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18:9? Aus diesen 6 Gründen sind 16:9-Smartphones praktischer

Das LG G6 hat den Trend zum 18:9-Format losgetreten.
Das LG G6 hat den Trend zum 18:9-Format losgetreten. (©TURN ON 2017)

Das 18:9-Format ist seit dem LG G6 zum neuen Smartphone-Standard geworden. Dabei setzen fast alle Videos und Bilder weiterhin auf Auflösungen im 16:9-Format. Aus diesen sechs Gründen sind Smartphones mit einem Display im 16:9-Format (derzeit noch) praktischer.

1. Tippen mit zwei Händen ist einfacher

Smartphones im 18:9-Format sind schmaler und höher als jene im 16:9-Format. In der Regel bieten sie außerdem schmalere Displayränder als 16:9-Smartphones, wobei es keinen notwendigen Zusammenhang zwischen Format und Displayrand gibt. Auch 16:9-Smartphones könnten von den Herstellern einen kleinen Displayrand spendiert bekommen. Das wäre für viele Nutzer praktischer, denn auf dem breiten Bildschirm können sie bequemer mit zwei Daumen tippen als auf dem schmalen 18-9-Display.

Gut für das Tippen mit zwei Händen: Sony bringt mit dem XA2 Ultra ein neues, 6 Zoll großes Smartphone im 16:9-Format auf den Markt. (© 2018 Sony)

2. Du kommst leichter an die Benachrichtigungen heran

Schmale Smartphones wie das LG V30 (18:9) und das Galaxy S8 (18,5:9) sowie das iPhone X (19,5:9) liegen vielleicht besser in einer Hand als größere 16:9-Geräte. Dafür kommst Du mit dem Daumen nur an die Bildschirminhalte der unteren Hälfte bequem heran. Und wozu soll es gut sein, dass Du die Benachrichtigungen und die Schnelleinstellungen oben erst erreichst, wenn Du das Smartphone in zwei Hände nimmst?

Um beim Galaxy S8 Plus an die Benachrichtigungsleiste oben heranzukommen, brauchst Du einen viel längeren Daumen als beim Xperia XZ Premium. (© 2017 YouTube/Phone Battles)

3. Die meisten Videos und Bilder gibt es nur in 16:9

Auf dem 6,2 Zoll großen Galaxy S8 Plus schaust Du YouTube- und andere Videos in maximal derselben Größe an wie auf dem 5,5 Zoll großen Galaxy S7 Edge. Bis zu 20 Prozent eines 18:9-Displays lassen sich für Videos und Bilder im 16:9-Format nicht nutzen. Stattdessen blickst Du auf große schwarze Balken links und rechts. Oder Du vergrößerst das Video und akzeptierst die abgeschnittenen Seiten. Sogar dieses Werbevideo für das 18:9-Format hat LG auf YouTube nur in 16:9 veröffentlicht.

4. 16:9 ist besser für längere Texte geeignet

Der Vorteil der schmalen Smartphones wird häufig darin gesehen, dass mehr Text auf einer Seite unterkommen soll. Das kann man so aber nicht sagen. Der Text wird lediglich auf einem schmalen und länglichen Display angezeigt. Es gibt große Displays, die schmal und länglich sind, und kleine Displays, die schmal und länglich sind.

Bücher haben aus einem guten Grund kein so schmales Format wie das iPhone X. (© 2017 Apple)

Zur Frage, welches Format besser zum Lesen geeignet ist: Möchtest Du lieber im Buchformat oder auf einem Kassenzettel einen Roman lesen? Es gibt einen Grund, warum E-Reader wie der Kindle in der Regel im noch breiteren 4:3-Format Texte darstellen. Weil sie darauf angenehmer zu lesen sind.

5. 18:9 ist nicht unbedingt die Zukunft des Films

18:9 ist wahrscheinlich nicht "die Zukunft" des Films, weil die Formatwahl eine künstlerische Entscheidung des Kameramanns ist und vom Film abhängt. Zwar haben Amazon, Hulu und Netflix Eigenproduktionen in 18:9-Format veröffentlicht, aber der größte Befürworter des Formats, der Kameramann Vitorio Storaro ("Apokalypse Now"), hat keinesfalls alle Kollegen von seinem Kompromissformat überzeugen können.

Dank des relativ hohen 1,85:1-Formats kommt die Größe der Dinos im ersten "Jurassic Park" gut zur Geltung. (© 2018 Universal Pictures via Benedict Seal, filmschoolrejects.com)

Der Filmjournalist Benedict Seal demonstriert in seinem Artikel "The ever-changing aspect ratios of the Jurassic Park franchise" auf Filmschoolrejects, dass die falsche Formatwahl große Nachteile für den Eindruck haben kann, den ein Film bei den Zuschauern hinterlässt. Der erste "Jurassic Park"-Film setzte zum Beispiel auf das relativ hohe Format 1,85:1 und so passten die eindrucksvollen Brachiosaurier ins Bild.

In "Jurassic World: Fallen Kingdom" läuft ein eher klein wirkender Brachiosaurier beiläufig am Zuschauer vorbei. (© 2018 Universal Pictures via Benedict Seal, filmschoolrejects.com)

In "Jurassic World" im 18:9-Format hatte der Kameramann John Schwartzman schon seine Probleme, das Faszinosum "riesiger Dinosaurier" einzufangen. Der Trailer des neuen "Jurassic Park: Fallen Kingdom" wurde, wie der Film, im noch schmaleren 2,39:1-Format gedreht. Welchen Vorteil soll es haben, wenn riesige Dinosaurier kaum ins Bild passen?

6. Apps müssen für das 18:9-Format angepasst werden

Das LG G6 nutzt das 18:9-Format zum Beispiel für einige Kamera-Modi. Zwei quadratische Fotos passen nebeneinander auf das Display. Darum kannst Du quadratische Fotos im 1:1-Format knipsen. Unten wird das letzte Foto angezeigt, in der oberen Hälfte machst Du ein neues. Quadratische Fotos eignen sich allerdings nur für das LG-G6-Display, nicht für Monitore, Fernseher oder Drucker.

Die Kamera-Software des LG G6 ist an das 18:9-Format angepasst, aber die zugehörigen Features sind nicht allzu nützlich. (© 2018 TURN ON)

Die meisten Apps wurden hingegen für das 16:9-Format im Hinterkopf entwickelt und müssen nun von den Entwicklern für 18:9 optimiert werden.

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