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Nikon D5: Das absolut krasse Kamera-Monster im Test

Das Kamera-Monster: Die Nikon D5 machte im Test einen hervorragenden Eindruck.
Das Kamera-Monster: Die Nikon D5 machte im Test einen hervorragenden Eindruck. (© 2016)

Die Nikon D5 ist die momentan teuerste digitale Spiegelreflexkamera der Welt. Wir haben  das schon ohne Objektiv fast anderthalb Kilo wiegende Kamera-Monster getestet und sind im Grunde schwer begeistert. Außer eben vom Preis.

Wer sich die neue Nikon D5 kaufen will, muss knapp 7000 Euro ausgeben. Soviel kostet auch ein guter gebrauchter Kleinwagen, für das Geld muss man also schon eine ganze Menge an Kamera bekommen. Das Gewicht bedeutet auch, dass der D5-Fotograf zumindest im Bereich der Oberarmmuskulatur keinen Trainingsrückstand aufweisen sollte. Denn die Kamera allein bringt satte 1,4 Kilogramm auf die Waage und ein anständiges Objektiv wie etwa das Nikkor 24-70 mm/f2.8 packt noch ein Kilo obendrauf, sodass man mit knapp 2,5 Kilo Kamera durch die Gegend läuft. Und das will konditionell erstmal bewältigt sein – späterer Tennisarm dann inklusive.

Beim D5-Griffgefühl schmeichelt nichts

Die Nikon D5 ist eine Profikamera ... fullscreen
Die Nikon D5 ist eine Profikamera ... (©TURN ON 2016)
... mit einem Sensor im vollen FX-Format. fullscreen
... mit einem Sensor im vollen FX-Format. (©TURN ON 2016)
Das Kamera-Monster wurde mit einem 24-70 mm/f2.8-Objektiv getestet. fullscreen
Das Kamera-Monster wurde mit einem 24-70 mm/f2.8-Objektiv getestet. (©TURN ON 2016)

Am Griffgefühl gibt's nichts zu bemängeln: Die Nikon D5 liegt erdig und präzise in der Hand, da schmeichelt nichts – und das ist auch gut so. Die Hartgummiteile am Gehäuse des Boliden sitzen an den richtigen Stellen und erlauben, dass man das Gerät hart anpacken kann.  Und das darf man auch, denn die D5 ist ein typisches robustes Arbeitspferd ohne spillerige Schalterchen und Wackelknöpfe. Sogar größere Fotografen-Pranken sollen die Kamera schnell und präzise bedienen können, auch wenn's mal hektisch wird. Üblich bei Profi-Geräten ist der zusätzliche Auslöser am Batteriefach unten für Hochkant-Bilder, der schlicht ziemlich praktisch ist. Lediglich zwischen den Abdeckungen für den Blitzsychronisationsanschluss und den 10-poligen Stecker für die Kabel-Fernsteuerung oben rechts ist ein winziger Spalt – was aber praktisch nicht der Rede wert ist.

Das Bedienkonzept entspricht weitgehend dem Nikon-Standard. Wer bereits eine Nikon-Spiegelreflex in der Hand hatte, wird auch bei der Nikon D5 keine lange Anlaufzeit benötigen. Die Menüs machen wie die restlichen Bedienelemente einen sehr übersichtlichen und aufgeräumten Eindruck – obwohl die schiere Menge schon geeignet ist, Laien zu beeindrucken und zu erschlagen. Wer aber einmal drin ist, findet sich schnell zurecht. Das klappt auch dank des wirklich ausführlichen, fast 400 Seiten dicken Handbuchs wirklich gut. Die Anleitung könnte zwar etwas stabiler hergestellt sein, aber dass es so ein Handbuch gibt, ist alleine schon lobenswert.

Vor allem auf der Rückseite der Nikon D5 finden sich zahlreiche Bedienelemente ... fullscreen
Vor allem auf der Rückseite der Nikon D5 finden sich zahlreiche Bedienelemente ... (©TURN ON 2016)
... und an der Seite die Anschlüsse, ... fullscreen
... und an der Seite die Anschlüsse, ... (©TURN ON 2016)
... alles ist aber übersichtlich, ... fullscreen
... alles ist aber übersichtlich, ... (©TURN ON 2016)
... wenn auch für den normalen Hobbyfotografen etwas ungewohnt. fullscreen
... wenn auch für den normalen Hobbyfotografen etwas ungewohnt. (©TURN ON 2016)

Im Test war der Sensor eines der Prunkstücke

Eines der Prunkstücke im Gerät ist natürlich der Sensor. Die 21 Megapixel sind völlig ausreichend. Klar, dass Nikon sich mit seinem Profigerät nicht dem Megapixel-Wahn anschließt. Der CMOS-Aufnahmechip ist aber ein sogenannter Vollformat-Sensor im Format 35,9 mm x 23,9 mm. Nikon nennt diese Größe FX – im Gegensatz zum DX-Format, bei dem der Sensor nur halb so groß ausfällt. Vollformat bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. Weil die Pixel größer sind, ist die Lichtausbeute höher, was in einer wesentlich besseren Bildqualität auch bei hoher Empfindlichkeit resultiert. Durch die größeren Pixel passen aber auch mehr Bildinformationen in die Aufnahmen, was sich in größerer Schärfe und auch lebendigeren Details auszahlt. Das Vollformat entspricht von den Abmessungen her im Übrigen etwa der Größe des Kleinbildfilms.

Schöne Spiegelungen im ... fullscreen
Schöne Spiegelungen im ... (©TURN ON 2016)
... Hamburger Stadtpark wechseln sich ... fullscreen
... Hamburger Stadtpark wechseln sich ... (©TURN ON 2016)
... mit Frühlingsblüten ab. fullscreen
... mit Frühlingsblüten ab. (©TURN ON 2016)
Die Nikon D5 kann die Lichtwirkung gut einfangen ... fullscreen
Die Nikon D5 kann die Lichtwirkung gut einfangen ... (©TURN ON 2016)
... und zeigt schöne Details. fullscreen
... und zeigt schöne Details. (©TURN ON 2016)
Die Farben werden sehr natürlich wiedergegeben, ... fullscreen
Die Farben werden sehr natürlich wiedergegeben, ... (©TURN ON 2016)
... auch wenn man näher rangeht ... fullscreen
... auch wenn man näher rangeht ... (©TURN ON 2016)
... oder mit offener Blende fotografiert ... fullscreen
... oder mit offener Blende fotografiert ... (©TURN ON 2016)
... wie auch in diesem Bild. fullscreen
... wie auch in diesem Bild. (©TURN ON 2016)

Und dass der Sensor richtig viel kann, sieht man an den ersten Aufnahmen sofort, die extrem natürlich, lebendig scharf und plastisch wirken. Die Ausleuchtung ist sehr gleichmäßig, ohne dass Konturen und Details wegsuppen. In Sachen Bildqualität hat die Nikon D5 die Redaktion jedenfalls ziemlich spontan begeistert: Porträts und auch Fotos aus dem Fenster klappten schon mit der Standardeinstellung sofort tadellos und waren perfekt belichtet. Später dann, bei den zahlreichen Fototouren, hat die Nikon stets monstermäßige Bildleistung abgeliefert und im Grunde nie enttäuscht.

ISO 3,2 Millionen: Lichtempfindlichkeit ist der absolute Hammer

Der absolute Hammer ist die Lichtempfindlichkeit, die sich bis ISO 3,2 Millionen hochschrauben lässt. Ok, dann sind die Bilder massiv verrauscht, aber auch bei ISO-Zahlen über 6400, bei denen es bei einer normalen Digitalkamera normalerweise schwer zu krisseln anfängt, lässt sich die D5 nicht aus der Ruhe bringen. Man hat extrem große Belichtungsreserven übrig, bei denen sich noch technisch vernünftige, nicht verwackelte Bilder machen lassen. Besonders Tier- und Sportfotografen, die bei wenig Licht und mit langen Brennweiten arbeiten müssen, werden begeistert sein. Im Test sind auch Bilder in völliger Dunkelheit nur mit dem Licht einer Straßenlaterne noch klasse geworden.

Auch in der Dunkelheit kann die Nikon D5 ihre Stärken ausspielen. fullscreen
Auch in der Dunkelheit kann die Nikon D5 ihre Stärken ausspielen. (©TURN ON 2016)
Aber auch tagsüber sind Aufnahmen mit langen Zeiten möglich. fullscreen
Aber auch tagsüber sind Aufnahmen mit langen Zeiten möglich. (©TURN ON 2016)
Der Vollformat-Sensor zeichnet sich durch steile Schärfeabbrüche aus. fullscreen
Der Vollformat-Sensor zeichnet sich durch steile Schärfeabbrüche aus. (©TURN ON 2016)
Aber auch bei Aufnahmen mit weiter entfernten Motiven ... fullscreen
Aber auch bei Aufnahmen mit weiter entfernten Motiven ... (©TURN ON 2016)
... zeigt die Kamera, was sie kann ... fullscreen
... zeigt die Kamera, was sie kann ... (©TURN ON 2016)
... – selbst bei ungünstigen Lichtverhältnissen. fullscreen
... – selbst bei ungünstigen Lichtverhältnissen. (©TURN ON 2016)

Absolut spektakulär ist auch die Serienbildfunktion. Die Kamera kann bis zu 200 Bilder im RAW-Format  in einem Tempo von bis zu 14 Aufnahmen pro Sekunde schießen – wenn man den Spiegel hochklappt, im Live-View-Modus fotografiert und die Kameraversion mit den neuartigen XQD-Speicherkarten verwendet. Es gibt auch eine D5-Variante mit wesentlich langsameren CompactFlash-Karten – aber das wäre etwa so, als würde man einen Porsche mit dünnen Twingo-Reifchen fahren wollen. Doch keine Sorge: Selbst das normale Tempo von etwa die zehn Bildern pro Sekunde ist schon rasend schnell – verglichen mit den meisten anderen Kameras auf dem Markt. Rasant ist auch der Autofokus, der in der Regel im Wimpernschlag-Tempo ohne merkbare Verzögerung scharfstellt. Er verfügt über 153 Messfelder, sodass auch am Bildrand befindliche Objekte noch exakt fokussiert werden können.

Nikon D5 hat als Profigerät keine Motivprogramme

Als Profikamera hat die Nikon D5 natürlich keine Motivprogramme und Szenen zur Auswahl, das bleibt dem Consumer-Bereich vorbehalten. Zur Verfügung stehen ein kompletter Automatik-Modus, eine Blenden- und Zeitautomatik, und natürlich kann man auch alles selber einstellen. Es gibt eine Reihe von speziellen Features wie High Dynamic Range (HDR) oder den Mehrfachbelichtungsmodus. Beides funktioniert gut, mit HDR lassen sich sicher nicht Effekte erzielen, als ob man seine Bilder manuell bearbeitet, aber die Wirkung ist gut sichtbar. Die Kamera nimmt Videos in 4K auf (3840 x 2160, 4K UHD), und die Schärfe wird im Live-View-Modus beim Filmen automatisch nachgeführt.

Hier kann man den HDR-Effekt sehen: Links ist mit HDR, rechts ohne, aber ... fullscreen
Hier kann man den HDR-Effekt sehen: Links ist mit HDR, rechts ohne, aber ... (©TURN ON 2016)
... manchmal bringt die HDR-Einstellung (unten) nicht unbedingt Vorteile. Generell aber ... fullscreen
... manchmal bringt die HDR-Einstellung (unten) nicht unbedingt Vorteile. Generell aber ... (©TURN ON 2016)
lassen sich Bilder per HDR (unten) gleichmäßiger belichten. fullscreen
lassen sich Bilder per HDR (unten) gleichmäßiger belichten. (©TURN ON 2016)
Bei der linken Aufnahme mit einer Nikon D7000 sieht man deutliches Rauschen, während die Nikon D5 bei ISO 6400 fast rauschfrei fotografiert. fullscreen
Bei der linken Aufnahme mit einer Nikon D7000 sieht man deutliches Rauschen, während die Nikon D5 bei ISO 6400 fast rauschfrei fotografiert. (©TURN ON 2016)

Das einzige Feature, zu dem Nikon sich bei einer Digitalkamera im Profi-Bereich immer noch nicht durchringen will, ist ein ausklappbarer Bildschirm. Dabei wäre der gerade für Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven schon eine große Hilfe. Vermutlich ist den Ingenieuren des japanischen Herstellers das Gelenk, an dem der Monitor dann befestigt werden müsste, einfach zu fragil geraten. Schon, dass der Bildschirm der D5 über Touch-Fähigkeiten verfügt, erleichtert die Bildkontrolle erheblich, weil man die Aufnahmen wie auf einem Smartphone mit zwei Fingern vergrößern kann. Gut gelungen dagegen ist das Akku-Ladegerät, auf dem sich zwei Batteriespeicher gleichzeitig neu befüllen lassen. Auch das hat Profi-Qualität.

Unterm Strich ist die Nikon D5 eine perfekt ausgestattete Profi-Kamera vor allem mit fantastischen Nutzungseigenschaften und tollen Reserven. Hier geht es mehr ums Fotografieren als ums Jonglieren mit Marketingbegriffen. So viel pure Qualität hat ihren Preis. Für die Kamera alleine ruft Nikon 6989 Euro auf.

Meinung des Autors
Hätte ich das Geld übrig, würde ich mir die Nikon D5 kaufen – keine Frage. Selten hat mich eine Kamera so komplett und gleichzeitig auch so spontan überzeugt wie das neue Nikon-Flaggschiff. Da ich nie vorgegebene Motivprogramme benutze und noch nicht mal weiß, wo genau man die findet, brauche ich diesen endlosen Consumer-Schnickschnack natürlich auch nicht. Die Nikon D5 bietet das nicht an und hat mich stattdessen mit kompromissloser Technik überzeugt. Das Serienbild-Tempo ist der Hammer, aber vor allem die ISO-Zahl ist für mich das Highlight im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die D5 kann bei dennoch guter Qualität mit viel weniger Licht fotografieren als alle anderen Kameras, die ich bislang in der Hand hatte. Da aber der Preis der einzige wirkliche Nachteil der Nikon D5 ist, werde ich also weiter mit den für mich nutzlosen Motivprogrammen leben müssen.
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