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Android-Smartphone ohne Google-Konto nutzen

Android funktioniert auch ohne Google-Dienste.
Android funktioniert auch ohne Google-Dienste. (©Picture Alliance/ Andrea Warnecke 2016)

Android und Google sind so eng verknüpft wie iOS und Apple? Fast, aber doch nicht ganz. Mit etwas Aufwand kannst Du Dein Android-Smartphone von den allermeisten Google-Diensten befreien – und das auch ohne Root. Wir zeigen Dir, wie Du dabei vorgehen musst.

Android ist eigentlich ein Open-Source-Betriebssystem, das jedoch federführend von Google entwickelt wird. Und weil der Konzern so viel Entwicklungsarbeit in das System steckt, packt das Unternehmen auch seine Apps und Dienste mit in das Gesamtpaket, welches letztlich kostenlos an die Gerätehersteller ausgeliefert wird. Diese nehmen das Geschenk gerne an, denn das von Google so modifizierte Android ist nicht nur kostenlos, sondern auch ziemlich praktisch, leicht zu benutzen und bietet mit dem Play Store auch den größten verfügbaren App-Store.

1. Smartphone ohne Google-Konto einrichten

Wer sein Smartphone von Google befreien will, ohne das Gerät gleich zu rooten, muss dabei zwangsläufig Schritt für Schritt vorgehen. Das fängt schon bei der Ersteinrichtung des Gerätes an. Hier fragt Dich das Smartphone nämlich zum ersten Mal nach einem Google-Konto.

Wer an dieser Stelle darauf verzichtet, das Handy mit einem Google-Konto zu betreiben, kann den Anbieter schon mal ein gutes Stück weit aussperren. Doch Achtung: Ohne das Google-Konto funktionieren später auch viele gewohnte und durchaus praktische Dienste und Apps nicht – zu ihnen gehört auch der Google Play Store.

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2. Google-Einstellungen deaktivieren

Selbst wenn das Smartphone ohne Google-Profil aktiviert wird, ist der Anbieter noch längst nicht komplett außen vor. Um diesen noch weiter auszusperren, wechselst Du in die App "Google Einstellungen" und schaltest dort alles aus, was Du nicht verwenden möchtest. Hier solltest Du Dir die Zeit nehmen, um auch wirklich alle Punkte zu überprüfen und Dir zu überlegen, was Du wirklich brauchst. Wer Google effektiv aussperren möchte, sollte allerdings zumindest die Weitergabe der Standortdaten deaktivieren.

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In den Google-Einstellungen lassen sich die Standortdaten verbergen. (©Screenshot Sony/ TURN ON 2016)

3. Google-Backup deaktivieren

In einem nächsten Schritt solltest Du noch die Backup-Funktion von Google deaktivieren. So verhinderst Du, dass Daten und Einstellungen des Smartphones bei Google gesichert werden. Dazu wechselst Du in "Einstellungen > Sichern & Zurücksetzen" und schaltest dort den entsprechenden Regler aus.

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Auch das Google-Backup kann deaktiviert werden. (©Screenshot Sony/ TURN ON 2016)

4. Apps von Google deaktivieren

Spätestens an dieser Stelle wird es richtig schmerzhaft. Kein Google bedeutet nämlich auch keine Google-Apps, obwohl diese natürlich oft sehr nützlich sind. Deinstallieren lassen sich die Google-Applikationen ohne das Rooten des Smartphones zwar nicht, aber es besteht zumindest die Möglichkeit, diese dauerhaft zu deaktivieren.

Unter "Einstellungen > Apps" bekommst Du im Reiter "Alle" sämtliche Programme angezeigt, die auf dem Smartphone aktiviert sind. Hier hast Du auch die Möglichkeit, Anwendungen wie Google, YouTube, Gmail, Google Maps, Chrome und Google Play Store dauerhaft auszuschalten. Deaktivierte Apps werden nicht mehr im normalen Drawer oder auf dem Startbildschirm angezeigt und lassen sich auch nicht mehr ohne Weiteres starten. Vorsicht: Wenn Du nicht sicher bist, ob Du eine bestimmte App deaktivieren solltest oder nicht, dann lass lieber die Finger davon. Unter Umständen kann sonst das Smartphone nicht mehr korrekt funktionieren. Die Apps können später unter "Einstellungen > Apps > Deaktivierte Apps" wieder eingeschaltet werden.

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5. Folgende Google-Apps lassen sich deaktivieren

  • Google
  • YouTube
  • Gmail
  • Google Maps
  • Chrome
  • Google Drive
  • Google Play Store
  • Play Music
  • Play Filme
  • Play Kiosk
  • Hangouts
  • Fotos
  • Google+

6. Alternativen App-Store nutzen

Da nun auch der Google Play Store endgültig vom Smartphone verbannt wurde, muss natürlich eine Alternative her. Das ist etwas umständlich aber nicht unmöglich. Im Gegensatz zu iOS und Windows Phone ist es nämlich unter Android tatsächlich möglich, einen alternativen App-Store zu nutzen. Mögliche freie App-Stores, die sich als Ersatz anbieten, sind F-Droid und Aptoide.

Um einen alternativen App-Store auf dem Smartphone zu installieren, musst Du zunächst in das Menü "Einstellungen > Sicherheit" wechseln und dort die Installation von Apps unbekannter Herkunft erlauben. Nur so ist das Smartphone in der Lage, auch Apps zu installieren, die nicht aus dem Google Play Store kommen.

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Der Download aus unbekannten Quellen muss aktiviert sein. (©Screenshot Sony/ TURN ON 2016)

Als nächstes brauchst Du einen Webbrowser. Viele Android-Smartphones bieten neben Chrome noch einen weiteren Webbrowser des Herstellers. Über diesen kannst Du auf den Webseiten www.f-droid.org oder www.aptoide.com die passenden Apps herunterladen und diese anschließend aus dem Download-Ordner des Smartphones heraus installieren. Zusätzlich stellt die Website APKMirror eine riesige Auswahl an Apps abseits vom Google Play Store zur Verfügung.

Sollte kein zusätzlicher Webbrowser auf dem Smartphone vorinstalliert sein, besteht die Möglichkeit, die APK-Dateien für F-Droid oder Aptoide am PC herunterzuladen und diese dann über das Datenkabel auf das Smartphone zu importieren. Auch hier muss die Installation anschließend aus dem Ordner vorgenommen werden, in welchem die APK-Datei abgelegt wurde.

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FDroid_importieren fullscreen
Aptoide_Installation fullscreen
FDroid_Installation fullscreen

7. Mehr Freiheit = weniger Sicherheit

Allerdings solltest Du Dir darüber im Klaren sein, dass mehr Freiheit auch weniger Sicherheit bedeutet. So sind längst nicht alle Apps, die sich in den alternativen Stores finden, frei von Viren und Malware. Zudem sind die so installierten Apps durch das Abschneiden vom Google Play Store auch von automatischen Updates getrennt. Dir bleibt also nichts andere übrig, als regelmäßig selbst nach neuen Updates zu suchen.

8. Alternative Apps

Der letzte Schritt ist ebenfalls wichtig. Denn immerhin brauchst Du noch gute Ersatz-Apps für die deaktivierten Google-Dienste. Diese müssen auch ohne den Google Play Store funktionieren. Als Browser bieten sich Alternativen wie Firefox, Opera oder Dolphin an. Wer eine alternative Suchmaschine verwenden möchte, wird bei Yahoo oder DuckDuck Go fündig. Für die Navigation bietet sich die Karten-App Here an und als Mail-Client können beispielsweise Yahoo Mail oder K-9 Mail dienen. Die tatsächliche Auswahl ist aber noch viel größer.

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9. Nachteile des Google-Verzichts

Der bewusste Verzicht auf die Google-Dienste hat zahlreiche Vorteile, insbesondere, wenn Du Deine Daten nicht mit dem Internetriesen teilen möchtest. Allerdings ist das Daten-Sammeln natürlich nicht nur Selbstzweck, sondern dient der Verbesserung zahlreicher Smartphone-Dienste. Auf diese Bequemlichkeiten musst Du ohne Google verzichten.

Alternative iOS oder Windows Phone?

Während es auf Android-Geräten zumindest mit etwas Aufwand noch möglich ist, Google aus dem Weg zu gehen, so sind ein iPhone ohne Apple und ein Windows Phone ohne Microsoft ohne Jailbreak leider völlig undenkbar. Wer also keine Lust hat, sich mit dem Smartphone vollständig der Kontrolle der Tech-Konzerne hinzugeben, dem bleibt bis auf Weiteres nichts anderes übrig, als die aufwendige Prozedur durchzuführen und Android Schritt für Schritt von Google zu befreien.

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