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iPad Pro 9,7 Zoll im Test: Pro-Features im kompakten Gewand

Kann das iPad Pro 9,7 Zoll halten, was Apple verspricht?
Kann das iPad Pro 9,7 Zoll halten, was Apple verspricht? (©TURN ON 2016)

In unserem Test zum neuen iPad Pro mit 9,7 Zoll Bildschirmdiagonale klären wie die Unterschiede zum großen Bruder und welche Neuheiten der Tablet-Ableger bietet. Ist das iPad Pro "vielleicht wirklich der beste Computer, den es gibt", wie Apple klangvoll schreibt?

Im September 2015 führte Apple mit dem iPad Pro ein neues Tablet für ambitionierte Design-Profis ein – mit dem iPad Pro 9,7 Zoll folgte jetzt im März 2016 ein kleinerer Ableger. Wie das Vorbild lässt sich auch das neue Gerät für präzise Zeichnungen mit einem Apple Pencil bedienen. Wer besonders viel schreibt, wird hingegen das Smart Keyboard zu schätzen wissen.

Trotz etwas geringerer Leistung hat das kompakte Modell dem ursprünglichen Gerät sogar einiges voraus. So verfügt das iPad Pro 9,7 über ein True Tone Display, das ein noch besseres Lese-Erlebnis bieten soll. Außerdem hat Apple seinem neuesten Tablet eine noch bessere 12-Megapixel-Kamera mit 4K-Videoaufnahme spendiert.

Gleiche Abmessungen wie das iPad Air 2

Natürlich bleibt sich Apple beim Design treu – und tut auch gut daran. Das iPad Pro ist erwartungsgemäß hervorragend verarbeitet, die Kanten präsentieren sich sauber geschliffen, die Bohrungen exakt. Über Spaltmaße müssen wir ohnehin nicht reden. Das neue iPad Pro ist lediglich 6,1 Millimeter dick, natürlich deutlich dünner als das iPad Pro 12,9 – und genauso dünn wie das iPad Air 2. Auch sonst gleichen Abmessungen und Gewicht haargenau dem iPad Air 2.

Der separat erhältliche Apple Pencil arbeitet nur mit einem iPad Pro zusammen. fullscreen
Der separat erhältliche Apple Pencil arbeitet nur mit einem iPad Pro zusammen. (©TURN ON 2016)
Das iPad Pro verfügt über ein 9,7 Zoll großes Retina-Display. fullscreen
Das iPad Pro verfügt über ein 9,7 Zoll großes Retina-Display. (©TURN ON 2016)
Natürlich darf Touch ID für die Fingerabdruckerkennung nicht fehlen. fullscreen
Natürlich darf Touch ID für die Fingerabdruckerkennung nicht fehlen. (©TURN ON 2016)
Die Verarbeitung ist Apple-typisch ohne Makel. fullscreen
Die Verarbeitung ist Apple-typisch ohne Makel. (©TURN ON 2016)
Das iPad Pro ist mit 6,1 Millimetern genauso dünn wie das iPad Air 2. fullscreen
Das iPad Pro ist mit 6,1 Millimetern genauso dünn wie das iPad Air 2. (©TURN ON 2016)
Das iPad Pro ist gleich mit vier Lautsprechern ausgestattet. fullscreen
Das iPad Pro ist gleich mit vier Lautsprechern ausgestattet. (©TURN ON 2016)

Das Retina-Display des iPad Pro löst mit 2048 x 1536 Pixeln auf und erreicht somit eine Pixeldichte von 264 ppi – und unterscheidet sich in dieser Hinsicht weder vom großen iPad Pro noch vom iPad Air 2. Neu ist jedoch das sogenannte True Tone Display. Mithilfe von Vier‑Kanal-Umgebungslichtsensoren passt der Bildschirm Farbe und Intensität automatisch an das Umgebungslicht an. Apple selbst verspricht ein natürlicheres und angenehmeres Lesen. "Fast wie auf Papier", so das US-Unternehmen. Das stimmt natürlich nicht so ganz, was aber auch technisch gar nicht möglich ist. Wer einmal ein E-Ink-Display eines E-Book-Readers in der Realität betrachtet hat, wird den Unterschied erkennen.

Dennoch leistet das True Tone Display im Rahmen der technischen Möglichkeiten ordentliche Arbeit. Standardmäßig ist das Feature aktiviert und fiel im Test daher zunächst einmal gar nicht auf. Deaktiviert man in den Einstellungen die Funktion, wird der Unterschied jedoch deutlich. Vor allem für Grafiker ist die Unterstützung einer bis zu 25 Prozent größeren Farbsättigung bedeutend. So vertraut das iPad Pro auf den gleichen Farbraum wie die digitale Filmindustrie.

Hardware leicht abgespeckt, aber dennoch mehr als flott

Im Vergleich zum größeren Modell ist das neue iPad Pro in puncto reiner Hardware-Power etwas abgespeckt. Zwar kommt der gleiche A9X-Prozessor zum Einsatz, dieser ist jedoch etwas geringer getaktet. Und auch der Arbeitsspeicher wurde halbiert: statt 4 GB RAM kommen im iPad Pro 9,7 lediglich 2 GB zum Einsatz. Doch im Alltag fällt dies nicht auf: Alle Eingaben verarbeitet das Modell zügig und ohne großartige Bedenkzeit.

12-Megapixel-Kamera zeichnet in 4K auf & unterstützt Live Photos

In Sachen Kamera muss man jedoch keine Abstriche machen, im Gegenteil: Apple hat dem iPad Pro 9,7 eine 12-Megapixel-Kamera spendiert, die sogar Videos in 4K aufzeichnet. Wer gerne Selfies knipst, wird sich über die deutlich verbesserte Front-Cam freuen. Diese fertigt jetzt Aufnahmen mit 5 Megapixeln an, beim großen iPad Pro waren es lediglich 1,2 Megapixel – und diesen Unterschied sieht man auch. Und selbst Live Photos lassen sich mit dem Tablet anfertigen.

Die Kamera des iPad Pro erlaubt Aufnahmen mit 12 Megapixeln. fullscreen
Die Kamera des iPad Pro erlaubt Aufnahmen mit 12 Megapixeln. (©TURN ON 2016)
Auch 4K-Videos mit 3840 x 2160 Bildpunkten können aufgezeichnet werden. fullscreen
Auch 4K-Videos mit 3840 x 2160 Bildpunkten können aufgezeichnet werden. (©TURN ON 2016)
Anders als beim großen Bruder muss man beim neuen iPad Pro mit dem Kamera-Buckel leben. fullscreen
Anders als beim großen Bruder muss man beim neuen iPad Pro mit dem Kamera-Buckel leben. (©TURN ON 2016)

Mangels fehlender 3D Touch-Unterstützung lässt sich die bewegte Sequenz nicht mit einem beherzten, sondern einfach längeren Druck auf das Display abspielen. Leben muss man dafür jedoch mit einem Kamera-Buckel auf der Rückseite, den viele Betrachter oftmals als unschön erachten. Doch Einschränkungen muss man nicht befürchten: Liegt das iPad Pro mit der Rückseite auf einem Tisch, wackelt rein gar nichts.

Vier Lautsprecher sorgen für einen satten Sound

Ein weiteres Merkmal der Pro-Serie sind die vier Lautsprecher, die für einen deutlich kräftigeren Sound sorgen. Zudem verfügt das Gerät für den Anschluss des Smart Keyboards über einen Smart Connector. Dafür gibt es eine speziell an die Größe angepasste Tastatur. Leider gibt es davon nur eine internationale Ausführung im QWERTY-Format. Ein deutsches Tastatur-Layout ist Fehlanzeige, das Schreiben erfordert also durchaus etwas Umgewöhnung.

Apple Pencil arbeitet zuverlässlich mit geringer Latenz

Umgewöhnung erfordert der Apple Pencil hingegen nicht: Selbstverständlich unterstützt auch der kleinere Ableger diesen Eingabestift. Die Kopplung ist denkbar einfach: einfach Kappe des Pencil abnehmen, am Lightning-Port des iPad Pro anschließen und die Abfrage bestätigen – fertig! Per Lightning wird der Pencil außerdem geladen, 15 Sekunden genügen bereits für eine halbe Stunde Laufzeit. Auch sonst ist der elegante Stift vollgepackt mit Technik: Verschiedene Drucksensoren sorgen dafür, dass spielend leicht unterschiedlich starke Linien den Weg auf das Display finden. Zudem verspricht der Hersteller eine schnelle Reaktionszeit – und das können wir nur bestätigen.

Die Latenz bewegt sich in einem Bereich, der kaum spürbar ist. Jede Eingabe wird nahezu in Echtzeit dargestellt – das funktioniert hervorragend und macht einfach Spaß. Drückt man mit dem Pencil etwas kräftiger auf den Bildschirm, erscheinen Linien dementsprechend dicker. Auch Schattierungen lassen sich durch Neigung unkompliziert und intuitiv umsetzen. Auch abseits von Grafikarbeiten leistet der Apple Pencil gute Dienste. Wer schnell einmal ein Dokument direkt am iPad unterzeichnen möchte, findet mit dem Zubehör die beste Möglichkeit, seine Signatur in virtueller Form umzusetzen.

Der optional erhältliche Apple Pencil kann direkt am iPad Pro geladen werden. fullscreen
Der optional erhältliche Apple Pencil kann direkt am iPad Pro geladen werden. (©TURN ON 2016)
Der Pencil verfügt über einen Lightning-Anschluss. fullscreen
Der Pencil verfügt über einen Lightning-Anschluss. (©TURN ON 2016)
Mit dem Pencil lassen sich präzise Zeichnungen anfertigen. fullscreen
Mit dem Pencil lassen sich präzise Zeichnungen anfertigen. (©TURN ON 2016)
Das iPad Pro verfügt zudem über einen Smart Connector für den Anschluss des Smart Keyboards. fullscreen
Das iPad Pro verfügt zudem über einen Smart Connector für den Anschluss des Smart Keyboards. (©TURN ON 2016)
Der Apple Pencil kostet im Handel rund 110 Euro. fullscreen
Der Apple Pencil kostet im Handel rund 110 Euro. (©TURN ON 2016)

iPad Pro stellt keinen Ersatz für den Computer dar

Natürlich lässt sich mit dem iPad Pro auch sonst sehr gut arbeiten. Für nahezu jede Aufgabe gibt es eine entsprechende App. Doch ein echter PC-Ersatz ist es natürlich nicht, iOS ist dafür im Vergleich zu MacOS oder auch Windows viel zu abgespeckt – und eben speziell für Smartphones und Tablets optimiert. Für eine ausführlichere Analyse verweisen wir auf unseren Test zum iPad Pro 12,9 Zoll, in dem die Frage ausführlich beantwortet wird. Da das iPad Pro 9,7 primär nur eine etwas kleinere Version darstellt, hat sich an der Einschätzung nichts geändert. Kurzum: Ja, man kann mit dem Tablet gut arbeiten, allerdings mit Abstrichen. Es kommt daher stets auf die konkrete Verwendung an.

Der Akku des neuen iPad Pro sorgt mit seiner Kapazität von 7306 mAh für eine ausreichend lange Nutzungsdauer mit einer Ladung. Apple selbst verspricht eine Batterielaufzeit von bis zu 10 Stunden – und stapelt damit nicht zu hoch. Denn auch im Test überzeugte das Gerät mit einer sehr ordentlichen Akkulaufzeit. Erhältlich ist das iPad Pro 9,7 in den Speichergrößen 32 GB, 128 GB und erstmals auch in 256 GB. Preislich beginnt die günstigste Version bei 689 Euro, womit das Pro-Modell deutlich teurer als das iPad Air 2 ist, das zur Markteinführung 489 Euro kostete. Dafür erhält man zwar 32 GB statt 16 GB Speicher, aber den saftigen Aufschlag zahlen auch jene Käufer mit, die auf die Pro-Features verzichten können – und einfach nur ein aktuelles Gerät in dieser Größe haben möchten.

Fazit: Ein rundum gelungenes Tablet für ambitionierte User

Kurzum: Apple hat sein iPad Pro an einigen Stellen sinnvoll verbessert. Hier ist insbesondere die Kamera zu nennen, auch das True Tone Display ist ein nettes Gimmick. Die im Vergleich zum großen Bruder geringere Hardware-Leistung fällt in der Praxis nicht weiter auf, das iPad Pro 9,7 Zoll gehört dennoch zu den leistungsstärksten Tablets. Die Aufschläge für die höheren Speicherkapazitäten sind allerdings happig und im Prinzip nicht zu rechtfertigen.

Ansonsten ist das iPad Pro 9,7 Zoll ein gut verarbeitetes Tablet, das kaum Wünsche offen lässt. Mit dem Smart Keyboard und dem Apple Pencil bietet der Hersteller sinnvolles Zubehör an, das jedoch nur für eine spezielle Zielgruppe relevant sein dürfte. Wer auf die Pro-Features verzichten kann, nicht viele Fotos mit dem iPad knipst und nicht den allerneuesten Prozessor benötigt, dürfte mit dem iPad Air 2 gut bedient sein. Das ist nach wie vor ausreichend flott und ist ein exzellentes Multimedia-Tablet – und auch deutlich günstiger als das iPad Pro 9,7 Zoll.

Meinung des Autors
Das neue iPad Pro hat mir im Test gefallen – die 12,9-Zoll-Variante wäre mir ohnehin zu groß. Privat besitze ich ein iPad mini 4, könnte mich aber auch mit den 9,7 Zoll des iPad Pro anfreunden. Die Pro-Features sind ein nettes Gimmick, das Zeichnen gelingt mithilfe des Apple Pencil wunderbar, ist für mich aber aufgrund fehlender Zeichenkünste nicht mehr als eine Spielerei. Ich brauche eine Pro-Version also im Grunde nicht, auch viele Fotos schieße ich nicht mit einem Tablet, dafür habe ich schließlich mein iPhone.

Die vier Lautsprecher hingegen finde ich gut, aber im Regelfall läuft die Soundausgabe bei mir ohnehin über die Kopfhörer ab. Dennoch: Könnte ich mir ein Tablet von Apple aussuchen, dann wäre es sicher das iPad Pro mit 9,7 Zoll. Es bietet grundsätzlich alles, was mir wichtig ist – nur preislich wäre es mir etwas zu teuer, da ich die Pro-Features nicht unbedingt benötige, aber natürlich trotzdem mitzahlen muss.
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