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Schneller scharf: Nikon D7200 mit Tempo-Autofokus im Test

Die Nikon D7200 im Test: Was taugt das neue  Consumer-Spitzenmodell?
Die Nikon D7200 im Test: Was taugt das neue Consumer-Spitzenmodell? (©TURN ON 2015)

Die Nikon D7200 ist das Spitzenmodell des japanischen Herstellers mit kleinem APS-C-Sensor. Neu gegenüber den Vorgängermodellen sind vor allem der Sensor, der schnellere Autofokus und die Kontaktmöglichkeiten über WLAN oder NFC. Wie schnell und kontaktfreudig die DSLR wirklich ist und ob sie auch gute Bilder macht, zeigt unser Test.

Äußerlich kaum Veränderungen gegenüber dem Vorgänger

Gegenüber den Vorgängermodellen D7000 und D7100 hat sich bei der Nikon D7200 äußerlich wenig verändert. Auch das nun schon vier Jahre alte Bedienkonzept ist weitgehend gleich geblieben. Das ist nicht dramatisch, aber auch nicht besonders innovativ. Gegenüber dem 7000er-Modell ist ein weiterer Schalter dazugekommen und das Rad zum Einstellen der Betriebsart hat jetzt einen Feststellknopf. Vorher konnte man es einfach drehen, was intuitiver ist und vor allem mit nur zwei Fingern geht.

Die Nikon D7200 unterscheidet sich von den Vorgängern äußerlich nur wenig. fullscreen
Die Nikon D7200 unterscheidet sich von den Vorgängern äußerlich nur wenig. (©TURN ON 2015)
Das Gerät macht einen wertigen Eindruck. Oben erkennt man Blitzschuh und Stereo-Mikrofon. fullscreen
Das Gerät macht einen wertigen Eindruck. Oben erkennt man Blitzschuh und Stereo-Mikrofon. (©TURN ON 2015)
Der eingebaute Blitz klappt automatisch aus, wenn die Automatik aktiviert ist. fullscreen
Der eingebaute Blitz klappt automatisch aus, wenn die Automatik aktiviert ist. (©TURN ON 2015)
Auf dem Display lassen sich die aktuellen Kameradaten darstellen. fullscreen
Auf dem Display lassen sich die aktuellen Kameradaten darstellen. (©TURN ON 2015)
An der Griffseite sind die Speicherkarten untergebracht. fullscreen
An der Griffseite sind die Speicherkarten untergebracht. (©TURN ON 2015)

Gehäuse fühlt sich stabil und wertig an – und ist schwer

Insgesamt fühlt sich das Gehäuse der Nikon D7200 aus einer Magnesiumlegierung sehr stabil und wertig an, wenn auch die Kamera DSLR-typisch dadurch eben nicht besonders leicht ist. Mit Akku bringt alleine der Body gut 750 Gramm auf die Waage – und das Objektiv kommt ja auch noch dazu. Auch die Größe der Kamera hat mit etwa 107 x 136 x 76 Millimetern nicht gerade Handtaschenformat. Eine DSLR mit diesen Abmessungen ist definitiv nichts für den Schnappschuss nebenbei, sondern richtet sich auch von der Ausstattung her an ambitionierte Hobbyfotografen und ist vielleicht sogar für den semiprofessionellen Einsatz geeignet.

Bilder mit maximal 24 Megapixeln und Full-HD-Video

Dafür spricht auch das Innenleben: Komplett neu ist nämlich der Sensor im APS-C-Format, das bei Nikon "DX" genannt wird. Bilder werden aber nach wie vor mit 24 Megapixeln geschossen. Videos kann die DSLR in Full-HD mit 1920 x 1080 Pixeln aufnehmen. Mit der normalen Sensorgröße sind allerdings maximal 30 Vollbilder pro Sekunde drin. Erst wenn man den Sensor um den Faktor 1,3 per Einstellung beschneidet, sind auch 60 Vollbilder möglich, da dann weniger Pixel aufgezeichnet werden müssen – was gleichzeitig einen entsprechenden Tele-Effekt hat.

Bildprozessor schafft knapp 7 Aufnahmen pro Sekunde

Nikon hat der D7200 ebenfalls einen neuen Bildprozessor spendiert – und was für einen: In einer Serie können bis zu 100 Bilder im JPEG-Format aufgenommen werden. Dabei sind im 1,3-Modus bis zu sieben Bilder pro Sekunde möglich, ansonsten knapp sechs. Bei den Serienaufnahmen wird der Autofokus immer nachgeführt und stellt ziemlich zuverlässig scharf. Selbst deutlich teurere Modelle wie etwa die Canon EOS 5D Mark III sind nicht wesentlich schneller und können lange nicht so viele Bilder in den Pufferspeicher packen. Während die Nikon bei 32 Bildern im RAW-Format aufgibt, ist bei der Canon schon nach 14 Bildern Schluss. Wer Wartezeiten nach langen Serien verkürzen will, sollte sich eine schnelle SD-Speicherkarte kaufen.

Elektronische Unterstützung: Tilt-Shift und Foodprogramm

Fotografen, die darauf Wert legen, bekommen auch einiges an elektronischer Unterstützung: So gibt es etwa für den auch bei Smartphones beliebten Tilt-Shift-Effekt ein Programm, ebenso wie Szenerien für die Nacht- oder Porträtfotografie. Ebenfalls ein modisches Zugeständnis: das Foodprogramm. Es ist ja nach wie vor "in", sein Essen zu fotografieren. Wer im Food-Modus fotografiert,  erhält deutlich hellere Aufnahmen, besonders auch in den Tiefen.

Es lassen sich natürlich auch automatische Bildkorrekturen und Bildstimmungen einstellen: Du hast beispielsweise die Wahl zwischen Porträt oder Brillant, Vignetten können ebenso bei der Aufnahme automatisch korrigiert werden wie die Belichtungsdynamik oder die HDR-Funktionalität. Wer verspielt ist, kann mit der Nikon D7200 sogar Zeitraffer-Aufnahmen machen. Die Intervalle für die populäre Timelapse-Fotografie sind frei wählbar.

Auffällig ist die schöne Zeichnung und gute Belichtung strukturierter Flächen. fullscreen
Auffällig ist die schöne Zeichnung und gute Belichtung strukturierter Flächen. (©TURN ON 2015)
Auch mit komplexen Lichtsituationen kommt die D7200 klar. fullscreen
Auch mit komplexen Lichtsituationen kommt die D7200 klar. (©TURN ON 2015)
Das Objektiv bildet auch entfernte Details gut ab. fullscreen
Das Objektiv bildet auch entfernte Details gut ab. (©TURN ON 2015)
Feine Strukturen werden auch farbecht wiedergegeben. fullscreen
Feine Strukturen werden auch farbecht wiedergegeben. (©TURN ON 2015)
Im Tilt-Shift-Modus erstellt die Kamera automatische Aufnamen im Miniatur-Stil. fullscreen
Im Tilt-Shift-Modus erstellt die Kamera automatische Aufnamen im Miniatur-Stil. (©TURN ON 2015)
ISO 400: Kein sichtbares Rauschen. fullscreen
ISO 400: Kein sichtbares Rauschen. (©TURN ON 2015)
ISO 6400: Ab hier beginnen die Bildstörungen durch Rauschen sichtbar zu werden. fullscreen
ISO 6400: Ab hier beginnen die Bildstörungen durch Rauschen sichtbar zu werden. (©TURN ON 2015)
ISO 20.000: Selbst mit der Maximalstufe – vor der Monochrom-Empfindlichkeit – ist das Rauschen noch halbwegs erträglich. fullscreen
ISO 20.000: Selbst mit der Maximalstufe – vor der Monochrom-Empfindlichkeit – ist das Rauschen noch halbwegs erträglich. (©TURN ON 2015)
Der Vergleich: Links die Nikon D7200, rechts das Modell D7000. Bei ISO 6400 sind Farben und Rauschen beim neuen Modell deutlich besser. fullscreen
Der Vergleich: Links die Nikon D7200, rechts das Modell D7000. Bei ISO 6400 sind Farben und Rauschen beim neuen Modell deutlich besser. (©TURN ON 2015)

Sehr rauscharmer Sensor bis ISO 3200

Der bereits erwähnte ausgezeichnete Bildsensor macht im normalen ISO-Bereich zwischen 100 und 800 sehr rauscharme Aufnahmen. Das Rauschen ist bis etwa ISO 3200 absolut erträglich und kaum sichtbar. Erst ab ISO 6400 werden Bildstörungen dann unübersehbar. Und bei ISO 20.000 muss man das Bildrauschen dann schon als gestalterisches Mittel einsetzen, denn es ist sehr deutlich zu erkennen. Aber: Immerhin bietet die Kamera eine derartige Stufe an. Bei schlechtem Licht kann das manchmal die Rettung sein. Ein Vergleich mit dem Vorvorgänger, der Nikon D7000, zeigt übrigens deutlich, welche Verbesserungen es beim Sensor in den letzten vier Jahren gegeben hat. Sowohl Bildrauschen wie auch die Farben sind beim aktuellen Modell klar besser. Da "krisselt" es in den dunklen Bildbereichen eindeutig weniger.

Andere entscheidende Bildeigenschaften sind ebenfalls im Top-Bereich. Die Fotos wirken nicht nur knackscharf, auch winzigste und feinste Details verwaschen nicht und werden klasse abgebildet. Hier kann der Sensor seine ganzen Stärken ausspielen. In Zusammenarbeit mit dem flinken Autofokus ist ein Gespann am Werk, das am laufenden Band sehenswerte Bilder produziert.

Datenübertragung per WLAN funktioniert tadellos

In Sachen Ausstattung musst Du ein paar Abstriche machen: Natürlich hat die Nikon D7200 eingebautes WLAN und NFC. Per Funknetz lassen sich Bilder auch auf Smartphones und Tablets anzeigen und schnell auf diese Geräte übertragen. Dazu brauchst Du nur eine App, die es für Android wie für iOS gibt. Und wer ein Android-Gerät mit NFC-Chip hat, der kann den Übertragungsmodus einschalten, indem er Kamera und Smartphone dicht aneinanderhält. Nachteil des eingebauten WLAN ist vielleicht, dass das gekoppelte Gerät dann nur noch mit der Nikon D7200 verbunden sein kann – und nicht mehr mit dem "normalen" WLAN. Die Übertragung der Bilder auf das Smartphone funktionierte in unserem Test aber reibungslos und schnell. Eine sehr praktische Funktion, wenn man unterwegs ist und schnell mal Bilder versenden oder speichern will.

An der Seite erkennt man das WiFi-Zeichen. Die Kamera ist per WLAN erreichbar. fullscreen
An der Seite erkennt man das WiFi-Zeichen. Die Kamera ist per WLAN erreichbar. (©TURN ON 2015)
Die Anschlüsse liegen an der Seite des Geräts ... fullscreen
Die Anschlüsse liegen an der Seite des Geräts ... (©TURN ON 2015)
... und werden mit flexiblen Gummiverschlüssen abgedeckt. fullscreen
... und werden mit flexiblen Gummiverschlüssen abgedeckt. (©TURN ON 2015)
Die NFC-Antenne befindet sich im Griff, was an diesem Symbol zu erkennen ist. fullscreen
Die NFC-Antenne befindet sich im Griff, was an diesem Symbol zu erkennen ist. (©TURN ON 2015)
Der Hilfsmonitor stellt die wichtigsten Daten dar. fullscreen
Der Hilfsmonitor stellt die wichtigsten Daten dar. (©TURN ON 2015)
Das Einstellrad für die Betriebsart ist jetzt automatisch arretiert. fullscreen
Das Einstellrad für die Betriebsart ist jetzt automatisch arretiert. (©TURN ON 2015)
Der Auslöser ist im Anschalter integriert. fullscreen
Der Auslöser ist im Anschalter integriert. (©TURN ON 2015)

Andere Dinge fehlen aber leider:  Einen Touchscreen sucht man ebenso vergeblich wie ein schwenkbares Display und GPS gibt es auch nicht. Der berührungsunempfindliche Bildschirm ist zu verschmerzen, aber ein beweglicher Monitor kann akrobatische Verrenkungen bei schwierigen Aufnahmepositionen ersparen. Dafür ist die D7200 mit Anschlüssen reichlich gesegnet: HDMI im Mini-Format, USB, Mikrofon und Kopfhörer plus Zubehöranschluss etwa für den GPS-Empfänger. Es gibt zwei Steckplätze für SD-Speicherkarten, die sowohl für die parallele Speicherung in JPEG- und RAW-Format genutzt werden können, wie auch einfach als Reserve- oder Sicherungskopie. Oben drauf sitzt noch ein Zubehörschuh, auf den sich etwa Blitze aufstecken lassen.

Kein billiger Spaß, aber viel zuverlässige Technik fürs Geld

Ein billiger Spaß ist die Nikon D7200 nicht. Wenn man aber die Langlebigkeit und die Abwärtskompatibilität bedenkt, dann sind die 1179 Euro für das Gehäuse gut angelegt. Es gibt zwei Kit-Varianten im Angebot, einmal mit 18-140 VR-Optik für 1499 Euro und  dann mit 18-105 VR-Objektiv zu 1399 Euro. Beides sind keine sensationellen Objektive, aber passend zur Kamera und zum Geldbeutel eine gute Wahl.

Meinung des Autors
Vorweg: Ich fotografiere seit Mitte der 80er Jahre mit Nikon, damals mit einer F301, und bin dem japanischen Hersteller seitdem niemals untreu geworden. Gut am neuen Halbformat-Spitzenmodell gefällt mir, dass eben nicht alles neu ist. Vielleicht bin ich da auch zu altmodisch, aber dass Nikon an Bewährtem festhält und nicht jeden Schnickschnack einbaut, macht für mich durchaus Sinn.

Es gibt keinen hochauflösenden Touchscreen, der optische Prismensucher bleibt und die Kamera ist stabil – und schwer. Durch diesen Traditionalismus wird der Blick aufs Wesentliche gelenkt: das Innenleben und die Bilder. Und hier kann die D7200 absolut punkten: Der schnelle Autofokus, der gute rauscharme Sensor, der schnelle Bildprozessor und die kontrastreichen und knackscharfen Fotos, die ich mit dem Gerät schießen kann.

Es gibt eigentlich wenige Kritikpunkte, höchstens das etwas in die Jahre gekommene Bedienkonzept und das fehlende schwenkbare Display. Das wäre neumodischer Schnickschnack, den ich dann doch ganz gut finden würde.
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