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Nokia 9 PureView im Test: Spannender Prototyp mit 6 Kameras

Das Nokia 9 PureView möchte ein revolutionäres Kamera-Smartphone sein.
Das Nokia 9 PureView möchte ein revolutionäres Kamera-Smartphone sein.

Das Nokia 9 PureView möchte die Smartphone-Fotografie mit ganzen sechs Hauptkameras revolutionieren. In unserem Test löste die Technologie einige Faszination aus, aber den Handy-Nutzern werden auch Stolpersteine in den Weg gelegt. Hier erfährst Du, für wen sich das Nokia 9 PureView trotzdem lohnen könnte.

Design: Alien ohne Kamera-Buckel

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Die sechs Kameras stehen nicht aus dem Gehäuse heraus.

Obwohl das Nokia 9 PureView auf der Rückseite sechs Kameras inklusive ToF-Sensor sowie einen LED-Blitz unterbringen muss, gibt es keinen Kamerabuckel. Alles steckt im blauen Glasrücken, nichts steht hervor. Das Design weckt Assoziationen mit einer außerirdischen Lebensform oder einer Tiefseekreatur mit mehreren Augen – ungewohnt, aber mit eigenständiger Eleganz.

Zur Eigenständigkeit tragen auch die silbern gefärbten Kanten des stabilen Metallrahmens und der Buttons bei. Die Vorderseite wirkt dafür im Vergleich zu aktuellen Flaggschiffen etwas rückständig, so ist der Rahmen um das Display vergleichsweise groß, Hörer und Selfiekamera sind in den oberen Rahmen eingelassen. Wer mit Notch und Lochkamera nichts anfangen kann, bevorzugt aber vielleicht dieses klassische Design.

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Der Displayrahmen ist leider recht groß.

Fazit Design: Nokia-typisch ist die Verarbeitung hochwertig und das Design wirkt eigenständig, elegant und ungewohnt – nur der breite Displayrahmen ist aus der Zeit gefallen.

Display: Sehr guter OLED-Screen

Das 5,99 Zoll große Display setzt auf die kontrastreiche OLED-Technologie, das 18:9-Format und eine scharfe QHD+-Auflösung von 2880 x 1440 Bildpunkten. Auf dem Plastik-OLED-Display (P-OLED) liegt das Schutzglas Gorilla Glass 5 auf. Normalerweise kommt die P-OLED-Technik nur zum Einsatz, wenn das Display gewölbt oder gefaltet werden soll – das ist hier nicht der Fall, so bleibt die Materialwahl etwas rätselhaft. Sie tut der hohen Qualität aber keinen Abbruch.

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Das OLED-Display lässt sich gut in der Sonne verwenden.

Das Display wird sehr hell und lässt sich problemlos im direkten Sonnenlicht ablesen – umso besser, wenn das Smartphone für die Fotografie im Freien zum Einsatz kommen soll. In den Einstellungen lässt sich das Display für die Farbräume "Grundlegend" (sRGB für Fotos), "Kino" (DCI-P3 für Videos) sowie "Lebhaft" und "Dynamisch" anpassen. Die Farbtreue ist laut den Messungen von GSMArena gut, aber nicht herausragend. Für die Bildbearbeitung unterwegs wäre noch etwas mehr gegangen, aber insgesamt handelt es sich um ein sehr gutes Display.

Fazit Display: Der OLED-Bildschirm ist recht farbtreu und sehr hell.

Technik: Flaggschiff von 2018 mit nervigem Fingerabdruckscanner

In Hinblick auf Technik und Ausstattung ist das Nokia 9 PureView ein Flaggschiff-Smartphone aus dem Jahr 2018. So ist der Snapdragon 845 für die Leistung zuständig, der etwa schon im LG G7 ThinQ verbaut war. Der Prozessor wird von 6 GB Arbeitsspeicher begleitet, während der interne UFS-2.1-Speicher 128 GB umfasst. Leider ist der Speicher nicht erweiterbar, was gerade bei einem Kamera-Handy mit Fokus auf RAW-Dateien keine nachvollziehbare Idee ist.

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Snapdragon 845 und 6 GB Arbeitsspeicher sorgen für eine gute Leistung im Alltag – sofern man nicht die Kamera-App nutzt.

Der Snapdragon 845 ist für fast alle Zwecke noch sehr schnell, seien es das Starten von Apps oder Gaming. Leider ist er ausgerechnet für eine Besonderheit des Nokia 9 zu langsam: die Bildverarbeitung der Fotos von den sechs Kameras. Es dauert sehr lange, bis sich die geknipsten Bilder betrachten und bearbeiten lassen – dazu später mehr. Zum Glück überzeugt die übrige Ausstattung, darunter Bluetooth 5.0 sowie ANT+, und das Smartphone ist nach IP67 wasserabweisend. Auch gut: Das Nokia 9 gehört zum Android-One-Programm und bekommt daher zumindest zwei Jahre lang Systemupdates.

Schließlich unterstützt das Nokia 9 sowohl Fast Charging als auch Wireless Charging. Der 3.320-mAh-Akku sorgt für eine gute Laufzeit, die das Smartphone über den Tag bringt. Soweit überzeugt das Nokia 9 also als rundes Flaggschiff mit einem Chip von 2018. Leider hat der Hersteller auch einen Flaggschiff-Trend aufgegriffen, der sich 2019 durchgesetzt hat: den Fingerabdruckscanner im Display.

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Dank Glasrückseite unterstützt das Nokia 9 PureView kabelloses Laden.

Es handelt sich um ein optisches Modell, also im Grunde um einen Kamerasensor unter dem Display, der ein Foto vom Fingerabdruck macht. Diese Technik ist relativ unsicher, obendrein ist der Scanner von Nokia noch bockiger als andere, etwa das Exemplar im OnePlus 6T. Der Nutzer muss mehr Kraft aufwenden als gewohnt, damit der Finger erkannt wird, und selbst dann klappt es oft nicht. Wie ich in "Wir brauchen keinen Fingerabdruckscanner unter dem Display" geschrieben habe, sind diese Scanner in der alltäglichen Nutzung zu umständlich und vor allem der optische Sensor ist nicht gerade fälschungssicher.

Fazit Technik: Das Nokia 9 PureView ist im Kern ein solides Flaggschiff mit einem Prozessor von 2018, aber den bockigen Fingerabdruckscanner unter dem Display hätte es nicht gebraucht. Warum ausgerechnet bei einem auf Fotos spezialisierten Smartphone der Speicher nicht erweitert werden kann, wird wohl das Geheimnis des Herstellers bleiben.

Kameras: Genie und Wahnsinn

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Besser schnell ein Foto machen, bevor die Kamera-App wieder abstürzt.

"Das Ding ist einfach komisch", meinte ich zu meinem TURN ON-Kollegen Alex, als ich die Kameraleistung des Nokia 9 PureView zur Sprache brachte. "Das Komischste überhaupt. Ich glaube, ich schreibe das in den Test. Damit sollte alles geklärt sein."

Da mich Alex anschließend nur schräg anblickte, muss ich davon ausgehen, dass diese Aussage den meisten Lesern nicht sonderlich helfen wird. Also konkreter ausgedrückt: Die Kameras des Nokia 9 machen sehr gute Fotos mit einem ungewöhnlich großen Kontrastumfang – aber nur im Pro-Modus, wenn man sie als RAW-Dateien im Adobe-DNG-Format abspeichert. Und wenn man sie nicht bei Nacht knipst. Und erst nach der Bearbeitung in Adobe Lightroom.

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An den Einsatz von Adobe Lightroom sollte man sich gewöhnen.

Fotos machen mit dem Nokia 9 lässt sich wohl am besten als "Bastelstunde" bezeichnen. Das größte Ärgernis ist zweifellos die Kamera-App, die immer wieder abstürzt. Stürzt sie mal nicht ab, dann hakt sie. Die App nimmt sich längere Pausen für die Bildverarbeitung und um zum nächsten Modus zu schalten. Die bei Tageslicht geknipsten JPG-Fotos profitieren von gutem Kontrast und vernünftigen Farben. Leider wirken sie überschärft, was den Details nicht zuträglich ist. Insgesamt handelt es sich um durchaus gute Handyfotos, aber sie sind nichts Besonderes.

Wie sich im Pro-Modus herausstellt, liegt das jedoch offenbar an der schlechten JPG-Bildverarbeitung. Die Nutzer sollten sich unbedingt Adobe Lightroom als App herunterladen, um das Potenzial der Kamera voll ausschöpfen zu können. Leider ist eine Registrierung für den App-Einsatz nötig. In Lightroom lässt sich wenigstens schon viel bewirken, indem man die im "Pro"-Modus der Kamera-App aufgenommenen DNG-Fotos mit dem "Auto"-Button bearbeitet.

Der hohe Kontrastumfang erlaubt die akkurate Darstellung unterschiedlich heller Bildteile. (Hier ein RAW-Foto, das wir in JPG umgewandelt haben.) fullscreen
Der hohe Kontrastumfang erlaubt die akkurate Darstellung unterschiedlich heller Bildteile. (Hier ein RAW-Foto, das wir in JPG umgewandelt haben.)
Normale Fotos im JPG-Format überzeugen weitgehend, aber durch die Überschärfung gehen Details verloren (JPG). fullscreen
Normale Fotos im JPG-Format überzeugen weitgehend, aber durch die Überschärfung gehen Details verloren (JPG).
Insgesamt sind die JPG-Fotos ordentlich, aber nicht herausragend. (JPG) fullscreen
Insgesamt sind die JPG-Fotos ordentlich, aber nicht herausragend. (JPG)
Die nachträgliche Veränderung des Fokus funktioniert leider viel zu ungenau. (JPG) fullscreen
Die nachträgliche Veränderung des Fokus funktioniert leider viel zu ungenau. (JPG)
Hier erkennt man das Tiefen-Problem an der scharfen Ebene links oben. (JPG) fullscreen
Hier erkennt man das Tiefen-Problem an der scharfen Ebene links oben. (JPG)
Im JPG-Format lassen sich die Vorzüge des hohen Kontrastumfangs erahnen ... (JPG) fullscreen
Im JPG-Format lassen sich die Vorzüge des hohen Kontrastumfangs erahnen ... (JPG)
... im RAW-Format lassen sie sich voll auskosten. (RAW > JPG) fullscreen
... im RAW-Format lassen sie sich voll auskosten. (RAW > JPG)
Der JPG-Nachteil lässt sich auch anhand der Farben erkennen ... (JPG) fullscreen
Der JPG-Nachteil lässt sich auch anhand der Farben erkennen ... (JPG)
... da RAW viel mehr Farbinformationen bewahrt. (JPG > RAW) fullscreen
... da RAW viel mehr Farbinformationen bewahrt. (JPG > RAW)
Was kann der Kontrastumfang wirklich? Hier haben wir es einmal ausprobiert. (JPG) fullscreen
Was kann der Kontrastumfang wirklich? Hier haben wir es einmal ausprobiert. (JPG)
Hier dasselbe Motiv ohne übertriebenen Kontrasttest. (RAW > JPG) fullscreen
Hier dasselbe Motiv ohne übertriebenen Kontrasttest. (RAW > JPG)
Monochrom-Aufnahmen erzeugen die perfekte Stimmung für passende Motive. (JPG) fullscreen
Monochrom-Aufnahmen erzeugen die perfekte Stimmung für passende Motive. (JPG)
Auch die Monochrom-Aufnahmen profitieren von einem hohen Kontrastumfang – hier scheint der Hamburger Rathausturm durch die Wolken zu stechen. (JPG) fullscreen
Auch die Monochrom-Aufnahmen profitieren von einem hohen Kontrastumfang – hier scheint der Hamburger Rathausturm durch die Wolken zu stechen. (JPG)
Nachtfotos schaffen andere Smartphones besser, vor allem ohne RAW-Bearbeitung. (JPG) fullscreen
Nachtfotos schaffen andere Smartphones besser, vor allem ohne RAW-Bearbeitung. (JPG)
Die Frontkamera knipst gute Selfies. fullscreen
Die Frontkamera knipst gute Selfies.
Der hohe Kontrastumfang erlaubt die akkurate Darstellung unterschiedlich heller Bildteile. (Hier ein RAW-Foto, das wir in JPG umgewandelt haben.)
Normale Fotos im JPG-Format überzeugen weitgehend, aber durch die Überschärfung gehen Details verloren (JPG).
Insgesamt sind die JPG-Fotos ordentlich, aber nicht herausragend. (JPG)
Die nachträgliche Veränderung des Fokus funktioniert leider viel zu ungenau. (JPG)
Hier erkennt man das Tiefen-Problem an der scharfen Ebene links oben. (JPG)
Im JPG-Format lassen sich die Vorzüge des hohen Kontrastumfangs erahnen ... (JPG)
... im RAW-Format lassen sie sich voll auskosten. (RAW > JPG)
Der JPG-Nachteil lässt sich auch anhand der Farben erkennen ... (JPG)
... da RAW viel mehr Farbinformationen bewahrt. (JPG > RAW)
Was kann der Kontrastumfang wirklich? Hier haben wir es einmal ausprobiert. (JPG)
Hier dasselbe Motiv ohne übertriebenen Kontrasttest. (RAW > JPG)
Monochrom-Aufnahmen erzeugen die perfekte Stimmung für passende Motive. (JPG)
Auch die Monochrom-Aufnahmen profitieren von einem hohen Kontrastumfang – hier scheint der Hamburger Rathausturm durch die Wolken zu stechen. (JPG)
Nachtfotos schaffen andere Smartphones besser, vor allem ohne RAW-Bearbeitung. (JPG)
Die Frontkamera knipst gute Selfies.

Ergebnis der automatischen RAW-Bearbeitung sind detailliertere Fotos mit genaueren Farben und tollem Kontrastumfang, die aber weicher aussehen, als sie sollten. Wer sich die Mühe macht, die Fotos manuell in Lightroom zu bearbeiten, kann diesem Problem entgegenwirken und erhält die besten Fotos. Diese befinden sich dann auf gutem Flaggschiff-Niveau und bestechen vor allem durch einen herausragenden Kontrastumfang, der geradezu surreal anmutende Kompositionen mit hellem Sonnenlicht, das auf schattige Orte trifft, erlaubt.

Das Problem: Konkurrierende Flaggschiffe wie das Galaxy S10 oder das Honor View 20 schaffen insgesamt ähnlich gute Fotos mit anderen Schwerpunkten – ohne die Notwendigkeit, sie manuell im RAW-Format zu bearbeiten. Beispielsweise tun sich die Fotos des View 20 besonders mit ihrer hohen Schärfe hervor, während das Nokia 9 eben mit dem großen Kontrastumfang brilliert. Nur ist der Weg zu guten Fotos auf dem Nokia 9 viel weiter und beschwerlicher.

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Ohne die Software-Probleme könnte das Kamera-Setup des Nokia 9 mit den besten mithalten.

Leider taugen die Nachtfotos obendrein zunächst nicht viel. Es gibt keinen Nachtmodus und die Fotos im Dunkeln wirken verrauscht und zu düster. Mit RAW-Bearbeitung lässt sich hier einiges herausholen, erst dann sind die Nachtaufnahmen brauchbar. Die Videos profitieren von der hohen Qualität der Audioaufzeichnung, aber es gibt nur eine elektronische Bildstabilisierung und das lediglich bei Full-HD-Clips. Leider sehen die Videos unscharf und wenig detailliert aus. Farben und Kontrastumfang stimmen immerhin.

Die Porträtaufnahmen profitieren von der ToF-Kamera – das Motiv wird genau vom Hintergrund getrennt. Auch der Bokeh-Effekt weiß zu überzeugen. Die Selfie-Kamera mit 20-Megapixel-Auflösung knipst sehr gute Fotos, allerdings funktioniert die Abtrennung des Motivs aufgrund des fehlenden ToF-Sensors nicht so gut wie mit der Hauptkamera.

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Mindestens ist die Kamera ein innovativer Beitrag zur Entwicklung der Smartphone-Fotografie.

Beinahe hätte ich es vergessen – und dafür gibt es auch einen guten Grund –, aber das Nokia 9 PureView erlaubt außerdem die nachträgliche Veränderung des Fokuspunktes. Ganze 1200 Tiefen-Ebenen stehen zur Verfügung. Leider bringt das nichts, denn bei der nachträglichen Fokus-Festlegung wird alles Mögliche scharf gestellt und nicht nur das Objekt, das man angetippt hat. Das Feature funktioniert sehr unpräzise.

Fazit Kameras: Die sechs Kameras knipsen Fotos mit einem sehr guten Kontrastumfang. Leider ist viel Bastelarbeit mit RAW-Dateien nötig, um das volle Potenzial der Kameras zu nutzen. Selbst dann erreichen die Fotos nur in Hinblick auf den Kontrastumfang eine höhere Qualität als die Konkurrenz, bei der Bildschärfe reichen sie nicht an die besten heran. Die Kamera-App ist aktuell noch eine stotternde und häufig abstürzende Zumutung.

Audio: Sehr gut für Kopfhörer, mäßiger Lautsprecher

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Beim Lautsprecher hat Nokia leider gespart.

Leider ist nur ein Mono-Lautsprecher unten im Rahmen angebracht. Er erzeugt zwar einen lauten Klang, aber dieser klingt blechern. Mit Hilfe des USB-C-zu-Klinke-Adapters lassen sich Kopfhörer anschließen und das Nokia 9 liefert darüber eine hohe Lautstärke und einen klaren Sound, sofern man gute Kopfhörer wählt und nicht das mitgelieferte Headset.

Fazit Audio: Der Lautsprecher taugt nichts, aber via Adapter schickt das Handy einen lauten und klaren Hang an gute Kopfhörer.

Fazit Nokia 9 PureView: Faszinierender Prototyp, den man kaufen kann

Das Nokia 9 PureView ist eigentlich kein finales Produkt. Warum sonst muss ich der Kamera-App immer wieder beim Bremsen und Abstürzen zusehen? Warum unterstützt ein Smartphone mit Fokus auf große RAW-Fotodateien keine microSD-Karte? Warum gibt es keinen Nachtmodus, wieso ist es mit den Videos nicht weit her und wie kann es sein, dass die JPG-Bildverarbeitung die verbaute Hardware bei Weitem nicht ausreizen kann?

Wäre das Nokia 9 ein Prototyp, zu dem ich eine Einschätzung geben soll, damit HMD Global ein finales Produkt daraus machen kann, wäre ich weit positiver gestimmt. Nach der RAW-Bildbearbeitung in Adobe Lightroom erreichen die Bilder schließlich eine hohe Qualität. Leider werden nur wenige Handy-Nutzer Lust auf die Bastelarbeit haben, die für richtig gute Fotos nötig ist.

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Ich hatte Spaß mit der innovativen Technik des Nokia 9 PureView – aber als normales Alltags-Smartphone eignen sich andere Handys besser.

Statt des nervigen Fingerabdrucksensors hätte ich außerdem einen herkömmlichen kapazitiven Scanner auf der Rückseite bevorzugt. Das Smartphone ist immerhin wertig verarbeitet, bietet eine solide Flaggschiff-Technik von 2018, ein tolles OLED-Display und ein originelles Design. Der Preis liegt mit 600 Euro unter dem der meisten anderen Flaggschiffe, allerdings über dem des Xiaomi Mi 9 und des Honor View 20 – und diese beiden Smartphones sind insgesamt die bessere Wahl für fast alle Interessenten.

Letztlich kann man das Nokia 9 PureView immerhin einer Zielgruppe empfehlen: Wer bei seinem Smartphone vor allem Wert auf eine hohe Fotoqualität mit Schwerpunkt auf dem Kontrastumfang legt und bereit ist, durch manuelle Bildbearbeitung alles aus den Fotos herauszuholen, der könnte mit dem Nokia durchaus glücklich werden. Jedenfalls, sobald der Hersteller die instabile Kamera-App repariert hat.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Nach RAW-Bearbeitung tolle Fotos

+ Fotos mit besonders gutem  Kontrastumfang

+ Flaggschiff-Hardware von 2018

+ Sehr gutes OLED-Display

+ Eigenständiges Design

- Normale JPG-Fotos sind überschärft

- Kamera-App leidet an Abstürzen und Slowdowns

- Keine Speichererweiterung möglich

- Großer Displayrahmen

 

Das sagt Andreas:
Smartphone-Kameras dienen für gewöhnlich dazu, schnell mal einen Schnappschuss zu machen. Das Nokia 9 PureView hingegen macht es den mobilen Fotografen schwer und nötigt sie zur nachträglichen Bearbeitung ihrer Bilder. Zählst Du zu denjenigen, die Spaß daran haben, unterwegs Fotos zu bearbeiten?
Nokia 9 PureView
Nokia 9 PureView
  • Datenblatt
  • Hardware und Software
  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Preis (UVP)
    599 Euro
  • Release
    April 2019
  • Farben
    Blau
  • Lieferumfang
    Smartphone, Ladeadapter, Datenkabel, Steckplatzwerkzeug, Micro-USB Adapter, USB Adapter Typ-C, AKG-Headset, Kurzanleitung
  • Display-Größe
    6,1 Zoll
  • Display-Auflösung und Display-Typ
    2880 x 1440 Pixel, AMOLED, HDR10
  • Prozessor
    Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher
    6 GB RAM
  • Speicherkapazität
    128 GB
  • Betriebssystem
    Android 9.0 Pie, Android One (Stand: April 2019)
  • Kameras
    Frontkamera (20 MP) und Penta-Rückkamera (12 + 12 + 12 +12 + 12 MP + ToF)
  • SIM-Karten-Format
    Nano-SIM, Dual-SIM
  • Anschlüsse und Steckplätze
    USB-Typ-C
  • Akkukapazität
    3320 mAh
  • Besondere Merkmale
    6 Kameras (inkl. ToF-Sensor), Fingerabdruckscanner im Display
TURN ON Score:
3,7von 5
  • Akkuleistung
    4,0
  • Design
    4,5
  • Preis-Leistung
    4,0
  • Hardware
    4,5
  • Ausstattung
    4,0
  • Klang
    3,5
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