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Mit Handy bezahlen: Warum mich der Schweden-Urlaub überzeugt hat

Beim mobilen Bezahlen ist Schweden viel weiter als Deutschland.
Beim mobilen Bezahlen ist Schweden viel weiter als Deutschland.

Schweden – Land der Elche, der endlosen Wälder ... und des mobilen Bezahlens! Während mit dem Handy bezahlen in Deutschland erst seit ein paar Monaten die ersten Babyschritte macht, sind die Skandinavier schon viel weiter – und haben auch mich endgültig zum Fan von Mobile Payment gemacht!

Mit Handy bezahlen: So einfach ist es in Schweden

Dass Schweden in Sachen Kreditkartenzahlung und auch mobiles Bezahlen ziemlich fortschrittlich ist, hatte ich bereits vor meinem Urlaub im August 2019 gehört. Dass das Bezahlen mit dem Handy im hohen Norden aber so gut funktionieren würde, hatte ich nicht erwartet.

Ich habe während meiner zweiwöchigen Rundreise durch den Süden von Schweden nicht einmal Schwedische Kronen (SEK) bei einem Bankautomaten abgehoben. Nur ein einziges Mal hatte ich Bargeld überhaupt in der Hand – 40 SEK, also umgerechnet 3,73 Euro, weil ich für eine andere deutsche Urlauberin in Ystad ein Parkticket gekauft habe. In Schweden kann man nämlich auch an den Parkautomaten nur mit Kreditkarte oder mit einer App auf dem Smartphone bezahlen – Bargeld wird gar nicht erst akzeptiert, die Girocard der deutschen Touristin allerdings auch nicht.

Ausgegeben habe ich die 40 SEK auf dem Campingplatz für die Duschen – tatsächlich der gefühlt einzige Ort im ganzen Land, der nur Bargeld akzeptierte.

Ansonsten haben meine Freundin und ich wirklich alles mit Kreditkarte bezahlt, beziehungsweise meistens sogar mit Apple Pay, nachdem unser gemeinsames Konto bei der DKB seit Mitte Juni 2019 dankenswerterweise endlich auch das mobile Bezahlsystem von Apple unterstützt. Wir waren dabei wohlgemerkt nicht nur in großen Städten wie Malmö unterwegs, wo eine gewisse Verbreitung von Terminals für kontaktloses Bezahlen erwartbar ist. Nein, auf unserem Roadtrip durch Südschweden konnten wir sogar in einer kleinen Fischbude im winzigen Örtchen Hällevik ganz bequem unseren frischen Lachs mit dem Smartphone bezahlen.

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Schweden sieht vielleicht nicht nach High-Tech aus, ist Deutschland in Sachen Mobile Payment aber weit voraus.
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Lecker Fisch, bezahlt mit Apple Pay.
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Bezahlen in Schweden vs. Deutschland: Ein himmelweiter Unterschied

Dass Schweden ein Vorreiter in Sachen Kartenzahlung und somit auch Mobile Payment ist, hat einen Grund. Wie die Wirtschaftswoche bereits 2014 schrieb, haben schwedische Banken seit 2010 Schritt für Schritt ihren Bargeldservice eingestellt. So bot die Bank Nordea damals nur noch in einem Drittel ihrer 256 Filialen Bargeldservices an. Inzwischen dürften es noch weit weniger sein. Das Argument in Schweden: Bargeld ist teuer im Transport und in der Verwaltung.

Laut einer Erhebung der Schwedischen Zentralbank (via Tagesspiegel) werden mittlerweile in Schweden nur noch 15 (!) Prozent aller Zahlungen bar beglichen. Gleichzeitig ging die Anzahl der Scheine und Münzen, die sich im Umlauf befindet, seit 2012 um fast 40 Prozent zurück. Im Schnitt zahlt ein Schwede pro Jahr über 300 Mal mit der Kreditkarte ... fast dreimal so oft wie der durchschnittliche EU-Bürger.

Zum Vergleich: In Deutschland waren es 2017 gerade einmal durchschnittlich 54,4 Kartenzahlungen pro Einwohner (via Statista), während gleichzeitig 54 Prozent der Deutschen in einer Statista-Umfrage angaben, auf Bargeld auch in Zukunft "auf keinen Fall" oder "eher nicht" verzichten zu wollen. Zum parallelen Erfolg von Mobile Payment hat zudem sicher auch die App Swish beigetragen, an der sich mittlerweile alle zwölf schwedischen Banken beteiligen, wie Star Finanz schreibt.

Deutschland: Ein Entwicklungsland in Sachen Mobile Payment

In Deutschland ist das Bezahlen mit Karte oder Smartphone also weiterhin ein Glücksspiel. Und so grüßt mich im Kiosk um die Ecke dann auch ein Zettel mit der Aufschrift "EC-Zahlung erst ab 10 Euro möglich!" an der Kasse und beim letzten Restaurantbesuch in Hamburg-Barmbek wurde ich auch von der Info überrascht, dass nur Bargeld akzeptiert werde.

Dass Deutschland ein Bargeldland ist und der Deutsche an sich (Achtung, Verallgemeinerung!) sein Klimpergeld liebt, wurde schon hundertfach thematisiert. Auch ich erlebe das im Alltag immer wieder, etwa wenn bei meinem Wocheneinkauf im Supermarkt die meisten vor mir in der Schlange stundenlang ihre Euro-Münzen aus dem Portemonnaie kramen, während ich in fünf Sekunden mit Apple Pay meine Lebensmittel bezahle. Selbst meine Freundin, die im Gegensatz zu mir nun wirklich kein Technik-Nerd ist, bezahlt inzwischen so oft wie möglich mit dem iPhone.

Schweden hingegen hat schon vor Jahren verstärkt auf Kreditkartenzahlungen umgestellt, was der weit verbreiteten Möglichkeit, mit dem Handy bezahlen zu können, deutlich auf die Sprünge hilft. Natürlich ist kontaktloses Bezahlen und somit Apple Pay auch in Schweden nicht an jedem Ort verfügbar – auch in Skandinavien sollte man immer darauf achten, dass das Symbol für kontaktloses Bezahlen am Kartenlesegerät beziehungsweise an der Kasse klebt und notfalls beim Kassierer nachfragen. Sehr oft musste ich die Visa Card allerdings nicht aus der Tasche holen.

Ist dieses Symbol am Kartenlesegerät zu sehen, kann auch kontaktlos bezahlt werden.

Gewohnheiten ändern sich nicht über Nacht

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Schweden Deutschland nicht nur in Sachen Breitbandausbau weit voraus ist, sondern auch bei anderen High-Tech-Themen wie eben Mobile Payment. Obwohl das Bezahlen mit dem Handy inzwischen auch in Deutschland an vielen Orten und mit vielen Bankkonten möglich ist, blieb der große Durchbruch bislang zumindest gefühlt aus.

Ob sich mobiles Bezahlen auch hierzulande durchsetzen wird, entscheidet sich vermutlich nicht in diesem Jahr. Dinge wie die Abneigung gegenüber Kreditkartenzahlungen ändern sich nicht in wenigen Monaten. Aber vielleicht sollte einfach mal jeder einen Urlaub in Schweden machen, um endgültig, so wie ich, zum Fan von Apple Pay und Co. zu werden.

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