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Huawei Watch im Test: Edle Smartwatch mit Schwächen

Die Huawei Watch gibt es unter anderem mit Lederarmband und mit Netzarmband aus Metall.
Die Huawei Watch gibt es unter anderem mit Lederarmband und mit Netzarmband aus Metall. (©TURN ON 2015)

Schon im Frühjahr zeigte sich die Huawei Watch der Öffentlichkeit, nun ist sie auch in Deutschland erschienen. Im Test haben wir uns die erste Smartwatch des chinesischen Herstellers in den Varianten Watch Classic und Watch Active genauer angeschaut.

Nach dem Trubel um die Apple Watch im März haben Smartwatches seit der IFA 2015 wieder Hochsaison. Denn neben der Samsung Gear S2, der Moto 360 (2015) und manch anderem Wearable konnten Besucher auch die Huawei Watch in Händen halten. Vorgestellt hatten die Chinesen sie bereits im Frühjahr, allerdings ist das Wearable erst jetzt im Handel erschienen. Zu kaufen gibt es den Erstling in den Varianten Huawei Watch Classic, Huawei Watch Active und Huawei Watch Elite. Die Unterschiede liegen im Finish des Gehäuses sowie in den Armbändern.

Look und Haptik der Huawei Watch

Schon auf den Pressebildern machen die drei Varianten der Huawei Watch allesamt einen edlen Eindruck – sie folgen ganz dem Trend der Smartwatch im klassischen Uhrendesign. Dieser wertige Eindruck bestätigt sich auch im Test. Das runde Gehäuse aus hypoallergenem 316L-Chirurgenstahl misst 42 Millimeter und soll sowohl an Herren- als auch Damenhandgelenken gut sitzen. Gerade bei etwas kräftigeren Handgelenken, aber auch bei manchen Kolleginnen wirkt die Größe teils doch etwas unpassend – ein Antesten vor dem Kauf empfiehlt sich also. Das macht die Konkurrenz besser: Motorola etwa bietet die Moto 360 (2015) in zwei Varianten mit 42 und 46 Millimetern an.

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Der elegante Look der Uhr spiegelt sich auch in der Verpackung wieder: Jedes Modell wird in einer dunklen, aufklappbaren Pappschachtel geliefert, in der neben dem Wearable eine Anleitung, ein Ladestecker und ein Dock zum kabellosen Aufladen enthalten sind. Während sich die Huawei Watch Active mit ihrem Lederarmband ganz intuitiv anlegen lässt, taten sich alle Kollegen mit der Huawei Watch Classic deutlich schwerer. Deren Netzarmband muss recht friemelig durch den Verschluss geführt werden, was auch im weiteren Test immer wieder nervt. Gerade das Engerschnallen ist eine ewige Fummelei, da bei einer zu lockeren Befestigung das 10-Cent-Stück große Kunststoff-Element auf der Rückseite den Herzschlag nicht auswerten kann.

Immerhin können die Armbänder ohne Probleme durch andere Varianten ersetzt werden, Huawei nutzt hier mit 18 Millimeter Schließenbreite ein Standardmaß . Die Huawei Watch Classic ist mit dem Netzarmband aus Metall kein Schwergewicht, trotzdem fühlt sie sich beim Tragen deutlicher wuchtiger an als eine herkömmliche Herrenuhr. Auch der Verschluss ist immer wieder deutlich zu spüren, etwa wenn das Handgelenk auf einem Tisch ruht.

Verbinden der Huawei Watch mit dem Smartphone

Das Einrichten der Huawei Watch funktioniert sehr unkompliziert: Nach dem ersten Starten wird die Smartwatch via Bluetooth 4.1 mit dem Smartphone verbunden – anders als bei der Samsung Gear S können viele Features nämlich nur im Verbund mit dem Mobiltelefon genutzt werden. Die gute Nachricht aber ist: Die Huawei Watch gehört zur ersten Garde, auf der Android Wear 5.1.1 läuft. Somit lässt sich die Uhr einerseits mit Android-Smartphones mit Version 4.3 aufwärts nutzen, andererseits aber auch mit iPhones koppeln, sofern mindestens iOS 8.2 installiert ist. Das gelingt in beiden Fällen sehr gut – nach dem Installieren der App und dem Pairen der Geräte geht es auch schon los.

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Viele Features der Huawei Watch funktionieren nur zusammen mit einem Smartphone. (©TURN ON 2015)

Steuerung mit Wischgesten, Krone und "OK Google"

Während sich die Samsung Gear S2 mit der drehbaren Lünette bedienen lässt, setzt Huawei weiterhin auf die Krone als physische Taste. Eine erfreuliche Anpassung ist deren Anordnung: Anders als bei vielen Smartwatches oder klassischen Uhren befindet sich die Krone an der Zwei-Uhr-Position, nicht auf drei Uhr. Die Bedienung ist somit ein ganzes Stück komfortabler, wobei die Smartwatch im Regelfall mittels Wischgesten gesteuert wird.

Anders als bei der Moto 360 sind die knapp drei Millimeter breiten Ränder der Huawei Watch erhaben, sodass man beim Ausführen der Wischgesten immer wieder gegen eben diese stößt. Das ist an sich kein großes Problem, vielmehr nervt aber, dass das Navigieren durch die verschiedenen Karten (die Bezeichnung für die einzelnen Menüs) teilweise etwas hakelig ist. Immer wieder kommt es vor, dass erst im zweiten, dritten oder vierten Anlauf die Ansicht geschlossen wird.

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Einige Features lassen sich auch über das Smartphone abrufen, etwa das Ändern der Zifferblätter. (©TURN ON 2015)

Wem das zu friemelig ist, der kann natürlich auch auf die Sprachsteuerung via "OK Google" zurückgreifen. Dies klappt im Test größtenteils, auch wenn die App sich mit der Erkennung der Befehle teilweise schwer tut . Zudem kommt es vereinzelt vor, dass der Assistent nicht startet oder sogar abstürzt.

Solide Hardware mit knackigem Display

Von den technischen Daten beeindruckt die Huawei Watch kaum – damit steht sie aber nicht alleine dar. Seit dem Release der ersten schlauen Uhren mit Android Wear hat sich die Hardware nicht nennenswert weiterentwickelt. Verbaut ist ein Snapdragon 400 mit vier Kernen und 1,2 GHz Taktung, der Arbeitsspeicher umfasst 512 MB – damit läuft das Wearable auch ausreichend flott. Der interne Speicher ist mit 4 GB bemessen. Das runde AMOLED-Display misst 1,4 Zoll in der Diagonalen, bei einer Auflösung von 400 x 400 Pixeln stellt es 286 Bildpunkte pro Zoll dar. Die Schärfe ist also vollkommen ausreichend, auch die Farben werden knackig dargestellt. Insgesamt stimmen auch die Helligkeit und die Blickwinkelstabilität, auch wenn kein Umgebungssensor verbaut ist. Somit muss die Helligkeit immer wieder manuell justiert werden, da die Smartwatch ansonsten etwa am Abend wie eine Taschenlampe wirkt. Vor Kratzern geschützt wird das Display durch Saphirglas.

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Der Akku der Huawei Watch hat eine Kapazität von 300 mAh, was im Vergleich zur LG G Watch R oder der größeren Moto 360 (2015) mit 400 beziehungsweise 410 mAh etwas wenig ist. Natürlich muss hier aber angeführt werden, dass die beiden Konkurrenten auch etwas größer sind in der Diagonalen. Im Alltagstest hielt die Huawei Watch gute zwei Tage durch, wobei natürlich hier in beide Richtungen Luft ist. Um möglichst viel von der Laufzeit zu haben, empfiehlt es sich etwa, dass das Zifferblatt nach fünf Sekunden auch ausgeblendet bleibt. Im Test haben wir diese Einstellung vorgenommen und auch bei den Benachrichtigungen eher ein normales Ausmaß eingehalten.

Vielnutzer müssten sich also wohl darauf einstellen, die Uhr jeden Tag aufzuladen. Dies ist aber schnell gemacht: Der Vorgang dauerte im Test rund 80 Minuten. Die Huawei Watch muss dafür einfach nur mit den vier Ladepins auf der Rückseite auf der beigefügten Ladestation verbunden werden. Es reicht also nicht, die Smartwatch in einer beliebigen Position auf das Dock zu legen. Für einen sicheren Halt reagieren die Uhr und die Station auch noch magnetisch.

Klassische Feature-Set einer Smartwatch mit Android Wear

Bei den Features der Huawei Watch gibt es keine Überraschungen – hier bietet die Huawei Watch das Repertoire, das wir bereits von anderen Smartwatches mit Android Wear kennen. Das ist dementsprechend auch eher überschaubar: Ganz klassisch misst die Huawei Watch den Herzschlag und zählt die Schritte, was im Hinblick auf eine gesündere Lebensweise sicherlich zu den beliebtesten Funktionen gehört. Hierzu verfügt die Uhr über einen Pulsmesser, einen Höhenmesser und einen Bewegungssensor mit sechs Beschleunigungsrichtungen, sodass etwa Laufen, Klettern oder Radfahren unterschieden werden können.

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Üblicherweise dürfte die Smartwatch aber als Verlängerung des Smartphones genutzt werden, um den Träger auf Benachrichtigungen, Termine und eingehende Anrufe hinzuweisen. Das hat bei uns im Test mit Google Mail, Slack, SMS und Anrufen sehr gut funktioniert – das Wearable macht sich mit einem Vibrationsalarm bemerkbar. Auf diese Weise kann die Huawei Watch auch als Wecker genutzt werden. Eher überflüssige Spielereien sind Features wie das Initiieren eines Anrufs auf dem Smartphone oder das Starten von Musik auf dem Mobiltelefon.

Fazit: Guter und eleganter Einstieg mit Kinderkrankheiten

Mit den drei Varianten der Huawei Watch ist dem chinesischen Hersteller eine wirklich elegante Smartwatch gelungen. Gerade mit dem Lederarmband oder dem segmentierten Metallarmband erweckt das runde Wearable den Anschein einer klassischen Uhr. Diesen Eindruck verstärkt sich bei der Wahl eines eher minimalistischen Zifferblattes. Denn je ausgefallener und vollgestopfter dieses ist, umso mehr fällt die Zweidimensonalität auf – aber hier gibt es bereits ab Werk eine Vielzahl an möglichen Zifferblättern.

Dank der aktuellen Version von Android Wear können neben Besitzern eines Android-Smartphones endlich auch Nutzer eines iPhones auf eine schöne Alternative zur Apple Watch greifen. Allerdings ist das App-Repertoire im Vergleich zum Konkurrenten aus Cupertino noch eingeschränkter. Außerdem sind die wenig überragende Akkulaufzeit und die hohen Einstiegspreise der Modelle Mankos, die man in Kauf nehmen muss. In Deutschland startet die Huawei Watch Classic bei 399 Euro, für die schwarze Huawei Active mit Lederarmband fallen mindestens 499 Euro an und die goldene Huawei Elite gibt es erst ab einem Preis von 699 Euro zu kaufen. Gespannt dürfen wir auf Updates von Huawei sein, die die eine oder andere Kinderkrankheit der Software beheben und neue Funktionen liefern könnten.

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