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Samsung Pay im Alltagstest: Spät dran, aber gut gemacht

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Bezahlen mit dem Smartphone: Samsung Pay lässt sich jetzt auch in Deutschland einsetzen. Bild: © Samsung 2020

Smartphone-Platzhirsch Samsung bietet seinen Mobile-Payment-Service Samsung Pay nun auch hierzulande an. Wir haben den Dienst vier Wochen lang getestet und verraten, ob sich die Wartezeit gelohnt hat.

Wer später zur Party kommt, sollte guten Schnaps dabeihaben! Über zwei Jahre, nachdem Google Pay in Deutschland gestartet ist, können Besitzer von Galaxy-Smartphones hierzulande den mobilen Bezahldienst Samsung Pay nutzen. International ist der Service bereits 2015 etwa zeitgleich zu Google Pay an den Start gegangen, in Deutschland verzögerte wahrscheinlich auch das schwierige Marktumfeld einen früheren Start.

Seit dem 28. Oktober 2020 ist der Bezahldienst offiziell für Besitzer von Galaxy-Smartphones in Deutschland verfügbar. Im Rahmen einer vorangegangenen Betaphase hatte ich die Möglichkeit, den Service im Vorfeld einige Wochen zu testen und habe dabei durchgehend positive Erfahrungen gemacht.

Samsung Pay: Die Unterschiede zu Google und Apple

Anders als bei Google Pay und Apple Pay (im Vergleich bei TURN ON) ist es bei Samsung Pay egal, bei welcher Bank ich mein Konto habe- Eine Kreditkarte benötige ich ebenfalls nicht. Damit dürften für viele Nutzer zwei Hürden zur Nutzung eines Mobile-Payment-Dienstes wegfallen.

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Die Samsung Pay Card ist eine virtuelle Visakarte und das Herzstück von Samsung Pay. Bild: © Samsung 2020

Nutzer von Samsung Pay erhalten nämlich eine neue Debitkarte, die sogenannte Samsung Pay Card. Die erinnert nicht nur dem Namen nach an die in den USA verfügbare Apple Card, sondern folgt auch einem ganz ähnlichen Prinzip: Die Samsung Pay Card ist eine echte Visa-Karte, die direkt mit meinem Samsung-Nutzerkonto verknüpft wird. Anders als die Apple Card bekomme ich die Samsung Pay Card aber nicht als Aluminium-Karte für das Portemonnaie zugeschickt, sondern habe sie lediglich in digitaler Form auf dem Galaxy-Smartphone zur Verfügung.

Debitkarte, Konto und Verfügungsrahmen

Zur virtuellen Debitkarte gehört ein Kartenkonto, das ich bei der Registrierung für Samsung Pay mit allen dafür notwendigen Formalien einrichten muss. Dafür arbeitet Samsung mit der in Deutschland ansässigen Solarisbank zusammen, die das Konto verwaltet. Ein Postident- oder Videoident-Verfahren ist nicht notwendig, da die Bank ein neuartiges elektronisches Identifikationsverfahren nutzt.

Weil es gesetzlich vorgeschrieben ist, führt die Bank vor der Eröffnung des Kontos eine Bonitätsprüfung durch und legt für den Kreditrahmen einen Eintrag bei der Schufa an. Je nachdem, wie diese ausfällt, wird anschließend ein Verfügungsrahmen für die Debitkarte festgelegt – also ein Maximalbetrag, den ich als Nutzer mit Samsung Pay bezahlen kann. Ist der Betrag erreicht, kann ich so lange keine weiteren Zahlungen mit Samsung Pay vornehmen, bis der Betrag durch Abbuchungen von meinem Girokonto ausgeglichen ist.

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Samsung Pay ist an ein eigenes Kartenkonto geknüpft. Bild: © Samsung 2020

Kunden, deren Bonität nicht für ein klassisches Kreditkartenkonto ausreicht, können Samsung Pay dennoch nutzen. Sie bekommen ein Prepaid-Konto eingerichtet, auf das sie eine gewünschte Summe von ihrem Girokonto überweisen können, um damit via Samsung Pay zu bezahlen.

Keine versteckten Kosten

Für die Kontoführung und die Zahlungen mit Samsung Pay fallen für mich als Kunden keinerlei Gebühren an – weder bei Samsung noch bei der Solarisbank.

Welches Smartphone brauche ich?

Anders als Google Pay funktioniert Samsung Pay nicht mit jedem Smartphone, sondern nur mit Samsung-Geräten. Konkret sind es alle Modelle der Galaxy-S-Reihe ab dem Galaxy S8 und alle Geräte der Note-Reihe ab dem Galaxy Note 8. Ebenso lassen sich beinahe alle Modelle der A-Serie seit 2018 verwenden. Ausnahmen sind das ursprüngliche Galaxy A20 und das ursprüngliche Galaxy A30. Auch das Outdoor-Smartphone Galaxy Xcover Pro und die faltbaren Geräte der Galaxy-Z-Reihe beherrschen Samsung Pay.

Das kontaktlose Bezahlen funktioniert aktuell mit mehr als 40 Samsung-Modellen. Eine ausführliche Liste stellt der Hersteller auf seiner Website zur Verfügung.

So funktioniert das Bezahlen

Einmal eingerichtet, funktioniert das Bezahlen mit Samsung Pay so, wie man es von anderen Smartphone-Bezahldiensten kennt: Der Käufer zückt das Smartphone an der Kasse, entsperrt es und hält es zum Bezahlen an das NFC-fähige Kartenlesegerät. Ein kurzes Piepen am Gerät und eine Animation auf dem Display bestätigen die Zahlung.

Praktisch: Innerhalb der Samsung-Pay-App kann ich eine kleine Schaltfläche für den Schnellzugriff aktivieren. Wahlweise wird dabei auf dem Startbildschirm, dem Sperrbildschirm oder sogar bei ansonsten ausgeschaltetem Display eine kleine Fläche am unteren Bildschirmrand eingeblendet. Wische ich von dieser nach oben, aktiviere ich Samsung Pay direkt. Ich muss dann nur noch meine Identität per Fingerabdruck bestätigen, und der Bezahlvorgang kann starten. Dabei wird auch die NFC-Schnittstelle des Smartphones automatisch aktiviert, nach Abschluss der Zahlung schaltet sie sich wieder ab. In der Praxis dauert das Ganze nicht mal fünf Sekunden.

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Für Samsung Pay lässt sich ein Schnellzugriff aktivieren. Bild: © Samsung/ Screenshot: TURN ON 2020

Die Unterschiede zu anderen Mobile-Payment-Diensten sind marginal. Mir gefällt die Tatsache, dass ich NFC nicht dauerhaft aktiviert haben beziehungsweise nicht jedes Mal händisch an- und ausschalten muss.

Was passiert nach dem Bezahlen?

Wer schon einmal eine Kreditkarte verwendet hat, weiß, wie es läuft: Die Zahlungen, die man auf Kredit tätigt, werden zu einem festgelegten Zeitpunkt von dem mit der Kreditkarte verknüpften Girokonto abgebucht. In der Regel passiert das einmal im Monat oder einmal im Quartal – je nach Kreditinstitut und Kreditkartenvertrag.

Bei Samsung Pay geht das sehr viel schneller. Binnen 48 Stunden werden die offenen Beträge, die durch Zahlungen mit Samsung Pay entstanden sind, vom Girokonto abgebucht. Der Nutzer erhält kurz vorher jeweils eine Benachrichtigung von der App.

Ich finde dieses rasche Ausgleichen des Kontos sehr gut. Auf diese Weise häuft sich nicht über Monate hinweg ein drei- bis vierstelliger Betrag an, der dann mit einem Mal abgebucht wird. Und es fällt mir leichter, meine Ausgaben in Relation zu meinem tatsächlichen Kontostand im Blick zu behalten.

Zahlen auf Raten

Ratenzahlungen sind bei Einkäufen über Samsung Pay trotzdem möglich. Dafür wurde die Funktion Splitpay integriert. Sie erlaubt es, Zahlungen ab 100 Euro bis maximal 8.000 Euro auf Raten zu tätigen. Der Zeitraum für die Ratenzahlungen beträgt wahlweise drei bis 24 Monate.

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Ratenzahlungen sind dank Slitpay möglich. Bild: © Samsung 2020

Praktisch ist, dass sich Splitpay auch nach dem Bezahlen an der Kasse noch für Zahlungen in entsprechender Höhe aktivieren lässt. Kaufe ich etwas und beschließe anschließend, dass ich den Betrag lieber über drei Monate verteilt begleichen möchte, kann ich Splitpay nachträglich in der App aktivieren. Auch das klappt aber nur, wenn meine Bonitätsauskunft zuvor positiv ausgefallen ist.

Sonstige Funktionen von Samsung Pay

Samsung Pay ist so konzipiert, dass die App beim Einkaufen die gesamte Geldbörse ersetzen kann. Es gibt beispielsweise auch die Möglichkeit, Kunden- und Geschenkkarten in der App zu hinterlegen. Selbst Eintrittskarten für bestimmte Veranstaltungen sollen sich in Zukunft in Samsung Pay speichern lassen. Das Feature soll laut Hersteller noch weiter ausgebaut werden.

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Die Samsung-Pay-App bietet einen guten Überblick über alle Zahlungen.

Die App gibt zudem einen guten Überblick über getätigte Transaktionen und den aktuell verfügbaren Kreditrahmen. Sie bietet sogar die Option, Zahlungspläne zu erstellen. Kontoauszüge lassen sich jederzeit erstellen und als PDF-Datei herunterladen.

Die Schwächen von Samsung Pay

Zum aktuellen Zeitpunkt verfügt Samsung Pay in Deutschland noch nicht über den vollen Funktionsumfang, den der Dienst in anderen Ländern aufweist. Was beispielsweise noch nicht funktioniert, ist das Bezahlen mit einer Samsung Galaxy Watch, obwohl die Smartwatches des Herstellers prinzipiell für Mobile Payment ausgestattet sind.

Zudem lässt sich der Dienst aktuell nur für Zahlungen an der Ladenkasse nutzen, während Google Pay auch Zahlungen in Onlineshops und innerhalb von Apps ermöglicht. Immerhin verspricht Samsung etwas nebulös, "zukünftig weitere Optionen" anbieten zu wollen. Ob damit auch Onlineshopping gemeint sind, ist nicht klar.

Anders als beispielsweise mit Paypal ist es mit Samsung Pay derzeit zudem nicht möglich, Geld an andere Personen zu schicken. Ob diese Funktion noch kommen soll, ist offen. Das bedeutet aber, dass Samsung Pay derzeit noch keine umfassende App für Zahlungen und Transaktionen aller Art ist, sondern vorerst nur im stationären Handel funktioniert.

Fazit: Spät dran, nicht perfekt, aber trotzdem richtig gut

Als ich meine Testphase mit Samsung Pay gestartet habe, war ich äußerst skeptisch, ob der Dienst mich überzeugen würde. Als Google-Pay-Nutzer der ersten Stunde hatte ich eigentlich keinen Grund, einen weiteren Mobile-Payment-Dienst zu verwenden.

Zu meiner eigenen Überraschung hat es die App jedoch geschafft, mich schon nach wenigen Tagen zu einem überzeugten Nutzer zu machen. Es waren genau die Details, die Samsung Pay anders macht als Google Pay, die für mich den Ausschlag gegeben haben: die Tatsache, dass ich die NFC-Schnittstelle nicht händisch an- und ausschalten muss, und der Umstand, dass die Zahlungen binnen 48 Stunden mit dem Girokonto verrechnet werden.

Die schnelle Verrechnung könnte manche Nutzer, die den Umgang mit Kreditkarten gewohnt sind, stören. Für mich ist das jedoch ein Pluspunkt, weil meine Ausgaben so schnell an meinem Kontostand sichtbar sind und ich dadurch gefühlt einen besseren Überblick über meine Finanzen habe.

Hardcore-Samsung-Nutzer werden sich darüber ärgern, dass die Galaxy Watch und andere Wearables nicht unterstützt werden. Aber die Chance ist groß, dass Samsung dieses Feature in Zukunft noch nachliefert.

Ich habe beschlossen, Samsung Pay vorerst weiterhin zu verwenden. Nach mittlerweile vier Wochen Nutzung hat der Dienst Google Pay als meine bevorzugte Zahlungsart im Einzelhandel abgelöst. Mal sehen, wie lange das so bleibt.

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