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Remix OS im Test: Android macht lahme Laptops blitzschnell

Mit Remix OS kann man ältere Laptops eindeutig beschleunigen.
Mit Remix OS kann man ältere Laptops eindeutig beschleunigen. (©Facebook/Remix OS 2016)

Android auf dem PC – das geht? Ja, und sogar ziemlich gut und vor allem schnell: Mit der extra für Maus und  Tastatur angepassten Android-Version Remix OS, die jetzt für jedermann kostenlos als Beta-Version erhältlich ist, können langsame und altersschwache PCs deutlich beschleunigt werden.

Die gute Nachricht vorweg: Auf einem alten Laptop wird vieles mit Remix OS 2.0  sicher annähernd doppelt so schnell. Das macht sich beim Arbeiten mit der Textverarbeitung ebenso bemerkbar wie beim Starten von Programmen oder auch beim Surfen, wo die Seiten im Turbo-Tempo aufploppen. Stichwort Programme: Fast alles an Software, was man vom PC her kennt, ist inzwischen in Google Play auch als App verfügbar. Teils kostenpflichtig, teils auch gratis. Und das kann  – fast – alles auch mit Remix OS verwendet werden. Nur wenige Programme sind nicht für die Verwendung mit dem Android-System geeignet.

 Beim Remix OS auf dem Laptop kann man natürlich auch Google Play benutzen. fullscreen
Beim Remix OS auf dem Laptop kann man natürlich auch Google Play benutzen. (©TURN ON 2016)

Remix Mini: Spottbilliger Kleincomputer

Angefangen mit Remix hat übrigens alles auf Kickstarter mit dem Remix Tablet, das mit einer Tastatur wie ein Laptop oder ein Surface von Microsoft funktioniert. Dafür brauchten die Remix-Macher aus China natürlich ein entsprechend angepasstes Android-Betriebssystem – das Remix OS war geboren. Im letzten Jahr kam dann, ebenfalls per Kickstarter finanziert, der spottbillige Remix Mini dazu. Ein Mini-PC, den man an einen Fernseher anschließen kann und der ebenfalls mit dem hauseigenen modifizierten Android-System läuft. Und weil das alles anscheinend so gut funktioniert, bringt der Hersteller Jide das Remix OS jetzt auch in einer Version heraus, die sich auf PCs installieren lässt.

Während die erste Remix OS 2.0-Alphaversion noch auf einen USB-Stick angewiesen war, lässt sich die jetzt seit Anfang März zur Verfügung stehende Beta auch auf Festplatten installieren. Und das geht so leicht wie unproblematisch. Man lädt sich die Version einfach von der Webseite herunter, startet den Installationsvorgang und muss dann etwas warten. Zunächst muss das eigentliche System vom heruntergeladenen Image kopiert und installiert werden, was ein paar Minuten dauert. Wirklich lange dauert dann – je nach System bis zu 20 Minuten – die Einrichtung eines 8 GB großen Laufwerks-Images auf der Festplatte, in dem das Remix OS dann läuft.

Die Größe dieser Image-Datei kann übrigens in dieser Beta-Version nicht verändert werden. Bei der Installation wird auch ein Auswahlmenü für den Systemstart eingerichtet. Dort kann man wählen, welches der Systeme – Windows oder Remix – man starten möchte. An sein Windows 10 etwa kommt man also problemlos noch heran. Ein gemeinsamer Dateizugriff von Windows 10 und Remix auf Daten im jeweiligen System ist aber nicht möglich. Wer Dateien austauschen will, kann dazu etwa einen externen Anbieter wie Dropbox nutzen, für den es ja auch eine Android-App gibt.

Auf der Seite von Jide kann man Remix OS herunterladen, ... fullscreen
Auf der Seite von Jide kann man Remix OS herunterladen, ... (©TURN ON 2016)
... die Installation ist kinderleicht ... fullscreen
... die Installation ist kinderleicht ... (©TURN ON 2016)
... und zum Datenaustausch lässt sich etwa Dropbox nutzen. fullscreen
... und zum Datenaustausch lässt sich etwa Dropbox nutzen. (©TURN ON 2016)
Die Installation über Windows ist ziemlich einfach ... fullscreen
Die Installation über Windows ist ziemlich einfach ... (©TURN ON 2016)
... geht halbwegs schnell vonstatten ... fullscreen
... geht halbwegs schnell vonstatten ... (©TURN ON 2016)
... und beim Start kann man zwischen den Systemen wählen. fullscreen
... und beim Start kann man zwischen den Systemen wählen. (©TURN ON 2016)

Systemstart und das Browsen gehen sehr flott

Ist das System installiert, geht der Rest wirklich fix: Der Start von Remix OS ist definitiv schneller als der von Windows 10, vor allem ist das System wirklich auch fertig, wenn man den Desktop sieht. Die Apps öffnen sich in Windeseile und vor allem auch das Browsen geht sehr flott. Durch die bei unserem Test eindeutig wesentlich geringeren Festplatten-Zugriffe von Android reagiert der Laptop nicht nur schneller, auch der Akku wird langsamer leergesaugt.

Neben dem Tempo fällt auf, wie gut die Umsetzung von Remix OS für x86-Rechner von der Bedienung her gelungen ist. Remix OS fühlt sich an und bedient sich fast wie Windows. Es gibt eine Taskleiste, den Start-Button und den Notification-Tray rechts unten. Das Startmenü selber ist natürlich extrem abgespeckt. So lassen sich keine Ordner anlegen und alle Apps sind auf einer Ebene angesiedelt. Man kann zwar auch keine Dokumente in das Startmenü verlinken, aber Verknüpfungen auf dem Desktop zu Apps sind möglich.

 Die Systemeinstellungen des Remix OS. fullscreen
Die Systemeinstellungen des Remix OS. (©TURN ON 2016)

Und dann: Für Windows und MacOS normal, für Android keineswegs, kann Remix OS die laufenden Programme in verschiebbaren Fenstern anzeigen. Auch hier wieder ein klares Windows-Feeling. Manche Programme laufen zwar nicht im Fenster, sondern nur im Vollbildmodus fehlerfrei. Aber das stört kaum, denn mit der automatisch herausfahrenden Leiste oben am Bildschirm kommt man immer schnell wieder an den Ausgangspunkt zurück.

Einfacher Dateimanager ist enthalten

Mit im System enthalten sind ein einfacher Dateimanager, ein Browser und etwa eine Musik-App. Der Dateimanager greift auf die Standard-Ablageordner von Android zu. Das ist sicher nicht so übersichtlich und vor allem sollte man Daten und Programme ja trennen. Aber das macht man mit Android bequem in der Cloud, etwa mit Dropbox. Oder man installiert sich einen besseren Manager, etwa den kostenlosen ES Datei Explorer, mit dem man auch aufs Netzwerk sehr leicht zugreifen kann. Ebenfalls von Desktop-Systemen übernommen wurde der Papierkorb, in den man zu löschende Daten und Programme einfach per Drag and Drop hineinwerfen kann. Geleert wird wie üblich per Rechtsklick.

 Das Remix OS verfügt über einen einfachen eingebauten Dateimanager. fullscreen
Das Remix OS verfügt über einen einfachen eingebauten Dateimanager. (©TURN ON 2016)

Gelungen wirkt, dass viele vom Desktop-Computer bekannte Tastenkombinationen wie Kopieren mit Strg + C oder Einfügen mit Strg + V übernommen wurden. Und wenn man auf die Druck-Taste drückt, wird ebenfalls ein Screenshot gemacht. Diese Funktion ist wirklich genial und sogar eindeutig besser als bei Windows, weil man die Wahl hat, welchen Ausschnitt man haben will. In Sachen Multimedia kann Android in der Remix-Version Windows absolut das Wasser reichen. Musik und Filme werden klaglos abgespielt, nur bei Mehrkanal-Ton muss man sich allerdings mit der Kodi-App helfen, die in der Lage ist, auch solche Tonspuren abzuspielen.

Es gibt natürlich auch Dinge die (noch) nicht laufen: So kann man sich etwa nicht in Chrome anmelden – aber eine Lesezeichen-Symbolleiste gibt es in der Android-Version ohnehin nicht. Eine Synchronisierung der Lesezeichen findet nicht statt – es ist uns jedenfalls nicht gelungen, das hinzubekommen. Schade, denn das ist ein praktisches Feature, gerade wenn man auf verschiedenen Rechnern arbeitet. Bei Google dagegen klappt die Anmeldung des Kontos natürlich prima, weshalb auch die anderen Dienste wie etwa Gmail anstandslos funktionieren – eben wie auf dem Smartphone.

 Man kann auch die Bildschirmhintergründe wechseln. fullscreen
Man kann auch die Bildschirmhintergründe wechseln. (©TURN ON 2016)

Drag and Drop geht nur teilweise

Ebenfalls nicht optimal ist das fehlende Drag and Drop von Dateien zwischen Anwendungen. Diese für Windows und Mac typische Funktion dürfte aber auf Android auch einstweilen nicht in Sicht sein. Wer Texte schreiben will, hat mit Android keine Probleme – bei der Bildbearbeitung dagegen sieht es schon anders aus. Es gibt zwar auch eine Photoshop-App, aber mit der normalen Desktop-Version hat dieses für die Touch-Bedienung optimierte Programm nicht besonders viel gemein. Eine normale Bildbearbeitung fällt derzeit ebenso schwer, wie das Erstellen von Grafiken. Wer allerdings solche Dienste im Browser nutzen kann, dürfte mit der Bedienung keine Probleme haben. Andere Apps funktionieren überhaupt nicht, wie etwa TeamViewer, mit der man andere Computer fernwarten kann. Auch bei Spielen kann etwa eine Neigungssteuerung mit normalen Laptops nicht funktionieren, weshalb viele Titel nicht laufen. Dafür sind die Standard-Windows-Apps wie Word, Excel und Powerpoint zwar inzwischen im Abo kostenpflichtig, arbeiten dafür aber mit Remix OS klaglos zusammen.

 Die Apps werden über ein Startmenü gestartet – wie auch bei Windows. fullscreen
Die Apps werden über ein Startmenü gestartet – wie auch bei Windows. (©TURN ON 2016)

Dafür, dass es eine Beta ist, wirkt Remix OS für PC schon jetzt ausgesprochen ausgereift. Das Tempo der Programme ist deutlich schneller als bei Windows und die Systemnutzung fällt geringer aus. Alles was man online machen kann, geht problemlos. Wenn es um lokale Anwendungen geht, gibt es viele Apps, von denen die meisten auch funktionieren, aber natürlich nicht alle Features der bekannten Desktop-Versionen bieten. Dafür sind viele dieser Apps kostenlos oder lediglich für ein par Euro zu haben. Dass es eine Beta ist, zeigte sich aber gerade auch beim Testende. Anscheinend gibt es ein Update, das sich automatisch installiert, was auch nicht abstellbar ist. Aber auch wieder typisch Remix: Nach einer Neuinstallation über Windows funktionierte nicht nur alles, auch die Einstellungen waren noch erhalten, da eben das Datenträger-Image mit den eigentlichen Daten noch vorhanden war. Ein Prima-Konzept gerade auch für einen mobilen Computer.

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