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Motorola Moto G7 Plus im Test: Noch das, was wirklich zählt?

Gelungenes Mittelklasse-Smartphone: das Moto G7.
Gelungenes Mittelklasse-Smartphone: das Moto G7.

Das Motorola Moto G7 Plus ist das stärkste Smartphone der beliebten Mittelklasse-Serie. Im Test hat es sich allerdings als widersprüchlich erwiesen. So kann es teils mit Flaggschiffen mithalten, enttäuscht dafür aber bei manch einstigen Stärken der Moto-G-Reihe.

Design und Verarbeitung: Glas, Kunststoff, Wassertropfen

Das 6,2 Zoll große Moto G7 Plus orientiert sich grundsätzlich am bekannten Moto-Design der Vorgänger, greift aber einige zeitgenössische Trends auf. Vorder- und Rückseite sind aus dem Schutzglas Gorilla Glass 3 gefertigt und die Selfiekamera steckt in einer Wassertropfen-Notch. Damit ist eine Kerbe im Display oben gemeint, die einem Wassertropfen nachempfunden ist. Der Rand rund um den Bildschirm fällt etwas dicker aus als bei Flaggschiff-Smartphones wie dem Galaxy S10.

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Gut gemacht: Die Wassertropfen-Notch ist die am wenigsten aufdringliche Notch.

Auch der Plastikrahmen zwischen den Glasscheiben sorgt dafür, dass die meisten das Moto G7 Plus nicht mit einem Flaggschiff verwechseln werden. Ein praktischer Vorteil des Plastikrahmens lieg darin, dass er Stürze besser aushält als Metall oder Glas. Die kreisförmige Kameraausbuchtung auf der Rückseite ist ein Erkennungsmerkmal der Serie und Geschmacksache. Darunter ist ein herkömmlicher Fingerabdrucksensor untergebracht, der sich gut ertasten lässt.

Insgesamt wirkt das Smartphone stabil verarbeitet. Wer noch höhere Anforderungen an die Verarbeitungsqualität hat, sei zum Beispiel auf das Nokia 8.1 verwiesen.

Fazit Design und Verarbeitung: Hier lässt das Moto G7 Plus für die Mittelklasse nichts zu wünschen übrig.

Technik und Software: Grundlagen nur solide

Das IPS-Display des Moto G7 Plus im 19:9-Format misst 6,2 Zoll und löst mit 2.270 x 1.080 Pixeln auf. Der Bildschirm geht in Ordnung, aber der des Vorgängers Moto G6 Plus überzeugte mit einer höheren Helligkeit und einer besseren Farbwiedergabe. Trotzdem: Einen praktischen Nachteil im Alltagsgebrauch gibt es kaum. Auf HDR-Support und große Farbräume muss man verzichten, was für die Mittelklasse auch in Ordnung geht.

Bei der Technik im Inneren hat Motorola ein wenig gespart: Der Prozessor Snapdragon 636 befindet sich eher auf unterem Mittelklasse-Niveau. Er wird von 4 GB Arbeitsspeicher begleitet, während der interne 64-GB-Speicher erweitert werden kann. Immerhin bietet das Handy zwei vollwertige SIM-Kartenslots und unterstützt microSD-Karten mit einer Größe von bis zu 512 GB.

Die Performance ist solide, aber Konkurrenten wie das Nokia 7 Plus und das Xiaomi Mi 8 Lite sind mit etwas stärkeren Chips ausgestattet. Beim Laden von Apps, Surfen im Internet und beim Navigieren in Android sind andere Geräte in der Preisklasse also etwas schneller unterwegs. Was Gaming angeht: "PUBG Mobile" lässt sich nur mit niedrigen Einstellungen starten und mit den hohen Settings in "Sonic Forces" ist das Handy überfordert.

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Motorola hat mehr in die Kamera des Moto G7 Plus investiert als in die Leistung.

Während die Leistung für die Klasse trotzdem als anständig gelten darf, wäre bei der Akkulaufzeit mehr gegangen. Für einen Tag hat der 3000-mAh-Akku genügend Saft, aber mehr ist nicht drin. Immerhin lässt sich der Akku dank beigefügtem 27-Watt-Schnellladegerät rasant aufladen – von 0 auf 79 Prozent in einer halben Stunde.

Für um die 30 Euro mehr gibt es das Xiaomi Pocophone F1 mit dem Snapdragon 845, der Flaggschiff-Chip von 2018. An jenem Preis-/Leistungskiller beißen sich allerdings auch die Mittelklasse-Konkurrenten die Zähne aus. Das gilt ebenso für die 6 GB RAM und den schnelleren UFS-2.1-Speicher des Pocophone – und für die längere Laufzeit.

Bei der Software setzt Motorola wieder auf eine Beinahe-Stock-Version von Android, die mit einigen hauseigenen Features angereichert wurde. Das wichtigste ist die "Moto Action" genannte Gestensteuerung, darunter vor allem die Ein-Tasten-Steuerung. Sie erlaubt die Bedienung des Smartphones mit Hilfe eines einzelnen virtuellen Buttons auf der Unterseite des Displays. Die Gestensteuerung funktioniert sehr gut und ist besser gelöst als die Variante, die Google mit Android 9.0 Pie eingeführt hat. Motorola verspricht für die Zukunft ein Update auf Android Q sowie wenigstens zwei Jahre lang Sicherheitsupdates.

Fazit Technik und Software: Ein Mittelklasse-Smartphone sollte vor allem bei den Grundlagen überzeugen. Leistung und Akkulaufzeit sind zwar auch akzeptabel, hätten aber gerne noch besser ausfallen dürfen.

Kameras und Audio: Flaggschiff-Niveau

Bei den Kameras kann das Moto G7 Plus positiv überraschen. So bietet die 16-Megapixel-Hauptkamera eine optische Bildstabilisierung, die in der Klasse selten anzutreffen ist. Dank eines Blendenwertes von f/1,7 ist sie zudem sehr lichtstark. Der zweite Sensor löst mit fünf Megapixel auf und liefert Tiefeninformationen für Bokehaufnahmen.

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Die Dual-Kamera steckt Moto-typisch wieder in einer Kuppel, darunter ist der Fingerabdrucksensor mit dem Logo angebracht.

Die Hauptkamera knipst sehr gute Fotos: Von der Genauigkeit der Farben über den Kontrast bis hin zu Schärfe und Detailreichtum stimmt alles – nur der Kontrastumfang könnte noch besser ausfallen. Das bedeutet, dass helle Lichtquellen auf den Bildern abgedunkelt werden und die Belichtung des jeweiligen Fotos sozusagen einem Mittelwert angenähert wird. Das schaffen Smartphonekameras aber selten wirklich herausragend.

Der Bokeheffekt ist sehr gut gelungen: Das Motiv wird dank Dual-Kamera treffend vom unscharfen Hintergrund abgegrenzt – hier haben viele Handykameras so ihre Probleme mit der Erkennung der Umrisse. Bei Nachtaufnahmen liefert das Moto G7 Plus auch eine überdurchschnittlich gute Qualität ab, wobei Flaggschiffe wie das Galaxy S10 und das Huawei Mate 20 Pro noch weniger Rauschen erreichen. Die Videos wissen ebenfalls zu gefallen, insbesondere in der scharfen 4K-Auflösung.

Die Fotoqualität ist generell sehr gut, nur ... fullscreen
Die Fotoqualität ist generell sehr gut, nur ...
... beim Kontrastumfang liegen manch andere vorne. So werden helle Bildteile abgedunkelt ... fullscreen
... beim Kontrastumfang liegen manch andere vorne. So werden helle Bildteile abgedunkelt ...
... und Fotos wirken weniger dynamisch als sie könnten. fullscreen
... und Fotos wirken weniger dynamisch als sie könnten.
Der geringe Kontrastumfang begünstigt auch Überblendungen (die Sonne von rechts hellt das Bild zu stark auf). fullscreen
Der geringe Kontrastumfang begünstigt auch Überblendungen (die Sonne von rechts hellt das Bild zu stark auf).
Schärfe und Detailreichtum stimmen allerdings. fullscreen
Schärfe und Detailreichtum stimmen allerdings.
Auch die Farbtreue ist vorbildlich. fullscreen
Auch die Farbtreue ist vorbildlich.
Für ein Mittelklassehandy erreichen die Fotos eine hohe Qualität. fullscreen
Für ein Mittelklassehandy erreichen die Fotos eine hohe Qualität.
Auch in Innenräumen (sofern kein Licht von einer Seite hineinscheint) gelingen scharfe Aufnahmen. fullscreen
Auch in Innenräumen (sofern kein Licht von einer Seite hineinscheint) gelingen scharfe Aufnahmen.
Beim Bokeheffekt mit der Dual-Kamera können sich viele andere Smartphones eine Scheibe abschneiden. fullscreen
Beim Bokeheffekt mit der Dual-Kamera können sich viele andere Smartphones eine Scheibe abschneiden.
Auch die Selfiekamera knipst gute Porträtfotos. fullscreen
Auch die Selfiekamera knipst gute Porträtfotos.
Die Fotoqualität ist generell sehr gut, nur ...
... beim Kontrastumfang liegen manch andere vorne. So werden helle Bildteile abgedunkelt ...
... und Fotos wirken weniger dynamisch als sie könnten.
Der geringe Kontrastumfang begünstigt auch Überblendungen (die Sonne von rechts hellt das Bild zu stark auf).
Schärfe und Detailreichtum stimmen allerdings.
Auch die Farbtreue ist vorbildlich.
Für ein Mittelklassehandy erreichen die Fotos eine hohe Qualität.
Auch in Innenräumen (sofern kein Licht von einer Seite hineinscheint) gelingen scharfe Aufnahmen.
Beim Bokeheffekt mit der Dual-Kamera können sich viele andere Smartphones eine Scheibe abschneiden.
Auch die Selfiekamera knipst gute Porträtfotos.

Die optische Stabilisierung reduziert die Verwacklung spürbar, auch wenn das Galaxy S10 hier der Vorreiter bleibt. Ähnliches gilt für die Selfies mit der 12-Megapixel-Kamera vorne, sie sehen farbecht und relativ detailliert aus. Das letzte Quäntchen Schärfe bietet die Selfiekamera des Galaxy S10, aber für die Mittelklasse ist das eine eindrucksvolle Leistung.

Die Stereolautsprecher sind ebenfalls richtig gut. Sie können sehr laut erschallen und da auch etwas Bass wahrnehmbar ist, klingen Stimmen recht natürlich. Das gelingt Smartphones nur selten. Auch hier geht das Galaxy S10 noch einen Schritt weiter, aber für gewöhnlich sind Flaggschiffe gar nicht für einen Vergleich mit einem 300-Euro-Smartphone geeignet. In diesem Fall durchaus. Der klare und laute Klang mit guten Kopfhörern via Klinkenausgang weiß ebenso zu gefallen – hier hängt das LG V40 ThinQ mit seinem Hi-Fi-DAC zwar das Moto G7 Plus, aber auch das Galaxy S10 ab.

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Via Klinke verbundene Kopfhörer profitieren von einem klaren Sound und hoher Lautstärke.

Fazit Kameras und Audio: Bei der Foto- und Soundqualität darf sich das Moto G7 Plus mit den Besten messen lassen.

Fazit: Gutes Handy mit seltsamen Schwerpunkten

Insgesamt ist das Moto G7 Plus ein gelungener Vertreter der Handy-Mittelklasse. Dabei hat sich Motorola für ungewöhnliche Schwerpunkte entschieden: Vor allem Kameras und Klang sind für die Klasse hervorragend. Die meisten Nutzer erwarten von einem Mittelklasse-Handy allerdings vor allem eine gute Performance und eine lange Laufzeit. In diesen Bereichen schlägt sich das Moto G7 Plus zwar nicht schlecht, aber es ist sicher kein Vorreiter.

So reduziert Motorola die Zielgruppe auf jene, die für einen geringen Preis vor allem gute Fotos und einen tollen Klang erwarten, während sie anderswo Kompromisse einzugehen bereit sind. Das Nokia 7 Plus bietet für inzwischen 260 Euro eine etwas höhere Leistung und überzeugt bei Hauptkamera und Verarbeitung – wobei die Kamera des Moto G7 Plus insgesamt noch besser ist.

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Das Moto G7 Plus muss es mit heftiger China-Konkurrenz aufnehmen.

Und dann wäre da noch das Xiaomi Pocophone F1 – ein 2018er-Flaggschiff für 330 Euro. Dieses soll nun bald auch HD-Videos von Netflix und Amazon wiedergeben können, wodurch der größte Nachteil behoben werden dürfte, den wir im Test festgestellt haben. In den Schuhen der Hersteller von Mittelklasse-Handys möchte man gerade nicht stecken.

Sie müssen letztlich stets die Frage beantworten: "Ist es besser oder deutlich günstiger als das Pocophone?" Das ist das Moto G7 Plus nicht – und das ist auch kein anderes Smartphone in diesem Preisbereich. Allerdings: Spezifisch bei den Kameras (optische Stabilisierung) und beim Klang (kräftigere Stereolautsprecher, Sound via Klinke) überzeugt das Moto G7 Plus noch mehr.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Gute Verarbeitung

+ Sehr gute Kameras

+ Tolle Lautsprecher

+ Guter Klang via Klinkenanschluss

- Leistung und Ausstattung nur solide

- Akkulaufzeit etwas kurz

 

Das sagt Andreas:
Dank Xiaomi können einstige Preis-/Leistungshits wie die Moto-G-Serie nicht mehr als besonders günstig gelten. Den relativ schwachen Akku hat sich Motorola allerdings selbst zuzuschreiben. Wie wichtig ist Dir eine lange Akkulaufzeit?
Motorola Moto G7 Plus
Motorola Moto G7 Plus
  • Datenblatt
  • Hardware und Software
  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Preis (UVP)
    299 Euro
  • Release
    März 2019
  • Farben
    Dunkelblau, Rot
  • Lieferumfang
    Smartphone, Schnellladeadapter, USB-C-Datenkabel, Steckplatzwerkzeug, Kurzanleitung
  • Display-Größe
    6,2 Zoll
  • Display-Auflösung und Display-Typ
    2270 x 1080 Pixel, IPS
  • Prozessor
    Qualcomm Snapdragon 636
  • Arbeitsspeicher
    4 GB RAM
  • Speicherkapazität
    64 GB (erweiterbar per MicroSD)
  • Betriebssystem
    Android 9.0 Pie (Stand: März 2019)
  • Kameras
    Frontkamera (12 MP) und Dual-Rückkamera (16 + 5 MP)
  • SIM-Karten-Format
    Nano-SIM, Dual-SIM
  • Anschlüsse und Steckplätze
    USB-Typ-C, Kopfhörer
  • Akkukapazität
    3000 mAh
  • Besondere Merkmale
    Wassertropfen-Notch
TURN ON Score:
3,8von 5
  • Akkuleistung
    3,0
  • Design
    4,0
  • Preis-Leistung
    3,5
  • Hardware
    3,0
  • Ausstattung
    3,5
  • Klang
    4,5
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