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Nexus 9 im Test: Performance-Künstler mit kleinen Schwächen

Das Google Nexus 9 ist eigentlich gar nicht von Google. Nichtsdestotrotz bläst das von HTC gefertigte Tablet zum Angriff auf Apples iPad-Modelle.
Das Nexus 9 ist das erste Tablet mit Android 5.0 Lollipop.
Das Nexus 9 ist das erste Tablet mit Android 5.0 Lollipop. (©TURN ON 2014)

Google gegen Apple – bei den Tablets heißt das aktuell: Nexus 9 gegen iPad Air 2 und iPad mini 3. Oder auf Betriebssystemebene: Android 5.0 Lollipop gegen iOS 8.1. Welche Stärken das neue Nexus-Modell im Kampf der Giganten mitbringt und welche Schwächen es nicht verstecken kann, haben wir in einem Test unter die Lupe genommen.

Design und Handling: Das Nexus 9 kommt mit gummierter Rückseite

Das Nexus 9 ist eigentlich gar nicht von Google. Tablet Nummer vier der Nexus-Serie stammt von HTC. Arbeitete Google bei Nexus 7 und 10 noch mit Asus und Samsung zusammen, entstand das jüngste Gerät der Modellreihe in Zusammenarbeit mit dem Elektronikhersteller aus Taiwan. Das Design des neuen Familienmitglieds unterscheidet sich dennoch nicht grundlegend von dem der Vorgängermodelle. Auch das Nexus 9 lässt auf der Vorderseite schwarze Ränder unter der bildschirmfüllenden Gorilla-Glass-3-Abdeckung erkennen. Der Rahmen des Tablets ist aus leichtem Aluminium gefertigt, der Geräterücken besteht aus gummiertem Kunststoff.

Diese sogenannte Softgrip-Oberfläche hat Vor- und Nachteile. So liegt das Nexus 9 gut in der Hand, auch bei actionreichen Spielen rutscht es nicht weg. Allerdings wirkt die gesamte Rückseite mit ihrer gummierten Oberfläche sehr weich. Der Gehäusedeckel, der in den Farben Schwarz, Weiß oder Beige zum Kunden kommt, gibt auf Druck etwas mehr nach, als er sollte. Zudem bleiben Staub und Schmutz gerne an der Softgrip-Abdeckung hängen. Dank des Aluminiumrahmens hinterlässt das Tablet insgesamt dennoch einen robusten Eindruck. Aber gerade das Metall wirkt an der einen oder anderen Stelle nicht ganz so handschmeichelnd. Außerdem ragt die Kameralinse aus der Abdeckung hervor.

Ein weiterer Schwachpunkt des Google-Tablets: Mit 425 Gramm in der WLAN-Variante ist es für ein Gerät seiner Größe vergleichsweise schwer.  Die LTE-Variante bringt sogar noch etwas mehr auf die Waage. Wer das Nexus 9 länger nutzt, macht das also am besten mit beiden Händen. Dabei fällt auf: Der untere Rand des Tablets ist schmaler als bei anderen Geräten, beispielsweise dem des Samsung Galaxy Note 10.1. Willst Du also nicht ständig versehentlich die Android-Funktionstasten betätigen, musst Du aufpassen, wo Du das Nexus festhältst.

Display: Gestochen scharfe Bilder, aber starke Spiegelungen

An der Bildqualität des IPS-Touchscreens mit LED-Hintergrundbeleuchtung gibt es wenig auszusetzen. Das 8,9-Zoll-Display löst mit 2048 x 1536 Pixeln auf und liefert gestochen scharfe Bilder. Auch die Helligkeitswerte und der Kontrast können sich sehen lassen. Nur bei extrem dunklen Bildern sind mitunter feine Lichthöfe an den Rändern des Nexus 9 zu erkennen – das fällt allerdings auch nur dann auf, wenn man explizit darauf achtet.

Größeren Anlass zur Kritik bietet die extrem glänzende Oberfläche des Tablets. Mit einer Lichtquelle im Rücken fällt das Spiegeln des Displays störend auf. Wer in heller Umgebung Lesen, Spielen oder Filme gucken will, muss das Nexus 9 mitunter etwas drehen und wenden, bis der Betrachtungswinkel passt.

Google Nexus 9 Display fullscreen
Nexus 9 iPad Air 2 Größenvergleich fullscreen
Google Nexus 9 Aluminiumrahmen fullscreen
Google Nexus 9 Rückseite fullscreen
Nexus 9 Android 5.0 Lollipop fullscreen
Google Nexus 9 Rückkamera fullscreen

Hardware und Ausstattung: Aufgeräumtes Android 5.0 und blitzschneller Prozessor

Technisch müssen Käufer keine Abstriche machen. Wer sich für das Nexus 9 entscheidet, bekommt das aktuell schnellste Android-Tablet auf dem Markt. Der Nvidia-Prozessor Tegra K1 mit dem Codenamen Denver verfügt über zwei Kerne und eine Taktung von 2,3 GHz. Die Besonderheit ist jedoch, dass die CPU 64-Bit-fähig ist – das war bisher noch kein Android-Gerät. Der Prozessor überzeugt im Test mit Schnelligkeit und starker Grafikleistung, alle ausprobierten Anwendungen laufen flüssig und ruckelfrei. Im Benchmark-Test Geek Bench 3 musste sich das Nexus 9 zwar dem iPad Air 2 geschlagen geben. Aktuelle Android-Rivalen lässt das Google-Gerät bei der Leistungsmessung aber deutlich hinter sich.

Eine weitere Neuheit ist das Betriebssystem: Zum Zeitpunkt des Marktstarts war das Nexus 9 das erste Tablet mit Android 5.0 Lollipop. Die Droiden-Oberfläche wirkt dank Googles Design-Neuausrichtung einfacher und aufgeräumter. Das Einstellungsmenü wurde entschlackt, Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm erscheinen jetzt übersichtlicher. Von den drei neu designten Bildschirmtasten – Dreieck, Kreis und Rechteck – führt das Rechteck in ein überarbeitetes Task-Menü. Hier lassen sich die laufenden Anwendungen aus einer Art Karteikartenansicht per Wischgeste entfernen und damit schließen. Diese kleinen, aber feinen Änderungen sind es, die das Lollipop-OS schneller und effektiver machen. Die Rückkamera des Nexus 9 löst mit 8,1 Megapixeln auf und liefert Bilder in Tablet-typischer Schnappschussqualität. Die 1,6-MP-Frontkamera reicht für Videotelefonie.

Konnektivität: Kabellos glücklich mit dem Google-Tablet

Wer die Anschlüsse am Google-Tablet von HTC zählt, ist schnell damit durch. Außer einem Kopfhöreranschluss und einem Micro-USB-Port bringt das Nexus 9 keine weiteren Buchsen mit. Vernetzt wird das Gerät per WLAN, NFC oder Bluetooth 4.1 – das im Gegensatz zu Bluetooth 4.0 weniger störungsanfällig sein soll. Schade ist es aber vor allem, dass das Tablet keinen SD-Kartenslot besitzt. Der interne Speicher ist also nicht einfach und günstig erweiterbar. Stattdessen musst Du Dich beim Kauf für das 16-GB-Basismodell oder die teurere 32-GB-Variante entscheiden. Darüber hinaus hast Du die Wahl zwischen einer WiFi-only- und einer LTE-Version. Auch dieses Kriterium beeinflusst den Preis.

Akkuleistung: Durchschnittliches Durchhaltevermögen und lange Ladezeit

Ein leistungsstarker Prozessor verlangt nach einem leistungsstarken Akku. Mit 6700 mAh ist der Stromspeicher des Nexus 9 aber nur durchschnittlich aufgestellt. Die gespeicherte Energie reicht für etwa sieben bis neun Stunden Videokonsum oder Dauer-Surfen im Internet. Mit dem iPad Air 2 kann das Konkurrenz-Tablet auch im Energiesparmodus nicht mithalten. Damit kommt es aber immerhin auf über elf Stunden Dauerbetrieb. Im Stand-by verspricht Google sogar eine Akkulaufzeit von bis zu 30 Tagen. Das Laden an der Steckdose dauert rund fünf Stunden und damit vergleichsweise lange.

Preis-Leistung: Nexus 9 ist kein Schnäppchen mehr

Lange Zeit waren die Google-Tablets als preisgünstige Android-Alternative zu iOS-Geräten erhältlich. Beim Nexus 9 müssen sich Käufer von diesem Gedanken verabschieden. Mit einem Preis von 389 Euro für das 16-GB-Basismodell ohne LTE ist das Nexus 9 genauso teuer wie das etwas kleinere iPad mini 3 (7,9 Zoll). Nur im Vergleich zum leicht größeren iPad Air 2 (9,7 Zoll) fällt das Android-Modell günstiger aus. Angesichts der vorbildlichen Performance ist der Preis dennoch angemessen.

Fazit: Wer braucht eigentlich ein 9-Zoll-Tablet?

Google und HTC ist mit dem Nexus 9 ein technisch ausgereiftes Tablet gelungen, das im Alltag jedoch kleinere Schwächen offenbart. An der Performance und dem neu gestalteten Betriebssystem ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Eine bessere Akkuleistung und eine gehobenere Ausstattung würden allerdings helfen, den nicht mehr ganz so günstigen Preis des Android-Modells zu rechtfertigen. Insbesondere der nicht erweiterbare Speicher deutet darauf hin, dass Google sich zunehmend an der Konkurrenz aus Cupertino orientiert. Den Vergleich mit iPad Air 2 und iPad mini 3 muss das Nexus 9 höchstens in Geschmacks- und Verarbeitungsfragen scheuen. Design und Materialauswahl lässt sich Apple aber wiederum teurer bezahlen.

Grundsätzlich sollte die Frage vielleicht eher lauten: Was will ich mit einem 9-Zoll-Tablet? Ein 7-Zoll-Gerät oder ein Phablet sind portabler und praktisch für unterwegs, zum Filmegucken oder Arbeiten eignen sich Tablets ab 10 Zoll aufwärts besser. Wer sich mit den Vor- und Nachteilen aus beiden Welten allerdings anfreunden kann, ist mit dem Nexus 9 gut beraten.

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