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Android, iOS und Windows 10 Mobile: Der große Vergleich

Welches Smartphone-Betriebssystem bietet was?
Welches Smartphone-Betriebssystem bietet was? (©CC: flickr/ TechStage 2017)

Die Frage aller Fragen: Android, iOS oder doch Windows 10 Mobile – welches mobile Betriebssystem ist das Beste? Wir haben uns die wichtigsten Features aller drei Systeme für einen Vergleich angeschaut.

Wer sich ein neues Smartphone kauft, hat nicht nur die Auswahl zwischen einer ganzen Menge Herstellern und einer übergroßen Zahl an Geräten, sondern auch zwischen drei Betriebssystemen. Android, iOS und Windows 10 Mobile dominieren den weltweiten Markt gemeinsam zu 99 Prozent. Doch wie schneiden die Systeme im direkten Vergleich ab?

1. Die Nutzeroberfläche

Bei den Nutzeroberflächen haben sich Android und iOS im Laufe der Jahre sehr stark angenähert. Beide Systeme bieten auf dem Homescreen mehrere App-Icons, die in beliebiger Reihenfolge angeordnet oder in Ordnern verstaut werden können. Unter iOS sind sämtliche Icons standardmäßig auf dem Homescreen untergebracht, während sie unter Android nach Ermessen des Nutzers dort platziert werden können. Eigentlich sind diese nämlich in einem separaten App-Drawer untergebracht, einem Untermenü, das ein wenig an das Startmenü vom PC angelehnt ist.

Allgemein gibt sich Android bei der Nutzeroberfläche wesentlich flexibler als iOS und erlaubt neben App-Icons auch die Platzierung von sogenannten Widgets auf dem Homescreen. Diese dienen entweder als Shortcuts oder als Vorschau-Fenster für bestimmte App-Inhalte oder -Funktionen. iOS erlaubt die Platzierung von Widgets seit iOS 10 aber auch auf dem Sperrbildschirm. Während bei Android also der Homescreen mehr Funktionen bietet, ist iOS beim Lockscreen überlegen.

Windows 10 Mobile unterscheidet sich zumindest optisch grundlegend von den anderen beiden Betriebssystemen. Statt App-Icons gibt es hier Kacheln, die gleichermaßen als Shortcuts und Widgets dienen. Dadurch wirkt die Oberfläche von Windows 10 Mobile interaktiver als die von Android oder iOS – kann aber schnell auch unübersichtlich werden. Während die Umgewöhnung zwischen den Google- und Apple-Systemen recht schnell geht, braucht diese für das Microsoft-OS etwas länger.

2. Das App-Angebot

Das App-Angebot ist die größte Schwachstelle von Windows 10 Mobile, denn im Vergleich zu den anderen beiden Betriebssystemen gibt es hier viel weniger Programme. Zwischen 300.000 und 400.000 Apps umfasst der Mobile-Store von Microsoft, wobei immerhin viele große Anbieter wie Facebook mit einer breiten Palette vertreten sind.

 Der Windows Mobile Store hat das mit Abstand kleinste App-Angebot. fullscreen
Der Windows Mobile Store hat das mit Abstand kleinste App-Angebot. (© 2017)

Der Google Play Store und der Apple App Store bieten jeweils rund 1,5 Millionen Apps mit einem leicht größeren Angebot bei Google. In beiden Stores bleiben praktisch keine Wünsche offen. Hinzu kommt bei dieser Anzahl an Programmen leider auch viel Software-Müll, der für viele Anwender kaum zu überblicken ist. Auf iOS hält sich dieses Problem durch eine größere Qualitätskontrolle zumindest noch ansatzweise in Grenzen.

Android bietet zudem die Möglichkeit, weitere App-Stores auf dem Smartphone zu installieren, wie etwa den Store von Amazon. Dadurch entsteht ein noch größeres Angebot und ein gewisser Konkurrenzdruck, was Preise anbelangt.

3. Hersteller-Dienste

So ziemlich jedes Betriebssystem kommt mit Hersteller- beziehungsweise Entwickler-eigenen Diensten daher. So punktet Android mit vorinstallierten Standard-Apps von Google wie Gmail, Google Maps oder Google Drive, die den Konkurrenzdiensten oft eine Nasenlänge voraus sind. Je nachdem, von welchem Hersteller ein Android-Smartphone stammen, werden diese Standard-Apps teilweise gegen Hersteller-eigene Dienste ersetzt, die oftmals weniger Funktionen bieten. Das Problem besteht zum Teil auch unter iOS, da auch dort viele Standard-Apps lediglich Basic-Funktionen bieten.

Windows 10 Mobile pendelt hier stärker in Richtung Google und Android. Auch wenn der Windows Mobile Store ganz allgemein ein viel kleineres App-Angebot hat als die Konkurrenz, so gehören Microsofts Standard-Apps wie Outlook oder Skype doch überwiegend zu den besten ihrer Art.

4. Die Web-Suche und Sprachassistenz

Da Android maßgeblich von Google mitentwickelt wird, spielt die Websuche natürlich eine vorrangige Rolle im gesamten Betriebssystem. So ist das OS fest mit den Google-Diensten verzahnt und bietet aus einer Vielzahl von Apps den Zugriff auf die riesigen Wissensdatenbanken von Google. Davon profitieren die Android-Smartphones beispielsweise bei Navigationsdiensten. Unterstützt wird das Ganze vom Sprachassistenzdienst Google Now, der Siri und Cortana bei Spracherkennung und -Wiedergabe aktuell überlegen ist.

 Bei den Sprach- und Suchdiensten ist Google derzeit nicht zu schlagen. fullscreen
Bei den Sprach- und Suchdiensten ist Google derzeit nicht zu schlagen. (©TURN ON 2016)

Apple regelt die Suche in iOS über den Spotlight-Dienst. Dieser funktioniert in Verbindung mit verschiedenen Suchmaschinen und Wikipedia sowie Apps und liefert meist ähnliche Ergebnisse wie Google unter Android. Durch den Zugriff auf verschiedene Such-Engines kann Spotlight theoretisch sogar eine breitere Auswahl an Ergebnissen liefern. Einige User könnten sich jedoch daran stören, dass hier Bing und nicht Google als Standard-Suchmaschine genutzt wird. Mit Siri hat Apple zudem eine eigene Suchassistentin, die deutlich interaktiver funktioniert als Google Now. Leider sind dafür Spracherkennung sowie -Wiedergabe und Funktionsumfang nicht ganz so gut wie bei Google.

Microsoft setzt natürlich ebenfalls auf die eigens entwickelte Bing-Suche. Unter Windows 10 Mobile gehört eine Lupe sogar zu den Standard-icons in der Smartphone-Navigationsleiste. An den Funktionsumfang und die Genauigkeit von Google kommt Bing allerdings noch immer nicht heran. Zusätzlich gibt es mit Cortana eine Sprachassistentin, die sich in ihrer Funktionsweise stark an Siri orientiert.

5. Biometrisches Entsperren

Was die Sicherheit der Geräte selbst anbelangt, nimmt Apple mit iOS definitiv eine Vorreiterrolle ein. Schon mit iOS 7 führte der Hersteller den Fingerabdruckscanner als Standard-Methode zum Entschlüsseln der Smartphones ein und nahm langen und komplizierten Passwörtern damit ein bisschen den Schrecken. Unter Android gab es Fingerabdruckscanner zwar in ausgewählten Modellen schon früher, es dauerte aber ein wenig länger, bis diese zum Standard wurden. Mittlerweile bewegen sich beide Systeme hier auf Augenhöhe. Die Scanner sind tief im jeweiligen Betriebssystem verankert und können nicht nur die Geräte selbst entsperren, sondern auch zur Authentifizierung in verschiedenen Diensten genutzt werden.

 Apple hat mit Touch ID eine Vorreiterrolle eingenommen. fullscreen
Apple hat mit Touch ID eine Vorreiterrolle eingenommen. (©picture alliance / dpa Themendienst 2016)

Windows 10 Mobile unterstützt ebenfalls Fingerabdruckscanner, geht in der Praxis jedoch einen anderen Weg und setzt verstärkt auf Iris-Scanner. Diese sind, richtig eingesetzt, zwar noch sicherer als Fingerabdrucksensoren, funktionieren jedoch nicht ganz so einfach und versagen im Verhältnis auch häufiger mal den Dienst.

6. Software-Updates und Sicherheit

Updates sind die große Stärke von iOS. Da Apple alle Endgeräte selbst herstellt und das Angebot zudem recht überschaubar ist, hat der Hersteller die Möglichkeit, regelmäßig neue Software inklusive neuer Sicherheitspatches zu liefern. Zudem macht sich Apple bei der Auslieferung der Updates nicht von den Mobilfunkbetreibern abhängig. Auch die nachträgliche Unterstützung älterer iPhone-Modelle mit Software-Updates ist unter iOS hervorragend.

Bei Android sind Software-Updates hingegen stark von Hersteller und Smartphone-Modell abhängig. Da das Betriebssystem Open Source ist, baut fast jedes Unternehmen seine eigene Android-Version. Updates dauern dementsprechend meist länger oder erscheinen erst gar nicht. Dabei liefert Google selbst jeden Monat mindestens ein Sicherheitsupdate aus und stellt es den Herstellern zur Verfügung. Einige Hersteller reichen diese Patches mit etwas Verzögerung direkt an die Endgeräte weiter, andere fassen mehrere Patches zu einem großen Update zusammen und wieder andere ignorieren diese völlig. Eine größere Rolle spielen bei Android zudem die Mobilfunkbetreiber, die ebenfalls an der Software arbeiten dürfen und Updates mitunter um Monate verzögern können.

 Windows 10 Mobile bekommt Updates direkt von Microsoft. fullscreen
Windows 10 Mobile bekommt Updates direkt von Microsoft. (© 2017)

Windows 10 Mobile funktioniert bei Updates ähnlich wie iOS. Microsoft liefert Updates stets unmittelbar und direkt aus. Weder Hersteller noch Mobilfunkbetreiber haben ein Mitspracherecht.

Fazit: Ewiger Wettkampf ohne Gewinner

Unterm Strich gilt noch immer, was auch schon vor ein oder zwei Jahren galt: Im Wettbewerb der mobilen Betriebssysteme gibt es keinen klaren Gewinner. Alles hängt von den eigenen Ansprüchen und Präferenzen ab. iOS ist vom Aufbau her noch immer das simpelste der drei Betriebssysteme, bietet jedoch auch die geringsten Einstiegshürden für Nutzer und nimmt diese gern an die Hand. Bei Software-Updates und Sicherheit ist das Apple-OS zudem der klare Sieger im Vergleich.

Android tauscht einen Teil der Sicherheit gegen mehr Freiheit. Das Google-System ist flexibler, bietet den Nutzern mehr Möglichkeiten, kann aber auch deutlich komplexer sein als iOS. In vielerlei Hinsicht funktioniert ein Smartphone mit Android mehr wie ein PC, als dies unter iOS der Fall ist. Zudem erhalten User deutlich mehr Kontrolle über Bilder, Videos, Musik und Apps, die auf dem Gerät gespeichert sind. Die frustrierende Update-Politik mancher Hersteller ist ganz klar der größte Minuspunkt von Android.

Microsoft hat mit Windows 10 Mobile ein Betriebssystem, das sich optisch deutlich von den anderen beiden unterscheidet. Was Funktionsweise und Nutzbarkeit anbelangt, platziert es sich jedoch zwischen Android und iOS. Windows 10 Mobile ist nicht so restriktiv wie iOS, aber auch nicht so offen wie Android. Bei Updates und Sicherheit orientiert es sich stark an Apple, allerdings sorgt vor allem das knappe App-Angebot für Ernüchterung.

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