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Lenovo Smart Display im Test: Ein Konzept mit Schwächen

Die Küche dürfte für viele Nutzer wohl der optimale Standort fürs Smart Display sein.
Die Küche dürfte für viele Nutzer wohl der optimale Standort fürs Smart Display sein.

Mit dem Lenovo Smart Display hat der Hersteller eine Alternative zum Amazon Echo Show in den Handel gebracht. Statt Alexa nimmt der Google Assistant Sprachbefehle entgegen – doch wie gut funktioniert das in der Praxis? Und was ist der Nutzen des Smart Displays? Unser Test liefert die Antworten.

Das Lenovo Smart Display gibt es in den Größen 8 und 10 Zoll zu kaufen, die sich jeweils nur geringfügig in Optik und Ausstattung unterscheiden. Bei dem uns vorliegenden Testgerät handelt es sich um die größere 10-Zoll-Variante mit Bambus-Optik auf der Rückseite. Die Gehäuserückseite verläuft, anders als bei klassischen Tablets, nicht glatt.

Stattdessen haben die Macher eine Ecke förmlich aus dem Gehäuse herausgezogen, was zugleich als Standfuß dient. Denn: Das Lenovo Smart Display kann nicht nur horizontal aufgestellt werden, sondern auch vertikal, allerdings unterstützt derzeit nur die Videotelefonie-App diesen Modus.

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Optisch sieht das Smart Display wie ein Tablet mit zu groß geratenem Lautsprecher aus.

Design und Display: Solide, aber nicht überragend

Die Verarbeitung wirkt der Preisklasse durchaus angemessen und hinterlässt einen wertigen Eindruck. Die Bildschirmränder fallen zwar ziemlich dick und alles andere als zeitgemäß aus, allerdings kann man ein Smart Display auch nur schwer mit einem Tablet vergleichen. Schließlich steht es meist fest an einem Ort und das zusätzliche Gewicht durch die Ränder ist vernachlässigbar. Links neben dem Bildschirm sitzt der große Lautsprecher mit Gitteroptik aus Kunststoff.

Bei dem Display handelt es sich um einen Full-HD-Bildschirm mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln, die völlig ausreichend ist – schließlich wird das Gerät nicht wie ein Tablet vergleichsweise dicht vor den Augen gehalten.

Fazit: Design und Display gehen in Ordnung, ohne einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

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Auf der Rückseite setzt Lenovo für das 10-Zoll-Modell auf eine Bambusoptik und eine ungewöhnliche Ausbuchtung.
Lenovo Smart Display 8 Zoll Lenovo Smart Display 10 Zoll
8-Zoll-Display mit 1.280 x 800 Pixeln 10,1-Zoll-Display mit 1.920 x 1.200 Pixeln
Home Hub-Plattform auf Basis Snapdragon 624 Home Hub-Plattform auf Basis Snapdragon 624
10 W Vollbereichslautsprecher (1,75 Zol) und​ 2 x Passive Hochtöner 10 W Vollbereichslautsprecher​ (2 Zoll) und 2 x Passive Hochtöner
Farbe: Grau Farbe: Bambus
179 Euro 239 Euro

Hardware: Zweckmäßig

Als Prozessor kommt ein spezieller Chipsatz von Qualcomm zum Einsatz, die sogenannte Home Hub-Plattform auf Basis des Snapdrgaon 624, der wiederum von 2 GB Arbeitsspeicher unterstützt wird. Die Hardware ist zweckmäßig, nicht rasend schnell, aber für ein Smart Display völlig ausreichend.

Die Einrichtung des Smart Displays funktioniert im Prinzip kinderleicht: Gerät einschalten, Google Home App auf dem iPhone oder Android-Smartphone starten und mit dem WLAN-Netzwerk verbinden. Alles ganz simpel, zumindest in der Theorie. In der Praxis aber stellte bereits ein Wechseln des WLAN-Netzwerkes ein ernstes Problem dar, das nur mit dem Zurücksetzen behoben werden konnte. Ist die Verbindung einmal hergestellt, läuft das Smart Display immerhin recht flüssig.

Das Gerät selbst hat nur wenige physische Tasten: Neben zwei Buttons für das Einstellen der Lautstärke gibt es noch zwei Taster, um das Mikrofon stummzuschalten und die Kamera zu deaktivieren. Letzteres geschieht durch das Vorschieben eines roten Punkts. Wer also seinem Smart Display nicht vollends über den Weg traut, kann mit diesen beiden Maßnahmen gegensteuern. Ansonsten dient die Kamera dazu, Videogespräche über Google Duo zu führen, und zwar ausschließlich. Andere Dienste wie Skype werden derzeit nicht unterstützt – schade!

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Natürlich kann das Smart Display die Wetterdaten der kommenden Tage anzeigen.

Fazit: Die Hardware ist für den Funktionsumfang jederzeit ausreichend schnell.

Software und Klang: Ausbaufähig

Fortan wartet das Smart Display auf Deine Sprachbefehle, die Du mit "OK Google" oder "Hey Google" beginnen kannst. Mag der Google Assistant in Sachen Intelligenz, verglichen mit der Konkurrenz, derzeit das Maß aller Dinge sein – in puncto natürlicher Sprache ist er es nicht. Hier hat Alexa deutlich die Nase vorn. Sprachbefehle selbst wurden im Test zu 99 Prozent gut verstanden, auch Kommandos aus ein paar Metern Entfernung stellten das Gadget vor keine große Herausforderung.

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Sinnvoll ist ein Einsatz in der Küche, um freihändig Rezepte von Chefkoch und Co. nachkochen zu können.

Doch wie steht es um die klanglichen Qualitäten des smarten Bildschirms? In dem von uns getesteten 10-Zoll-Modell sorgen 2-Zoll-Vollbereichslautsprecher mit 10 Watt sowie 2 passive Hochtöner für einen ordentlichen Sound.

Klanglich darf man natürlich keinen Ersatz für einen richtigen Lautsprecher erwarten, dennoch ist der Klang durchaus kräftig und übersteuert auch in höheren Regionen nicht – für Musikbeschallung während des Kochens oder das Anschauen eines Kinotrailers taugt der Sound allemal. Für die Beschallung im Wohnzimmer ist das Modell jedoch nur bedingt geeignet, auch wuchtige Bässe darfst Du leider nicht erwarten. Musik kann etwa über die Internetplattform TuneIn oder auch über Spotify und YouTube Music wiedergegeben werden.

Fazit: Die Software ist noch nicht perfekt für das Smart Display optimiert, der Klang geht für die Preisklasse in Ordnung.

Wer gehört eigentlich zur Zielgruppe?

Doch wozu eignet sich das Smart Display eigentlich? In erster Linie wohl als digitaler Helfer in der Küche. Hier kannst Du Dir Rezepte von Chefkoch und Co. anzeigen lassen und diese direkt Schritt für Schritt nachkochen oder auch backen. Das ist durchaus praktisch, da man beim Kochen üblicherweise ohnehin die Hände voll hat oder diese mitunter nicht mehr dafür genutzt werden sollten, um etwa ein Smartphone-Display zu bedienen.

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Per Schiebeschalter kann die Kamera deaktiviert werden.

Die einzelnen Schritte für das Kochen oder Backen werden übersichtlich auf dem Bildschirm dargestellt und auf Wunsch auch durch den Google Asssistant vorgelesen. Leider ist die Software an dieser Stelle noch nicht vollends ausgereift. Ist ein Schritt zu lang, wird dieser nicht automatisch beim Vorlesen weiter gescrollt. Stattdessen musst Du selbst Hand anlegen, falls Du eine Stelle noch einmal nachlesen möchtest.

Dass die Software das Potenzial der Hardware nicht ausreizt, zeigt sich aber auch an einigen anderen Stellen. Zwar hat der Google Assistant keinerlei Probleme, etwa in der Nähe befindliche Cafés anzuzeigen, einen Timer zu stellen oder das Wetter abzurufen. Sobald der Sprachdienst aber auf eine Frage keine Antwort mehr hat, was durchaus häufiger vorkommt, lässt er Dich im Stich. Eine automatische Google-Suche, wie etwa auf dem Smartphone, erfolgt leider nicht.

Auch das Abspielen von Videos auf YouTube gestaltet sich eher wie eine Lotterie, eine gezielte Suche ist nur schwer möglich. Wer genau weiß, welches Video er sehen möchte, startet den gewünschten Clip direkt auf dem Smartphone und lässt ihn via Cast-Funktion auf dem Lenovo Smart Display wiedergeben. Die Suche ist somit derzeit nur wenig zu gebrauchen, immerhin hat aber Lenovo in diesem Fall gegenüber dem Amazon Echo Show die Nase vorn, da die Konkurrenz ohne offizielle YouTube-App daherkommt.

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Direkt am Smart Display kann  die Lautstärke verändert werden.

Google Actions: Weit entfernt von der Qualität von Alexa Skills

Ähnlich wie bei den Echo-Geräten kann auch der Funktionsumfang des Smart Displays mit sogenannten Actions erweitert werden – die aber verglichen mit den Alexa-Skills wahrlich noch in den Kinderschuhen stecken. Das so ziemlich einzig Positive daran: Sie müssen nicht, wie bei Alexa, erst über die Smartphone-App aktiviert werden, sondern könnten direkt mit Befehlen wie "OK Google, sprich mit Chefkoch" verwendet werden. Das war es auch schon.

Um Actions von Drittanbietern besser vom eigenen Angebot abgrenzen zu können, nutzen die Erweiterungen nicht die Standardstimme des Google Assistant. Ist die Action aktiv, versteht das Smart Display auch nur Befehle, die vom Entwickler vorgesehen sind. Schnell mal einen Timer stellen oder das Wetter abrufen, während die Drittanbieteranwendung aktiv ist, kann man vergessen. Der Ansatz der Actions mag im Grundsatz löblich sein, ist derzeit aber noch sehr unausgereift. Hier bleibt zu hoffen, dass Google dieses Angebot alsbald grundlegend verbessert.

Wer Leuchten von Philips Hue oder andere Smart-Home-Geräte sein Eigen nennt, kann diese bequem über das Lenovo Smart Display per Sprachbefehl steuern – mehr als 10.000 Geräte werden insgesamt unterstützt.

Fazit: Ansatz gut, Umsetzung noch ausbaufähig

Der Ansatz des Smart Displays ist durchaus gelungen, wenngleich die Schwächen nicht verborgen bleiben. Das Gerät hinterlässt zunächst einen grundsoliden Eindruck, ist wertig verarbeitet und verfügt über ordentliche Hardware. Das Zusammenspiel zwischen Hard- und Software funktioniert aber nicht immer reibungslos, vor allem verglichen mit einem klassischen Tablet stößt der Google Assistant oftmals an seine Grenzen. Auch die visuelle Anpassung an den Bildschirm lässt manches Mal zu wünschen übrig.

Dennoch kann der Kauf des Smart Displays durchaus für eine gewisse Zielgruppe Sinn ergeben – denn die grundsätzlichen Funktionen geben nur wenig Anlass zur Kritik. Wer sich gern in der Küche etwas von Musik berieseln lässt, nebenbei ein neues Rezept ausprobieren, seine smarte Lampe einschalten oder schnell mal ein YouTube-Video schauen möchte, ist mit dem Smart Display bestens bedient. Man muss es ganz klar sagen: Auch wenn das grundsätzliche Prinzip durchaus daran erinnert, ein Tablet-Ersatz ist das Produkt nicht, und will es auch nicht sein. Zu begrenzt ist der Handlungsrahmen, zu wenig Nutzen bringt der Touchscreen in der Praxis.

Das Lenovo Smart Display ist gewiss kein schlechtes Gerät, das volle Potenzial entfaltet es gleichwohl nicht. Mit kommenden Software-Updates kann das Benutzererlebnis jedoch verbessert werden.  Ob man sich das Gerät in die eigenen vier Wände stellen sollte, hängt wie so oft vom geplanten Einsatzzweck ab. Für einige Anwendungsgebiete mag das Gadget den Alltag durchaus erleichtern. Ob Smart Displays etwas für den Massenmarkt sind, steht auf einem anderen Blatt.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Grundsolide Verarbeitung - Hochkant-Modus nur bei Videotelefonie unterstützt
+ Passabler Sound - Software (Google Assistant) nur stiefmütterlich an das Smart Display angepasst
+ Ordentliches Display - Touchscreen bietet wenige Steuerungsoptionen

 

Das sagt Alexander:
In den eigenen vier Wänden habe ich gleich zwei Amazon Echos stehen, die bei mir vor allem als sprachgesteuertes Radio und als Wecker für Timer dienen. Ein Smart Display erweitert diese Möglichkeiten um die visuelle Komponente, die mir derzeit aber noch zu eingeschränkt ist. Sollte sich die Technik noch weiterentwickeln, und davon ist auszugehen, würde ich einen Einsatz zumindest nicht ausschließen wollen. Wie stehst Du dazu?
Lenovo Smart Display
Lenovo Smart Display
  • Datenblatt
  • Gerätetyp
    Smart Display
  • Preis (UVP)
    179 Euro (8 Zoll), 239 Euro (10 Zoll)
  • Release
    2019
  • Farben
    Grau (8 Zoll), Bambus (10 Zoll)
TURN ON Score:
3,3von 5
  • Design
    3,0
  • Handling
    3,5
  • Preis-Leistung
    3,0
  • Hardware
    3,0
  • Ausstattung
    3,0
  • Klang
    4,0
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