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IFA 2016: Lenovo, Wacom und die Wiedergeburt des Tablets

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Lenovo Yoga Book 02.JPG (©Lenovo 2016)

Auf der IFA 2016 versuchen sich Lenovo und Wacom an der Wiedergeburt des Tablets. Mit dem Yoga Book stellen die Chinesen ein Gerät vor, das mehr sein möchte als ein ganz gewöhnliches Tablet – aber eben kein Laptop. Im Hands-on wollten wir überprüfen, ob das Konzept aufgeht.

Für uns Journalisten ist die IFA eine schwierige Messe. Die meisten Dinge, die gezeigt werden, haben wir schon Wochen oder gar Monate zuvor gesehen. Trotzdem ist eine solche Besuchermesse natürlich wichtig, weil durch sie auch die Aufmerksamkeit einer breiten Masse auf die wichtigsten Technikentwicklungen des letzten Jahres gelenkt wird. Umso schöner, wenn es einige Hersteller dann doch noch schaffen, nicht nur die Besucher, sondern auch die gesamte Tech-Welt zu überraschen. So geschehen zum Beispiel bei Lenovo. Denn mit ihrem Yoga Book haben die Chinesen auf der IFA kurzerhand das spannendste Tablet seit Jahren vorgestellt.

Sieht aus wie ein Laptop – will aber keiner sein

Das Besondere ist dabei aber weder das 10 Zoll-Display noch das Aluminium-Gehäuse mit dem typischen 360-Grad-Scharnier, sondern die Tatsache, dass das Yoga Book rein äußerlich tatsächlich eher an einen Laptop erinnert – allerdings an einen Laptop ohne Tastatur. Dort, wo sich normalerweise die Tasten befinden, hat das Yoga Book nämlich ein riesiges Touchpad, auf dem optional ein komplettes Tastaturfeld eingeblendet wird, das der Hersteller als Halo-Keyboard bezeichnet. Da die Tasten kein haptisches Feedback liefern, reagiert das Tablet mit kleinen Vibrationen auf das Tippen. Das klappt beim ersten Versuch besser als zunächst vermutet, ist aber zunächst einmal ziemlich ungewohnt.

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Das Yoga Book ist Tablet und Grafik-Tablet in einem. (©Lenovo 2016)

Richtig bemerkenswert ist das Touchpad jedoch aus einem anderen Grund. Denn gemeinsam mit dem Grafik-Tablet-Spezialisten Wacom hat der Hersteller hier ein ebensolches Grafik-Tablet integriert. So ist es möglich, auf dem Halo-Keyboard direkt mit einem mitgelieferten Stylus zu zeichnen. Damit dabei nicht nur gleichförmige Linien, sondern auch Schraffuren möglich sind, unterstützt das Halo-Keyboard 2048 verschiedene Druckstufen. Natürlich fehlt hier bei einem Hands-on am Messestand die nötige Zeit, um dieses Feature wirklich auf Herz und Nieren zu prüfen. Der erste Eindruck war jedoch ordentlich.

Zeichnen auf Papier, arbeiten auf dem Tablet

Noch beeindruckender ist allerdings der Umstand, dass der Nutzer auch ein Blatt Papier oder einen ganzen Block auf das Touchfeld legen und mit einem richtigen Stift auf diesem Zeichnen kann. Alles, was auf den Block gezeichnet wird, landet auch auf dem Display, und zwar eins zu eins. Möglich wird dies, weil sowohl das Touchfeld als auch der Stift mit entsprechenden Sensoren ausgestattet sind. Allerdings legen Kunden für das Wunder-Tablet auch eine ganze Stange Geld auf den Tisch. 499 Euro werden für die Android-Variante fällig. Für 599 Euro gibt es das gleiche Gerät mit Windows 10 als Betriebssystem.

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Auf Wunsch lässt sich auf dem Tablet wie auf Papier zeichnen. (©TURN ON 2016)

Technische Daten

  • 10,1 Zoll (1920 x 1080 Pixel)
  • Intel Atom X5 Quad Core-Prozessor, 4 GB RAM
  • 64 GB interner Speicher, erweiterbar per microSD
  • Touchfeld mit Halo-Tastatur
  • Wahlweise mit Android 6 (Update auf Android 7 vorgesehen) oder Windows 10

Wacom macht das "Yoga Book zum Nachrüsten"

Doch man muss gar nicht so viel Geld ausgeben. Am IFA-Stand von Wacom selbst gibt es diese Technologie noch bis zum Mittwoch auch in einem separaten Grafik-Tablet zu bestaunen. Das Bamboo Slate wird ebenfalls mit einem handelsüblichen Zeichenblock bestückt und überträgt die Zeichnungen direkt auf das Display eines Tablets oder Smartphones mit Android oder iOS. Preislich ist es in der A5-Variante bereits ab 129,90 Euro erhältlich und kommt mit Stift, drei passenden Notizblöcken und drei Tintenpatronen. Nach einem kurzen Test können wir auch bestätigen, dass die vorgestellte Technik tatsächlich sehr gut funktioniert. Somit kann eigentlich fast jeder sein bestehendes Tablet zu einem Yoga Book-ähnlichen Gerät aufrüsten. Diese Produktkategorie ist nicht vollkommen neu, dürfte aber durch das Yoga Book in Zukunft deutlich mehr Aufmerksamkeit erfahren.

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Mit dem Bamboo von Wacom wird jedes Tablet zum Yoga Book-Ersatz. (©TURN ON 2016)

Neuerfindung eines langweiligen Produktes

Und warum nun Wiedergeburt des Tablets? Weil zum ersten Mal seit Microsofts Surface wieder ein Hersteller mit einem grundlegend neuen Konzept versucht, den Tablet-Markt aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Denn seien wir mal ehrlich: Sechs Jahre nach dem ersten iPad und vier Jahre nach dem Surface ist der Markt ziemlich langweilig geworden. Doch das Yoga Book ist nicht nur ein weiteres Tablet mit Tastatur und Stift und damit auch kein verkrüppelter Laptop-Ersatz. Tatsächlich präsentiert der Hersteller mal einen vollkommen neuen Ansatz, der nicht krampfhaft versucht, aus dem Tablet ein Gerät zu machen, das es eigentlich mal ersetzen sollte. Hinzu kommt der interessante Preis, denn bereits ab 500 Euro gibt es das Yoga Book mit kompletter Ausstattung. Ein iPad Pro, das sich ebenfalls als Grafiker-Tablet positioniert, kostet schon ohne Stift und Tastatur fast 200 Euro mehr.

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