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Sonos Play:3 im Test: Lautsprecher mit jeder Menge Netz

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Fotos_Sonos (6 von 16) (©TURN ON 2016)

Satter Sound in jedem Raum der Wohnung, zentral gesteuert per App. Das bietet Sonos mit seinem Soundsystem. Wir haben den Play:3 einem gründlichen Test unterzogen und uns auch die Netzwerkmöglichkeiten angeschaut.

Sonos gilt mit seinen Lautsprechern und Multiroom-Systemen seit einiger Zeit nicht nur als besonders cool, sondern kann auch regelmäßig im Test überzeugen. Der Play:3 ist derzeit der zweitkleinste Netzwerk-Lautsprecher der Firma und ist schon recht üppig ausgestattet. Das Gerät hat drei Lautsprecher-Treiber, zwei Mitteltöner, ein Hochtöner und ein Bassstrahler sorgen für den Klang. Jeder Treiber des Play:3 hat einen eigenen digitalen Verstärker, die untereinander und auf den Raum abgestimmt sind.

Per WLAN ist es unter anderem möglich, zwei Play:3 in einem Raum miteinander zu verbinden und die eine Box für den linken und die andere für den rechten Kanal in einem Stereo-System zu nutzen. Wer den 5.1-Einsatz im Heimkino-Verbund will, kann dazu die Play:3-Boxen zusammen mit einer Playbar von Sonos zum Klingen bringen. In Sachen Verarbeitung wirkt die Box sehr wertig. Das Gerät ist schwer und macht einen massiven und stabilen Eindruck. Die Verarbeitung sieht von außen wirklich gut aus und bei unserem Modell gab es im Test auch keine penetranten und störenden Chemie-Gerüche. Letzteres hatten manche Käufer beklagt.

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Auf allen an der Box angeschlossenen Geräten wird automatisch der aktuelle Song angezeigt. (©TURN ON 2016)

Die Einrichtung der Box im Netzwerk ist übrigens kinderleicht und klappt ohne große Hürden. Das Gerät wird von der App, die es für iOS und Android gibt, prima erkannt – der ganze Vorgang dauert vielleicht fünf Minuten. Etwas umständlicher und auch derzeit allein für iOS verfügbar ist Trueplay. Mit dieser Raumkalibrierung soll der Lautsprecher an die Raumakustik angepasst werden. Ähnliche Systeme sind vor allem bei Mehrkanal-Anlagen schon lange im Einsatz, da es hier auf die Verzögerungen durch die Entfernungen der Lautsprecher durchaus ankommt. Ein kalibriertes Mehrkanal-Soundsystem hört sich in der Regel wesentlich transparenter und ausgewogener an. Bei der Sonos-Box dagegen fiel es etwas schwer, den Kalibrierungseffekt klar herauszuhören.

Viele Streaming-Dienste eingebaut

Ist die Box einmal mit dem Netzwerk per App verbunden, lassen sich diverse fest eingespeicherte Musik-Streamingdienste einrichten. Darunter sind die Branchenriesen wie Apple Music, Google Play Music, Amazon, Spotify aber auch Newcomer wie Juke und TuneIn Radio. Insgesamt gibt es bislang knapp 40 Dienste, wobei nicht alle überall verfügbar sind. Sonos verhandelt stets mit weiteren Anbietern, um möglichst alle Angebote im Programm zu haben. Zusätzlich zu den voreingestellten Diensten ist es auch möglich, die Musik von den mit dem Sonos Play:3 verbundenen Geräten abzuspielen. Dabei ist es tatsächlich so, dass man von jedem verbundenen Gerät die Musik abspielen kann und auf jedem verbundenen Gerät auch sieht, was gespielt wird.

Etwas komplizierter ist es, Netzwerkfreigaben über die App mit dem Sonos-Lautsprecher zu verbinden. Das Gerät liest die Inhalte der Netzwerkfreigabe, etwa einer NAS-Festplatte, ein und sortiert die Songs dann nach den enthaltenen Tag-Informationen in eine Datenbank ein. Im Gegensatz zu der sonst so selbsterklärenden Einrichtung muss man hier aber ziemlich viel Handarbeit reinstecken, um die Musik zum Laufen zu bringen. Und bei Playlists etwa scheint die Sonos-Box Netzwerknamen im Klartext zu erwarten. Mit Playlists, die stattdessen die IP-Adressen der Netzlaufwerke verwenden, gibt es Abspielprobleme. Schön ist, dass die Box etwa Lossless-Formate wie Flac kann.

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Was gar nicht geht, ist das direkte Abspielen etwa des Tons von auf dem Mobil-Gerät laufenden Youtube-Videos, wie man das von Bluetooth-Lautsprechern her kennt. Auch andere Apps, etwa Video-Player oder die normalen Musik-Apps werden nicht akzeptiert – man muss zum Abspielen von Musik definitiv die Sonos-App verwenden und die darin enthaltenen Widgets für die jeweiligen Musikdienste.

Anschlüsse der Sonos Play:3 sind spartanisch

Auch was die Anschlüsse betrifft, ist der Sonos Play:3 eher etwas eigenwillig spartanisch gestrickt: Es gibt einen Netzwerkanschluss und WLAN – und ansonsten nur die Buchse für den Netzstecker. Einen Aux-Anschluss mit Klinkenstecker, eine Bluetooth-Verbindung oder vielleicht eine Toslink-Buchse für ein Glasfaserkabel sucht man vergeblich. Alles muss per Netzwerk abgewickelt werden. Das hat Vorteile, schränkt aber die Möglichkeiten auch ein. Eine stinknormale Direktverbindung des Lautsprechers ohne Router und WLAN etwa ist nicht vorgesehen. Wer sich ein Sonos-System zulegen will, sollte das wissen. Was allenfalls geht, ist die direkte Kontaktaufnahme eines Gerätes mit der Box über Sonos selber – aber wirklich unkompliziert ist auch das nicht.

Dafür aber ist die Anbindung und Steuerung mehrerer Sonos-Boxen per App absolut einfach. Man kann in allen Räumen die gleiche Musik hören – ohne Zeitversatz absolut synchron – oder eben auch verschiedene Songs. Das komplette Sonos-System lässt sich mit allen eingebundenen Boxen vom mobilen Gerät aus bedienen.

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Die Box klingt gut – aber etwas steril

Und der Sound? Klang ist ja immer auch Geschmackssache, und natürlich klingt die Sonos Play:3 gut, sehr gut sogar. Der Klang ist füllig, klar und alles andere als blechern oder flach. Höhen und Mitten werden präzise abgebildet und die Bässe hören sich kein bisschen schwammig an. Aber wie auch andere Produkte – und das ist jetzt eben die Frage des Geschmacks – produziert die Box auch und gerade nach der Kalibrierung einen sehr uniformen Sound, der ebenso ausgewogen wie auch stereotyp wirkt. Man spürt deutlich, dass der Sound elektronisch stark verarbeitet worden ist. Wer noch "normale" Lautsprecher-Boxen kennt, wo außer den Treibern, einem Bassreflex-System und den Tiefpass- und Hochpassfiltern keine Elektronik eingebaut ist, mag diesem nicht digitalisierten Sound auch etwas abgewinnen können. Eben wie bei TV-Geräten, die mit einer Zwischenbildberechnung das Bild weicher und ruckelfreier, aber eben auch steriler machen.

Unterm Strich hinterlässt der Sonos ein sehr ausgewogenes Bild. Ein zwar etwas glatter, aber ziemlich perfekter Klang und eine wertige Verarbeitung machen die Box zu einem mit 349 Euro zwar nicht billigem aber hochwertigem Vergnügen. Man sollte sich aber über den Einsatzzweck im Klaren sein: Der Sonos Play:3 ist ein Netzwerkgerät für zu Hause, das vor allem gut und gerne mit kostenpflichtigen Streaming-Diensten und Internet-Radio zusammenarbeitet. Die direkte Wiedergabe ist nur für auf einem Gerät gespeicherte Musik vorgesehen, nicht aber etwa für beliebige Ton-Streams oder etwa YouTube-Sound.

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