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Huawei TalkBand B2: Telefonierender Fitness-Tracker im Test

Zum Tracken und Telefonieren: das Huawei TalkBand B2.
Zum Tracken und Telefonieren: das Huawei TalkBand B2. (©TURN ON 2015)

Was sollte ein Fitness-Tracker können? Wer auf diese Frage spontan mit "Telefonieren!" antwortet, der sollte sich das Huawei TalkBand B2 einmal genauer ansehen. Ob das Wearable aber auch abseits seines ungewöhnlichen Features punkten kann, haben wir in einem Test unter die Lupe genommen.

Hat Huawei seit dem TalkBand B1 dazugelernt?

Der Name des Fitness-Trackers verrät es bereits: Das Huawei TalkBand B2 ist nicht das erste Modell dieser Serie. 2014 brachte der chinesische Hersteller das TalkBand B1 auf den Markt. Die Idee, ein Fitnessarmband mit einem Bluetooth-Headset zu kombinieren, brachte Aufmerksamkeit – aber keinen Verkaufserfolg. Das Wearable war technisch unausgereift, unkomfortabel und auch optisch keine Augenweide. Nun muss das neue Modell zeigen, ob Huawei die größten Kritikpunkte der Vergangenheit ausmerzen konnte.

Design und Handling: Unbequemer Eyecatcher

Der erste Eindruck beim Öffnen der schicken Verpackung: Zumindest beim Design legt Huawei 2015 ordentlich nach. Das TalkBand B2 ginge auch als kleine Smartwatch, vielleicht sogar als elegantes Schmuckstück durch. Mit dem Gros der Fitness-Tracker auf dem Markt hat das Huawei-Modell jedenfalls herzlich wenig gemein. Das Tracker-Headset-Modul mit 0,73 Zoll großem Display glänzt dank spiegelnder Beschichtung in allen drei verfügbaren Versionen und ist zumindest an den Rändern im gebürsteten Alu-Look gehalten. Bei zwei von drei Varianten wird der Premium-Eindruck aber spätestens beim Umlegen des Armbands getrübt. Dieses besteht nur beim 199 Euro teuren Topmodell aus Leder. Die schwarze und die weiße Version des Huawei TalkBand B2 besitzen ein Armband aus dem bei Fitness-Trackern üblichen Gummi. Sie kosten dafür nur 169 Euro.

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Nachgebessert hat Huawei beim Schließmechanismus. Zwar gibt es immer noch keinen klassischen Uhrenverschluss. Dafür wird das Armband durch eine Schlaufe geführt und am Ende festgeklemmt. Das Ende baumelt nicht mehr in der Luft herum. Was den Halt des Armbands angeht, gibt es unterschiedliche Meinungen. Viele Tester berichten, dass auch das TalkBand B2 immer wieder mal abfiel, in unserem Test hielt das Wearable – auch nachts. Dafür ist die Version mit Plastikarmband, das etwas länger ausfällt als das Leder-Gegenstück, nichts für schmale Handgelenke. Beim Sport verrutschte und störte der Tracker selbst in der engsten Einstellung. Auch aufgrund seiner vergleichsweise großen Technik-Einheit.

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Das integrierte Headset lässt sich einfach per Druck auf zwei Knöpfe am Armband entfernen. Das Ins-Ohr-Klemmen ist hingegen etwas fummelig. Wird man angerufen, sollte man sich damit beeilen, um den Anruf nicht zu verpassen. Der Sitz im Ohr ist natürlich individuell verschieden. Immerhin liefert Huawei die Ear-Plugs in drei verschiedenen Größen mit. Diese halten jedoch nicht sonderlich gut am Headset selbst und fallen beim Herausnehmen aus dem Ohr gerne mal ab.

Hardware und Ausstattung: Halb Tracker, halb Headset

Das Huawei TalkBand B2 fällt für einen Fitness-Tracker nicht nur besonders schick, sondern auch ganz schön groß aus. Das ist natürlich dem Hybrid-Konzept geschuldet. Allerdings nutzt Huawei diesen Umstand nur bedingt zu seinem Vorteil. Zwar bringt das TalkBand im Gegensatz zu manch anderem Wearable ein Display mit. Dieses nutzt aber nicht die gesamte zur Verfügung stehende Breite der Headset-Einheit aus. Auf dem 0,73-Zoll-PMOLED-Screen werden daher nur Basis-Infos gezeigt – und zwar ganz schön klein und dunkel. Das Display spiegelt zudem stark, das Ablesen im Sonnenlicht ist nahezu unmöglich. Schade auch, dass Huawei keinerlei Möglichkeit bietet, das Display via App zu konfigurieren. Was angezeigt wird, wie lange und wie hell – darauf hat der Nutzer keinen Einfluss.

Als Bedienelement kommt ein einziger physischer Knopf an der Seite des Fitness-Trackers zum Einsatz. Dieser weckt das TalkBand aus dem Stand-by auf und öffnet ein Zusatz-Feature-Menü durch langes Gedrückthalten. Per Touch-Funktion lässt sich durch die unterschiedlichen Anzeigen scrollen. Der Startbildschirm zeigt Uhrzeit, Datum, Wochentag, Akkustand und ein Bluetooth-Symbol, durch Scrollen gelangt man zu den absolvierten Schritten, den aktiv verbrannten Kalorien, dem Schlaf der letzten Nacht sowie einer Stoppuhr. Übrigens: Das Huawei TalkBand B2 soll sich eigentlich wie die Apple Watch durch Drehen des Handgelenks aufwecken lassen. Tut es aber nicht. Man muss den Arm dafür regelrecht Schütteln. Ungewollt passiert es dann dennoch ständig – etwa in der Nacht. Und dann erhellt das eigentlich viel zu dunkle Display den ganzen Raum.

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Bis auf sein Headset-Feature bietet das zweite TalkBand keinerlei technische Raffinesse. Das Sensorenpaket bietet nichts weiter als einen Sechs-Achsen-Beschleunigungsmesser und ein Gyroskop. Auch das B2 ist daher nur als Basis-Tracker einzuordnen. Ohne GPS oder Herzfrequenzsensor sind keine aufschlussreichen Fitness-Auswertungen vom Wearable zu erwarten. Der Hersteller behauptet zwar, das Fitnessarmband sei in der Lage, Aktivitäten wie Laufen oder Fahrradfahren automatisch zu erkennen. Im Test tauchten auch tatsächlich mehrmals einige Minuten Radfahren in der Tagesbilanz auf – allerdings ohne jegliche sportliche Betätigung, die auch nur im entferntesten an Fahrradfahren erinnern könnte. Wasserdicht ist der Tracker ebenfalls nicht.

Funktionen und Apps: Lustige Synchronisierungsfehler

Angesichts der Ausstattung ist es nicht verwunderlich, wie unser Testurteil zum Alltagsnutzen des Huawei TalkBand B2 ausfällt. Zwar gibt es einige einfache Tracker, die nicht viel messen können, für Bewegungsmuffel zu Motivationszwecken aber dennoch empfehlenswert sind – etwa das Jawbone Up2. Das Huawei-Modell zählt aber nicht dazu. Und das ist vor allem der Software geschuldet. Zum Einrichten, Synchronisieren und Auswerten ist die Huwaei Wear-App erforderlich. Die gibt es kostenlos für Android und für iOS.

An der App an sich gibt es gar nicht so viel zu meckern. Aber auch nicht viel zu bewerten. Denn sie kann nicht viel. Nach dem Start synchronisiert sie die Daten mit dem TalkBand automatisch und zeigt dann eine Übersicht über die tägliche Aktivität an. Ein zweiter Hauptbildschirm fasst die Schlafdaten zusammen. Per Fingertipp gelangt man zu einem Balkendiagramm, das entweder einen einzelnen Tag oder den Monatsverlauf grafisch anschaulich aufbereitet. In den Einstellungen lassen sich noch verschiedene Alarme sowie ein intelligenter Wecker aktivieren.

Was die Genauigkeit der Messdaten angeht, offenbart das TalkBand B2 einen Hang zum Übertreiben. Ein über den Testzeitraum gleichzeitig getragenes Mio Fuse zeigte täglich weniger absolvierte Schritte an als das Huawei-Modell. Der TalkBand-Wert lag am Ende eines Tages knapp 20 Prozent über dem des Fuse. Die Wahrheit wird vermutlich irgendwo dazwischen liegen. Die Schlafdaten sind ebenso mit Vorsicht zu genießen, da der Tracker lediglich die Bewegung im Schlaf registrieren kann und daraus – mitunter falsche – Rückschlüsse zieht. Auch erkannte das Wearable während eines Arbeitstages im Büro angeblich 23 Minuten Schlaf.

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TalkBand vs Up fullscreen
TalkBand vs Up2 fullscreen

Ein noch kurioseres Ergebnis lieferte aber eine Synchronisation mit der Up-App von Jawbone. Eigentlich ist es ein Pluspunkt, dass Huaweis TalkBand B2 auch mit der vielfach gelobten Anwendung kompatibel ist. Allerdings bleibt die Huawei Wear-App weiterhin Voraussetzung fürs Übertragen der Daten. Und das klappt leider nicht immer gleich beim ersten Versuch. War die Synchronisation erfolgreich, kann die Up-App über Huaweis Anwendung aufgerufen werden. Bei der Weitergabe der Daten scheint im Test dann etwas schiefgelaufen zu sein. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, dass die Up-App zu 46 Stunden und 47 Minuten Schlaf in einer Nacht gratulierte. In der Huawei-App waren es noch 6 Stunden und 13 Minuten – was laut TalkBand übrigens im "Normal"-Bereich liegt.

Doch nicht nur als Fitness-Tracker offenbart das TalkBand B2 Schwächen. Auch das Headset kann nicht mit aktuellen Geräten auf dem Markt mithalten. Das Telefonieren im Test klappte zwar, das Gegenüber war sogar gut zu verstehen. Allerdings klang das, was beim Anrufer ankam, nach schlechter Freisprecheinrichtung beziehungsweise sehr weit entfernt. Die Übertragungsqualität geht also nur beim TalkBand-Träger in Ordnung.

Akkulaufzeit: Keine Schonung für den Handy-Akku

Laut Hersteller hält das TalkBand B2 rund sechs Tage, bis der winzige 95-mAh-Akku wieder aufgeladen werden muss. Die tatsächliche Akkulaufzeit ist natürlich stark vom Telefonierverhalten abhängig. Allerdings erscheinen sechs Tage laut unserem Test doch sehr optimistisch. Vier Tage bei moderater Nutzung könnten realistisch sein. Und damit hinkt das TalkBand der Tracker-Konkurrenz erneut hinterher. Zudem ist die Telefonfunktion nur bei aktiver Bluetooth-3.0-Verbindung zum Smartphone nutzbar. Das saugt dann noch zusätzlich am Handy-Akku. Immerhin ist der Tracker-Headset-Hybrid nach gut einer Stunde wieder aufgeladen.

Fazit: Wenig Nutzen für viel Geld

Fangen wir mal mit dem Positiven an: Schick mögen manche es finden, das Huawei TalkBand B2. Insbesondere die Premiumversion mit Lederarmband hat mehr mit einem Schmuckstück als mit einem typischen Fitness-Tracker gemein. Und auch die Idee, ein Headset zu integrieren, ist zumindest innovativ und einzigartig.

Diesen zwei Pluspunkten stehen aber eine ganze Reihe nerviger und verbesserungswürdiger Eigenschaften gegenüber. So ist das Fitnessarmband nicht nur arm an Ausstattung und Features, es erweist sich auch im Alltag als störrisch. Die Synchronisation mit der wenig überzeugenden Huawei-App hakelt und die Integration von Jawbones Up-Anwendung funktioniert nicht reibungslos. Die Fitnessdaten sind nicht wirklich genau und die Telefonfunktion lässt zu wünschen übrig.

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Kurzum: Das Huawei TalkBand B2 kann in beiden Disziplinen, in denen es antritt, nicht überzeugen. Es gibt bessere Fitness-Tracker auf der einen und bessere Headsets auf der anderen Seite. Und das auch noch günstiger. Denn mit 169 Euro für die Plastik- und 199 Euro für die Lederversion ist das chinesische Gerät obendrein noch ganz schön teuer.

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