Test

Sky Ticket Stick im Test: Mit eigener Hardware gegen Netflix und Co.

Mit dem Sky Ticket Stick nimmt der Pay-TV-Anbieter Amazon ins Visier.
Mit dem Sky Ticket Stick nimmt der Pay-TV-Anbieter Amazon ins Visier. (©TURN ON 2018)

Mit dem Sky Ticket Stick bietet der Pay-TV-Anbieter erstmals einen Streaming-Stick für sein Programmportfolio an. Kann Sky damit in die Offensive gegen Netflix, Amazon und Co. gehen?

Seit dem Aufkommen von Streaming-Anbietern wie Netflix oder Amazon Video hat der Pay-TV-Anbieter Sky erstmals ernsthafte Konkurrenz, wenn es um beliebte Hollywood-Filme oder neue Trend-Serien geht. Doch während Sky dank der Kooperationen mit HBO ("Game of Thrones", "Westworld", "True Detective") und Partnersendern wie Fox ("The Walking Dead") inhaltlich mit der neuen Konkurrenz mithält, war insbesondere die technische Seite der Sky-Dienste in der Vergangenheit ein Problem.

Um es kurz zu machen: Um die Filme und Serien, die bei Sky laufen, soll es hier in diesem Test nicht gehen. Dafür sind vor allem die Kolleginnen und Kollegen aus dem Ressort Primetime zuständig. Dieser Artikel dreht sich einzig und allein um den Sky Ticket Stick, der die Streaming-Angebote des Pay-TV-Anbieters künftig in jedes Wohnzimmer bringen soll.

Sky setzt auf Hardware von Roku

Die Hardware des Sky Ticket Stick hat der Pay-TV-Anbieter nicht selbst entwickelt, sondern setzt dafür auf die Zusammenarbeit mit dem renommierten Hersteller Roku, der vor allem in den USA eine richtig große Nummer ist und dort mehr Geräte absetzt als Google, Apple oder Amazon.

Grundsolide Technik auf Augenhöhe mit Amazon

Technisch ist das Gerät identisch mit dem Roku Streaming Stick (2017), den die Kollegen von Cnet in einem Test als "besten Streamer ohne 4K und HDR" bezeichnet haben. Das bedeutet natürlich, dass hier maximal in Full HD gestreamt wird, ähnlich wie beim Fire TV Stick von Amazon (von dem es mittlerweile aber auch eine 4K-Version gibt).

Der Stick ähnelt dem Fire TV Stick von Amazon sehr stark. (© 2018 TURN ON)

Überhaupt ist der Fire TV Stick das perfekte Vergleichsgerät für den Sky Ticket Stick. Optisch sind beide Geräte fast identisch, beide Sticks werden in einen HDMI-Port des Fernsehers gesteckt, per Stromkabel an die Steckdose angeschlossen und beziehen ihr Signal über WLAN. Die Einrichtung wird dem Nutzer durch ein Tutorial leicht gemacht und sollte niemanden vor größere Probleme stellen. Ganz so komfortabel wie bei Apple TV oder Android TV, wo WLAN-Zugang und Nutzerkonto einfach vom Smartphone übertragen werden, läuft es allerdings nicht.

Die Fernbedienung kommt hingegen nicht so spartanisch daher wie die von Amazon, und bietet etwa Kurzwahltasten für den Kids-Bereich von Sky, für den TV-Guide, für die App-Bibliothek sowie separate Buttons zum Pausieren und Vor- und Zurückspulen. Man möchte meinen, dass die Steuerung dadurch flotter und unkomplizierter von der Hand geht, aber dem macht vor allem die Software hin und wieder einen Strich durch die Rechnung.

Immerhin ist der Zurückspuhl-Button ganz praktisch. Mit ihm kann man innerhalb einer Sendung per Knopfdruck um 10 Sekunden zurückspringen. Wer also mal kurz unaufmerksam war und nicht mitbekommen hat, was eben los war, muss nur auf die Taste drücken.

Auf der Fernbedienung gibt es jede Menge Buttons. (© 2018 TURN ON)

Die Software und ihre Tücken

Als "Betriebssystem" kommt auf dem Sky Ticket Stick eine eigenwillige Kreuzung aus der Roku-Nutzeroberfläche und der Sky-Ticket-App zum Einsatz. Beides wurde so gut es wahrscheinlich geht zusammengefasst, arbeitet aber nicht immer so reibungslos miteinander, wie man sich das wünschen würde.

Befindet man sich beispielsweise innerhalb der Sky-Ticket-App und drückt dann die "Kids"-Taste, wird die App zunächst beendet um direkt im Anschluss daran neu zu starten und das "Kids"-Menü mit Inhalten für Kinder anzuzeigen. Etwas ähnliches passiert bei den Tasten für "TV-Guide" und "Meine Inhalte". Hier wird deutlich, dass die Sky-Ticket-App eben kein Bestandteil der eigentlichen Roku-Betriebssoftware ist und nachträglich implementiert wurde.

Einmal daran gewöhnt, sind diese Probleme jedoch zu verschmerzen und zum Glück nichts, was das Nutzererlebnis nachhaltig stört. Es ist nur schade, dass die Software in diesem Fall die Hardware ausbremst.

Sky-Ticket-Inhalte und sonstige Apps

Wie eingangs schon erwähnt, möchte ich in diesem Test nicht groß auf die Inhalte eingehen, die Sky bietet. Nur soviel: Sky Ticket bietet drei separat buchbare Pakete, von denen eines Filme, ein zweites Serien und das dritte Sport beinhaltet. Die ersten beiden sind Video-on-Demand-Angebote ähnlich wie Netflix und kosten 9,99 Euro monatlich, das dritte beinhaltet Live-Übertragungen von Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League und ist für satte 29,99 Euro im Monat erhältlich. Alle drei sind monatlich kündbar.

Neben Sky Ticket und YouTube fehlen leider echte Killer-Apps. (© 2018 TURN ON)

Ähnlich wie beim Fire TV Stick von Amazon lassen sich mit dem Ticket Stick auch einige Drittanbieter-Apps nutzen. Das Angebot ist hier allerdings deutlich eingeschränkter als bei der Konkurrenz und wer gehofft hatte, endlich eine günstige Streaming-Lösung zu finden, die Sky, Netflix, Maxdome und Amazon Video vereint, dürfte enttäuscht werden. Keines der großen Konkurrenzangebote ist momentan per App verfügbar. Immerhin YouTube steht aber zur Verfügung, ebenso wie die Mediatheken von ARD, ZDF und Arte. Anime-Fans kommen mit Crunchyroll auf ihre Kosten, ein paar Musik-Apps wie TuneIn gibt es ebenfalls. Insgesamt werden aktuell 20 Apps angeboten.

Während Chromecast und Fire TV Stick auch dann eine gute Wahl sind, wenn man nicht die Angebote von Google oder Amazon selbst nutzen möchte, lohnt sich der Sky Ticket Stick durch sein eingeschränktes App-Angebot damit nur explizit für Leute mit Interesse an Sky. Die könnten das Angebot allerdings auch über einen Chromecast nutzen und hätten mit dem Gerät darüber hinaus die größere Flexibilität.

Fazit: Trotz seiner Schwächen ein gutes Angebot

Wer den Test komplett gelesen hat, weiß jetzt schon, dass der Sky Ticket Stick einige Schwächen mit sich bringt, die man in der Form bei anderen Streaming-Geräten nicht hat. Besonders schwer wiegt das Fehlen vieler Drittanbieter-Apps. Wer also parallel zu Sky beispielsweise auch Netflix oder Maxdome nutzen möchte, ist hier momentan fehl am Platz.

Trotz seiner Schwächen ist der Sky Ticket Stick derzeit ein gutes Angebot. (© 2018 TURN ON)

Für diejenigen, die jedoch explizit Interesse an Sky-Angeboten haben – seien es nun Filme, Serien oder Fußball – ist der Stick hingegen ein ausgesprochen attraktives Angebot. Wer die knapp 30 Euro für das Streaming-Gerät investiert, bekommt nämlich aktuell (Stand: September 2018) sämtliche Sky-Inhalte einen Monat kostenlos dazu. Damit hat man die Ausgaben für den Stick quasi schon wieder reingeholt.

Gerade für Nutzer, die sich für Sky keine zusätzliche Set-Top-Box anschaffen möchten, die nicht auf die eingeschränkte Kanalauswahl ihres Kabelnetzbetreibers zugreifen möchten und auch keine Satellitenempfangsanlage installieren können oder wollen, kann der Stick damit zu einer echten Alternative werden. Was mir am Sky-Angebot indes noch fehlt, wären zusätzliche Livestreams der wichtigsten Film- und Serien-Sender.

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