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Xiaomi Mi 8 im Test: Besser als das Pocophone?

Das Xiaomi Mi 8 ist ein Flaggschiff-Handy mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis.
Das Xiaomi Mi 8 ist ein Flaggschiff-Handy mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis.

Das Xiaomi Mi 8 ist das aktuelle Vorzeige-Flaggschiff des chinesischen Herstellers. Es bietet noch mehr als das "erschwingliche Flaggschiff" Xiaomi Pocophone F1. Im Test klären wir, ob das Xiaomi Mi 8 den Aufpreis wert ist.

Design und Verarbeitung: Wenig originell, aber wertig

Mit Metallgehäuse und Glasrückseite orientiert sich das Xiaomi Mi 8 bei der Materialwahl an anderen Flaggschiffen. Das gilt auch für das Design mit einer iPhone-X-ähnlichen Notch, einer Aussparung im Display oben für Selfie-Kamera, Hörer und Infrarot-Gesichtsscanner. Der Rand des 6,21 Zoll großen Displays fällt, wie das "Kinn" unten, recht klein aus. Das Pocophone F1 begnügt sich im Vergleich mit einem Plastikgehäuse.

Die Verarbeitung weiß zu überzeugen. fullscreen
Die Verarbeitung weiß zu überzeugen.
Leider gibt es keinen Klinkenanschluss. fullscreen
Leider gibt es keinen Klinkenanschluss.
Das Gehäuse besteht aus Metall. fullscreen
Das Gehäuse besteht aus Metall.
Die Verarbeitung weiß zu überzeugen.
Leider gibt es keinen Klinkenanschluss.
Das Gehäuse besteht aus Metall.

Hinten hat Xiaomi eine Dual-Kamera vertikal an einer Seite angebracht und in der Mitte wartet ein herkömmlicher Fingerabdrucksensor auf Eingaben. Ebenfalls von Apple inspiriert ist die Platzierung des Herstellerlogos im unteren Drittel auf der Rückseite. Der Schriftzug "Designed by Xiaomi" darunter hat nicht den Klang von "Designed by Apple in California" – auch, da sich Xiaomi das Design offensichtlich aus "California" geborgt hat.

Fazit: Das erste Mi Mix nahm das fast randlose Design von Apples iPhone X vorweg und das Mi 8 ahmt nun das iPhone X nach. Die Verarbeitung darf jedoch als Flaggschiff-würdig gelten und lässt das Plastik-Pocophone hinter sich.

Technik und Ausstattung: Kompromissloses Flaggschiff

Auch die inneren Werte zählen. Und hier bietet das Xiaomi Mi 8 echte Flaggschiff-Power dank eines Snapdragon-845-Chips nebst 6 GB Arbeitsspeicher. 64 GB oder wahlweise 128 GB des schnellen UFS-2.1-Speichers sorgen dafür, dass der Speicher den Prozessor nicht ausbremst wie beim Nokia 8.1. Beim Display handelt es sich um einen kontrastreichen AMOLED-Screen wie man sie von Apple und Samsung kennt. Obendrein unterstützt er HDR10 und wird vom Schutzglas Gorilla-Glas 5 geschützt. Das Pocophone hingegen begnügt sich mit einem weniger kontrastreichen IPS-Display ohne HDR-Support.

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Die Notch hat ein offensichtliches Vorbild.

Der 3400-mAh-Akku sorgt für eine lange Laufzeit, die über den Tag hinausreicht. Qualcomms Quick Charge 4+ wird für schnelles Aufladen unterstützt. Dual-SIM-Support gehört bei Flaggschiffen allmählich zum guten Ton und auch hier zieht das Mi 8 mit. Leider gibt es keinen Kopfhöreranschluss und kein kabelloses Laden, obendrein ist das Smartphone nicht wasserdicht und der Speicher kann nicht erweitert werden. Immerhin zählen eine Hülle und ein Schnellladenetzteil zum Lieferumfang.

Fazit: Es gibt nur wenig an Technik und Ausstattung des Xiaomi Mi 8 zu kritisieren – vor allem zum aktuellen Preis von um die 400 Euro. Manche werden den Kopfhöreranschluss und kabelloses Laden vermissen und sich einen microSD-Kartenslot oder eine IP-Zertifizierung wünschen, ansonsten ist das Mi 8 aber ein kompromissloses Flaggschiff. Das AMOLED-Display ist dem IPS-Bildschirm des Pocophone F1 überlegen, dafür kann der Speicher nur beim Pocophone erweitert werden.

Software: Geniale Gestensteuerung und einige Merkwürdigkeiten

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Die Benutzeroberfläche lässt sich größtenteils intuitiv bedienen.

Unser Testgerät war mit Android 9.0 Pie sowie mit Xiaomis Benutzeroberfläche MIUI Global 10.2 ausgestattet. Sie kommt ohne Poco Launcher aus und kann so auch nicht mit Pop-Up-Fenstern und Bitten um Berechtigungen nerven wie beim Pocophone F1. Der hauptsächliche Nachteil besteht darin, dass das Smartphone nun keinen App-Launcher hat – vielmehr landen die Apps alle auf dem Homescreen, wie man es von iOS kennt.

MIUI hat sogar einen Vorteil im Vergleich zu Android-Konkurrenz, inklusive Google Pixel 3: Die optionale Gestensteuerung ist viel besser. Die drei Navigationsbuttons unten verschwinden und stattdessen lässt sich Android mit Gesten steuern. Einfach nach oben wischen und der Homescreen wird aufgerufen, nach oben wischen und halten und der Task-Switcher zeigt die kürzlich geöffneten Apps an. Wischt man von links oder rechts vom Rand in die Mitte, wird die Funktion des Zurück-Buttons ausgelöst. Das funktioniert sehr gut und man fragt sich, warum Google nicht darauf gekommen ist.

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Die Kamera-Software ist mit vernünftigen Features ausgestattet.

Einiges ist aber auch ungewohnt oder sogar nervig für Nutzer, die andere Android-Smartphones gewohnt sind. So werden etwa keine Benachrichtigungs-Icons links neben der Notch angezeigt, sondern nur die Uhrzeit. Die Gesichtsentsperrung funktioniert ab Werk nicht, sondern man muss erst die Region auf Indien, Singapur, Hongkong, Frankreich oder bestimmte andere Länder einstellen, damit das Feature freigeschaltet wird. Ebenfalls ärgerlich: Videos von Netflix und Amazon Prime Video können nicht in HD-Qualität (oder darüber) gestreamt werden.

Fazit: Die Benutzeroberfläche MIUI hat einige gewöhnungsbedürftige bis unverständliche Eigenschaften, dafür schlägt die intuitive Gestensteuerung die versammelte Android-Konkurrenz. Diese bietet auch das Pocophone und setzt leider zusätzlich auf den nervigen Poco Launcher.

Kameras und Audio: Tolle Kameras, aber kein Kopfhöreranschluss

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Mit der Dual-Kamera lassen sich tolle Fotos knipsen.

Auf der Rückseite ist eine Dual-Kamera angebracht, die zwei 12-Megapixel-Sensoren umfasst. Die Hauptkamera bietet eine optische Bildstabilisierung, was für die Zoom-Kamera nicht gilt. Beide Kameras knipsen gute Fotos auf Flaggschiff-Niveau, sowohl bei Tageslicht als auch bei schwierigen Lichtverhältnissen.

Die Selfies mit der 20-Megapixel-Kamera und die Videos wissen ebenfalls zu überzeugen. Die Bildstabilisierung funktioniert allerdings nur in Full HD und nicht in 4K-Auflösung. Das Mi 8 bietet sogar die Superzeitlupenaufnahme mit 960 FPS, die etwa vom Galaxy S9 bekannt ist, und ermöglicht so effektvolle Zeitlupen-Clips. Smartphones wie das Galaxy Note 9 und das Huawei Mate 20 Pro bieten noch etwas bessere Kameras, aber grundsätzlich kann das Mi 9 mit den anderen Flaggschiffen mithalten.

Die Fotos sind farbecht, scharf und bieten einen ordentlichen Kontrastumfang. fullscreen
Die Fotos sind farbecht, scharf und bieten einen ordentlichen Kontrastumfang.
Außenaufnahme mit dem Xiaomi Mi 8. fullscreen
Außenaufnahme mit dem Xiaomi Mi 8.
Außenaufnahme mit dem Xiaomi Mi 8. fullscreen
Außenaufnahme mit dem Xiaomi Mi 8.
Dank Dual-Kamera lassen sich ordentliche Unschärfeeffekte erzeugen. fullscreen
Dank Dual-Kamera lassen sich ordentliche Unschärfeeffekte erzeugen.
Porträtaufnahmen lenken die Aufmerksamkeit auf das Motiv. fullscreen
Porträtaufnahmen lenken die Aufmerksamkeit auf das Motiv.
Hier eine normale Aufnahme ohne Bokeh-Effekt. fullscreen
Hier eine normale Aufnahme ohne Bokeh-Effekt.
Hier eine Porträtaufnahme mit Bokeh-Effekt. fullscreen
Hier eine Porträtaufnahme mit Bokeh-Effekt.
Die Selfie-Kamera weiß ebenso zu überzeugen. fullscreen
Die Selfie-Kamera weiß ebenso zu überzeugen.
Die Belichtungseffekte werden gut umgesetzt. fullscreen
Die Belichtungseffekte werden gut umgesetzt.
Die Belichtung hat einen erheblichen Einfluss auf die Stimmung, die das Foto einfängt. fullscreen
Die Belichtung hat einen erheblichen Einfluss auf die Stimmung, die das Foto einfängt.
Eine letzte Belichtungsvariation, weil es so schön war. fullscreen
Eine letzte Belichtungsvariation, weil es so schön war.
Die Fotos sind farbecht, scharf und bieten einen ordentlichen Kontrastumfang.
Außenaufnahme mit dem Xiaomi Mi 8.
Außenaufnahme mit dem Xiaomi Mi 8.
Dank Dual-Kamera lassen sich ordentliche Unschärfeeffekte erzeugen.
Porträtaufnahmen lenken die Aufmerksamkeit auf das Motiv.
Hier eine normale Aufnahme ohne Bokeh-Effekt.
Hier eine Porträtaufnahme mit Bokeh-Effekt.
Die Selfie-Kamera weiß ebenso zu überzeugen.
Die Belichtungseffekte werden gut umgesetzt.
Die Belichtung hat einen erheblichen Einfluss auf die Stimmung, die das Foto einfängt.
Eine letzte Belichtungsvariation, weil es so schön war.

Der einzelne Lautsprecher des Xiaomi Mi 8 klingt gut und wird einigermaßen laut, leider gibt es kein Stereo-Setup. Ein Klinkenanschluss ist zwar nicht verbaut, aber via USB-C-Adapter erzeugt das Smartphone einen klaren, detailreichen Klang und hat genug Power, um anspruchsvollere Kopfhörer zu versorgen. Da setzt nur das LG V40 ThinQ noch merklich eines drauf. Leider wird kein Headset mitgeliefert – oder zum Glück, wenn man bedenkt, wie schlecht die mitgelieferten Headsets normalerweise sind.

Fazit: Die Kameras sind eines Flaggschiffs würdig, der Lautsprecher klingt ordentlich und via USB-C-Klinke-Adapter liefert das Mi 8 einen großartigen, lauten Klang für Kopfhörer. Da kann das Pocophone trotz Klinkenanschluss nicht mithalten. Zudem bietet das Mi 8 im Vergleich zum günstigeren Xiaomi-Flaggschiff bessere Kameras inklusive optischer Bildstabilisierung des Hauptsensors und mehr Kamera-Features.

So gut ist das Xiaomi Mi 8 Pro

Das Xiaomi Mi 8 Pro bietet eine halbtransparente Rückseite und mehr Speicher.

TURN-ON-Kollege Michael Brandt besitzt die "Explorer Edition" des Xiaomi Mi 8, die auch als "Xiaomi Mi 8 Pro" verkauft wird. Im Vergleich zum Mi 8 bietet sie 8 GB Arbeitsspeicher und einen 128 GB großen internen Speicher sowie einen In-Display-Fingerabdruckscanner. Außerdem sind unter der halb-transparenten Rückseite scheinbar der Snapdragon 845 und weitere Innereien zu sehen – dabei handelt es sich tatsächlich aber um Zierelemente, die echte Hardware bleibt verborgen. Dennoch macht der Look einiges her. Hier Michaels Einschätzung des Mi 8 Pro:

"Das Xiaomi Mi 8 in der Explorer Edition ist bei mir mittlerweile nun knapp zwei Wochen im Einsatz und ich bin von dem chinesischen Smartphone absolut begeistert. Besonders gut gefällt mir der Fingerabdruck-Scanner im Display, der entgegen Herstellerangaben auch bei Verwendung einer Schutzfolie noch zuverlässig funktioniert.

Das OLED-Displays hat eine sehr satte Farbdarstellung und es macht mir viel Spaß, Videos auf dem Gerät zu gucken. Das Dual-Kamera-Setup kann zwar nicht ganz mit den Top-Modellen von Huawei mithalten, die Fotos können sich aber dennoch sehen lassen.

Ursprünglich hatte ich geplant, eine Custom-ROM auf dem Mi 8 zu installieren, mittlerweile habe ich die MIUI-Oberfläche aber lieb gewonnen und werde dabei bleiben. Besonders das Preis-Leistungs-Verhältnis war für mich ein echter Kaufgrund."

Fazit Xiaomi Mi 8: Besser als das Pocophone

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Hardware und Kameras haben keine großen Schwächen.

Das Xiaomi Mi 8 überzeugt noch mehr als der Preisbrecher Xiaomi Pocophone F1. So liegt es vor allem bei der Verarbeitung aus Metall und Glas, dem AMOLED-Display und der Kameraqualität vorne. Generell sollten viele Flaggschiff-Interessenten das Mi 8 dank sehr guter Kameras, Top-Verarbeitung, High-End-Leistung und langer Laufzeit in die engere Auswahl nehmen. Ärgerlich ist die nicht optimal an Deutschland angepasste Software. So lassen sich Videos von Netflix und Amazon nicht in HD wiedergeben und die Gesichtsentsperrung funktioniert nur mit einem Regionswechsel in den Einstellungen.

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Das Xiaomi Mi 8 ist ein sehr preisgünstiges Flaggschiff mit gewissen Software-Schwächen.

Wer nicht auf den bereits angekündigten Nachfolger Xiaomi Mi 9 warten will, der kann mit dem Mi 8 zum Preis von rund 400 Euro ein echtes Schnäppchen machen – sofern er mit den Software-Schwächen leben kann. Das LG G7 ThinQ bietet ähnliche Technik mit besserer Software für 50 Euro mehr. Für etwa 330 Euro ist das Pocophone F1 erhältlich, das noch ein paar kleine Kompromisse einfordert. Vor allem mit dem Preis-/Leistungsverhältnis mischt Xiaomi den Android-Markt gerade ordentlich auf und das Mi 8 zählt zu den besten Geräten des Anbieters.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Flaggschiff-Leistung

+ Sehr gute Kameras

+ Sehr gute Verarbeitung

+ Lange Laufzeit

+ Großartiges Preis-/Leistungsverhältnis

- Kein Kopfhöreranschluss

- Nicht wasserdicht

- Gewöhnungsbedürftige  Software

- Speicher nicht erweiterbar

- Netflix und Amazon Prime nicht in HD

 

Das sagt Andreas:
Selbst, wer mit den Software-Schwächen des Xiaomi Mi 8 nicht leben kann, darf sich freuen: Günstige Flaggschiffe wie das Mi 8 üben nämlich einen heftigen Preisdruck auf die Konkurrenz aus. Was meint ihr: Wird sich der Trend zu immer teureren Smartphones nun umkehren?
Xiaomi Mi 8
Xiaomi Mi 8
  • Datenblatt
  • Hardware und Software
  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Preis (Handel)
    389 Euro (64 GB)
  • Release
    Juni 2018 (China)
  • Farben
    Schwarz, Blau, Weiß
  • Lieferumfang
    Xiaomi Mi 8, USB-C-Kabel, USB-C-zu-Klinke-Adapter, Sicherheitshinweise, Schutzhülle, SIM-Werkzeug
  • Display-Größe
    6,21 Zoll
  • Display-Auflösung und Display-Typ
    2246 x 1080 Pixel, IPS
  • Prozessor
    Qualcomm Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher
    6 GB RAM
  • Speicherkapazität
    64 GB /128 GB
  • Betriebssystem
    Android 9.0 / MIUI Global 10.2 (Stand: Februar 2019)
  • Kameras
    Frontkamera (20 MP) und Rückkameras (12 MP + 12 MP)
  • SIM-Karten-Format
    Nano-SIM
  • Anschlüsse und Steckplätze
    USB-Typ-C
  • Konnektivität
    LTE-A, ac-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC
  • Akkukapazität
    3400 mAh
  • Besondere Merkmale
    Dual-SIM, Stereo-Lautsprecher
TURN ON Score:
4,6von 5
  • Akkuleistung
    4,5
  • Design
    4,0
  • Preis-Leistung
    5,0
  • Hardware
    4,5
  • Klang
    4,5
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