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6 Smart-Home-Systeme im Vergleich: Kosten, Nachrüsten & Co.

Die Auswahl an Smart-Home-Systemen ist groß.
Die Auswahl an Smart-Home-Systemen ist groß. (©TP Link 2017)

Smart-Home-Systeme schießen wie Pilze aus dem Boden. Doch welche Lösung eignet sich für welchen Nutzer, wie hoch sind die Kosten und muss es immer gleich ein komplettes System sein? Wir haben sechs Smart-Home-Systeme einem Vergleich unterzogen.

Smart Home ist auf dem Vormarsch: Immer mehr Anbieter aus den verschiedensten Bereichen bieten mittlerweile eigene Lösungen an, mit denen sich Geräte und Prozesse in den eigenen vier Wänden automatisieren lassen. Doch wirklich leicht ist der Einstieg in die Smart-Home-Welt für die Kunden trotzdem nicht. Zu verwirrend und breit gestreut ist das Angebot und zu unklar ist immer noch die Definition dessen, was Smart Home eigentlich ausmacht. Wir wollen etwas Übersicht in den Smart-Home-Dschungel bringen und stellen sechs Systeme vor.

Brauche ich eigentlich ein Smart-Home-System und wenn ja, welches?

Smart Home ist ein riesiger Begriff, der mittlerweile unzählige Gerätekategorien und Anwendungsfälle umfasst. Das beginnt bei smarten Steckdosen zum Energiesparen und Fernsteuern, geht mit intelligenten Heizkörpersystemen weiter, umfasst ganze Lichteinrichtungen und sogar Sicherheitslösungen.

Das Problem: Die meisten Kunden brauchen für ihre Ansprüche nur einen Teil davon und sind oftmals mit einzelnen Produkten besser beraten als mit der Einrichtung eines kompletten Systems. Wer beispielsweise einfach nur nach einer smarten Steckdose sucht, die sich per App programmieren lässt, muss dafür nicht zwingend einen kompletten Home-Hub einrichten, sondern findet möglicherweise ein dafür passendes Stand-Alone-Produkt.

Wer hingegen mehrere smarte Lösungen – beispielsweise ein Heizungs- und ein Lichtsystem – kombinieren möchte, sollte sich darüber informieren, welches Smart-Home-System ihm genau das bietet. Zudem sollte bei der Auswahl darauf geachtet werden, ob sich das System mit der bereits vorhandenen Hardware gut verträgt. Oft haben Kunden bereits Geräte zur Steuerung von Smart-Home-Geräten zu Hause, die besonders gut mit dem einen oder anderen Gerät funktionieren.

1. AVM Smart Home

 AVM baut sein Smart-Home-System rund um die Fritzbox. fullscreen
AVM baut sein Smart-Home-System rund um die Fritzbox. (©AVM 2017)

Die Fritzbox-Router von AVM sind aus vielen deutschen Haushalten gar nicht mehr wegzudenken. Da ergibt es nur Sinn, auch ein Smart-Home-System um diese Router herum aufzubauen. Fast alle Fritzboxen mit DECT-Funktion funktionieren mit den programmierbaren Steckdosen FritzDect 200 und 210 und können zudem mit dem smarten Heizkörperthermostat FritzDect 301 kommunizieren. Die Fritzbox selbst dient als Hub, wodurch die Installation von anderer Hardware überflüssig wird, und gesteuert wird das Ganze über die Fritzbox-Weboberfläche am PC oder die MyFritz-App für Android und iOS.

  • Anwendungsgebiete: Energiesteuerung, Heizung
  • Home-Hub: Fritzbox
  • Kompatible Geräte: FritzDect-Steckdosen, FritzDect-301-Heizkörperthermostat, diverse andere DECT-fähige Geräte
  • Steuerung: PC-Oberfläche, Android- bzw. iOS-App
  • Kosten: Mindestens rund 93 Euro für eine DECT-fähige Fritzbox, zusätzliche Anschaffungskosten für die einzelnen Geräte

2. Devolo Home Control

 Devolo bietet vielseitige Smart-Home-Lösungen. fullscreen
Devolo bietet vielseitige Smart-Home-Lösungen. (©Devolo 2017)

Auch Devolo ist mit seinen Powerline-Steckdosen und WLAN-Repeatern bereits in vielen deutschen Wohnungen zu Hause. So überrascht es nicht wirklich, dass die Aachener auch ein eigenes Smart-Home-System für ihre Stammkunden im Angebot haben. Als Home-Hub dient die sogenannte Devolo-Home-Control-Zentrale, die einfach in eine freie Steckdose gesteckt wird und per WLAN mit dem Router kommuniziert.

Der Anbieter selbst hat eine ganze Reihe von Produkten im Angebot, die für die verschiedensten Smart-Home-Lösungen geeignet sind. So gibt es von Devolo programmierbare Heizkörperthermostate, Kontaktsensoren für Türen und Fenster, Bewegungsmelder, Alarmsirenen, Schalt- und Messsteckdosen sowie Messgeräte zum Bestimmen der Luftfeuchtigkeit. Sie alle funken über das Z-Wave-Protokoll und lassen sich mit der Home-Control-Zentrale koppeln. Auch andere Z-Wave-fähige Geräte sollten sich mit dem System koppeln lassen.

  • Anwendungsgebiete: Energiesteuerung, Heizung, Sicherheit
  • Home-Hub: Devolo Home Control Zentrale
  • Kompatible Geräte: Devolo Heizkörperthermostat, Schalt- und Messsteckdosen, Kontaktsensoren für Türen und Fenster, Bewegungsmelder, Kameras, Alarmsirenen, Messgeräte für Luftfeuchtigkeit
  • Steuerung: PC-Oberfläche, App für Android oder iOS
  • Kosten: Rund 130 Euro für die Home-Control-Zentrale, zusätzliche Anschaffungskosten für die einzelnen Geräte

3. Qivicon – Magenta SmartHome

 Die Telekom setzt beim Smart Home auf Qivicon. fullscreen
Die Telekom setzt beim Smart Home auf Qivicon. (©Quivicon/Alex Schwander 2017)

Die Deutsche Telekom hat das Thema Smart Home längst für sich entdeckt und bietet auf Basis der Plattform Qivicon ein eigenes Smart-Home-System an. Das Qivicon-System hat den Vorteil, dass es mit verschiedenen Produkten unterschiedlicher Hersteller kompatibel ist. Kunden haben somit eine gewisse Flexibilität, was die Wahl ihrer Geräte anbelangt. Lediglich die Home Base muss als zentraler Hub installiert werden.

Von Anbietern wie Homematic gibt es beispielsweise smarte Thermostate und programmierbare Steckdosen, Philips und Osram bieten programmierbare Lichtsysteme an und Nest oder die Telekom selbst sorgen für kompatible Sicherheitssysteme. Fernsteuern lässt sich das Ganze über eine PC-Oberfläche, per App für Android oder iOS und auch per Sprache über das Google-Home-System sowie Amazon Echo. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Telekom eine monatliche Lizenzgebühr für die Nutzung ihrer Magenta-SmartHome-App verlangt.

  • Anwendungsgebiete: Energiesteuerung, Heizung, Sicherheit
  • Home-Hub: Magenta Home Base
  • Kompatible Geräte: Heizkörperthermostate, Schalt- und Messsteckdosen, Kontaktsensoren für Türen und Fenster, Bewegungsmelder, Kameras, Alarmsirenen, Messgeräte für Luftfeuchtigkeit, smarte Lichtsysteme, Google Home und Amazon Echo
  • Steuerung: PC-Oberfläche, App für Android oder iOS, Sprachsteuerung über Google Home oder Amazon Echo
  • Kosten: Monatliche Gebühr von 4,99 Euro, knapp 140 Euro für die Home Base, zusätzliche Kosten für die einzelnen Geräte

4. EQ-3 Homematic Smart Home

 Homematic verfügt über ein unfassbar vielseitiges Angebot an Geräten. fullscreen
Homematic verfügt über ein unfassbar vielseitiges Angebot an Geräten. (© 2017)

Homematic-Produkte funktionieren nicht nur mit der Qivicon-Platform, sondern auch im Rahmen eines Anbieter-eigenen Smart-Home-Systems. Dazu bekommen Kunden die Homematic Zentrale CCU2, die als Hub für eine ganze Armada von kompatiblen Geräten dient. Angefangen bei Bewegungsmeldern über Tür- und Fensterkontakte, Rauchmelder, Alarmsirenen, Thermostate, Lichtsysteme bis hin zu einer Fernsteuerung für Rollläden und Markisen gibt es im Homematic-System für so ziemlich alles die passende Lösung. Gesteuert wird das Ganze per PC-Oberfläche oder Smartphone-App.

  • Anwendungsgebiete: Heizung, Sicherheit, Lichtsteuerung, Steuerung für Rollläden und Markisen
  • Home-Hub: Homematic Zentrale CCU2
  • Kompatible Geräte: Heizkörperthermostate, Kontaktsensoren für Türen und Fenster, Bewegungsmelder, Rauchmelder, Kameras, Alarmsirenen, Messgeräte für Luftfeuchtigkeit, smarte Lichtsysteme
  • Steuerung: PC-Oberfläche, Apps teilweise von Drittanbietern
  • Kosten: Rund 80 Euro für die Homematic Zentrale, eventuell zusätzliche Kosten für App und Clousteuerung, zusätzliche Anschaffungskosten für die einzelnen Geräte

5. Innogy Smart Home

 Innogy Smart Home ist eine Komplettlösung für so ziemlich alle Smart-Home-Anwendungen. fullscreen
Innogy Smart Home ist eine Komplettlösung für so ziemlich alle Smart-Home-Anwendungen. (©Innogy/RWE 2017)

Mit Innogy Smart Home mischt auch der Energieversorger RWE im Smart-Home-Geschäft mit. Neben einer Smart-Home-Zentrale bietet das Unternehmen verschiedene Produkte aus den Bereichen Energie, Sicherheit und Heizen an. Die Palette umfasst dabei programmierbare Steckdosen, smarte Thermostate, Kontaktsensoren für Tür- und Fenster, Bewegungsmelder für innen und außen sowie Rauchmelder.

Da es sich um ein geschlossenes System handelt, lassen sich andere Komponenten nicht beliebig mit Innogy Smart Home koppeln. Allerdings sind einige Geräte von Drittanbietern dann doch kompatibel. So gibt es Smartcams von Samsung, Wetterstationen von Netatmo und smarte Türschlösser von ENTR, die sich mit dem RWE-System nutzen lassen. Zudem lassen sich Lichtsysteme von Philips Hue über das Innogy-System mitsteuern. Kunden sollten allerdings bedenken, dass für Innogy Smart Home neben den reinen Anschaffungskosten auch laufende monatliche Kosten für App-Nutzung und andere Dienste anfallen.

  • Anwendungsgebiete: Energiesteuerung, Heizung, Sicherheit, Lichtsteuerung
  • Home-Hub: Innogy Smart Home Zentrale
  • Kompatible Geräte: Heizkörperthermostate, Kontaktsensoren für Türen und Fenster, Bewegungsmelder, Rauchmelder, Kameras, Alarmsirenen, Messgeräte für Luftfeuchtigkeit, smarte Lichtsysteme
  • Steuerung: PC-Oberfläche, App für Android oder iOS, Sprachsteuerung mit Amazon Echo
  • Kosten: Mindestens 180 Euro für Starter-Paket, knapp 15 Euro im Jahr für die Möglichkeit zur App-Steuerung, zusätzliche Anschaffungskosten für die einzelnen Geräte

6. TP Link Smart Home

 TP Link verzichtet auf einen Hub und koppelt seine Geräte direkt an Smartphone oder Tablet. fullscreen
TP Link verzichtet auf einen Hub und koppelt seine Geräte direkt an Smartphone oder Tablet. (© 2017)

Das Smart-Home-Konzept von TP Link ist vor allem deshalb interessant, weil es ohne die Installation eines Home-Hubs auskommt. Im Angebot hat der Hersteller etwa programmierbare Steckdosen oder LED-Lampen, die jeweils per WLAN direkt mit einer App auf Smartphone oder Tablet kommunizieren. Dadurch eignen sich die Produkte des Herstellers vor allem für Anwender, die keinen umfangreichen Installationsaufwand betreiben wollen. Ein Vorteil ist, dass die Produkte des Herstellers zudem mit Google Home und Amazon Echo kompatibel sind.

  • Anwendungsgebiete: Energiesteuerung und Licht
  • Home-Hub: Nicht notwendig
  • Kompatible Geräte: Smarte Stecksoden und LED-Lampen
  • Steuerung: App für Android oder iOS, Sprachsteuerung über Google Assistant und Amazon Alexa
  • Kosten: Ab ca. 35 Euro für smarte Steckdosen

Apple HomeKit und Google Home: Sind das auch Smart-Home-Systeme?

In gewisser Weise könnte man Apple HomeKit und Google Home ebenfalls als Smart-Home-Systeme bezeichnen – ähnliches gilt für Amazon Alexa. Im Grunde bieten diese Dienste sowohl den Herstellern als auch den Nutzern eine übergeordnete Ebene zur Steuerung an. Wer seine Smart-Home-Geräte mit Apple HomeKit verbindet, kann die App zur zentralen Steuerung nutzen und gegebenenfalls auch die Siri-Sprachsteuerung nutzen. Das gleiche gilt für Google Home, wobei hier der Google Assistant die Sprachbefehle entgegennimmt und die Google-Home-Lautsprecher für die Sprachsteuerung benutzt werden können.

Gewissermaßen dienen Systeme wie Apple HomeKit und Google Home als virtuelle Hubs, in denen sich teilweise sonst inkompatible Smart-Home-Geräte vereinen und sogar miteinander koppeln lassen. Allerdings ersetzten sie nicht den tatsächlichen Home-Hub des jeweiligen Herstellers.

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