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LG G Flex 2 im Test: Function follows form

Dieses Smartphone macht die Biege: das LG G Flex 2.
Dieses Smartphone macht die Biege: das LG G Flex 2. (©TURN ON 2015)

Kurven liegen im Trend. Was bei Menschen als sexy gilt, ist bei Smartphones der letzte Schrei. Das zeigt nicht nur das Samsung Galaxy S6 Edge. Auch LG hat 2015 wieder ein Curved-Smartphone im Programm. Allerdings setzt die Samsung-Konkurrenz beim G Flex 2 auf andere Kurven. Ob diese Rechnung aufgehen könnte, zeigt ein ausführlicher Test.

Vom experimentellen Hingucker zum High-End-Modell

Die Idee ist nicht neu: Ein gekrümmtes Smartphone stellte LG bereits Ende 2013 vor. Das G Flex war in vielerlei Hinsicht ein Vorzeigeprojekt für den südkoreanischen Hersteller. So kam nicht nur das erste flexible Display von LG zum Einsatz. Das Unternehmen nutzte das Modell auch, um eine neu entwickelte Beschichtung vorzuführen, die kleinere Kratzer wie von Zauberhand verschwinden lässt. Insgesamt wirkte das Konzept aber noch nicht ganz ausgereift. Die neuartige Display-Form sorgte zwar für Aufsehen, einen wirklichen Nutzen hatte sie aber nicht. Dazu waren Hardware und Software noch nicht gut genug aufeinander abgestimmt.

LG G Flex 2 fullscreen
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So viel schon einmal vorab des Tests: Das LG G Flex 2 hat nun nicht mehr so viel von einem Frankenstein-Projekt, in dem der Hersteller einzelne Technologien verwursten will. LG hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und bietet nun ein stimmigeres Gesamtpaket an. Im Vergleich zum ersten G Flex hat das Curved-Smartphone der zweiten Generation schlankere Abmessungen, ein schärferes Display und einen leistungsstärkeren Prozessor spendiert bekommen. Für den nach wie vor happigen Preis von 649 Euro gibt es nun also auch entsprechende High-End-Technik.

Design und Handling: Autolack mit Wolverine-Kräften

Natürlich ist es aber nicht das Innenleben, das beim Auspacken des LG G Flex 2 für Aufsehen sorgt. Zwar weiß man, was einen in der ebenfalls nicht sehr geradlinig designten Verpackung erwartet. Allerdings sorgte das Curved-Design des Smartphones während des Tests immer wieder für kurze Schreckmomente. Denn weil das neue G Flex nicht mehr ganz so stark gekrümmt ist wie das alte, wirkt es ein bisschen wie versehentlich verbogen. Hat man sich an den Anblick gewöhnt, dann erinnert das LG G Flex 2 an einen Curved-Fernseher im Mini-Format.

Apropos Mini: Der südkoreanische Hersteller hat das Kurven-Handy im Vergleich zum Vorgängermodell zwar deutlich verkleinert. Mit einer Display-Diagonale von 5,5 Zoll ist das Android-Modell aber nach wie vor größer als viele andere Smartphones. Dank der vergleichsweise kleinen Display-Ränder und der dezenten Krümmung liegt es aber gut in der Hand. Die einzigen physischen Bedienelemente befinden sich gut erreichbar unter der Kamera an der Rückseite. Aufgrund der ungewöhnlichen Bauweise kann das G Flex 2 allerdings nur mit seinen sexy Kurven, nicht aber mit einem schlanken Gehäuse punkten. Zum Vergleich: Apples 5,5 Zoll großes iPhone 6 Plus ist 7,1 Millimeter dünn, das LG-Modell misst an der dicksten Stelle 9,4 Millimeter.

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Auf der Rückseite mit glossy Finish ist neben der Rückkamera auch der Rear Key untergebracht. (©TURN ON 2015)

Doch nicht nur in der Seitenansicht ist das Curved-Smartphone ein echter Hingucker. Die Gehäuserückseite glänzt mit einem glossy Finish, das an eine Autolackierung erinnert. Optisch wirkt das in Platinum Silver gelieferte Testgerät daher wertiger als es sich anfasst. Der Kunststoff mit der weichen Beschichtung erweist sich zudem als recht rutschig. Und was macht die angeblich selbstheilende Oberfläche? Bei uns: nicht viel. Das Testgerät kam gleich mit einigen Kratzern auf der Rückseite an. Der Selbstheilung sind also nach wie vor ihre Grenzen gesetzt.

Display: Wie ein kleiner Curved TV

Beim Display hat LG deutlich nachgebessert: Statt eines 6-Zoll-Screens mit 720p-Auflösung besitzt das Curved-Handy der zweiten Generation einen 5,5-Zoll-POLED-Bildschirm mit Full-HD-Auflösung. Auf weniger Fläche kommen nun mehr Pixel unter, die Pixeldichte steigt damit auf 402 ppi. Der Kontrast kann ebenfalls mehr überzeugen als beim ersten G Flex und die Farben neigen nicht mehr so sehr ins Bläuliche. Die Krümmung sorgt zudem dafür, dass sich das Display auch aus sehr spitzen Blickwinkeln noch gut ablesen lässt. Damit ist das LG G Flex 2 wie gemacht für Games und Videos. Allerdings könnte der Screen insgesamt noch etwas heller sein. Im prallen Sonnenlicht lassen sich Inhalte so nur noch schwer ablesen. Zumal das Testgerät dann auch noch eine Warnung ausspuckte, nachdem es kurze Zeit auf dem Schreibtisch in der Sonne lag: "Weitere Erhöhung der Helligkeit aufgrund von Temperaturanstieg nicht möglich".

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Der 5,5-Zoll-POLED-Bildschirm des LG G Flex 2 bietet eine Full-HD-Auflösung. (©TURN ON 2015)

Hardware und Ausstattung: Stark, aber kein Performance-Wunder

Die Temperatur ist bei Smartphone-Modellen mit dem Snapdragon 810-Prozessor sowieso ein heikles Thema. Angeblich waren es Hitzeprobleme, die Samsung beim Galaxy S6 auf dieses CPU-Modell von Qualcomm verzichten ließen. Beim HTC One M9 hingegen scheint der Prozessor seinen Dienst ordentlich zu verrichten. Im LG G Flex 2 findet sich zwar der gleiche 64-Bit-Chip mit vier 2-GHz- und vier 1,5-GHz-Kernen. Allerdings scheint die CPU im Curved-Handy nicht ganz so flott zu arbeiten. Einige Apps starten etwas langsam und auch beim Wechsel zwischen verschiedenen Anwendungen genehmigt sich das Smartphone mitunter ungewöhnlich viel Zeit. Ob das an der Android-Version 5.0.1 oder an LGs eigener Software liegt, ist nicht ganz klar. Insgesamt bewegt sich die Performance aber auf einem guten Niveau.

Homescreen fullscreen
App Drawer fullscreen
Bedienleiste fullscreen
Drop Down fullscreen
Benachrichtigungen fullscreen

Auch die Bedienbarkeit des G Flex 2 ist ordentlich. So kann das Smartphone etwa per Doppel-Tipp aufs Display aufgeweckt oder in den Stand-by geschickt werden. Das ist ganz praktisch, wenn es auf dem Tisch liegt und die Bedientasten nicht direkt erreichbar sind. Außerdem lässt sich die von Android Lollipop bekannte Bedienleiste anpassen und bei Bedarf auf bis zu fünf Symbole erweitern. Etwas unübersichtlich ist hingegen das Dropdown-Menü, in dem gängige Einstellungen nur durch seitliches Scrollen zu erreichen sind. Bei Benachrichtigungen geht zudem schnell die Übersichtlichkeit verloren.

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Die Rückkamera LG G Flex 2 ist mit einem 13-Megapixel-Bildsensor, einem Laser-Autofokus und einem optischen Bildstabilisator ausgestattet. Das klingt gut und liefert bei gutem Licht auch ordenliche Aufnahmen. Bei schlechteren Lichtverhältnissen springt die Foto-Software ein und sorgt für hellere, dann aber auch deutlich verwaschenere Bilder. Überzeugender als der Fotomodus ist aber die Videofunktion. Denn das Curved-Smartphone dreht Filme jetzt auf Wunsch in 4K-Auflösung, qualitativ lässt es dabei sogar das HTC One M9 leicht hinter sich. Die Bedienung der Kamera-App ist auf die Nutzung aller Automatikfunktionen ausgelegt. Durch direktes Tippen sind nur wenige Optionen in der App verfügbar, viele Einstellungen müssen über das Menü gesucht werden.

Kamera-App fullscreen
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Für Fotos, Videos, Musik und Co. stehen 16 GB interner Speicher bereit – aber nur auf dem Datenblatt. Tatsächlich sind nur etwa sieben GB frei, den Rest belegt das System. Eine Speichererweiterung per Micro-SD-Karte ist damit nahezu unumgänglich. Immerhin ist das LG G Flex 2 für die Zukunft gerüstet und unterstützt Speicherkarten bis zu 2 TB Größe. Darüber hinaus sind natürlich auch GPS, Wi-Fi, NFC, Bluetooth 4.1 und sogar LTE-Advanced mit an Bord.

Akkuleistung: Der Prozessor fordert seinen Tribut

Akkustatus fullscreen
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Die Akkulaufzeit zählt nicht zu den Paradedisziplinen des LG G Flex 2. Zwar verfügt der ebenfalls gebogene Akku über eine Kapazität von 3000 mAh. Allerdings saugt der leistungsstarke Snapdragon 810 den Energiespeicher bei Auslastung ruckzuck leer. Vieltelefonierer und Dauersurfer müssen das G Flex 2 mindestens einmal täglich aufladen. Wer etwas seltener zum Smartphone greift, kommt aber auch zwei Tage mit einer Akkuladung über die Runden. Schade: Der Akku ist leider nicht austauschbar. Zwar lässt sich die Rückschale des LG-Geräts entfernen. Das aber auch nur, um an den SIM- und SD-Slot zu kommen.

Fazit: Ausgefallen – ohne große Kompromisse

Im Gegensatz zum LG G Flex ist das G Flex 2 ein konkurrenzfähiges Smartphone. Während die erste Generation noch als interessantes Designexperiment abgetan werden konnte, spielt die zweite Generation in der High-End-Liga mit. Ordentliche Hardware und eine aktuelle Android Lollipop-Version machen es zum Konkurrenten für das HTC One M9 und das Samsung Galaxy S6. Preislich liegt das LG-Modell mit einer UVP von 649  Euro auf einem Niveau mit der günstigsten S6-Variante, im Vergleich zum One M9 ist es sogar etwas billiger – liefert aber auch einen nicht ganz so überzeugenden Gesamteindruck ab. Dazu funktioniert das LG-System nach wie vor nicht reibungslos genug. In dieser Hinsicht hat Apple dem Hersteller aus Südkorea vieles voraus, und mit dem iPhone 6 Plus ebenfalls ein 5,5-Zoll-Smartphone im Programm. Wer also nicht unbedingt mit einem aufsehenerregenden Curved-Smartphone angeben will, findet auf dem Markt einige bessere Alternativen.

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