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Teurer und edler Formwandler: Microsoft Surface Book im Test

Microsoft Surface Book
Microsoft Surface Book (©TURN ON 2016)

Microsoft wagt sich mit seinem Edel-Laptop Surface Book in ein umkämpftes und neues Terrain, das bislang von Apple beherrscht wird. Ob das neue Gerät des Windows-Konzerns überzeugen kann und welche besonderen Qualitäten das teure Stück hat, soll unser Test zeigen.

Als Microsoft bei der Vorstellung der neuen Lumia-Smartphones Anfang Oktober 2015 am Ende der Präsentation das Surface Book wie ein letztes Ass aus dem Ärmel zog, war die Überraschung groß: Kaum einer der versammelten Experten hatte damit gerechnet, dass die Firma aus Redmond das Risiko eingehen würde, selbst ein Premium-Notebook auf den Markt zu bringen. Denn das muss sich natürlich auf der einen Seite mit dem MacBook messen lassen, auf der anderen Seite aber auch Konkurrenz etwa durch das Google Pixel C oder jetzt auch vom Mate Book ertragen, das Huawei kürzlich in Barcelona auf dem MWC 2016 präsentiert hat. Der Wettbewerb ist zurzeit also nicht von schlechten Eltern – aber erste Tests fielen durchweg positiv aus.

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Das Display lässt sich leicht abtrennen. (©TURN ON 2016)

Surface Book ist kein klassisches Notebook

Dabei ist das Surface Book kein echtes "Notebook" im klassischen Sinne: Denn der Bildschirm lässt sich raffiniert von der Tastatur trennen und führt dann als reinrassiges und zudem großes Tablet ein veritables Eigenleben. Für derartige verwandelbare Geräte gibt es einen schönen Fachbegriff: Convertible. Während aber die Tastatur normalerweise ohne das Display ein nutzloses Stück Plastik ist, hat Microsoft dem Keyboard in einigen Versionen des Surface Book eine wichtige Funktion verpasst. Denn dort sitzt ein Nvidia-Grafikchip, der den eher schwachen Bildprozessor in der Untertassensektion Tablet bei Bedarf unterstützen soll. Aber der Reihe nach.

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Pfiffiges Gelenk: Steht sicher auch bei ausgeklapptem Display. (©TURN ON 2016)

Es gibt vier verschiedene Versionen des Geräts: die kleinste hat 128 GB Festspeicher, einen Intel Core i5-Prozessor, 8 GB Arbeitsspeicher und keinen Extra-Grafikchip. Dann gibt es zwei Versionen mit 256 MB SSD-Festplatte und Core i5 oder Core i7, die ebenfalls 8 GB RAM haben und zusätzlich den Grafikprozessor von Nvidia mit 1 GB Grafik-RAM. Die größte Version verfügt über satte 512 GB SSD-Speicher und 16 GB Ram und wird ebenfalls vom Core i7 befeuert. Diese Ausstattung bringt reichlich Rechenpower und auch größere Anwendungen laufen wirklich mit richtig Dampf und Tempo sehr flott ab. Videoschnitt, Bildbearbeitung – sollte alles kein Problem für das Gerät sein, was die Rechenleistung betrifft. Das Arbeiten ist äußerst angenehm, weil alles so schnell geht – und das Gerät startet natürlich auch extrem schnell und ist nach nur ein paar Sekunden einsatzbereit. Prima!

Gehäuse ist aus Magnesium gefräst

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Das Microsoft Surface Book hat einen druckempfindlichen Eingabestift. (©TURN ON 2016)

Das Surface Book ist aus Magnesium gefräst und hat kaum Spalten und die Kanten sind angenehm gerundet. Die beleuchtete Tastatur hat einen angenehmen Anschlag und fühlt sich sehr hochwertig an. Der Bildschirm wird elektrisch mit dem Keyboard verkoppelt und verriegelt und ist ebenfalls größtenteils aus Magnesium. Wenn das Gerät mit dem Keyboard verbunden ist, schaltet sich automatisch die Bildschirm-Tastatur aus – und umgekehrt. Großer Vorteil: Man muss hier nichts einstellen, alles geht wirklich von selbst. Bildschirm und Tastatur sind mit einem raupenartigen Gelenk verbunden. Das sieht nicht nur stylisch aus, sondern hat auch die Funktion, das Surface Book am Kippen zu hindern, da beim Zurückklappen des Bildschirms gleichzeitig die Auflagefläche am kritischen Punkt vergrößert wird. Die Abmessungen des Gerätes sind etwas größer als das A4-Format: 232,1 x 312,3 x 13 - 22,8 Millimeter als zusammengeklappter Laptop und das Tablet alleine hat 220,2 x 312,3 x 7,7 Millimeter. In Sachen Gewicht bringt das Surface Book je nach Version bis zu 1578 Gramm auf die Waage. Ein wirkliches Leichtgewicht trägt man da also nicht mit sich herum.

Dafür hat das Gerät es aber auch definitiv in sich: Das sehr scharfe 13,5-Zoll-Display hat eine Auflösung von 3000 x 2000 und ist somit nicht im derzeit beliebten 16:9- und auch nicht im 4:3-Format gehalten. Microsoft geht hier mit seinem Touch-Bildschirm einen eigenen Weg. Daten bekommt das Display von einer SSD-Festplatte, die je nach Version bis zu 512 GB groß ist. Ebenfalls je nach Version ist der Arbeitsspeicher zwischen 8 und 16 GB groß und versorgt einen Intel Core i5 oder i7 der 6. Generation mit den nötigen Daten. Wie verpflichtend für ein gutes Tablet verfügt das Surface Book über zwei Kameras, die 5 und 8 Megapixel haben und Videos in HD mit 1080p aufzeichnen können. Dazu gibt es auch die entsprechenden Stereo-Mikrofone und diverse Sensoren wie etwa GPS und Gyroskop. Das Gerät hat natürlich schnelles WLAN, zwei USB-Ports und einen SD-Kartenleser. Dazu kommen ein Kopfhöreranschluss und ein Mini-Display-Port. Komplettiert wird die Ausstattung mit einem Stift, der druckempfindlich ist und auch als Mausersatz dienen kann. Das Touchpad auf dem Keyboard ist aus Glas, was die Oberfläche sehr unempfindlich macht.

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Frontkamera identifiziert den User per "Hello"

Die Front-Kamera dient etwa dazu, den Authentifizierungs-Dienst "Hello" mit einem Gesichts-Bild zu beliefern. Dabei setzt sich der Nutzer vors Gerät und wird per Gesichtserkennung identifiziert. Auf dem Surface-Book funktionierte das wirklich schnell und sicher. Hello ließ sich auch durch einen Gesichtsfilm auf einem vor die Kamera gehaltenen Tablet nicht überlisten.

Trotz der reichhaltigen Ausstattung gibt es auch das eine oder andere Feature, das man vermisst: Netzwerkanschluss und HDMI-Port fehlen. Für große Datenmengen und Präsentationen per Beamer ist beides manchmal ungemein praktisch, wenn man kein WLAN hat. Auf der Tastatur lässt sich zwar die Lautstärke regeln – aber aus unerfindlichen Gründen nicht die Helligkeit des Displays. Es gibt zwar einen Sensor fürs Umgebungslicht, aber manchmal möchte man den Bildschirm vielleicht einfach heller oder dunkler machen. Und einen Lautstärkeregler hat man ja auch noch am Tablet mit der Schaltwippe. Die Trennung des Displays von der Tastatur geht übrigens elektrisch, was einerseits praktisch ist und festen Halt gewährleistet. Andererseits bleiben beide untrennbar fest verbunden, wenn das Gerät keinen Strom hat.

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Bei größerer Rechenlast zischt der Lüfter

In Sachen Handling fällt vor allem auf, dass das Surface Book auf der einen Seite viel Leistung abrufen kann, aber der Akku dennoch sehr standfest ist. Bei normaler Nutzung kommt man mit dem Gerät wirklich gut über den Tag, Microsoft spricht von 12 Stunden Videowiedergabe, was sich in unserem Test schon bestätigen ließ. Leider fehlt die Anzeige des Akku-Ladestands außen am Gerät völlig! Man muss immer auf den Screen schauen, um die Akkuanzeige ablesen zu können. Im Betrieb werden weder das Gerät noch das Netzteil übermäßig warm, obwohl User über zu heiße Stromversorgungen geklagt haben. Dieses Problem ließ sich bei uns nicht reproduzieren. Nicht so schön und auch nicht sparsam ist aber der Lüfter – sehr ungewöhnlich für ein Tablet – der bei größerer Rechenlast hörbar zischend läuft. Vor allem beim Spielen braucht das Gerät anscheinend Frischluft, wobei hier gleichzeitig auch die Grenzen der Technologie deutlich werden. Denn während ältere Titel wie "Call of Duty 3: Modern Warfare" oder "Portal 2" problemlos schnurren, kommt das Surface Book beim neuen "Tomb Raider" schwer ins Straucheln und schafft selbst mit heruntergeregelten Einstellungen nur 11 Vollbilder pro Sekunde — was einen ruckelfreien Spielgenuss nicht möglich macht. Ein typisches Games-Tablet ist das Surface Book nicht, obwohl man das bei den aufgerufenen Preisen vielleicht erwarten könnte.

Und was kostet der Spaß denn nun? Das billigste Gerät mit Core i5 und 128 GB Festplatte plus 8 GB RAM kostet schon 1649 Euro. Dafür bekommt man auch schon fast ein MacBook mit ähnlichen Leistungsdaten, aber weitaus mehr Speicher. Die größeren Modelle kosten dann 2069 und 2319 Euro, bis hin zum Spitzenmodell mit Core i7, 512 GB Festplatte und 16 GB RAM, für das Microsoft 2919 Euro aufruft. Zum Vergleich: Das teuerste MacBook mit etwas besseren Leistungsdaten, aber natürlich ohne abnehmbares Touch-Display, kostet 2799 Euro.

Update: Nach dem eigentlichen Testende sind uns noch zwei Probleme aufgefallen: Erstens funktionierte die Verriegelung des Displays auf der rechten Seite nicht. Dadurch wird das Tablet alleine durch die magnetische Anziehungskraft gehalten, was solange ausreichend sein sollte, wie die Verriegelung auf der anderen Seite funktioniert. Fällt diese ebenfalls aus, können entweder Keyboard oder Tastatur herunterfallen, hält man beides nicht fest. Zweitens funktionierte auch bei unserem zweiten Testgerät die Zeitanzeige nicht richtig. Obwohl alles korrekt eingestellt war, zeigte diese um eine Stunde zu spät an.

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