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Wer ist der Zeichenkönig? Surface Pro 7 vs. Galaxy Tab S6 vs. iPad Pro

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Welches Stift-Tablet ist besser? Ich habe das iPad Pro 11, das Galaxy Tab S6 und das Surface Pro 7 beim Zeichnen verglichen.

Welches ist das beste Tablet zum Zeichnen? Ich habe die Stift-Tablets Surface Pro 7, Galaxy Tab S6 und iPad Pro 11 im künstlerischen Einsatz miteinander verglichen. Auch App-Auswahl und Displays zählen zu den Testkriterien. Der Sieger hat mich überrascht.

Betriebssystem und Zeichen-Apps: Große Unterschiede

Nur das Surface Pro 7 von Microsoft bringt ein vollwertiges Desktop-Betriebssystem mit. Die Rede ist natürlich von Windows 10. Dafür sind umfassende Grafikprogramme wie die Adobe Creative Cloud mit Photoshop, Indesign, Illustrator und die CorelDraw Graphics Suite als Alternative ohne Cloud-Abo erhältlich. Das iPad Pro und das Galaxy Tab S6 verlassen sich auf die mobilen Betriebssysteme iOS und Android. Für diese ist vergleichsweise weniger gut ausgestattete Software für Zeichner und Designer verfügbar.

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Für Android sind gute Mal- und Zeichenprogramme zu haben – aber nicht für Profis.
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Procreate ist ein Photoshop-Ersatz für das iPad mit umfassenden Features.
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Photoshop wird als vollwertige Version für das iPad entwickelt. Aber bislang fehlen wichtige Features.
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Insbesondere das iPad Pro hat hier aber schon etwas aufgeholt und mit der aktuellen Entwicklung des vollwertigen Photoshop für das Tablet sollte sich die Lage weiter verbessern. Top-Apps wie ProCreate und die Illustrator-Alternative Affinity Designer bieten speziell für Zeichnen, Malen und Design schon sehr viel. Hier gibt es Features wie Ebenen-Unterstützung und fortschrittliche Pinsel-Simulationen.

Für CAD-Modelle sind etwa die Apps Shapr und Morpholio Trace erhältlich. Das iPad Pro eignet sich zumindest für die ersten Arbeitsschritte, für die Finalisierung werden viele wohl zu Desktop-Software greifen. Multitasking ist nur eingeschränkt möglich und wer von Design lebt, wird dieses Feature wahrscheinlich vermissen.

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Für meinen Vergleichstest habe ich Autodesk SketchBook verwendet, das für alle Tablets als kostenfreie App zur Verfügung steht.

Auf dem Samsung Galaxy Tab S6 sieht die Zeichen-App-Lage am schlechtesten aus. Das liegt unter anderem daran, dass es nur wenige Android-Tablets gibt und das Betriebssystem für Smartphones optimiert wurde. So etwas wie ProCreate ist für Android leider nicht erhältlich. Die Android-Kunstprogramme befinden sich auf dem Level von ArtRage und SketchBook. Durchaus gut und ausreichend für Hobby-Zeichner, aber eher nicht für Profis.

Fazit: Das Surface Pro 7 bietet dank Windows 10 die besten Grafik-Programme mit den meisten Features. Auf Platz 2 landet das iPad Pro mit beständig reiferen mobilen Alternativen. Die App-Auswahl für das Galaxy Tab S6 genügt für das Zeichnen und Malen locker, solange keine professionellen Ansprüche vorhanden sind.

Displays: Alle hervorragend, mit verschiedenen Vorzügen

Das aktuelle iPad Pro 11 (2018) bietet ein elf Zoll großes IPS-Display mit einer Auflösung von 2.388 x 1.668 Pixeln und einer Bildwiederholrate von 120 Hertz. Das Galaxy Tab S6 ist mit einem 10,5 Zoll großen AMOLED-Display ausgestattet, das auf eine Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixel setzt. Das IPS-Display des Surface Pro 7 misst 12,3 Zoll und hat eine Auflösung von 2.736 x 1.824 Pixeln.

Die Bildschirme aller Tablets sehen subjektiv hervorragend aus. Sie sind scharf, stellen Farben treffend dar und strahlen hell genug für den Einsatz im Café unter dem Sonnenlicht. Das Display des Galaxy Tab S6 hat den Konkurrenten die kontrastreiche AMOLED-Technik voraus, das iPad Pro bietet dafür ein größeres Display und das Surface Pro 7 das üppigste im Bunde. Für das Zeichnen gilt bei Tablets: Je größer das Display, desto besser. Das iPad Pro punktet obendrein mit einer besonders flüssigen Bewegungsdarstellung bei kompatiblen Apps, wofür das 120-Hertz-Display die Lorbeeren ernten darf.

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Das Surface Pro 7 (oben) und das iPad Pro 11 (oben darunter) setzen auf die IPS-Technik, das Galaxy Tab S6 (unten links) auf das kontrastreichere AMOLED.

Für Profi-Informationen zur Farbraumabdeckung und Kalibrierung empfehlen wir die Gerätetests der Kollegen von Notebookcheck.com. Diesen zufolge decken das iPad Pro 11 und das Surface Pro 7 den sRGB-Farbraum so gut wie vollständig ab, das Galaxy Tab S6 schafft zusätzlich den AdobeRGB-Farbraum. Die Bildschirme sind gut bis sehr gut kalibriert.

Fazit: Alle Displays haben eine sehr gute Darstellungsqualität. Das Galaxy Tab S6 punktet mit dem kontrastreichen AMOLED, das iPad Pro mit 120 Hertz und das Surface Pro 7 mit dem größten Display.

Wie klappt das Zeichnen?

Wie fühlt sich das Zeichnen auf den Tablets an? Ich habe auf allen drei Tablets die kostenfreie und doch gut ausgestattete App Autodesk SketchBook verwendet. Die iPad-Version unterstützt sogar die 120 Hertz des Bildschirms.

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Die Spitze des Surface Pen hat einen sicht- und spürbaren Abstand zu den Strichen auf dem Tablet.

Das Surface Pro 7 ist mit dem separat für 75 Euro erhältlichen Surface Pen kompatibel, der 2017 in der aktuellsten Version auf den Markt kam. Er bietet 4.096 Druckstufen und 1.024 Stufen bei der Neigungssensitivität. Die Stifte der anderen beiden Anbieter bieten ebenso viele Druckstufen und unterstützen auch die Neigungssensitivität, die etwa zum Schraffieren von Flächen praktisch ist. Der Button auf der Rückseite des Surface Pen dient auch als Radiergummi, was sehr praktisch ist. Tatsächlich gibt es in Hinblick auf die genannten Aspekte keine Probleme. Der Surface Pen kann trotzdem nicht ganz mit den beiden Konkurrenten mithalten.

Das liegt unter anderem daran, dass es einen sichtbaren und spürbaren Abstand der Stiftspitze zu den Inhalten auf dem Display gibt. So zeichne ich immer etwas versetzt, was wenig intuitiv ist und das präzise Zeichnen erschwert. Außerdem ist das Zeichnen träger und nicht so schwungvoll und geschwind wie mit den beiden Konkurrenten. All dies ist keine Katastrophe, der Surface Pen ist noch immer ein guter Stylus mit modernen Features. Aber andere können es eben besser.

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Der S Pen mit Wacom-Technik landet auf dem zweiten Platz.
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Die magnetische Aufbewahrung des S Pen auf der Tablet-Rückseite ist reichlich unpraktisch.
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Für den mitgelieferten S Pen setzt Samsung auf die Technologie der Stylus-Veteranen von Wacom. Im Vergleich zum Stift meines Galaxy Tab S4 hat der aktuelle S Pen ein neues, eckiges Design mit flachen Oberflächen erhalten. Meinem Empfinden nach liegt er besser in der Hand, besteht aber aus leichtem Plastik – der Surface Pen und der Apple Pencil 2 wirken hochwertiger. Das Zeichnen klappt mit dem S Pen sehr flott, schwungvoll und doch präzise. Auch beim Galaxy Tab S6 ist allerdings eine Lücke zwischen dem Punkt, wo der Stift das Tablet berührt, und den Bildschirminhalten auszumachen.

Bleibt der Apple Pencil 2, der für 135 Euro erworben werden möchte. Kurzum: Ich halte ihn für ein Meisterwerk. Das Zeichnen auf dem iPad Pro ist vom Zeichnen auf Papier praktisch nicht mehr zu unterscheiden. Auch das Umschalten auf den Radiergummi via doppeltem Tippen auf die Vorderseite des Stifts funktioniert sehr intuitiv. Während mich am Zeichnenerlebnis mit den Konkurrenten immer etwas gestört hat, bin ich mit dem Apple Pencil 2 komplett in meine (eher amateurhaften) Werke versunken und habe die Zeit dabei vergessen.

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Durch doppeltes Antippen des Apple Pencil 2 wird der Radiergummi aktiviert.
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Im Vergleich zum Zeichnen auf Papier gibt es praktisch keinen Unterschied mehr.
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Kollege Alexander Mundt besitzt Zuhause das reguläre iPad 2019 und den Apple Pencil der ersten Generation. Er probierte das iPad Pro 11 mit dem Apple Pencil 2 ebenso aus und kommt zum Ergebnis: "Das Zeichnen klappt viel besser auf dem Pro. Das ist ja von Stift und Papier wirklich nicht mehr zu unterscheiden." Der einzige spürbare Unterschied zu Papier ist die glatte Displayoberfläche des Tablets. Aber es gibt matte Schutzfolien, welche die Simulation weiter dem Vorbild angleichen. Ich habe die Papier-Haptik allerdings nicht vermisst.

Der Sieger: Das iPad Pro mit dem Apple Pencil 2

Die Stift-Tablets kaufen

Das beste Tablet zum Zeichnen ist meiner Ansicht nach das iPad Pro. Nur wer als Profi-Zeichner ausgewachsene Desktop-Software benötigt oder aus anderen Gründen ein Windows-Tablet, greift zum Surface Pro 7. Das Galaxy Tab S6 bietet eine gute Erfahrung für Leute, die nicht professionell zeichnen und im Vergleich zu den Konkurrenten Geld sparen möchten. Die große Überraschung war für mich, um wie viel besser das Zeichnen mit dem Apple Pencil 2 auf dem iPad Pro tatsächlich klappt.

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Das Zeichnen mit dem Apple Pencil 2 ist so gut – für mich ist er die Krönung der gesamten Stylus-Technikgeschichte.

Während sich S Pen und Surface Pen weiterhin wie Simulationen von echten Stiften anfühlen, empfinde ich das Zeichnen mit dem Apple Pencil 2 wie das Zeichnen mit einem Bleistift auf einem Blatt Papier. Genau das war das Ziel der jahrzehntelangen Entwicklung digitaler Stifte. Und Apple hat dieses Ziel erreicht.

Das sagt Andreas:
Generell bin ich skeptisch, was den Apple-Hype angeht. Die Cupertino-Produkte sind nicht wirklich immer besser als die der Konkurrenten. Man denke an die mangelhafte Reparierbar- und Aufrüstbarkeit der teuren MacBooks oder an die im Vergleich zu Android-Handys träge Innovationsfreude der iPhones. Aber der Apple Pencil 2 mit dem iPad Pro – das ist der fleischgewordene Apple-Mythos. Man sagt, die Leute verdienen es, dass ihr Glaube belohnt wird.
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