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Panono Camera im Test: Diese 36 Augen sehen alles

Die Panono Camera besitzt 36 Linsen und macht 108-MP-Panoramen.
Die Panono Camera besitzt 36 Linsen und macht 108-MP-Panoramen. (©TURN ON 2016)

Die Panono Camera ist ein Senkrechtstarter im wahrsten Sinne des Wortes. Was als Idee eines Studenten begann, ging auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo durch die Decke und ist mittlerweile im freien Handel verfügbar. Was die abgefahrene 360-Grad-Wurfkamera kann und warum sie es dennoch schwer haben dürfte, klären wir im Test.

Alle wollen die 360-Grad-Wurfkamera

Hallo, Panono! Was klingt, als könnte sich dahinter wahlweise eine italienische Brotspezialität oder auch ein Fußball-Sammelsticker verbergen, ist tatsächlich der Name eines 360-Grad-Kameraballs. Auch die Idee dazu stammt nicht aus Italien, sondern aus Deutschland. Genauer gesagt: aus Berlin. Während seines Studiums kam Erfinder Jonas Pfeil die Idee, 2011 gab es den ersten Prototyp. Anfang 2014 suchte er nach Unterstützern auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo – und wurde fündig. Zusätzlich zu den rund 1,1 Millionen Euro, die auf diese Weise zusammenkamen, zahlten Kleininvestoren noch einmal etwa 1,6 Millionen, um die Panono Camera zur Serienreife zu führen. Aber warum? Was genau ist so faszinierend an dem 360-Grad-Kameraball? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir uns die mittlerweile online und ab Ende des Jahres auch im Handel erhältliche Wurfkamera für einen Test geschnappt.

1 Ball, 36 Kameras, 108 Megapixel

Interessant sieht das Fotografie-Gadget auf jeden Fall aus. Wer die Panono Camera auspackt, hält einen Ball von 11 Zentimetern Durchmesser in den Händen, der etwas weniger als 500 Gramm auf die Waage bringt. Rund um die Kugel sind 36 Kameralinsen verteilt, die eine Auflösung von jeweils 3 Megapixeln besitzen. Daraus ergibt sich für die fertigen 360-Grad-Bilder eine Gesamtauflösung von 36 x 3 = 108 Megapixeln. An der Oberseite sitzt ein Knopf zum Ein- und Ausschalten, der ebenso als Auslöser genutzt werden kann. Unten findet man einen Anschluss zum Laden und zum Befestigen eines Selfie-Sticks oder eines Stativ-Adapters. Zusätzlich zum Kameraball gibt es nämlich noch einige Zubehöroptionen, die sich Interessierte auf jeden Fall ansehen sollten.

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Schritt 1: Kamera anmachen

Ist die Panono Camera geladen, kann es eigentlich auch direkt losgehen. Lange auf den Auslöser gedrückt – und die Kamera startet. Dann dauert es noch einige Sekunden, bis das Gadget einsatzbereit ist. Signalisiert wird das von einem LED-Kreis, der rings um den Auslöser leuchtet. Blinken bedeutet, dass der Kameraball gerade noch etwas verarbeitet, weißes Leuchten heißt: grünes Licht für den Fotografen. Blinkt oder leuchtet ein Teil der LED-Anzeige rot, weist das auf einen Fehler, einen niedrigen Akkustand oder einen vollen Speicher hin. Platz bietet die 360-Grad-Kamera nämlich nur für etwa 600 Aufnahmen. Dann ist der 16-GB-Speicher randvoll und muss via App erst einmal geleert werden. Die Möglichkeit einer externen Speichererweiterung bietet das Testgerät leider nicht.

Schritt 2: Kamera werfen

Passt aber alles, kann's losgehen: Schwung holen, Kameraball mindestens einen Meter hoch werfen und wieder auffangen. Hast Du die 360-Grad-Cam stabil genug, das heißt möglichst ohne Rotation, in die Luft befördert, haben alle 36 Linsen am höchsten Punkt gleichzeitig ausgelöst. War das nicht der Fall, ertönt ein Fehlerton und die LED-Anzeige blinkt rot auf. Hat alles geklappt, ist das erste 360-Grad-Panorama fertig. Oder? Nicht ganz. Auf dem internen Speicher der Panono Camera liegen nun erst einmal die Rohdaten von 36 einzelnen Bildern, noch kein fertiges Rundumbild. Dafür brauchst Du die Panono-App.

Schritt 3: App herunterladen & Smartphone verbinden

Die App für iOS und Android (bisher nur Beta) gibt es im App Store beziehungsweise bei Google Play. Obwohl wir die Panono-Cam mit einem Android-Smartphone und daher mit der App in der Beta-Version getestet haben, traten keine nennenswerten Probleme auf. Lediglich einmal hängte sich die App auf, ließ sich aber sofort wieder starten. Über das Programm lässt sich die Wurfkamera nicht nur aus der Ferne auslösen – etwa wenn sie auf einem Stativ befestigt wird. Via App kommst Du auch an Deine 360-Grad-Bilder. Rufe dazu das Menü auf und tippe auf "Camera". Um hier etwas sehen zu können, muss das Smartphone mit der Panono Camera verbunden werden. Dafür wechselst Du ins WLAN-Menü des Handys und suchst das Netzwerk der Kamera. Der Schlüssel zum Einwählen ist auf den Kameraball aufgedruckt.

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Schritt 4: Fotos hochladen & Tee trinken

Sind Kamera und Smartphone verbunden, ist das "Camera"-Menü der App die nächste Anlaufstelle. Hier befinden sich nicht nur ein Auslöser-Button und die Kamera-Einstellungen, sondern auch eine Vorschau der aufgenommenen Panoramen. Nicht denken, dass es sich um die fertigen 360-Grad-Bilder handelt, dann wären sie wirklich schlecht zusammengesetzt. Um die finale Version zu bekommen, müssen die Aufnahmen zunächst heruntergeladen und dann auf die Server von Panono hochgeladen werden. Dafür empfiehlt es sich, das WLAN der Kamera wieder zu verlassen und sich mit einem anderen WLAN zu verbinden. Ansonsten erfolgt das Hochladen über die mobile Datenverbindung des Smartphones. Das dauert nicht nur länger, sondern nagt auch am monatlichen Volumen. Gestartet wird der Upload über das Panono-Menü "Tasks". Dann heißt es: abwarten und Tee trinken.

Qualität des Stitchings ist manchmal Glückssache

Sind alle Einzelbilder zu einem 360-Grad-Bild zusammengesetzt, was im Test jeweils zwischen fünf und 20 Minuten dauerte, tauchen sie in der Panono-App unter "My Panoramas" auf. Dort lassen sie sich ansehen, umbenennen und teilen. Die Qualität des Stitchings überzeugte im Test in etwa 90 Prozent der Fälle. Die restlichen zehn Prozent der Bilder zeigten entweder grobe Fehler bei sehr feinen Strukturen, deformierte Gesichter oder Geistererscheinungen. Die letzten beiden Probleme sind sehr wahrscheinlich bereits auf Fehler beim Fotografieren zurückzuführen.

Gesichter sollten sich beispielsweise nicht zu nah an der Panono Camera befinden. Zudem scheinen der 360-Grad-Kamera Grenzen gesetzt, was das Fotografieren von Bewegung angeht. Zwar lösen alle 36 Linsen zur selben Zeit aus. Bewegte sich ein Objekt zu schnell, kam es im Test dennoch zu Geistererscheinungen. Der Großteil der Test-Panoramaaufnahmen konnte sich aber durchaus sehen lassen und führte die Vorteile einer richtigen 360-Grad-Kamera gegenüber Software-Lösungen wie der Google Street View-App für normale Smartphone-Kameras vor Augen. Wer wirklich überzeugende 360-Grad-Bilder fotografieren will, braucht dafür eine 360-Grad-Kamera.

So lassen sich die besten Ergebnisse erzielen

Klar, auch die Panono Camera ist nicht perfekt. Wenn man 36 Linsen in einen kleinen Ball packt, dann können die einzelnen Kameras natürlich nicht so viele Features und so hohe Qualität liefern wie eine vergleichbar große System- oder DSLR-Kamera mit nur einer Linse. In die Testbilder lässt sich dennoch etwas hineinzoomen, bevor die Panoramen sichtlich verpixeln. Außerdem hat man als Anwender großen Einfluss darauf, wie gut das Ergebnis wird.

Ein Beispiel: Wer die Panono-Cam zum Fotografieren in der Hand hält, wird auf jeden Fall einzelne Linsen verdecken. Die schöneren Bilder gibt es daher mit dem optional erhältlichen Selfie-Stick oder dem Stativ-Adapter. Mit dem Stativ kann die Wurfkamera etwa mitten im Raum platziert und mit dem verbundenen Smartphone aus der Ferne ausgelöst werden. So lassen sich auch Fotos komplett ohne Menschen schießen. Anders ist das bei der Verwendung mit Selfie-Stick, der sich beispielsweise für das Fotografieren über Abgründen anbietet. Beim Einsatz des Selfie-Sticks oder beim Werfen wird in den meisten Fällen auch der Fotograf selbst mit auf dem Bild landen.

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Um wirklich tolle 360-Grad-Fotos zu erhalten, solltest Du darüber hinaus einen Blick in die Kamera-Einstellungen werfen. Dort lässt sich nicht nur die HDR-Funktion für kontrastreichere Bilder aktivieren. Wer möchte, kann hier auch Belichtungszeit, ISO-Wert oder Weißabgleich manuell einstellen. Zusätzlich findest Du hier zwei praktische Funktionen fürs Fotografieren: ein Anti-Shake-Feature, das die Kamera nur in Ruhe auslösen lässt und das sogenannte Rotation Speed Limit. Gerade zu Beginn ist es empfehlenswert, die Schwierigkeit herunterzuregeln. Ansonsten löst die Panono Camera nur dann aus, wenn sie absolut perfekt in die Luft geworfen wird. Im Test brauchten wir mit dieser Einstellung rund 30 Versuche für ein erfolgreiches Panorama.

Fazit: Tolles teures Spielzeug

Die Panono Camera geben wir nach dem Test tatsächlich nur ungern wieder her. Das Fotografie-Gadget überzeugte nicht nur mit überwiegend gelungenen und beeindruckenden 360-Grad-Aufnahmen. Das Fotografieren mit der Wurfkamera macht einfach auch Spaß. Unter den unzähligen smarten Gadgets ist die Panono Camera wirklich noch etwas Besonderes, die kreatives Fotografieren aus den außergewöhnlichsten Perspektiven ermöglicht.

Einen großen Haken hat die Kamera jedoch: Das relativ neue Gadget ist vorrangig für den Prosumer-Bereich gedacht und daher nicht ganz billig. Die Explorer Edition kostet beim Hersteller immerhin 1499 Euro, der Panono Selfie-Stick und der Panono Stativ-Adapter sind darin noch nicht enthalten – aber wirklich empfehlenswert. Unser Testgerät mit allem Zubehör trägt also den stolzen Preis von knapp 1580 Euro.

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Einen kleinen Haken gibt es auch noch. So merkt man der Panono Camera in der Praxis noch ein wenig an, dass es sich um ein Crowdfunding-Projekt handelte, das gerade erst Serienreife erlangt hat. Insbesondere die App dürfte im Laufe der Zeit durch Updates noch ausgereifter werden. Bis dahin ist es zum Beispiel etwas nervig, auf dem Weg zum fertigen 360-Grad-Bild ständig zwischen verschiedenen WLAN-Netzen hin- und herzuwechseln. Der Spaß beim Fotografieren mit dem Kameraball macht das aber allemal wieder wett. Als reines Spaß-Gadget ist die Panono Camera zwar definitiv zu teuer. Doch ist sie viel mehr als das. Die Ergebnisse überzeugen und lassen Software-Alternativen für 360-Grad-Fotos verblassen.

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