Test

Sennheiser Urbanite XL Wireless: Micky-Maus-Ohren mit Wumms

Der Sennheiser Urbanite XL Wireless ist durchaus stylisch.
Der Sennheiser Urbanite XL Wireless ist durchaus stylisch. (©TURN ON 2015)

Die Audio-Marke Sennheiser steht für hochwertige Kopfhörer mit einem sehr ausgewogenen Sound. Designtechnisch hinkten die Deutschen der Konkurrenz jedoch etwas hinterher. Das soll sich mit dem Urbanite XL Wireless nun ändern – der Kopfhörer zielt sicherlich nicht von ungefähr auf die Beats-Zielgruppe. Wir haben den Bluetooth-Kopfhörer getestet.

Design und Handling: Auf den Spuren von Beats

Der auf der CES 2015 vorgestellte Sennheiser Urbanite XL Wireless ist die Bluetooth-Variante des kabelgebundenen Over-Ear-Kopfhörers Sennheiser Urbanite XL, der bereits im vergangenen Jahr auf den Markt kam. Das XL im Namen darf man durchaus wörtlich nehmen – der Kopfhörer wirkt wuchtig, was durch den schwarzen Anstrich nur noch unterstrichen wird. In Sachen Design hat sich beim Urbanite XL Wireless gegenüber dem Kabel-Bruder nichts getan – der Bügel kommt noch immer im schicken Jeans-Look aus Segeltuch-Stoff daher. Leider gibt es den Sennheiser Urbanite XL Wireless nur in Schwarz, die Farbvarianten Denim, Oliv, Rot/Blau und Sand bleiben dem kabelgebundenen Modell vorbehalten.

SennheiserUrbanizer (6 von 14) fullscreen
SennheiserUrbanizer (2 von 14) fullscreen
SennheiserUrbanizer (5 von 14) fullscreen

Beim Look der Urbanite-Reihe geht Sennheiser neue Wege und verabschiedet sich vom etwas gewöhnungsbedürftigen Design der Momentum-Serie. Der Kopfhörer hat nun ein deutlich hipperes und stylischeres Aussehen, das auch bei Jugendlichen gut ankommen dürfte. Zugleich wirkt der Urbanite XL Wireless etwas minimalistischer und nicht ganz so plastikartig wie der Beats Solo 2 Wireless. Auch ist er kein solcher Magnet für Fingerabdrücke. Allerdings ist der Kopfhörer mit 310 Gramm nicht unbedingt ein Leichtgewicht und erinnert mit seinen riesigen schwarzen Hörmuscheln schon ein wenig an Micky-Maus-Ohren.

Bei der Bedienung hat sich Sennheiser etwas Neues einfallen lassen: Anders als beispielsweise der Solo 2 Wireless wird der Urbanite XL Wireless nicht über einen Druckknopf bedient, sondern durch ein Touchfeld auf der rechten Hörmuschel. Mit einem Wisch nach oben oder unten wird die Lautstärke verändert, ein Tipp pausiert den aktuellen Song. Auch Telefongespräche können mit dem Touchpad angenommen werden. Das ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert nach ein paar Minuten aber recht reibungslos. Allerdings musst Du beim Aufsetzen oder Bewegen der Kopfhörer immer etwas darauf achten, nicht versehentlich das Touchpad zu berühren. An der rechten Ohrmuschel sitzen auch noch der Anschluss für den Klinkenstecker, der Micro-USB-Anschluss und die Power-Taste.

SennheiserUrbanizer (4 von 14) fullscreen
SennheiserUrbanizer (7 von 14) fullscreen
SennheiserUrbanizer (12 von 14) fullscreen

Die Bluetooth-Verbindung mit einem MP3-Player klappte im Test problemlos, die Reichweite beträgt ungefähr zehn Meter. Das Abspielgerät kann also einfach in einem anderen Zimmer liegen bleiben, während Du mit dem Urbanite XL Wireless auf der Couch Deine Lieblingssongs hörst. Dank Multi-Konnektivität können insgesamt bis zu acht Geräte verbunden und sogar zwei Geräte gleichzeitig betrieben werden. Eine Verbindung via NFC ist ebenfalls möglich. Die Akkulaufzeit des Kopfhörers beträgt laut Hersteller satte 25 Stunden. Wer also nur auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück Musik hört, sollte mehr als eine Woche ohne Besuch an der Steckdose durchkommen. Im Stand-by soll der Akku sogar 15 Tage durchhalten. Wem unterwegs dennoch der Saft ausgeht, der kann den Kopfhörer auch per Klinkenkabel an ein Abspielgerät anschließen. Eine LED-Akkuleiste wie beim Beats Solo 2 Wireless gibt es beim Urbanite XL Wireless leider nicht, lediglich eine kleine Rot-Blau-Leuchte informiert über den Ladezustand des Kopfhörers.

Lieferumfang: Verbesserungswürdiger Packungsinhalt

Die Lieferausstattung des Sennheiser Urbanite XL Wireless ist ordentlich, aber nicht überragend. Neben dem zusammengefalteten Over-Ear-Kopfhörer finden sich in der Verpackung auch noch eine Tragetasche, ein Micro-USB-Ladekabel und ein 3,5-Millimeter-Klinkenkabel mit Universalfernbedienung und integriertem Mikrofon. Die Tragetasche ist leider etwas dünn und ungepolstert und kann den zusammengeklappten Kopfhörer somit nicht wirklich vor Beschädigungen schützen. Wie viele andere Hersteller verzichtet auch Sennheiser auf ein mitgeliefertes USB-Netzteil. Wer den Kopfhörer also an der Steckdose aufladen will, muss beispielsweise das Netzteil seines Smartphones verwenden.

Klangqualität und Tragekomfort: Guter Sound in allen Musikgenres

Wer bei Sennheiser bislang stets auf ausgewogenen Sound vertraute, dürfte beim Urbanite XL Wireless etwas überrascht sein. Zwar hat der Kopfhörer noch lange keinen so basslastigen Ton wie beispielsweise die Produkte des Konkurrenten Beats – allerdings traut sich jetzt auch der deutsche Hersteller etwas mehr Flair zu. Für Freunde von Hip-Hop und Elektro bietet Sennheiser jetzt in den unteren Frequenzbereichen deutlich mehr Wumms fürs Geld, ohne jedoch die Höhen und die mittleren Frequenzbereiche zu vernachlässigen. Wie bei allen Kopfhörern gilt allerdings auch beim Urbanite XL Wireless: Genauso wichtig wie das Gerät ist das Ausgangsmaterial. Wurde die Musik beispielsweise nur in minderwertiger Qualität digitalisiert, fällt das bei einem guten Kopfhörer schneller auf als bei einem billigeren Produkt. Pluspunkt: Der Urbanite XL Wireless unterstützt den Bluetooth-Codec AptX, was eine verlustfreie Übertragung der Musik garantiert. Der Kopfhörer hat leider kein Noise-Cancelling, filtert Außengeräusche durch die großen Over-Ear-Polster aber auch passiv sehr gut heraus.

SennheiserUrbanizer (3 von 14) fullscreen
SennheiserUrbanizer (8 von 14) fullscreen
SennheiserUrbanizer (10 von 14) fullscreen

In Sachen Tragekomfort kann Beats dem Urbanite XL Wireless kaum etwas vormachen. Die Samtpolster der Sennheiser-Ohrmuscheln sind angenehm weich und plüschig und können sogar ausgetauscht werden. Auch das Innere des Bügels ist mit einem weichen Gummibezug gepolstert. Trotz seines Gewichts sitzt das Gerät überraschend leicht auf dem Kopf und verursacht nicht schon nach zehn Minuten einen steifen Nacken. Das Äußere des Kopfhörers besteht hauptsächlich aus Plastik, nur an den Knickstellen für die zusammenfaltbaren Ohrmuscheln sitzen Metallscharniere. Dennoch wirkt der Urbanite XL Wireless robust und hochwertig verarbeitet. Kleiner Kritikpunkt: Der Kopfhörer könnte ruhig noch etwas knackiger sitzen, bei stärkeren Bewegungen verrutscht er doch deutlich. Wenn Du den Kopfhörer jedoch vorsichtig (!) etwas nach innen verdrehst, kann der Anpressdruck erhöht werden. Zum Joggen dürfte der Urbanite XL Wireless aber eher weniger geeignet sein.

Preis-Leistung: Kaum günstiger als Konkurrent Beats

Mit einem Preis von 279 Euro ist der Sennheiser Urbanite XL Wireless nur unwesentlich günstiger als der große Konkurrent Beats Solo 2 Wireless. Für den Preis erhält man jedoch einen sehr guten Bluetooth-Kopfhörer, der kaum Wünsche offen lässt und auch in Sachen Sound voll überzeugen kann. Für 50 Euro weniger gibt es die Kabelversion des Urbanite XL. Ganze 100 Euro weniger kostet der etwas kleinere On-Ear-Kopfhörer Sennheiser Urbanite. Zum Vergleich: Der große Konkurrent Beats verlangt mit 299 Euro für den Solo 2 Wireless und 199 Euro für den Solo 2 fast das gleiche Geld.

SennheiserUrbanizer (11 von 14) fullscreen
SennheiserUrbanizer (13 von 14) fullscreen
SennheiserUrbanizer (14 von 14) fullscreen

Fazit: Gute Alternative zum Solo 2 Wireless

Mit dem Urbanite XL Wireless ist Sennheiser ein wirklich sehr guter Bluetooth-Kopfhörer gelungen. Das Gerät liefert satte Bässe, ohne die Mitten und Höhen zu vernachlässigen. Der Kopfhörer arbeitete in unserem Test anstandslos mit MP3-Player und Smartphone zusammen und die Musik verliert auch im Wireless-Modus nicht an Qualität. Mit einem Preis von 279 Euro spielt der Urbanite XL Wireless in der Klasse des Beats Solo 2 Wireless. Der Kopfhörer eignet sich daher gut als Alternative für Musikenthusiasten, die keine Lust auf das Hipster-Image von Beats haben und dennoch nicht auf satten Bass verzichten wollen.

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben