entsperrt wird das Honor 8 über den pfeilschnellen Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. (©TURN ON 2016)

Doch der Fingerabdruckscanner ist beim Honor 8 nicht nur ein Scanner, sondern tatsächlich auch ein richtiger Button, der sich durchdrücken lässt. Welche Funktion dieser Button übernimmt, kann der Nutzer des Smartphones selbst entscheiden. So ist es zum Beispiel möglich, auf Knopfdruck eine bestimmte App oder die Kamera zu starten. Wer dann also einfach nur mit dem Finger über den Scanner wischt, landet auf dem Homescreen. Wer zusätzlich den Button durchdrückt, befindet sich nach dem Entsperren sofort in der Kamera-App und kann losfotografieren.

Der Star ist die Kamera

Bis hier hin ist das Honor 8 für sich genommen ein gutes, teilweise sogar ein sehr gutes Gerät, das für einen absolut konkurrenzfähigen Preis angeboten wird. Doch der eigentliche Star ist bei dem 400-Euro-Gerät die rückseitige Kamera. Genau wie beim großen Bruder, dem Huawei P9, handelt es sich hier nämlich um eine Dual-Kamera mit zwei Linsen und zwei Kamera-Sensoren. Ganz an die Qualität des P9 kommt die Dual-Kamera im Honor 8 jedoch nicht heran. Das 8 knipst zwar sehr schicke Bilder, die sich jedoch in puncto Schärfe und Kontrast dem Huawei geschlagen geben müssen.

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So gibt es auch im Honor 8 zwei Linsen mit 12 Megapixeln und mit identischer Brennweite. Durch den Einsatz der beiden Sensoren kann die Kamera zu jeder Zeit mehr Lichtinformationen einfangen und Motive so auch bei schwächeren Lichtverhältnissen klar und ohne Bildrauschen darstellen. Ein wenig künstlerisch wird das Smartphone im Fokus-Modus. In diesem lassen sich Bilder mit beeindruckenden Tiefen- und Unschärfeeffekten erstellen, weil beide Kamera-Sensoren zusammenarbeiten und entsprechend viele Tiefeninformationen liefern. In Bildern, die auf diese Weise geknipst werden, lässt sich sogar nachträglich noch der Fokus verändern – eben weil in der gespeicherten Datei so viele Informationen bereitstehen.

Ein ähnliches Feature hat Apple bekanntlich für die Dual-Cam des iPhone 7 Plus angekündigt. Allerdings ist es dort bislang erst in der Beta von iOS 10.1 verfügbar. Im gerade mal 400 Euro-teuren Honor 8 lässt es sich bereits jetzt verwenden.

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Etwas schade ist, dass die Tiefenerkennung nicht immer ganz sauber erfolgt und hin und wieder auch Objekte scharf gestellt werden, die sich eigentlich nicht im Fokus befinden – oder umgekehrt. Spannend wird sein, ob und wie gut Apple diese Schwäche bei seinem 1000 Euro-iPhone 7 Plus umgehen kann. Insgesamt kann das Feature jedoch überzeugen.

Anders als das Huawei P9 verfügt das Honor 8 nicht über einen Modus für Monochrom-Fotografie. Es lässt sich zwar ein entsprechender Filter zuschalten, dieser liefert jedoch nicht das gleiche beeindruckende Erlebnis wie der Monochrom-Sensor im P9.

Fazit: Kaum natürliche Feinde für das Honor 8

Es gibt sehr viele Smartphones im Preisbereich zwischen 300 und 400 Euro – aber nur wenige davon bieten derzeit so viel wie das Honor 8. Was Huawei hier anbietet, ist ein Quasi-Flaggschiff zum Preis eines Mittelklasse-Gerätes. Bei Leistung und Performance muss sich das Smartphone zwar dem LG G5 oder dem HTC 10 geschlagen geben. Allerdings sind das größtenteils theoretische Unterschiede, die sich zwar in Benchmarks messen, nicht jedoch im Alltag nachvollziehen lassen.

Auch bei der Verarbeitung gibt sich der Hersteller keine Blöße. Das Honor 8 ist zwar vielleicht nicht das allerschönste Smartphone, aber dennoch sehr hübsch und wertig verarbeitet. Ein Wermutstropfen mag für Einige die vollverglaste Rückseite sein, die zwar vor allem in Blau todschick aussieht, jedoch auch Fingerabdrücke magisch anzieht.

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Mit dem Honor 8 gelingt Huawei ein starker Flaggschiff-Anwärter. (©TURN ON 2016)

Was das Honor 8 bei der Kamera leistet, verdient Respekt – gerade wenn man den Preis von rund 400 Euro berücksichtigt. Die Dual-Kamera bringt ein paar Funktionen mit, die aktuell nur sehr, sehr wenige Smartphones bieten und das meist auch nur zu einem deutlich höheren Preis. Das Herumspielen mit den Tiefeneffekten macht Spaß und es ist beeindruckend, wozu die kleinen Kameras in Smartphones mittlerweile fähig sind. Allerdings ist diese Spielerei nichts, was essenziell ist. Wichtig für den Alltag ist, dass das Honor 8 auch dann überzeugt, wenn man das Handy schnell aus der Tasche zieht um ganz spontan einen Schnappschuss zu machen. Und das tut es! Die Kamera ist zwar nicht ganz auf dem Level eines Galaxy S7 oder eines LG G5, aber schon ziemlich nah dran.

Die Summe seiner Stärken machen das Honor 8 zu einer echten Alternative zum OnePlus 3 – und zu jedem anderen Smartphone seiner Preisklasse. Wer mit den wenigen Schwächen des Gerätes leben kann, macht hier nichts falsch.

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