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Mein Wechsel von Android auf iOS: Eine Odyssee mit dem iPhone 11

iPhone 11
Das iPhone 11 ist mein neuer Begleiter und hat mich am Anfang ganz schön Nerven gekostet. Bild: © TURN ON 2020

Im Herzen bin ich ein Android-Mädchen – und doch habe ich nun ein iPhone. Der Wechsel von Android auf iOS ist mir nicht leichtgefallen. In diesem Beitrag erfährst Du, warum ich Googles Betriebssystem gegen iOS eingetauscht habe, welche Hürden ich überwinden musste und warum ich Android vermisse.

Lange Zeit hatte ich mit Apples Produkten wenig am Hut. Zu groß waren die Vorurteile gegenüber dem Hersteller, seiner Verkaufsstrategie und den stets überzeugten Apple-Jüngern. Vor allem aber konnte ich mich nie zum Kauf eines iPhones bewegen, weil mich Aspekte des Designs störten. Es war dieses immer gleiche Aussehen: Nicht nur der Look der Hardware, sondern auch der Software schien sich über Jahre hinweg nicht zu verändern. Auf mich wirkte das eher abschreckend, als dass es die einladende Vertrautheit hervorrief, die dieses Design eigentlich vermitteln soll.

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iOS sieht seit Jahren gleich aus und strahlt damit wenig Innovation aus. Bild: © TURN ON 2020

Doch immerhin bin ich Redakteurin und YouTuberin im Technik-Bereich. Da kann ich mich einer der größten Firmen auf diesem Gebiet nicht einfach verschließen. Zumal Apple maßgeblich die Weichen für den heutigen Stand der Technik gestellt hat. So taste ich mich mit einem iPhone 11 in der Tasche in die Welt des Apfels vor.

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Mein Verabschiedungsritual

Der Umstieg von Android auf iOS beginnt mit einer mentalen Vorbereitung. Bevor ich das iPhone in Betrieb nehme, brauche ich knapp zwei Wochen Zeit, um mich auf meinen neuen "Partner in Crime" einzustellen. Mein Handy ist für mich immerhin privater Begleiter und Arbeitsgerät in einem, die Chemie muss also stimmen.

Zunächst will ich alle Daten übertragen, vor allem Bilder und Videos. Doch ich stelle schnell fest: Mit der dafür vorgesehenen App Move to iOS klappt das überhaupt nicht. Auch die Web- und Desktop-Anwendung von iCloud macht auf meinem Windows-Rechner Faxen. Ich brauche einen Apple-Computer, damit die Übertragung reibungslos funktioniert. Den sogenannten goldenen Käfig bei Apple erfahre ich hier zum ersten Mal am eigenen Leib.

Zum Glück besitzt mein Vater einen Mac Mini und so schaffen wir es über Umwege, alle Bilder und Videos auf mein iPhone zu transferieren. Die ganze Aktion kostet mich sehr viel Zeit und ungeheuer viele Nerven. Kann mich das iPhone an anderer Stelle mehr überzeugen?

"Intuitives" Design? Von wegen!

Endlich ist der Wechsel geschafft! Die SIM-Karte ist eingelegt, alle Daten wurden übertragen und ich halte mein neues iPhone startklar in der Hand. So groß die Euphorie am Anfang war – nach ein paar Stunden kommt die erste Ernüchterung: Ich empfinde die Benutzung der iOS-Oberfläche überhaupt nicht als intuitiv und bin verwirrt. Apples Produkte werden doch immer als besonders einfach und verständlich angepriesen.

Woran liegt es, dass ich Probleme mit der Benutzeroberfläche habe? Da ich oft Geräte für Reviews teste, bin ich es eigentlich gewohnt, mich in immer neue Bedienelemente reinzufuchsen – und ich hinterfrage sie auch. Was ist an iOS also nicht Einsteiger-freundlich designt?

Versteckte Gestensteuerung

Es fängt bei Kleinigkeiten wie der Zurück-Taste an. Öffne ich in einer App ein neues Fenster, gibt es in der Regel zwei Optionen, um wieder zurück zu navigieren: Entweder streiche ich mit einem Finger von der linken Seite des Bildschirms zur rechten oder ich tippe auf einen kleinen Pfeil in der oberen linken Bildschirmecke.

Apple sieht wahrscheinlich vor, dass User innerhalb einer App mithilfe der Wisch-Geste navigieren. Ein neuer Nutzer wird sich aber immer an dem orientieren, was er auf dem Bildschirm sieht, also an dem kleinen Pfeil im oberen Bildschirmbereich.  Dieser taucht bei den verschiedensten Apps auf: Twitter, Netflix, WhatsApp, Amazon, Spotify und viele weitere. Bei den heutigen Screengrößen des iPhones ist das keine Einhand-Aufgabe. Auf die Geste des Zurück-Wischens muss der Nutzer von allein kommen – sie wird nirgendwo erklärt.

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Über diesen Pfeil kann der Nutzer zurück navigieren. Er ist nur blöd platziert. Bild: © TURN ON 2020

Persönlich finde ich, dass Android in diesem Punkt intuitiver zu bedienen ist. Auf den meisten Geräten mit Googles Betriebssystem lassen sich drei Symbole am unteren Bildschirmrand anzeigen, unter anderem ein Zurück-Button. Der ist mit einer Hand einfach zu erreichen und der Nutzer weiß sofort, wofür er da ist.

Bei iOS wird der Nutzer über neue Funktionen oft im Dunkeln gelassen. Apple führt immer wieder neue Features ein, integriert diese aber nicht in die Bedienoberfläche, zum Beispiel in Form von Menüpunkten, Systemeinstellungen oder Zusatz-Apps. Der Hersteller will die "leichte Bedienbarkeit" nicht gefährden. Doch am Ende passiert genau das Gegenteil: Das System wird schwerer zu bedienen. Für viele Nutzer erschließt sich beispielsweise bis heute nicht, wie sie auf dem iPad Split View oder Slide Over aufrufen oder wie sie es wieder abstellen.

Informationen auf den zweiten Blick

Die Oberfläche von iOS hat sich seit Jahren nicht verändert. Der Look soll langjährigen Nutzern ein vertrautes, heimeliges Gefühl vermitteln. Ich empfinde das Design als langweilig – ein Haufen App-Icons und keine Individualität. Und das Schlimmste daran: Ich kann Informationen nicht auf einen Blick erkennen, sondern muss erst die App dazu öffnen. Das ist unnötige Klick-Strecke, die nichts mit Intuition bei iOS zu tun hat, sondern etwas mit Benutzerfreundlichkeit.

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Klar, auch bei iOS gibt es Widgets. Nur nicht in Hülle und Fülle. Bild: © TURN ON 2020

Vor allem die Widgets von Android vermisse ich auf meinem iPhone wahnsinnig! Um Informationen wie das Wetter direkt zu sehen, nutzt Apple zwar auch Widgets, doch die sind anders aufgebaut als bei Android und ermöglichen keine individuellen Einstellungen. Noch dazu fehlt hier die Auswahl. Ich war es von Googles Betriebssystem gewohnt, dass meine wichtigsten Mails in einem Widget angezeigt werden und ich auf einen Blick sehen kann, welche ich noch beantworten muss. Die Entwickler von zahllosen Mail-Apps unter iOS bieten dieses Feature nicht an.

Positiv denken!

Ich möchte nicht nur über Details schreiben, die mir besonders negativ aufgefallen sind. Es gibt auch positive Sachen, die man Apple und seinen Produkten zugutehalten muss. Denn je länger ich mit meinem iPhone im Alltag zu tun habe, desto mehr mag ich es.

Hat man erst mal den Bogen raus, wird deutlich, dass Hard- und Software aus einer Hand stammen und perfekt aufeinander abgestimmt sind. Animationen sind flüssig, es gibt keine Bugs oder langen Ladezeiten. Nicht, dass Android langsam läuft, aber gefühlt ist ein Unterschied zu merken.

Apples Umgang mit dem Datenschutz ist ein weiterer Punkt, der mich positiv überrascht hat. Anders als beispielsweise Google hat sich das Unternehmen aus Cupertino auf die Fahnen geschrieben, dass Privatsphäre ein Menschenrecht ist.

Auf der jüngsten Entwicklerkonferenz konnte der Konzern in mehreren Demos glaubhaft belegen, dass die Apple-Dienste keine Datenschleudern sind. Bei der Navigation mit der Karten-App kann Apple nicht sehen, wo der User gestartet ist und welchen Weg er genommen hat. Auch Anfragen an Siri werden nicht zu einem Personenprofil in der iCloud zusammengeführt. Das finde ich sehr vorbildlich, denn das ist bei Google nicht der Fall. Klar, Apple kann viel behaupten und muss sich noch lange nicht daran halten, aber es gibt mir ein sicheres Gefühl.

Es sind die kleinen Dinge

Ich bin nicht mit der Erwartung auf iOS umgestiegen, dass es sich genauso bedienen und handhaben lässt wie Android. Aufgrund der zahlreichen Lobeshymnen auf Apples Betriebssystem hatte ich jedoch sehr hohe Erwartungen – und wurde schließlich enttäuscht.

So überfordernd der Start auch war, mittlerweile nutze ich mein iPhone gerne. Ich mag, dass die Gesichtserkennung so schnell funktioniert und mich Anrufer glasklar verstehen. Ich mag, dass sich der Sound bei der Videowiedergabe anhört, als käme er aus jeder Ecke des Raumes. Ich mag, dass der App Store kaum Apps mit Werbung bereithält und ich witzige Animoji-Bildchen von mir im Chat verschicken kann.

Ganz besonders mag ich aber die vielen Familienfunktionen, mit denen ich alle App-Store-Einkäufe, Standorte und Fotos mit meinen Liebsten teilen kann. Das finde ich klasse. Es ist ein echt cleveres Konzept von Apple, so viele Leute wie möglich in ihre Produktsparte zu locken.

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Durch die Familienfreigabe kann ich verschiedene Daten mit meiner Familie teilen. Bild: © TURN ON 2020

An die merkwürdige Bedienung habe ich mich zwar gewöhnt, gut finde ich sie trotzdem nicht. Im Herzen bin und bleibe ich eben ein Android-Mädchen.

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