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Shake to edit: Die TomTom Bandit im Urlaubs-Härtetest

Rund statt eckig: die GoPro-Rivalin TomTom Bandit.
Rund statt eckig: die GoPro-Rivalin TomTom Bandit. (©TURN ON 2015)

Zur Videobearbeitung einfach kurz das Smartphone oder Tablet schütteln – mit diesem coolen Feature wird die TomTom Bandit beworben. Worauf der Navi-Hersteller bei seiner neuen Action-Cam sonst noch setzt, und ob das Gesamtpaket gegen GoPro, Sony und Co. bestehen kann, wollten wir in einem Test herausfinden – und haben die kompakte Kamera kurzerhand mit in den Sommerurlaub genommen.

TomTom: Auf die Ziege gekommen

Wer auf dem Markt für Action-Cams nicht untergehen will, muss sich etwas Neues überlegen. Insbesondere an Marktführer GoPro beißt sich die Konkurrenz seit Jahren die Zähne aus. Neue Modelle von Sony – etwa die erst kürzlich von uns getestete FDR-X1000V –Panasonic, Garmin und Co. müssen sich immer wieder an der GoPro Hero 4 messen lassen. Vor allem hinsichtlich der Bildqualität ist es nach wie vor anscheinend schwer, dem US-amerikanischen Hersteller das Wasser zu reichen.

TomTom geht daher von vornherein einen anderen Weg. Statt mit noch höherer Auflösung oder noch kleinerem Format um Käufer zu buhlen, steht bei der Action-Cam des Navi-Herstellers ein anderes Merkmal im Marketing-Fokus: das schnelle und einfache Bearbeiten der Videos. Nach einem Schütteln des verbundenen Smartphones oder Tablets erstellt die TomTom Bandit-App automatisch ein Highlight-Video aus dem gefilmten Material. Das wiederum kann dann mit wenigen Klicks bei Facebook und Co. geteilt werden. Wie einfach das gelingt, soll Ziege Baaadass Bill im Werbevideo verdeutlichen.

Ich packe meinen Koffer...

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Auch Tablet, Kamera, Bluetooth-Lautsprecher und zwei Fitness-Tracker kamen mit. (©TURN ON 2015)

... und nehme die TomTom Bandit mit auf einen Road Trip. Unterwegs durch Berge, entlang türkisblauer Flüsse und in schmucken Buchten an der Adria soll die Action-Cam zeigen, was sie draufhat. Leider kam das passende Zubehör – Unterwasserlinsen-Abdeckung, Lenkerhalterung und Herzfrequenzmesser – nicht mehr rechtzeitig vor der Abreise an. Zum Glück ist die Bandit aber mit GoPro-Zubehör kompatibel. Der dafür nötige Adapter ist bereits im Lieferumfang enthalten. So konnte ich für den Urlaubstest immerhin ein Stativ und eine Autohalterung für Zeitrafferaufnahmen improvisieren. Der geplante Unterwassertest im kristallklaren Wasser der montenegrinischen Adria musste dann jedoch leider ausfallen.

Das bekommst Du für 429 bzw. 499 Euro

Neben dem 429 Euro teuren Base Pack, das zusätzlich zum GoPro-Adapter noch eine ebene und eine gewölbte Halterung, den 1900 mAh fassenden Batt-Stick sowie eine spritzwassergeschützte Linsenabdeckung beinhaltet, ist die TomTom Bandit für 70 Euro mehr auch im Premium Pack erhältlich. Dieses umfasst fünf weitere Zubehörteile: eine Fernbedienung, eine Lenkerbefestigung, eine Unterwasserlinsen-Abdeckung, eine 360-Grad-Halterung sowie ein Ladekabel.

Die Crux mit dem Batt-Stick

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Das Ladekabel hätte ich mir für den Test der Action-Cam ebenfalls gewünscht. Denn da TomTom mit seinem Batterie-Stick einen anderen Weg geht als die meisten Kamerahersteller, lässt sich die Bandit im Betrieb nicht mit einem üblichen USB-/Mikro-USB-Kabel laden. Das wiederum wirkt sich beschränkend auf die Dauer der Film- und Zeitrafferaufnahmen aus. Gerne hätte ich für den Test auch einen gesamten Tag Autofahrt – vom flachen Serbien über das bergige Bosnien-Herzegowina bis nach Montenegro mit seinen zerklüfteten Canyon-Landschaften und einer mehr als abenteuerlichen Europastraße – im Zeitraffer gefilmt. Stattdessen waren maximal Aufnahmen von gut drei Stunden möglich. Denn ohne das Ladekabel mit herstellereigenem Anschluss muss der gesamte Batterie-Stick zum Laden aus der Kamera herausgenommen werden. Gleichzeitiges Filmen: nicht möglich. Schade.

Alles auf Anfang: Inbetriebnahme über die App

Damit im Urlaub auch nichts schiefgeht, habe ich die TomTom Bandit aber natürlich schon vorher in Betrieb genommen und mich mit den Funktionen vertraut gemacht. So weit, so bekannt: Action-Cam-typisch gibt es nur wenige Knöpfe an der Kamera selbst, immerhin aber einige mehr als bei der GoPro. Daher lässt sich die Bandit auch ohne Smartphone einigermaßen bequem bedienen, die passende TomTom-App macht es aber natürlich komfortabler. Zudem liefert sie ein Vorschaubild fürs Filmen sowie das Marketing-Argument Nummer eins: die "Shake to edit"-Funktion.

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Um sich mit dem Smartphone zu verbinden, baut die Kamera ein WiFi-Netz auf. Einmal gekoppelt, finden sich Handy und Cam im Test immer schnell wieder. Die Bedienung ist einfach: passenden Modus auswählen, Video- oder Fotoeinstellungen festlegen, filmen oder losknipsen. Das Material landet in der Bibliothek und kann direkt angesehen werden.

Geschüttelt, nicht gerührt: Videobearbeitung mal anders

Zugegeben: Die Funktion, mit der die TomTom Bandit massiv beworben wird, habe ich ganz zuletzt getestet. Wer wie ich im Urlaub weiß, was er filmen möchte, benötigt das Feature quasi nicht. Sinnvoller ist die "Shake to edit"-Funktion hingegen, wenn wahllos viel gefilmt, den Freunden aber nur ein kurzes Highlight-Video präsentiert werden soll – und das am besten noch vom Urlaubsort aus.

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Das könnte dann nicht einfacher sein: filmen, die Kamera mit der App verbinden, "Eigene Story erstellen" im Menü auswählen und das verbundene Smartphone oder Tablet schütteln. Die App erstellt daraufhin ein einminütiges Video, das sie nach eigenem Ermessen aus sechssekündigen Highlight-Clips zusammensetzt. Wonach die Highlights ausgewählt werden? Nach Messwerten der Kamera, zum Beispiel der Beschleunigung oder der Herzfrequenz des Filmenden. Wem das fertige Video nicht gefällt, der schüttelt einfach noch einmal oder legt selbst Hand an. Die einzelnen Clips lassen sich auch in der Bibliothek heraussuchen und manuell zu einem Video zusammensetzen. Das Ergebnis lässt sich anschließend schnell und einfach via Smartphone teilen oder verschicken.

Zeitraffermodus: Autofahrten in Ultra-High-Speed

Da ich im Sommerurlaub aber wenig actionreichen Sport gemacht habe und die Unterwasserlinsen-Abdeckung leider nicht rechtzeitig ankam, blieb die normale Filmfunktion erst einmal lange Zeit ungenutzt. Stattdessen bot sich der Road Trip für einige Zeitrafferaufnahmen an. Wer sich für diese Filmvariante entscheidet, muss das im Vorhinein tun. Im Gegensatz zur GoPro, die im entsprechenden Modus viele einzelne Fotos speichert, die erst hinterher am Rechner zu einem Film gerendert werden, entstehen bei der Bandit fertige Clips. Das macht das Erstellen von Zeitraffervideos zwar deutlich einfacher, verkleinert aber auch den Bearbeitungsspielraum. So lässt sich etwa das Zeitintervall nachträglich nicht mehr verändern.

Schade auch: Das kürzeste Intervall, in dem die Action-Cam Fotos für den Zeitraffer-Clip schießt, beträgt eine Sekunde. Und da zeigte sich im Test, dass das für Autofahrten – selbst für extrem langsame, die über enge Serpentinenstraßen durch die Berge führen – schon etwas zu lang ist. Das bei durchschnittlich vielleicht 20 km/h entstandene Video zeigt die Autofahrt extrem rasant, einzelne Highlights – wie eine Kuh, die uns bergab auf der Straße entgegengerannt kam – lassen sich im fertigen Film nicht mehr ausmachen.

Für den in der Bucht von Kotor gefilmten Sonnenuntergang wiederum war das Intervall von einer Sekunde hingegen etwas kurz. Um das Video, das aufgrund dieser Vorauswahl sieben Minuten lang wurde, Freunden und Verwandten beim Urlaubsbildergucken zu zeigen, würde ich es daher per externem Videoplayer schneller abspielen oder mit einer Video Editing Software noch einmal bearbeiten.

Bildqualität überzeugt im Großen und Ganzen

Was man auf dem Zeitraffervideo des Sonnenuntergangs aber sehr schön sieht, sind die Grenzwerte für die Helligkeit. Dass Action-Cams bei schwachen Lichtverhältnissen tendenziell eher schwache Aufnahmen liefern, ist bekannt – und ihrer kompakten Bauweise geschuldet. Das Video zeigt, wann dies der Fall ist. Irgendwann fängt die Optik der Bandit nicht mehr genügend Licht ein und die Farben fangen an, stark zu variieren – vom Warm-Gelbstichigen ins Kalt-Bläuliche und wieder zurück.

Bei Tageslicht liefert die Action-Cam aber durchaus vernünftige Aufnahmen. Der gängigste Videomodus (1080p/30fps) macht ordentliche Bilder, der 4K-Filmmodus ist aufgrund der maximalen Framerate von 15 Bildern pro Sekunde quasi unbrauchbar. Obwohl TomTom im Gegensatz zu Sony nicht mit einem Bildstabilisator wirbt, ist das kurze Video von der Autofahrt nicht sonderlich ruckelig geworden.

Ein nettes Feature der TomTom Bandit: Sie selbst besitzt ein GPS-Modul und ist zudem mit weiteren Sensoren koppelbar. Und zwar nicht nur von TomTom. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich die Action-Cam etwa mit meinem Herzfrequenzmesser von Medisana koppeln und die Daten hinterher im Video einblenden lassen können. Insbesondere die Auffahrt zur Ferienwohnung hätte sicher exorbitante Werte offenbart!

Fotografieren: Ja, wie halte ich sie denn jetzt?

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Natürlich kann die TomTom Bandit nicht nur filmen, sondern auch Fotos machen – Einzelbilder mit 16 Megapixeln sind möglich. Aufgrund des Weitwinkelobjektivs weisen die Fotos allesamt den für Action-Cams typischen Fisheye-Effekt auf. Das kann man zwar kreativ nutzen. Das Gros der Urlaubsfotos habe ich dennoch mit meiner aufs Fotografieren spezialisierten Systemkamera angefertigt. Dabei entstehen nicht nur die qualitativ hochwertigeren Bilder. Das Fotografieren mit der Bandit erwies sich auch als etwas unkomfortabel. Der Auslöseknopf an der Rückseite ist bei der Einhandbedienung nicht wirklich bequem zu erreichen. Und aufgrund ihrer rundlichen Form sieht man beim Fotografieren nur schlecht, ob man die Kamera nicht gerade vollkommen schief hält. Das zeigen auch die Beispielbilder aus dem Nationalpark Lovćen.

Fazit: Profis greifen wohl weiterhin zur GoPro

Die TomTom Bandit aufgrund ihres Schüttel-Features als nette Spielerei abzutun, ist wirklich nicht angemessen. Die Bildqualität der Action-Cam setzt keine neuen Maßstäbe, ist aber solide. Dennoch werden Profis wohl auch weiterhin zu den Topmodellen des Marktführers GoPro greifen. Wer das Maximum aus seinem Videomaterial herausholen will, filmt am besten so hochauflösend wie möglich. Zudem bieten die Konkurrenzmodelle mehr Einstellungsmöglichkeiten und Bearbeitungsspielraum.

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Die TomTom Bandit könnte trotzdem ihre eigene Nische finden. Wer nämlich keine Lust hat, viel Bildmaterial zu sichten und im Nachhinein aufwändig zu bearbeiten – dazu hat schließlich auch nicht jeder die Möglichkeit – für den ist die Action-Cam von TomTom eine passende Alternative zur GoPro. Kurze Highlight-Videos sind schnell und einfach erstellt – perfekt fürs schnelle Teilen von Urlaubserlebnissen via Social Media. Allerdings ist der Preis von 429 Euro für den einen oder anderen Amateurfilmer vermutlich ein Hindernis. Für Schnappschüsse und kurze Clips zum Posten kann man schließlich auch aufs Smartphone zurückgreifen.

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