Praxistest: Was taugt eigentlich ein 3D-Drucker für 500 Euro?

Patrick Schulze Fragt sich, wann VR-Brillen endlich so massentauglich werden wie in "Ready Player One".

Der Da Vinci Jr. 1.0 Pro ist für knapp 500 Euro einer der günstigsten 3D-Drucker auf dem Markt. Doch was taugt ein solches Gerät in der Praxis? Ein TURN ON-Redakteur hat den Test gemacht.

3D-Drucker geistern bereits seit einigen Jahren durch die Technik-Welt und gehören im Allgemeinen zu den Geräten, die zwar jeder irgendwie cool findet, die aber für Otto-Normalverbraucher einfach zu teuer sind. Das hat sich mittlerweile jedoch ein Stück weit geändert: Einen großen Anteil daran hat unter anderem der taiwanesische Anbieter XYZprinting, der 3D-Drucker für Preise deutlich unter 1000 Euro anbietet. Doch was können die günstigen Geräte eigentlich? Ich wollte es wissen und habe mit dem knapp 500-Euro-teuren Da Vinci Jr. 1.0 Pro den Versuch gewagt.

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Klein fällt der Da Vinci Jr. 1.0 Pro gewiss nicht aus.

3D-Drucker sind ziemlich groß und das trifft offenbar auch auf die günstigen Modelle zu. Der Da Vinci Jr. 1.0 Pro misst rund 430 x 420 x 380 Millimeter und wiegt etwa 12 Kilogramm. Im Inneren befindet sich eine Druckplatte, die im Verhältnis dazu mit 150 x 150 x 150 Millimetern recht klein wirkt. Die Spule für das Druckmaterial ist im Gehäuse auf der linken Seite angebracht und den restlichen Platz beansprucht die Düse mitsamt Druckerarm für sich. Alles wirkt gut verarbeitet und seinen vergleichsweise günstigen Preis konnte zumindest ich dem Gerät nicht ansehen.

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Ein Blick ins Innere des Druckers.

Den 3D-Drucker einrichten: Nicht kompliziert, aber herausfordernd

Immer wenn mich jemand aus meinem Bekanntenkreis bittet, ihm einen neuen Computer, ein Smartphone oder einen Smart TV einzurichten, kann ich meistens nur müde lächeln – schon tausend Mal gemacht und mittlerweile absolute Routine. Bei einem 3D-Drucker sieht das jedoch ganz anders aus: Auch wenn die Einrichtung des Da Vinci Jr. 1.0 Pro im Nachhinein betrachtet nicht besonders kompliziert war, so stellte sie mich dennoch vor eine Herausforderung. Immerhin hatte ich mir so ein Gerät zuvor noch nie aus der Nähe angeschaut und ich musste erst einmal seine Funktionsweise verstehen.

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Die Einrichtung ist nicht besonders kompliziert, für Neulinge aber dennoch eine kleine Herausforderung.

Das dürfte sicherlich vielen Nutzern so gehen, die sich einen Da Vinci Jr. 1.0 Pro anschaffen. Schließlich ist der Drucker ein Gerät für absolute Einsteiger und folglich für die meisten Käufer wahrscheinlich der erste 3D-Drucker, den sie jemals in die Finger bekommen. Leider macht es der Hersteller Neueinsteigern aber nicht gerade leicht und legt dem Gerät nur eine englische Betriebsanleitung bei. Mein Englisch ist zwar ganz passabel, aber ich musste mir dennoch erst eine deutsche Fassung in digitaler Form aus dem Netz suchen, bevor ich den 3D-Drucker erfolgreich in Betrieb nehmen konnte.

Zum Einrichten muss der Drucker zudem über ein mitgeliefertes USB-Kabel mit einem PC verbunden werden. Die nötige Software wird ebenfalls über den Rechner eingespielt. Diese liefert der Hersteller auf einer beigelegten SD-Karte mit. Das klappte in meinem Versuch zum Glück auf Anhieb und gestaltete sich ziemlich unkompliziert.

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Über das Controll-Panel lässt sich der Drucker auch unabhängig vom PC steuern.

Der 3D-Drucker selbst besitzt an seinem Control-Panel übrigens auch einen Slot für SD-Karten. Wer das Gerät nicht dauerhaft mit dem Rechner verbinden möchte, kann auf diesem Weg die Daten für neue Modelle an das Gerät liefern. Auf der SD-Karte ist auch ein Demo-Modell zum Ausdrucken gespeichert. Mit diesem lässt sich nach dem Einrichten testen, ob das Gerät wie vorgesehen arbeitet.

Wenn zu viel Technik Probleme macht

Eigentlich hatte ich gedacht, ich könnte nach dem Einrichten des 3D-Druckers direkt loslegen – und theoretisch sollte das auch so sein – aber zuvor wurde ich noch von einem technischen Problem aufgehalten. Der Da Vinci Jr. 1.0 Pro weigerte sich nämlich partout, mit der eingesetzten Spule zu drucken und zeigte mir stattdessen auf seinem Display die Fehlermeldung an, dass diese leer sei.

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Die Spulen machten im Test wegen der verbauten NFC-Chips mehrfach Probleme.

Woher der Drucker das wissen wollte? Nun, vermutlich von einem NFC-Chip, der in der Spule verbaut ist, und der dazu dient, dem Gerät den Ladestand ebendieser Spule mitzuteilen. Nur leider teilte er dem Drucker in meinem konkreten Fall einen völlig falschen Ladestand mit, sodass ich im Endeffekt gar nichts produzieren konnte.

Am Da Vinci selbst ließ sich dieses Problem nicht lösen und auch die mitgelieferte Software am PC war nicht geeignet, um die Spule zum Laufen zu bringen. Ich tat also, was wohl jeder Nutzer in dieser Situation tun würde und wandte mich an den Kundenservice des Händlers. Dort konnte mir ein sehr freundlicher Mitarbeiter leider auch keinen anderen Rat geben, als es mit einer anderen Spule zu versuchen beziehungsweise die Spule eines Drittanbieters zu benutzen, die nicht über einen NFC-Chip verfügt und dem Drucker somit auch keinen Ladestand mitteilen kann.

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Am Ende half nur das manuelle Entfernen der NFC-Chips aus den Spulen.

Doch Moment mal: Wenn es mit Spulen ohne NFC-Chip funktioniert, warum sollte ich den offensichtlich defekten Chips aus meiner Spule dann nicht einfach ausbauen? Gesagt, getan: Die Spule kurzerhand aufgeschraubt und den Chip entfernt. Anschließend musste die Spule als Drittanbieter-Spule neu eingerichtet werden (das geht am Drucker selbst) und schon war die Maschine bereit. Manchmal ist weniger Technik eben mehr.

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Ohne den NFC-Chips lässt sich die Spule trotzdem als Drittanbieter-Spule mit dem Da Vinci Jr. 1.0 Pro verwenden.

Leider tauchte dieser Fehler während unseres Tests mit mehreren Spulen auf. Das ist definitiv ein Problem, denn aus dem eigentlich praktischen Feature, mit dem der Drucker den Ladestand per NFC-Chip erfassen kann, wurde so schnell ein echtes Ärgernis.

Das erste Mal in 3D drucken

Mein erster Versuch mit dem Da Vinci Jr. 1.0 Pro ging furchtbar in die Hose. Geplant hatte ich eigentlich, das auf der SD-Karte gespeicherte Demo-Modell zu drucken, ein Herz-Amulett zum Umhängen. Was dann am Ende wirklich herausgekommen ist, kann sich jeder auf dem Bild unten anschauen.

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So sollte das Amulett sicher nicht aussehen.

Schuld war allerdings nicht der Drucker selbst, sondern ich. Denn ich hatte vor dem Start schlicht vergessen, die Haftfolie auf der Druckplatte anzubringen. Dadurch blieb das Modell nicht an Ort und Stelle haften, sondern rutschte während des Druckvorgangs wild hin und her. Das Gerät arbeitete indes munter weiter und produzierte ein ziemlich chaotisches Etwas, bei dem nur die Ansätze eines Amuletts erkennbar sind.

Vor meinem zweiten Versuch hatte ich dann die Haftfolie angebracht und prompt wurde mir das Amulett wie vorgesehen ausgedruckt. Die Farbspule hatte ich da allerdings gewechselt, was die andere Farbe erklärt.

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So sieht das fertige Amulett aus, nachdem es korrekt gedruckt wurde.

Eigene 3D-Modelle entwerfen

Da ich nicht nur Amulette erschaffen wollte, musste ich mir natürlich schnell andere Modelle suchen, mit denen ich den Da Vinci Jr. 1.0 Pro füttern konnte – oder aber selbst welche erstellen. Dank Paint 3D geht das mittlerweile kostenlos an jedem Windows-10-PC. Mein erster Versuch war jedoch einfach nur ein einfacher TURN ON-Schriftzug, für den zum Glück keinerlei Kenntnisse in 3D-Design notwendig waren. Wichtig war lediglich, dass ich das fertige Modell als 3mf-Datei exportieren und abspeichern musste.

Zuerst habe ich den TURN ON-Schriftzug als 3D-Modell in Paint 3D erstellt. fullscreen
Zuerst habe ich den TURN ON-Schriftzug als 3D-Modell in Paint 3D erstellt. (©Screenshot Microsoft/TURN ON 2018)
Anschließend konnte ich die 3mf-Datei in die Druckersoftware importieren. fullscreen
Anschließend konnte ich die 3mf-Datei in die Druckersoftware importieren. (©Screenshot XYZprinting/TURN ON 2018)
Zuerst habe ich den TURN ON-Schriftzug als 3D-Modell in Paint 3D erstellt.
Anschließend konnte ich die 3mf-Datei in die Druckersoftware importieren.

Anschließend konnte ich das Modell per Drag & Drop völlig unkompliziert in das Programm XYZware Pro importieren und von dort den Druckauftrag an den per USB-Kabel verbundenen 3D-Drucker erteilen. Das Ergebnis gibt es wiederum als Bild zu bestaunen.

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Der fertig gedruckte Schriftzug nebst dem Amulett.

Vorlagen von 3D-Modellen finden und drucken

Aber Hand aufs Herz: Ich bin kein Designer und vor allem mit 3D-Design habe ich keinerlei Erfahrungen. Klar, ein eigener 3D-Drucker ist der perfekte Anlass, um tiefer in die Materie einzutauchen. Da ich aber einfach nur ein bisschen herumprobieren wollte, was sich so alles in 3D drucken lässt, brauchte ich andere Vorlagen.

Eine große Auswahl fertiger 3D-Modelle bringt Paint 3D zum Glück schon mit. Diese sind wie das Programm selbst völlig kostenlos und lassen sich nach dem Anmelden mit einem Microsoft-Konto herunterladen, bearbeiten, anpassen und dann ausdrucken. Allerdings sind dem Gerät dabei physische Grenzen gesetzt. Wenn die Modelle zu filigran werden, kann er sie nicht mehr korrekt in 3D modellieren. Um einschätzen zu können, was der Drucker wirklich kann und was nicht, muss man sich als Nutzer wohl oder übel des Trail-and-Error-Prinzips bedienen.

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Das 3D-Modell dieser Schildkröte gibt es kostenlos im Netz.

Weitere Vorlagen von Modellen für 3D-Drucker finden sich natürlich im Netz. Ich selbst bin unter anderem auf Websites wie Pinshape fündig geworden, wo unzählige Hobby-Designer ihre Entwürfe zum Download anbieten. Einige kosten dabei Geld, der Großteil ist jedoch absolut kostenlos.

Die gedruckte Schildkröte lässt sich als Smartphone-Ständer verwenden. fullscreen
Die gedruckte Schildkröte lässt sich als Smartphone-Ständer verwenden. (©TURN ON 2018)
Zwei Schildkröten sind immer besser als eine. fullscreen
Zwei Schildkröten sind immer besser als eine. (©TURN ON 2018)
Die gedruckte Schildkröte lässt sich als Smartphone-Ständer verwenden.
Zwei Schildkröten sind immer besser als eine.

Zwischen 3D-Drucker-Lust und -Frust

Nach meinem Test des Da Vinci Jr. 1.0 Pro von XYZprinting bin ich hin und her gerissen. Es ist schon ein cooles Gefühl, seine eigenen Modelle am Rechner zu entwerfen und diese dann vom 3D-Drucker erschaffen zu lassen. Auf der anderen Seite ist es auch unheimlich frustrierend, wenn der Drucker mal wieder nicht so richtig will oder wenn aus verschiedenen Gründen beim Druckprozess etwas schiefgeht. Letzteres kam beim Testen deutlich öfter vor, als mir lieb war.

Immer wieder passierte es, dass ein Modell während des Druckvorgangs verrutschte und von der Düse des Druckers hinterhergezogen wurde. In so einem Fall ist der Druckvorgang in jedem Fall ruiniert, denn selbst wenn sich das Objekt während des Druckens auch nur um einen Millimeter verschiebt, passt am Ende nichts mehr zusammen. Das ist besonders ärgerlich, wenn es gegen Ende einer längeren Druck-Session passiert.

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Es kam bei meinem Test leider öfter vor, dass ein Projekt daneben ging.

Unterm Strich gingen auf diese Art und Weise mindestens 40 Prozent der von mir gestarteten Druck-Projekte schon während des Prozesses in die Brüche – ein zumindest für meinen Geschmack viel zu hoher Anteil. Zu retten ist in so einem Fall dann nichts mehr, wie die nachfolgenden Bilder zeigen.

Doch damit wir uns nicht falsch verstehen: Wenn ein cooles Projekt gelingt, ist es umso erfreulicher, denn irgendwie hat es für mich eine gewisse Magie, Gegenstände aus dem Nichts entstehen zu lassen. Vor allem fasziniert mich aber die Technik, mit welcher der 3D-Drucker aus einem digitalen Modell einen Gegenstand berechnet und diesen Millimeter für Millimeter entstehen lässt.

Fazit: Lohnt sich der Einstieg in die Welt der 3D-Drucker für 500 Euro?

Was bleibt nach dem Test des Da Vinci Jr. 1.0 Pro? Es handelt sich für mich um eine Spielerei, für die man aber auch eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen sollte – und günstig ist der 3D-Drucker mit einem Preis von 500 Euro natürlich auch nicht gerade.

Positiv ist auf jeden Fall, dass der Drucker unterm Strich wirklich funktioniert und damit als Einsteigergerät geeignet ist. Wer schon immer mit der Anschaffung eines 3D-Druckers geliebäugelt hat, dabei aber vor Anschaffungskosten von mehreren 1000 Euro zurückgeschreckt ist, findet hier womöglich das passende Gerät. Trotzdem sollte sich jeder Käufer besser auf eine durchwachsene Performance einstellen. Oft gingen im Test Projekte daneben, weil das halb fertige Objekt auf der Druckplatte verrutschte. Das kann schnell frustrieren.

Richtig geärgert habe ich mich jedoch über die Probleme mit den NFC-Chips in den Spulen. Gleich mehrfach musste ich die Platinen manuell aus den Spulen entfernen, weil die Kommunikation zwischen Chip und Drucker fehlerhaft war. Ein sicherlich gut gemeintes Feature, das meiner Meinung nach aber mehr Probleme mit sich bringt, als dass es nützt.

Trotzdem: Wer sich ernsthaft für 3D-Design interessiert oder eine generelle Affinität zum Basteln und zu Technik hat, könnte mit dem  Da Vinci Jr. 1.0 Pro tatsächlich genau das richtige Gerät finden. Denn im Prinzip ist 3D-Drucken nichts anderes als Basteln mit hochmoderner Technik. Und gerade Bastler wissen nur zu gut, dass dabei nicht immer alles nach Plan läuft.

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