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Samsung Galaxy TabPro S: Der Surface-Verschnitt im Test

Das Samsung Galaxy TabPro S will die Windows-Welt erobern.
Das Samsung Galaxy TabPro S will die Windows-Welt erobern. (©TURN ON 2016)

Im Test erweist sich das Samsung Galaxy TabPro S als ein Wandler zwischen den Welten. So wirkt das Windows 10-Tablet wie eine Mischung aus Surface Pro 4 und iPad Pro. Wir verraten, ob diese Kombination im Test funktioniert und wie sich Samsung generell in der Windows-Welt schlägt.

Was käme heraus, wenn das Surface Pro 4 von Microsoft und das iPad Pro von Apple ein gemeinsames Kind hätten? Diese hypothetische Frage scheint Samsung mit dem Galaxy TabPro S ganz real zu beantworten. Insgesamt wirkt der Hybrid aus Tablet und Laptop nämlich wie eine Mischung aus beiden Geräten. Während sich das Design dabei klar in Richtung Apple bewegt, läuft auf dem Detachable das gleiche Betriebssystem wie auf Microsofts Klassenprimus, nämlich Windows 10. Mit beiden Geräten gemeinsam hat das TabPro S zudem die ansteckbare Tastatur, die aus dem Tablet einen veritablen Laptop-Ersatz machen soll.

 Der Gradmesser für das TabPro S (links) ist das Surface Pro 4 von Microsoft. fullscreen
Der Gradmesser für das TabPro S (links) ist das Surface Pro 4 von Microsoft. (©TURN ON 2016)

Beim Auspacken des Galaxy TabPro S erlebte ich direkt eine Überraschung. Während die Ansteck-Tastatur bei den meisten Konkurrenzmodellen extra dazugekauft werden muss, liegt diese dem Samsung-Tablet schon serienmäßig bei. Damit spart man als Käufer direkt zwischen 150 und 180 Euro gegenüber den Microsoft- oder Apple-Geräten – ein wesentlicher Pluspunkt. Doch bevor wir zum Tastatur-Cover kommen, soll das Hauptaugenmerk zunächst auf dem Tablet selbst liegen.

Design-Anleihen beim iPad Pro

Optisch und haptisch orientiert sich das Gerät klar an der 12,9 Zoll-Variante des iPad Pro. Mit einer Displaydiagonalen von 12 Zoll ist das Galaxy TabPro S minimal kleiner als das Apple-Tablet. Mit einer Dicke von 6,3 Millimetern und einem Gewicht von 693 Gramm liegt Samsung auch in diesen Bereichen leicht unter den Werten des iPads. Die Verarbeitung liegt insgesamt auf dem gleichen hohen Niveau, wodurch das TabPro S ganz klar zu den edelsten Geräten seiner Klasse gehört. Der Gewichtsvorteil von gut 20 Gramm wird dabei durch eine Kunststoff-Rückseite erkauft, die jedoch durchaus hochwertig, stabil und auch vergleichsweise griffig wirkt.

Optisch kann sich das Galaxy TabPro S sehen lassen. fullscreen
Optisch kann sich das Galaxy TabPro S sehen lassen. (©TURN ON 2016)
Das Gehäuse fällt extrem dünn aus. fullscreen
Das Gehäuse fällt extrem dünn aus. (©TURN ON 2016)
Sowohl Hauptgerät als auch Tastatur sind hervorragend verarbeitet. fullscreen
Sowohl Hauptgerät als auch Tastatur sind hervorragend verarbeitet. (©TURN ON 2016)
Das Design ähnelt dem des iPad Pro (rechts). fullscreen
Das Design ähnelt dem des iPad Pro (rechts). (©TURN ON 2016)

Kaum Anschluss unter diesem Gehäuse

Leider übernimmt Samsung auch einige der Schwächen des Apple-Tablets. So gibt es am Galaxy TabPro S bis auf den Connector für die Tastatur, einen USB Type-C-Port und einen Kopfhörerausgang keinerlei Anschlüsse für externe Geräte. Gerade im Hinblick auf den Anspruch, ein Laptop-Ersatz zu sein, ist dies enttäuschend. Schon der Anschluss einer handelsüblichen USB-Maus ist dadurch nicht ohne Weiteres möglich. Das Surface Pro 4 kann im Vergleich zusätzlich mit einem microSD-Slot zur Speichererweiterung und einem Mini-DisplayPort aufwarten und empfiehlt sich somit schon eher als vollwertiges Arbeitsgerät.

USB Type-C-Port und Kopfhöreranschluss. fullscreen
USB Type-C-Port und Kopfhöreranschluss. (©TURN ON 2016)
Auf der Unterseite gibt es einen Anschluss für die Tastatur. fullscreen
Auf der Unterseite gibt es einen Anschluss für die Tastatur. (©TURN ON 2016)

Ein Display zum Verlieben

Entscheidend ist aber natürlich, wie sich das Galaxy TabPro S im Arbeitseinsatz wirklich macht und in dieser Kategorie ist zumindest der Ersteindruck wahrlich hervorragend. Wer das Tablet zum ersten Mal in Betrieb nimmt, dürfte sofort vom Display verzaubert werden. Anders als die Konkurrenz setzt Samsung nämlich nicht auf einen Standard-LCD-Screen, sondern verbaut ein kontrastreiches AMOLED-Display, das zudem mit einer knackigen Farbdarstellung punktet. Die Bonbon-bunte Optik der Galaxy-Smartphones braucht dabei niemand zu befürchten.

Gerade für Leute, die auf ihrem Tablet gern Filme oder Serien schauen, ist das Galaxy TabPro S damit definitiv eine Empfehlung. Hier spielt der AMOLED-Screen seine Stärken aus. Die Auflösung ist mit 2160 x 1440 Bildpunkten hoch genug, damit einzelne Pixel nicht mehr zu erkennen sind. Sowohl das Surface Pro 4 als auch das iPad Pro bieten zwar noch mehr Bildpunkte – allerdings sind die Auflösungsunterschiede mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

 Das AMOLED-Display ghört ganz klar zu den Highlights des Tablets. fullscreen
Das AMOLED-Display ghört ganz klar zu den Highlights des Tablets. (©TURN ON 2016)

Ziemlich viel Power – für ein Tablet

In Bezug auf Software und Betriebssystem bietet das Galaxy TabPro S keinerlei Überraschungen. Windows 10 läuft auf dem Tablet völlig problemlos und sorgt für ein angenehmes Arbeiten. Ausreichend Leistung stellt der Intel Core m3-6Y30 bereit, dessen beide Kerne standardmäßig mit 900 MHz takten. Je nach Anforderung kann der Prozessor seine Taktung bis auf 2,2 GHz hochschrauben. Dem Chip stehen 4 GB Arbeitsspeicher zu Seite. Eine dedizierte Grafikkarte besitzt das Gerät nicht.

Für ein Tablet kann sich die Leistung trotzdem sehen lassen. Im Test ließ sich jedenfalls keinerlei Schwachstelle ausmachen. Normales Surfen im Netz oder Office-Anwendungen stellen das Galaxy vor keinerlei Probleme. Als mobiles Arbeitsgerät für einfache Anwendungen ist das Samsung-Tablet deshalb durchaus geeignet. Einfache Videoschnitt-Arbeiten in 1080p lassen sich ebenfalls erledigen, jedoch sollte man hier nicht die Leistung eines ausgewachsenen Profi-Laptops erwarten.

 Die Leistung ist für ein Tablet sehr gut – für einen Laptop jedoch nur Mittelklasse. fullscreen
Die Leistung ist für ein Tablet sehr gut – für einen Laptop jedoch nur Mittelklasse. (©TURN ON 2016)

Auch vergleichsweise aufwendige 3D-Spiele aus dem Windows Store wie "Asphalt Overdrive" oder "Space Jet 3D" liefen in höchsten Grafikeinstellungen problemlos und ruckelfrei. Selbst die meisten Netbooks und viele Mittelklasse-Laptops werden hier von Samsung in die Schranken verwiesen. Ein echtes Gaming-Gerät nach klassischen PC-Maßstäben ist das TabPro S natürlich trotzdem nicht. Hier erweist sich der Intel Core M-Prozessor dann doch als zu schwachbrüstig. Das noch größere Problem stellt jedoch das Fehlen einer dedizierten Grafik-Einheit dar. PC-Gamer dürften aber ohnehin nach anderen Geräten Ausschau halten.

Arbeiten mit dem Tastatur-Cover

Wer das Galaxy TabPro S tatsächlich als Laptop-Ersatz nutzen möchte, ist natürlich zwangsläufig auf das Tastatur-Cover angewiesen. Über einen Connector an der Unterseite des Tablets verbindet sich das Gerät mit dem Cover, das gleichzeitig als Tastatur, Schutzhülle und Standfuß dient.

Die Tastatur selbst ist sehr gut verarbeitet, konnte im Test aber nur eingeschränkt als Schreibgerät überzeugen. Zwar ist es durchaus möglich, längere Zeit mit dem Tablet samt Tastatur im Laptop-Modus zu arbeiten, wirklich befriedigend ist das aber nicht. Genau wie beim iPad Pro oder beim Surface 3 ist diese Kombination auch hier nur ein schwacher Laptop-Ersatz. Das Surface Pro 4 spielt in dieser Beziehung in einer ganz anderen Liga, da die Tasten dort weiter auseinander stehen und einen wesentlich besseren Druckpunkt bieten. Gelungen ist hingegen das Trackpad, das zwar etwas größer ausfallen könnte, sich aber generell sehr gut anfühlt und auch eine flüssige Bedienung ermöglicht. Insgesamt bleibt das Galaxy TabPro S im Laptop-Modus dennoch mit Kompromissen behaftet.

Die Tastatur dient gleichzeitig als Standfuß und Cover. fullscreen
Die Tastatur dient gleichzeitig als Standfuß und Cover. (©TURN ON 2016)
Die Tasten stehen sehr nah beieinander und bieten einen geringen Druckpunkt. fullscreen
Die Tasten stehen sehr nah beieinander und bieten einen geringen Druckpunkt. (©TURN ON 2016)
Die Tastatur rastet magnetisch ein. fullscreen
Die Tastatur rastet magnetisch ein. (©TURN ON 2016)

Wozu braucht ein Tablet eine Kamera?

Es soll ja ernsthaft Leute geben, die mit ihrem Tablet Fotos knipsen. Mir persönlich erschließt sich dieser Mehrwert zwar nicht, aber für genau diese Zielgruppe verbauen Hersteller wie Samsung auch nach wie vor Kameras in ihren Tablets. Im Falle des TabPro S handelt es sich um zwei 5 Megapixel-Sensoren an Vorder- und Rückseite. Die Hauptkamera filmt zudem Videos in Full HD-Auflösung. Die Kameras erfüllen natürlich ihren Zweck, liefern allerdings nur Bilder mit blassen Farben und sind insgesamt nicht mehr als nette Extras. Zum ernsthaften Filmen und Fotografieren eignen sich die meisten Smartphones oder echte Kameras natürlich wesentlich besser.

Die Kamera macht brauchbare Bilder. fullscreen
Die Kamera macht brauchbare Bilder. (©TURN ON 2016)
Die Farben wirken allerdings ausgewaschen. fullscreen
Die Farben wirken allerdings ausgewaschen. (©TURN ON 2016)
Die Front-Cam sollte für Videochats ausreichen. fullscreen
Die Front-Cam sollte für Videochats ausreichen. (©TURN ON 2016)

Fazit: Sind Tablets die besseren Laptops?

Das Galaxy TabPro S ist schon ein beeindruckendes Gerät. In ein 6,3 Millimeter dickes Gehäuse packt Samsung praktisch einen kompletten Windows 10-Rechner und spendiert diesem dann gleich noch ein ultrascharfes AMOLD-Display. Dass der Hersteller anders als Microsoft und Apple das Tastatur-Dock gleich beilegt, ist ein weiterer Pluspunkt. Abseits dessen müssen sich potenzielle Käufer allerdings die Frage stellen, wozu sie ein solches Gerät gebrauchen können. Für ein reines Tablet hat das Gerät eigentlich fast schon zu viel Power und auch Windows 10 läuft so smooth, wie ein Betriebssystem nur laufen kann.

Um als vollwertiger Laptop-Ersatz zu dienen, fehlen hingegen wichtige Anschlüsse für Peripherie-Geräte und externe Speichermedien und letztlich auch eine bessere Tastatur. Das Keyboard-Cover ist zwar keine Katastrophe, aber eben auch nicht mit einem Laptop oder einer echten PC-Tastatur zu vergleichen. Zu empfehlen ist das TabPro S deshalb vor allem für all diejenigen, die gern Filme und Serien auf dem Tablet schauen und dafür das bestmögliche Display mit hervorragendem Kontrast haben möchten. Die PC-Funktionen können dann als äußerst nettes Extra angesehen werden. Wer allerdings tatsächlich eher nach einem Laptop sucht, sollte auch einen solchen kaufen.

Meinung des Autors
Nein, Tablets können immer noch keinen Laptop ersetzen. Das Samsung Galaxy TabPro S wird diesem Anspruch zwar allein aufgrund des Windows-Betriebssystems schon deutlich eher gerecht als iPad Pro oder Pixel C – letztlich bleiben aber zu viele Kompromisse, um aus dem Tablet ein echtes All-in-One-Gerät zu machen. Genau wie die beiden Konkurrenten von Apple und Google ist das TabPro S dabei eigentlich kein schlechtes Gerät. Die Verarbeitung ist spitze, die Leistung ist (für ein Tablet) sehr gut und am Display konnte ich mich kaum satt sehen. Wer unbedingt nach einem solchen Gerät sucht, ist mit dem Samsung-Modell deshalb besser bedient als bei den genannten Konkurrenten. Noch besser ist nur das teurere Surface Pro 4. Allerdings stellt sich mir eben die Frage, warum ich überhaupt ein Tablet kaufen sollte, wenn ich eigentlich einen richtigen Computer zum produktiven Arbeiten will? Geräte wie das Surface Book oder die Yoga-Notebooks von Lenovo bieten da in meinen Augen den besseren Kompromiss, weil sie in erster Linie echte Laptops sind. Im Endeffekt ist das aber auch Geschmackssache.
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