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Lens Cover fürs Galaxy S7 im Test: Per Dreh zum Paparazzo

Mit den Zusatzlinsen soll das Galaxy S7 noch mehr Foto-Möglichkeiten bieten.
Mit den Zusatzlinsen soll das Galaxy S7 noch mehr Foto-Möglichkeiten bieten. (©TURN ON 2016)

Das Galaxy S7 zählt definitiv zu den Smartphones mit den besten Kameras. Hat Mobile-Zubehör wie das Lens Cover für Samsungs Flaggschiff-Modell also überhaupt einen Sinn? Wir haben uns das Handy, das Cover und die beiden Aufsteckobjektive für einen Test geschnappt – und wurden überrascht.

Auf dem MWC 2016 hat Elektronikkonzern Samsung nicht nur das Galaxy S7 und das Galaxy S7 Edge vorgestellt, sondern auch gleich das passende Zubehör. Die Palette an Mobile-Accessoires ist riesig: Vom Selfie-Stick über Ladestationen bis hin zum 350 Euro teuren NFC-Kopfhörer hat der Hersteller alles Mögliche im Angebot. Unser Interesse wurde aber vor allem vom Lens Cover geweckt, das damit wirbt, den fotografischen Horizont des Premium-Smartphones zu erweitern. Wir wollen wissen: Bringen die Aufsteckobjektive einen sichtbaren Qualitätsgewinn? Was können die beiden Linsen überhaupt? Und wie praktisch sind sie im Alltag? Zeit für einen Test.

Samsung Lens Cover: Das gibt's für 149,90 Euro

Für 149,90 gibt's bei Samsung das Cover plus zwei Linsen. fullscreen
Für 149,90 gibt's bei Samsung das Cover plus zwei Linsen. (©TURN ON 2016)
Sowohl für das Galaxy S7 als auch für das S7 Edge sind passende Varianten erhältlich. fullscreen
Sowohl für das Galaxy S7 als auch für das S7 Edge sind passende Varianten erhältlich. (©TURN ON 2016)
Mitgeliefert werden eine Tele-... fullscreen
Mitgeliefert werden eine Tele-... (©TURN ON 2016)
... und eine Weitwinkel-Linse. fullscreen
... und eine Weitwinkel-Linse. (©TURN ON 2016)
Beide fallen größer aus als die Olloclip-Linsen fürs iPhone. fullscreen
Beide fallen größer aus als die Olloclip-Linsen fürs iPhone. (©TURN ON 2016)
Praktisch: Für beide Objektive ist ein Transportbehälter im Paket. fullscreen
Praktisch: Für beide Objektive ist ein Transportbehälter im Paket. (©TURN ON 2016)

Jeder Interessierte sollte wissen: Günstig ist das Originalzubehör von Samsung nicht. Das sind andere Aufstecklinsen wie Olloclip für das iPhone 6s zwar auch nicht. Zum Preis von 79,99 Euro gibt es die wohl bekanntesten Smartphone-Objektive aber immerhin im Viererpack – mit zwei unterschiedlichen Makrolinsen, einem Weitwinkel- und einem Fisheye-Objektiv. Samsung packt für eine UVP von 149,90 Euro nur zwei Linsen ins Paket: ein 108-Grad-Weitwinkel- und ein 2-fach-Tele-Objektiv. Dafür gibt es beim Hersteller des Galaxy S7 ein für das Smartphone passendes Cover dazu. An der Rückseite findet sich eine Aussparung mit Gewinde, in das die Linsen bei Bedarf geschraubt werden können.

Design & Verarbeitung: Eine auffällige Combo

Zuerst der Blick aufs Cover: Das Smartphone-Case, das als Aufnahme für die Linsen fungiert und gleichzeitig das Galaxy S7 schützen soll, ist wenig spektakulär. Da gibt es definitiv Schutzhüllen mit aufregenderem Design – diese ist halt funktional. Die schwarze Kunststoffschale verfügt über eine gummierte Rückseite in Lederoptik. In anderen Farben ist das Cover nicht erhältlich. Um die edle Glasrückseite des Premium-Smartphones zu schützen, ist die Innenseite mit einem weichen, samtartigen Stoff bezogen.

Unauffällig fotografieren geht anders! fullscreen
Unauffällig fotografieren geht anders! (©TURN ON 2016)
Die Linsen sind aus Edelstahl gefertigt und sehen schick aus. fullscreen
Die Linsen sind aus Edelstahl gefertigt und sehen schick aus. (©TURN ON 2016)
Ohne das Cover können sie aber nicht am Galaxy S7 befestigt werden. fullscreen
Ohne das Cover können sie aber nicht am Galaxy S7 befestigt werden. (©TURN ON 2016)
Das schwarze Case schützt die edle Glasrückseite des Smartphones. fullscreen
Das schwarze Case schützt die edle Glasrückseite des Smartphones. (©TURN ON 2016)
Befestigt werden die Linsen über ein Schraubgewinde. fullscreen
Befestigt werden die Linsen über ein Schraubgewinde. (©TURN ON 2016)
Richtig festgeschraubt sitzt das Objektiv bombenfest. fullscreen
Richtig festgeschraubt sitzt das Objektiv bombenfest. (©TURN ON 2016)
Allerdings verändert den Look des Galaxy S7 doch stark. fullscreen
Allerdings verändert den Look des Galaxy S7 doch stark. (©TURN ON 2016)
Auch das Gewicht von Cover und Linsen ist nicht zu unterschätzen. fullscreen
Auch das Gewicht von Cover und Linsen ist nicht zu unterschätzen. (©TURN ON 2016)

Optisch interessanter sind auf jeden Fall die beiden Aufstecklinsen. Das Weitwinkel- und das Tele-Objektiv werden aus Edelstahl gefertigt und wirken beide extrem hochwertig. Das Glas der Linsen ist lupenrein verarbeitet und lässt auf ebenso hochwertige Aufnahmen hoffen. Während das Design der silbernen Objektive selbst überzeugt, sieht die Kombination Galaxy S7 plus Cover + Linse doch arg ungewöhnlich aus. Optisch passen die großen Aufsteckobjektive einfach nicht zu den edlen und immer dünner werdenden Smartphones von heute. Etwas wirklich Handfestes sieht anders aus.

Handling: Bombenfester Sitz

Aber genau so fühlt sich die Kombination an: handfest. Das Cover ist passgenau gearbeitet und schmiegt sich einwandfrei um das Galaxy S7. Nichts wackelt – auch nicht, wenn man die Linsen in das Gewinde schraubt. Im Vergleich zur Aufsteck-Lösung, die Olloclip bietet – oder zu aufklebbaren Linsen anderer Hersteller – wirkt das Samsung-Konzept robuster. Mit dem gummierten Cover liegt das Smartphone auch gut in der Hand. Allerdings spürt man beim Fotografieren deutlich das Gewicht der Zusatzlinsen. Während die Handy-Hülle nur 29 Gramm zum Gesamtgewicht hinzufügt, sind es beim Weitwinkel-Objektiv schon 37 Gramm, beim Tele-Objektiv sogar 51 Gramm. Insgesamt bringt die Kombination aus Galaxy S7, Cover und Linse also bis zu 240 Gramm auf die Waage. Das ist natürlich zu verkraften, aber nicht mehr so komfortabel wie das Fotografieren mit dem nackten Smartphone.

Weitwinkel-Objektiv: Hallo, Fischauge!

Per Weitwinkel-Linse lassen sich größere Bildwinkel einfangen. fullscreen
Per Weitwinkel-Linse lassen sich größere Bildwinkel einfangen. (©TURN ON 2016)
Das ist praktisch, wenn man sich – wie hier – nicht weiter vom Motiv entfernen kann. fullscreen
Das ist praktisch, wenn man sich – wie hier – nicht weiter vom Motiv entfernen kann. (©TURN ON 2016)
Das Weitwinkel-Objektiv von Samsung deckt ein Blickfeld von 108 Grad ab. fullscreen
Das Weitwinkel-Objektiv von Samsung deckt ein Blickfeld von 108 Grad ab. (©TURN ON 2016)
Insbesondere für die Naturfotografie bieten sich solche Superweitwinkel-Objektive an. fullscreen
Insbesondere für die Naturfotografie bieten sich solche Superweitwinkel-Objektive an. (©TURN ON 2016)
Allerdings muss man bedenken, dass bei solchen Brennweiten... fullscreen
Allerdings muss man bedenken, dass bei solchen Brennweiten... (©TURN ON 2016)
... Verzerrungen an den Bildrändern auftreten. fullscreen
... Verzerrungen an den Bildrändern auftreten. (©TURN ON 2016)
Schon beim Samsung-Objektiv ist daher ein leichter Fisheye-Effekt zu erkennen. fullscreen
Schon beim Samsung-Objektiv ist daher ein leichter Fisheye-Effekt zu erkennen. (©TURN ON 2016)

"Erweitern Sie Ihren Horizont" – damit bewirbt Samsung das Linsen-Duo auf seiner Homepage. Und genau das macht das Weitwinkel-Objektiv. Die Aufstecklinse erfasst nämlich ein Blickfeld von 108 Grad und damit deutlich mehr als die im Galaxy S7 integrierte Optik. Erwartungsgemäß entstehen also Fotos mit größerem Bildwinkel, auf einem Foto lässt sich so mehr von der Umgebung abbilden. Das kann zum Beispiel praktisch sein, wenn man auf sich nicht weiter von einem Motiv entfernen kann, es mit der Smartphone-Kamera allein aber nicht vollständig aufs Bild bekommt – zum Beispiel beim Sightseeing. Dafür ist auch die vergleichsweise große Schärfentiefe der Weitwinkellinse praktisch.

Zum Vergleich: Das gleiche Motiv alleine mit der Galaxy S7-Kamera fotografiert... fullscreen
Zum Vergleich: Das gleiche Motiv alleine mit der Galaxy S7-Kamera fotografiert... (©TURN ON 2016)
... versus Foto aus derselben Position mit Tele-Linse... fullscreen
... versus Foto aus derselben Position mit Tele-Linse... (©TURN ON 2016)
... und mit Weitwinkel-Objektiv zum Aufstecken. fullscreen
... und mit Weitwinkel-Objektiv zum Aufstecken. (©TURN ON 2016)

Wer Objekte aus nächster Nähe fotografieren möchte, muss hingegen noch dichter herangehen als ohne Zusatzlinse. Aber Achtung: Schon bei einem Bildwinkel von 108 Grad, wie ihn das Samsung-Objektiv bietet, entstehen leichte Verzerrungseffekte. Wer beim Fotografieren also zu nah an Gesichter herangeht, der erhält die typischen Fisheye-Fotos.

Tele-Objektiv: Komm näher, Motiv!

Das Tele-Objektiv bietet eine längere Brennweite... fullscreen
Das Tele-Objektiv bietet eine längere Brennweite... (©TURN ON 2016)
... und einen kleineren Bildwinkel. fullscreen
... und einen kleineren Bildwinkel. (©TURN ON 2016)
Damit lassen sich weiter entfernte Objekte näher heranholen. fullscreen
Damit lassen sich weiter entfernte Objekte näher heranholen. (©TURN ON 2016)
Im Vergleich zum Weitwinkelobjektiv fällt die geringe Schärfentiefe auf. fullscreen
Im Vergleich zum Weitwinkelobjektiv fällt die geringe Schärfentiefe auf. (©TURN ON 2016)
So entstehen tolle Effekte wie mit einer Profi-DSLR. fullscreen
So entstehen tolle Effekte wie mit einer Profi-DSLR. (©TURN ON 2016)
Tele-Linsen eignen sich damit auch gut für Porträts. fullscreen
Tele-Linsen eignen sich damit auch gut für Porträts. (©TURN ON 2016)
Die Samsung-Linse bietet eine 2-fache Vergrößerung. fullscreen
Die Samsung-Linse bietet eine 2-fache Vergrößerung. (©TURN ON 2016)
Der Bildwinkel beträgt nur 45 Grad. fullscreen
Der Bildwinkel beträgt nur 45 Grad. (©TURN ON 2016)

Als Gegenstück zum Weitwinkel-Objektiv packt Samsung die Tele-Linse mit in sein Smart Lens Cover-Paket. Dieses bietet einen Bildwinkel von nur 45 Grad, dafür aber eine zweifache Vergrößerung. Die längere Brennweite und der kleinere Bildwinkel helfen dabei, weiter entfernte Motive näher heranzuholen, und sorgen für eine geringere Schärfentiefe. Das erweitert Deinen kreativen Spielraum und ermöglicht es, nur das Hauptmotiv scharf abzubilden. Im Gegensatz zum Fotografieren mit der Weitwinkel-Linse musst Du mit der Tele-Optik weiter vom Objekt entfernt sein, um es fokussieren zu können. Auch dieses Objektiv kann daher zum Beispiel auf einer Sightseeing-Tour praktisch sein – nämlich dann, wenn Du nicht näher an ein Motiv herankommst. Der Zoom der Smartphone-Kamera lässt Bilder schließlich schnell unscharf aussehen. Auch für Porträts bietet sich das Tele-Objektiv aufgrund seiner geringen Schärfentiefe an.

Fazit: Zwei Linsen für zwei Extreme

Wie lautet also das Testfazit? Sollte ich auch gleich das Samsung-Zubehör kaufen, wenn ich mir das Galaxy S7 hole? Die Frage muss im Endeffekt jeder für sich selbst beantworten. Es gibt sicher Menschen, die diese zusätzlichen Möglichkeiten der beiden unterschiedlichen Objektive einzusetzen und zu schätzen wissen. Die Linsen selbst sind zudem hochwertig verarbeitet und sogar schick anzusehen. Grundsätzlich erweitern sie tatsächlich den fotografischen Horizont von Smartphone-Kameras, die bereits potente Bildsensoren, aufgrund ihrer kompakten Bauweise aber weniger flexible Optiken besitzen. Dieser Nachteil aller Handy-Kameras lässt sich mit Aufstecklinsen wie dem Samsung Lens Cover umgehen.

Lohnt sich der Kauf des Lens Covers? fullscreen
Lohnt sich der Kauf des Lens Covers? (©TURN ON 2016)
Immerhin liegt die UVP bei 149,90 Euro. fullscreen
Immerhin liegt die UVP bei 149,90 Euro. (©TURN ON 2016)
Zudem müssen beide Linsen mitgenommen... fullscreen
Zudem müssen beide Linsen mitgenommen... (©TURN ON 2016)
... und je nach Situation die richtige eingesetzt werden. fullscreen
... und je nach Situation die richtige eingesetzt werden. (©TURN ON 2016)
Das widerspricht der Idee von schnellen Smartphone-Schnappschüssen. fullscreen
Das widerspricht der Idee von schnellen Smartphone-Schnappschüssen. (©TURN ON 2016)
Allerdings taugen Modelle wie das Galaxy S7 heute zu viel mehr als Schnappschüssen. – mit dem Zubehör erst recht! fullscreen
Allerdings taugen Modelle wie das Galaxy S7 heute zu viel mehr als Schnappschüssen. – mit dem Zubehör erst recht! (©TURN ON 2016)

Allerdings machen sie auch einen Vorteil der Smartphone-Fotografie zunichte: Das schnelle spontane und nahezu idiotensichere Knipsen. Wer von den Vorteilen des Lens Covers profitieren möchte, muss idealerweise immer beide Aufstecklinsen dabei haben und je nach Situation die eine oder andere Linse einsetzen. Das erfordert einige fotografische Grundkenntnisse. Menschen, die sich für die Fotografie interessieren, werden aber vermutlich eine richtige Kamera besitzen, die sie immer dann einsetzen, wenn die Bildqualität des Smartphones nicht mehr ausreicht. Das Samsung Lens Cover fürs Galaxy S7 dürfte also, auch aufgrund seines hohen Preises, nur eine kleine Gruppe von begeisterten Smartphone-Fotografen ansprechen – diese aber durchaus glücklich machen.

Meinung des Autors
Zugegeben: Ich bin etwas voreingenommen an den Test gegangen. Ich wusste, dass das Galaxy S7 ohnehin schon tolle Fotos macht, habe das Konzept von Aufstecklinsen fürs Smartphone bislang jedoch nicht verstanden. Unpraktisch und für einen sehr begrenzten Nutzen ziemlich teuer – das war meine Vorstellung, bevor ich solche Objektive jemals getestet hatte. Recht unpraktisch fand ich das Lens Cover in der Testsituation wirklich. Immerhin muss man mit einem Smartphone, zwei Linsen, zwei Aufbewahrungsbehältern und zwei Deckeln hantieren, wenn man Vergleichsfotos schießen, die jeweils ungenutzte Linse aber sicher verwahren will. Die Qualität der Fotos spricht jedoch für sich. Wie erwartet vergrößern die beiden Spezialobjektive den fotografischen Spielraum des Galaxy S7 deutlich.

Für Fans der Smartphone-Fotografie kann das Lens Cover also tatsächlich eine Alternative zur Digicam sein. Ich aber bleibe dabei: Für schnelle Schnappschüsse, die ich mal eben per WhatsApp verschicken möchte, greife ich zum Smartphone. Auf Reisen oder zu wichtigen Veranstaltungen muss aber die große Kamera mit.
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