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Aber bitte mit Notch! 6 Gründe, warum das gelochte Display nervt

Die Lochkamera im Galaxy S10 wirkt in Apps störender als eine kleine Notch.
Die Lochkamera im Galaxy S10 wirkt in Apps störender als eine kleine Notch.

Bis vor Kurzem hätte niemand gerne von einem Loch in seinem Handydisplay erfahren. Spätestens das Samsung Galaxy S10 hat die Selfie-Kamera im Displayloch aber als neuen Designtrend etabliert. Leider – denn aus diesen sechs Gründen ist die Notch eine bessere Lösung.

1. Nur in eine Notch passen Hörer und Face-ID-Sensoren

Die Notch des iPhone X ist deutlich größer als die "Punch-Hole-Kamera" im Galaxy S10. Dafür gibt es allerdings einen guten Grund: Das Loch im Display ist ausschließlich für die Selfie-Kamera vorgesehen, während die iPhone-X-Notch zusätzlich den Hörer und die Face-ID-Sensoren beherbergt.

Derweil kommt der Hörer des Galaxy S10 in einem dünnen Rand über dem Bildschirm unter. Annäherungs- und Umgebungslichtsensor sowie den Fingerabdruckscanner konnte Samsung im Display selbst unterbringen, die Benachrichtigungs-LED wurde allerdings gestrichen. Die Lochkamera des Galaxy S10 mag somit weniger Platz beanspruchen als die iPhone-Notch – aber dafür bietet sie auch weniger Features.

Face-ID-TrueDepth-Camera fullscreen
Die iPhone-Notch ist zwar größer als die Lochkamera, dafür steckt aber auch viel mehr drin.

2. Ein Loch ist in manchen Apps im Weg

Leider befindet sich die Lochkamera gerade dort, wo viele Apps ihre Einstellungen unterbringen. Zum Beispiel verdeckt das Loch in Google Maps das "Hamburger-Menü". Bei anderen Google-Apps wie Chrome tricksen Samsung und Google aber auch gerne, denn auf der Höhe des Lochs wird oft ein weißer Streifen anstelle der App-Inhalte angezeigt. Dadurch verliert das Loch seinen entscheidenden Vorteil – eine größere nutzbare Displayfläche.

Da sich die Einstellungen in Apps oft am Rand befinden und seltener in der Mitte, ist das Problem bei der "Wassertropfen-Notch", wie sie etwa das OnePlus 6T mitbringt, erheblich weniger ausgeprägt. Und Apple setzt ohnehin strenge Kriterien bei den Entwicklern durch, damit die Notch nicht bei der App-Nutzung stört.

3. Das Loch lenkt bei Fotos, Videos und Games mehr ab

In Games wie "Asphalt 8" oder "PUBG Online" verdeckt das Loch einen kleinen Teil der Spielinhalte. Zwar lässt es sich jeweils in einen schwarzen Rand eintauchen, aber dann hätte Samsung auch gleich einen herkömmlichen Displayrand verbauen können. Leider stößt das Loch beim Zocken immer wieder sauer auf – etwa, wenn man in "PUBG Mobile" auf der Suche nach Gegnern ist oder wenn es teils Spielernamen oder Einstellungen verdeckt.

Games wie "PUBGH Mobile" sind nicht an die doppelte Lochkamera des Galaxy S10 Plus angepasst.

Fotos und Videos werden ebenso durch die Selfie-Kamera unterbrochen. Etwas Entscheidendes verpasst man zwar selten, aber in den Fernseher bohrt auch niemand ein Loch. Die Filmemacher haben sicher nicht mit einer schwarzen Fläche auf der jeweiligen Mattscheibe gerechnet, die einen Teil des Films verdeckt.

4. Die Lochkamera führt zu einem asymmetrischen Design

Es gibt verschiedene "Notches", aber sie sind alle in der Displaymitte oben angeordnet. Lochkameras werden mal auf der Bildschirmoberseite ins rechte Drittel hineingebohrt, wie beim Galaxy S10, und mal ins linke Drittel, wie beim Honor View 20. Das sorgt für ein asymmetrisches Design. Mal "schiebt" die Lochkamera die Benachrichtigungen weiter nach links, mal nach rechts, und stets bleibt der Platz auf der anderen Seite daneben in Richtung Rahmen ungenutzt. Klar – vielleicht gefällt das manchen besser, und das ist in Ordnung. Generell bevorzugen Ästheten aber ein symmetrisches Design.

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Die Lochkamera im Galaxy S10 wirkt wie ein Fremdkörper.

5. Es gibt Wichtigeres als die Screen-to-Body-Ratio

Ein wichtiger Grund für die Einführung der Lochkamera besteht darin, dass sie die Screen-to-Body-Ratio des jeweiligen Smartphones vergrößert. Das Display nimmt also im Vergleich zum Gehäuse mehr Platz ein. Das ist insofern praktisch, als der bei einem Handy für den Nutzer entscheidende Touchscreen so mehr zur Geltung kommt. Ich hatte sogar einmal dafür argumentiert, die Selfie-Kamera wegzulassen, um dem Screen mehr Platz einzuräumen.

Es gibt allerdings sinnvolle und weniger sinnvolle Schritte auf dem Weg zu einem randlosen Display. Ein Loch hineinzubohren zählt zu den weniger sinnvollen Schritten. Schließlich hat es funktionelle Nachteile, wenn einfach irgendwo ein Loch den Blick auf die Displayinhalte versperrt. Im Zweifelsfall würde ich eine etwas schlechtere Screen-to-Body-Ration in Kauf nehmen, wenn dafür niemand ein Loch in mein Display bohrt.

Samsung Galaxy S7 fullscreen
Wenn man sich manchmal das Galaxy-S7-Design zurückwünscht, hat Samsung etwas falsch gemacht.

6. Es ist ein Loch im Display!

Um den Luftwiderstand zu reduzieren, könnte man Löcher in die Fenster von Autos bohren. Ein Loch im Hochzeitskuchen würde die Donut-Fans unter den Gästen erfreuen. Oder man bohrt mehr Löcher ins PC-Gehäuse, um bei den Lüftern zu sparen. Mehr Löcher hätten im Alltag also durchaus einige Vorzüge. Da die Nachteile jedoch überwiegen, bohrt man trotzdem nicht überall Löcher rein. Nehmt Euch daran bitte ein Vorbild, Smartphone-Hersteller!

Fazit: Wenn Du lange in einen Abgrund blickst …

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Man kann die Lochkamera auch ausblenden – aber dann bräuchte man sie erst gar nicht einzubauen.

... dann blickt der Abgrund auch in Dich hinein. Diese finstere Erkenntnis des Philosophen Friedrich Nietzsche gilt in einem banalen Sinne auch für das Loch im Display des Galaxy S10. Schließlich schaut die Selfie-Kamera zu Dir zurück und macht Fotos Deines Gesichts. Ich frage mich aber auch, ob mich die Lochkamera nur so sehr stört, weil ich sie mir so lange angesehen habe. Ist sie den meisten Usern nicht doch ziemlich egal?

Wahrscheinlich. Allerdings reden wir hier von einem Smartphone, für das Samsung 900 Euro verlangt. Für einen solchen Betrag muss einfach alles stimmen – und alles Sinn ergeben. Zunächst war ich in Sachen "Punch-Hole-Kamera" aufgeschlossen. Aber es tut mir leid, letztlich bevorzuge ich aus den genannten Gründen die gute, alte Notch. Innovationen und Neuerungen sind oft besser als das, was sie ersetzen – aber eben nicht immer. Vor allem, wenn sie mehr Probleme erzeugen als lösen.

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