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Huawei Mate S im Test: Die neue S-Klasse aus China?

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HuaweiMateS (12 von 25) (©TURN ON 2015)

Mit dem neuen Mate S wagt sich Huawei endgültig in die Smartphone-Oberklasse vor. Im Test muss sich das Gerät daher nicht nur beweisen, sondern auch dem Vergleich mit iPhone 6s, Galaxy S6 und LG G4 stellen. Kann das China-Phone zur Spitze aufschließen?

Ganz egal ob Galaxy S6 oder iPhone 6s – der Buchstabe "S" scheint bei Smartphones für High-End und edles Design zu stehen. Das dachte sich wohl auch Huawei und hat dem Nachfolger zum letztjährigen Ascend Mate 7 kurzerhand den Namen Mate S spendiert. Und tatsächlich: Das neue Smartphone-Flaggschiff der Chinesen geht als direkter Konkurrent zu den aktuellen Topgeräten von Samsung und Apple ins Rennen.

Ein Schmuckstück aus Aluminium

Schon das Design des Huawei Mate S unterstreicht den Anspruch des Herstellers, in der absoluten Oberklasse mitzuspielen. Das 5,5-Zoll-große Gerät wirkt beim ersten Anfassen unheimlich hochwertig und edel. Die Verarbeitung lässt grundsätzlich keinerlei Wünsche offen. Genau wie das iPhone 6s bietet das Mate S ein Unibody-Aluminium-Gehäuse, obwohl das Design der Rückseite eher an das HTC One M9 erinnert als an das Apple-Phone. Die Gerätefront ist durchgehend von Glas bedeckt, wobei die Ränder an beiden Seiten sowie oben und unten sehr schmal ausfallen. Insgesamt wirkt das Smartphone damit schlanker als die meisten 5,5-Zoll-Smartphones der Konkurrenz. Um es mal ganz deutlich zu machen: Das iPhone 6s Plus fällt deutlich wuchtiger aus.

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Prozessor und Display mit ein wenig Luft nach oben

Dem High-End-Anspruch möchte das Mate S allerdings nicht nur beim Design gerecht werden. Auch die Ausstattung kann sich auf dem Papier sehen lassen. Im Inneren verrichtet ein Octacore-Prozessor aus Huaweis eigener Chip-Schmiede Hisilicon seinen Dienst. Unterstützt wird dieser von 3 GB RAM und einem internen Speicher von 32 GB. Im Handel gibt es später allerdings auch Versionen mit 64 und 128 GB zu kaufen. Sehr vorbildlich ist, dass sich der Speicher in allen Versionen per microSD-Karte erweitern lässt. Daran dürfen sich Samsung und Apple gerne ein Beispiel nehmen.

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Im Betrieb macht das Smartphone eine hervorragende Figur. Der Hisilicon Kirin 935 taktet vier seiner Kerne mit 2,2 GHz, die restlichen vier haben eine Taktrate von 1,5 GHz. Im Benchmark von AnTuTu kam diese Kombination in unserem Test auf einen Wert von 50.328 Punkte. Dieser Wert ist gut, liegt jedoch deutlich hinter dem Galaxy S6 und iPhone 6s, die beide rund 67.000 Punkte erreichen. In der Praxis ist dieser Unterschied jedoch ziemlich egal. Zumindest im Test leistete sich das Huawei Mate S bei der Performance keinerlei Schwächen. Selbst Spiele mit aufwendiger 3D-Grafik flimmerten ohne Probleme über das Display. Apropos Display: Das Mate S verfügt über ein 5,5-Zoll AMOLED-Display mit einer Auflösung von 1080p. Schärfe, Farbintensität und Kontrast bewegen sich auf einem hohen Niveau. Nur bei der Helligkeit müssen kleinere Abstriche gemacht werden, die jedoch nicht wirklich stören.

Android im iOS-Design

Als Betriebssystem kommt auf dem Gerät Android in der Version 5.1.1 zum Einsatz. Die Benutzeroberfläche mutet allerdings auf den ersten Blick eher wie iOS an. Das liegt an Huaweis eigener Software EMUI 3.1, die in puncto Design und Aufbau stark an das Apple-Betriebssystem erinnert. So lässt sich – ähnlich wie beim iPhone – schon auf dem Lockscreen durch das Wischen vom unteren Displayrand ein Menü aufrufen, das den Schnellzugriff auf verschiedene Funktionen wie Kamera, Taschenrechner oder Notizen ermöglicht.

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Die Anlehnung an iOS setzt sich beim Design der App-Icons fort und auch auf den App-Drawer von Android verzichtet Huawei bei der eigenen Software. Die Apps werden wie beim iPhone direkt auf dem Home-Screen angezeigt. Insgesamt macht die Benutzeroberfläche des Mate S einen guten Eindruck. Letztlich ist es natürlich Geschmackssache, ob man das Software-Design des Handys mag oder nicht. Natürlich besteht jederzeit die Möglichkeit, eine alternative Benutzeroberfläche wie den Nova-Launcher auf dem Gerät zu installieren und zum Stock-Android-Design zu wechseln.

Der beste Fingerabdrucksensor in einem Smartphone

Ein kleines Highlight des Huawei Mate S ist der rückseitig platzierte Fingerabdrucksensor. Dieser entsperrt das Smartphone blitzschnell und befindet sich absolut auf Augenhöhe mit der neuen Touch ID im iPhone 6s. Auch bei der Erkennung des Fingers gibt sich der Scanner keine Blöße. Im mehrtägigen Test mit unzähligen Endsperrvorgängen kam es nur ein einziges Mal vor, dass der Finger nicht beim ersten Mal erkannt wurde.

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Der Fingerabdrucksensor dient auch als Touchpad. (©TURN ON 2015)

Was den Scanner im Mate S noch besser macht als jenen des iPhone 6s, ist die Zusatzfunktion, die Huawei ihm spendiert hat. So dient der kleine Sensor in einigen Anwendungen auch als Touchpad und kann benutzt werden, um bestimmte Menüs wie von Geisterhand zu öffnen. Auch das Durchblättern des Fotoalbums klappt über den Sensor, sodass man als Nutzer dabei nicht über das Display wischen muss. Das ist eine ebenso einfache wie geniale Idee, die derzeit leider noch von zu wenigen Apps unterstützt wird. Hier darf Huawei gern noch nachlegen.

Optimierte Touch-Bedienung

Auch sonst hat sich der Hersteller einige Gedanken zur sinnvollen und unkomplizierten Bedienung des Smartphones gemacht. Die angekündigte Force Touch-Steuerung des Displays konnten wir leider nicht testen, da diese der 128-GB-Version des Smartphones vorbehalten bleibt. Bei allen Versionen an Bord ist allerdings die Knuckle-Funktion, bei der verschiedene Gesten durch das Tippen per Fingerknöchel ausgeführt werden. Klopft man zum Beispiel zwei Mal kurz hintereinander mit dem Knöchel auf das Display, macht das Smartphone automatisch einen Screenshot. Zeichnet man mit dem Knöchel ein "C" auf den Bildschirm, dann wird die Kamera-App geöffnet, ein "M" öffnet die Musik-App und so weiter. Das klappt mit einiger Übung sogar recht gut.

Kamera für Hobby-Fotografen?

Die Hauptkamera des Huawei Mate S löst mit 13 Megapixeln auf und bewegt sich insgesamt auf einem guten Niveau. Selbst ohne den optionalen HDR-Modus ist das Kontrastniveau auf den Bildern ziemlich gut und die Kamera verschluckt bei normalen Lichtverhältnissen nur wenige Details. Auch bei schlechter Beleuchtung und Gegenlicht und gibt sich der Sensor Mühe, ein möglichst detailreiches Bild abzuliefern. Sind die Lichtverhältnisse allerdings zu dunkel, geht dem Mate S irgendwann die Puste aus und es setzt ein merkliches Bildrauschen ein. Leider offenbarte die Kamera im Test auch eine größere Schwäche. So wirkten die Farben der Bilder selbst bei sehr guten Lichtverhältnissen stets etwas zu blass.

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Für Hobbyfotografen bietet die Foto-App von Huawei umfangreiche Möglichkeiten zur Einstellung. Neben dem HDR-Modus lässt sich auch ein sogenannter Pro-Mode aktivieren, in dem sich ähnlich wie beim LG G4 Lichtempfindlichkeit, Verschlusszeit, Lichtwert und Autofokus manuell konfigurieren lassen. Kaum ein anderes Smartphone bietet hier ähnlich viel Potenzial zum Herumexperimentieren. Das Niveau des LG G4 erreicht die Kamera des Huawei Mate S allerdings längst nicht.

Akku: Gut im Standby, durchschnittlich im Betrieb

Das Huawei Ascend Mate 7 war im Bereich Akku ein absoluter Top-Performer. Der Nachfolger kann da leider nicht mithalten. Das liegt natürlich am schlanken Gehäuse. Die Kapazität von 2700 mAh ist für ein 5,5-Zoll-Gerät eher gering. Zumindest im Stand-by bei ausgeschaltetem Display macht das Smartphone aber eine ganz passable Figur und saugt die Batterie nicht über Gebühr leer. Das ändert sich jedoch, wenn man Kamera, Webbrowser und Telefonfunktion nutzt. Hier geht dem Mate S dann leider schnell der Saft aus. Bei normaler Nutzung muss das Smartphone jede Nacht an die Steckdose. Eine Katastrophe ist das nicht – aber eben auch kein Pluspunkt. Wechseln lässt sich der Akku übrigens nicht, dafür gibt es eine Quick-Charge-Funktion.

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Das Huawei Mate S unterstützt Quick Charge. (©TURN ON 2015)

Fazit: Willkommen in der Oberklasse

Vorbei sind definitiv die Zeiten, in denen man Huawei-Geräte als Billig-Handys aus China abtun konnte. Mit dem Mate S ist dem Hersteller tatsächlich ein waschechtes High-End-Smartphone geglückt. Das Mobiltelefon wirkt in seiner Gesamtheit unheimlich durchdacht und leistet sich kaum nennenswerte Schwächen. Wer nach einem hochwertigen 5,5-Zoll-Gerät sucht, der wird derzeit kaum ein schickeres Smartphone kaufen können und auch an der Performance gibt es im Alltagsbetrieb absolut nichts auszusetzen.

Hinzu kommen allerlei kleine Details, wie die frei konfigurierbare Kamera und der Fingerabdrucksensor als Touchpad, die das Huawei Mate S erfreulich von anderen Geräten abheben. Vor allem letztere Funktion entpuppt sich schon nach einmaligem Ausprobieren als richtig gute Idee. Klar, Killer-Features sind das nicht, aber solche hat auch die Konkurrenz derzeit nicht zu bieten.

Große Schwächen gibt es beim Mate S nicht zu bemängeln. Die Akkulaufzeit ist insgesamt eher unterdurchschnittlich und die Top-Geräte von Samsung und LG bieten das etwas bessere Display. Die größte Einzelschwäche leistet sich die Kamera. Diese knipst zwar an sich gute Bilder, allerdings wirken die Farben in jeder Einstellung etwas zu blass. Hier haben LG G4 oder iPhone 6s immer noch merklich die Nase vorn. Betrachtet man das Gesamtpaket, dann bewegt sich das Huawei Mate S jedoch absolut auf Augenhöhe mit den genannten Geräten.

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