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Xiaomi Pocophone F1 im Test: Was taugt das supergünstige Flaggschiff?

Das Xiaomi Pocophone F1 ist für ein Flaggschiff-Handy auffallend günstig.
Das Xiaomi Pocophone F1 ist für ein Flaggschiff-Handy auffallend günstig.

Mit dem Pocophone F1 bietet Xiaomi ein Smartphone mit Flaggschiff-Technik für nur rund 300 Euro an. Kann es wirklich mit Top-Smartphones wie dem Galaxy S9 oder dem Sony Xperia XZ3 mithalten oder musste Xiaomi an wichtigen Stellen sparen? In unserem Test erfährst Du es.

Design und Verarbeitung: Stabiles Plastik

Gespart hat Xiaomi ein wenig bei der Materialwahl des günstigen Flaggschiffs Pocophone F1. Rahmen und Rückseite bestehen nämlich aus Kunststoff. Aktuellen Designtrends folgend ist eine – leider recht große – Aussparung ("Notch") ins Display oben für die Selfie-Kamera und den Hörer eingelassen, auch das "Kinn" des Smartphones, der untere Rahmen, könnte kleiner ausfallen.

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Die Notch für Selfie-Kamera und Hörer ist recht groß.

Direkt unter der vertikal angeordneten Dual-Kamera auf der Rückseite ist der Fingerabdrucksensor angebracht. Da der Scanner in einen kleinen Rahmen eingelassen ist, wird es in der Regel dennoch nicht passieren, dass der Nutzer versehentlich die Kamera berührt. An der Oberseite des Rahmens befindet sich ein Kopfhöreranschluss und der Lautsprecher an der Unterseite dient mit dem Hörer zusammen als Stereo-Konfiguration.

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Kameras und Fingerabdruckscanner sind haptisch gut voneinander getrennt.

Das Schutzglas Gorilla Glas bewahrt das 6,18 Zoll große IPS-Display im länglichen Format vor Kratzern und trotz des Kunststoff-Gehäuses wurde das Pocophone F1 stabil verarbeitet und lässt sich kaum verwinden.

Fazit: Die Verarbeitung des Xiaomi Pocophone F1 überzeugt, aber das wenig originelle Design und der Einsatz von Kunststoff könnten manchen Käufer abschrecken.

Technik und Ausstattung: Auf hohem Niveau

Nicht gespart hat Xiaomi hingegen bei den inneren Werten des Pocophone F1. Dafür sprechen der aktuelle Flaggschiff-Chip Snapdragon 845 nebst 6 GB schnellem LPDDR4X-Arbeitsspeicher, wahlweise 64 GB oder 128 GB des rasanten UFS-2.1-Datenspeichers und ein üppiger 4000-mAh-Akku mit Quick-Charge-3.0-Support. Auch ein USB-C-Anschluss, WLAN 802.11 a/b/g/ac und Bluetooth 5.0 sind Flaggschiff-würdig. Sogar Dual-SIM wird geboten. Letztlich fehlen nur ein NFC-Chip und die Möglichkeit, das Handy kabellos zu laden.

Wer eine ähnlich starke Technik zu einem günstigen Preis erwartet, findet sie sonst erst beim LG G7 ThinQ, das aktuell ungefähr 450 Euro kostet, und beim OnePlus 6T, das ab 550 Euro erhältlich ist. Das Xiaomi Pocophone F1 gewinnt also auf jeden Fall das Preis-/Leistungsverhältnis in der Kategorie Technik und Ausstattung.

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Das Xiaomi Pocophone F1 lässt sich flüssig bedienen und Apps laden schnell.

Die Leistung überzeugt auch im Alltagseinsatz. Apps werden schnell geladen, Websites rasant aufgebaut und die Android-Bedienung geht flüssig von der Hand. Spiele wie "PUBG Mobile", "Asphalt 9", "Sonic Forces" und "Temple Run 2" laufen in den höchsten Einstellungen ohne Ruckeln. Die vom Hersteller beworbene "LiquidCool"-Technologie für die Chip-Kühlung ist aber schon seit dem Lumia 950 XL von 2015 im Umlauf und insofern nichts Besonderes.

Etwa das Razer Phone 2 bietet eine deutlich größere und überlegene Kühlung, beim Pocophone F1 kommt es hingegen nach einer Weile zu einem Leistungsverlust. Dieser ist aufgrund der hohen Chip-Performance im Alltag aber noch kaum spürbar. Zudem bietet das Pocophone F1 eine hervorragende Akkulaufzeit, die gut zwei Tage gemischte Nutzung übersteht.

Fazit: Bei Technik und Ausstattung kann sich das Xiaomi Pocophone F1 mit der Flaggschiff-Konkurrenz messen, nur den NFC-Chip und das kabellose Laden werden einige vermissen.

Software: Aktuelles Android, neugieriges MIUI

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Die Benutzeroberfläche MIUI lässt sich intuitiv bedienen, hat aber Lücken und nervige Eigenschaften.

Als Betriebssystem dient aktuell Android 9.0 mit der Benutzeroberfläche MIUI Global 10.1.3. Leider hat MIUI in der von uns getesteten Version einige nervige Eigenschaften. So fragt der POCO-Launcher immer wieder einmal, ob der Nutzer das Senden von Benachrichtigungen erlauben soll, selbst wenn er dies bereits beantwortet hat. Das System ist erst zufrieden, wenn mehrere Xiaomi-Apps die Berechtigung erhalten, alle Benachrichtigungen zu lesen, "darunter auch persönliche Informationen wie Kontaktnamen und eingehende Nachrichten".

Die hauseigenen Apps verlangen oft mehr Berechtigungen, als ihre jeweilige Funktion dies augenscheinlich erfordern würde. Um auf die eigenen Downloads aus dem Netz mit Hilfe der "Downloads"-App zuzugreifen, möchte Xiaomi etwa die Autorisierung haben, persönliche Daten zu sammeln, zu verarbeiten und zu verwenden. Warum? Und wieso benötigt das MIUI Forum, wo sich Besitzer eines Xiaomi-Smartphones austauschen, Zugriff auf das Telefon? Tatsächlich erfordert fast jede Xiaomi-App die Berechtigung, Anrufe zu tätigen und zu verwalten. Immerhin lassen sich störende Berechtigungen nachträglich der jeweiligen App entziehen.

In Games tauchte derweil bei aktivierter Beschleunigung bei uns wiederholt der Hinweis auf, dass Facebook im Hintergrund mehrmals beendet wird, was ja gerade dazu dient, die Leistung für Games zu optimieren. Stattdessen lenkt das Feature aber von den Spielen ab. Zum Glück hat es nur geringe Vorzüge und so lässt sich das Problem durch das Beenden der Games-Optimierung lösen. Eine für manche wohl unverzeihliche Schwäche ist aber der Umstand, dass Videos mit Netflix und Amazon Prime Video nicht in HD-Auflösung angeschaut werden können.

Der Games-Beschleuniger schließt andere Apps, um Games die volle Leistung zu gönnen ... fullscreen
Der Games-Beschleuniger schließt andere Apps, um Games die volle Leistung zu gönnen ...
... dann nervt das System beim Zocken mit Warnhinweisen wegen geschlossener Apps. fullscreen
... dann nervt das System beim Zocken mit Warnhinweisen wegen geschlossener Apps.
Warum möchte Xiaomis Download-Ordner persönliche Daten lesen? fullscreen
Warum möchte Xiaomis Download-Ordner persönliche Daten lesen?
Der Poco-Launcher verlangt penetrant Berechtigungen für den Zugriff auf persönliche Informationen. fullscreen
Der Poco-Launcher verlangt penetrant Berechtigungen für den Zugriff auf persönliche Informationen.
Der Games-Beschleuniger schließt andere Apps, um Games die volle Leistung zu gönnen ...
... dann nervt das System beim Zocken mit Warnhinweisen wegen geschlossener Apps.
Warum möchte Xiaomis Download-Ordner persönliche Daten lesen?
Der Poco-Launcher verlangt penetrant Berechtigungen für den Zugriff auf persönliche Informationen.

Das Pocophone F1 besitzt eine Technik für die Gesichtsentsperrung, die Infrarot und Kamera kombiniert und somit sicherer ist als die bloße Selfie-Kamera, aber nicht an Apples Face ID heranreicht. Auch hier zeigt die Software Schwächen, denn die Systemsprache muss in den Einstellungen auf eine andere Sprache wie Indisch statt auf Deutsch gestellt werden, damit die Gesichtserkennung eingerichtet werden kann – wer bitte soll darauf kommen?

Fazit: Die Xiaomi-Benutzeroberfläche MIUI funktioniert meist gut und lässt sich flüssig steuern, allerdings missfallen gelegentlich aufpoppende Hinweise, dass es Xiaomi nach mehr persönlichen Daten verlangt. Netflix und Amazon Prime können keine Videos in HD-Auflösung oder höher wiedergeben und für den Zugriff auf die Gesichtsentsperrung muss man die Systemsprache vorher aus unerfindlichen Gründen auf eine bestimmte andere Sprache wie Indisch stellen – bei der Software sind andere Anbieter Xiaomi weit voraus.

Kameras und Audio: Gute Fotos, ordentlicher Klang

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Unser Fotograf meinte, ich soll mit dem Pocophone diese Pfütze fotografieren ...

Die Hauptkamera besteht aus einem 12-Megapixel- und einem 5-Megapixel-Sensor. Sie macht farbechte und detailreiche Aufnahmen bei Tageslicht und auch schlechtere Lichtverhältnisse zwingen sie nicht so leicht in die Knie. Bei Porträtaufnahmen lässt sich das Motiv gut vom unscharfen Hintergrund abgrenzen. Auch die Selfies mit der 20-Megapixel-Frontkamera sehen scharf aus und bieten einen ordentlichen Bokeh-Effekt.

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... und es hat sich gelohnt.

Die digitale Videostabilisierung funktioniert ganz ordentlich, aber nur bis hin zu Full HD bei 30 FPS. Die 4K-Clips mit bis zu 30 FPS müssen ohne Stabilisierung auskommen und eine Aufnahme mit 60 FPS ist bei keiner Auflösung vorgesehen.

Die Hauptkamera knipst gute, recht detaillierte Fotos. fullscreen
Die Hauptkamera knipst gute, recht detaillierte Fotos.
Die Farben werden treffend eingefangen. fullscreen
Die Farben werden treffend eingefangen.
Die KI erhöht vor allem die Sättigung. fullscreen
Die KI erhöht vor allem die Sättigung.
Selbst bei wenig Licht werden die Details gut bewahrt. fullscreen
Selbst bei wenig Licht werden die Details gut bewahrt.
Die KI hellt die Fotos bei wenig Licht zusätzlich auf. fullscreen
Die KI hellt die Fotos bei wenig Licht zusätzlich auf.
Auch kleiner Text wird noch gut lesbar eingefangen. fullscreen
Auch kleiner Text wird noch gut lesbar eingefangen.
Nahaufnahmen wirken kontrastreich und detailliert. fullscreen
Nahaufnahmen wirken kontrastreich und detailliert.
Die Fotos sehen realitätsgetreu aus. fullscreen
Die Fotos sehen realitätsgetreu aus.
Im Porträtmodus lässt sich das scharfe Motiv gut vom unscharfen Hintergrund trennen. fullscreen
Im Porträtmodus lässt sich das scharfe Motiv gut vom unscharfen Hintergrund trennen.
Die Selfie-Kamera knipst gute, scharfe Selfies. fullscreen
Die Selfie-Kamera knipst gute, scharfe Selfies.
Die Hauptkamera knipst gute, recht detaillierte Fotos.
Die Farben werden treffend eingefangen.
Die KI erhöht vor allem die Sättigung.
Selbst bei wenig Licht werden die Details gut bewahrt.
Die KI hellt die Fotos bei wenig Licht zusätzlich auf.
Auch kleiner Text wird noch gut lesbar eingefangen.
Nahaufnahmen wirken kontrastreich und detailliert.
Die Fotos sehen realitätsgetreu aus.
Im Porträtmodus lässt sich das scharfe Motiv gut vom unscharfen Hintergrund trennen.
Die Selfie-Kamera knipst gute, scharfe Selfies.

Die Stereo-Lautsprecher klingen derweil ordentlich, aber nicht allzu kräftig. Das Galaxy S9 und das Xperia XZ3 haben deutlich bessere Lautsprecher, für den Preis gehen die Pocophone-Exemplare aber völlig in Ordnung. Ähnliches gilt für den Klang über den Klinkenanschluss, der qualitativ zwar überzeugt, aber das Smartphone kann nur anspruchslose Kopfhörer antreiben. Leider gehört kein Headset zum Lieferumfang.

Fazit: Die Kameras lassen sich in der gehobenen Mittelklasse oder der unteren Flaggschiffklasse einordnen. Angesichts des Preises kann man sich hier also nicht beschweren. Die Lautsprecher klingen recht gut, wenn auch teurere Konkurrenten sie überholen.

Fazit: Starke Hardware, aber Software-Schwächen

Das Xiaomi Pocophone F1 bietet Flaggschiff-Technik im Inneren, eine solide Verarbeitung und gute Kameras. Eine größere Schwäche ist aber die Xiaomi-Software. So können Videos von Amazon und Netflix nur in einer niedrigen Auflösung betrachtet werden und das System nervt mit wiederholten Bitten um die Freigabe persönlicher Daten.

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Das Pocophone kombiniert Flaggschiff-Technik mit einer lückenhaften Software-Ausstattung.

Einen NFC-Chip und kabelloses Laden werden manche Nutzer auch vermissen. Letztlich steht das Smartphone für einen Preis von 300 Euro gut da – Es sei denn, es soll für Video-Streaming mit den genannten Anbietern genutzt werden. Mit einer besseren Software wäre das Pocophone F1 ein geniales Angebot, so ist es nur ein gutes.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Flaggschiff-Leistung

+ Überwiegend Flaggschiff-Ausstattung

+ Gute Kameras

+ Preis/Leistung

- Netflix & Amazon nicht in HD

- Software nervt mit Bitten um persönliche Daten

- Kein NFC

- Kein kabelloses Laden

 

Das sagt Andreas:
In Hinblick auf die Leistung wirkt das Xiaomi Pocophone F1 irrsinnig günstig . Für mich persönlich sind die Kompromisse bei der Software aber zu groß – aufdringliche Datensammelei, wirre Einstellungen und kein Support für HD-Videos bei den großen Streaming-Anbietern? Dann bezahle ich lieber etwas mehr. Wie siehst Du das?
Xiaomi Pocophone F1
Xiaomi Pocophone F1
  • Datenblatt
  • Hardware und Software
  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Preis (UVP)
    329 Euro (64 GB)
  • Release
    27.09.2018
  • Farben
    Schwarz
  • Lieferumfang
    Xiaomi Pocophone F1, USB-C-Kabel, Sicherheitshinweise, Schutzhülle, SIM-Werkzeug
  • Display-Größe
    6,18 Zoll
  • Display-Auflösung und Display-Typ
    2246 x 1080 Pixel, IPS
  • Prozessor
    Qualcomm Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher
    6 GB RAM
  • Speicherkapazität
    64 GB /128 GB (erweiterbar via MicroSD-Karte)
  • Betriebssystem
    Android 9.0 / MIUI Global 10.1.3 (Stand: Februar 2019)
  • Kameras
    Frontkamera (20 MP) und Rückkameras (12 MP + 5 MP)
  • SIM-Karten-Format
    Nano-SIM
  • Anschlüsse und Steckplätze
    USB-Typ-C
  • Konnektivität
    LTE-A, ac-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC
  • Akkukapazität
    4000 mAh
  • Besondere Merkmale
    Dual-SIM, Stereo-Lautsprecher
Turn-On Score:
4,0
  • Akkuleistung
    5,0
  • Design
    3,5
  • Preis-Leistung
    4,5
  • Hardware
    4,5
  • Ausstattung
    4,5
  • Klang
    3,5
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