Cambridge Analytica: Alle Antworten zum Facebook-Skandal

Facebook steckt im größten Datenskandal seiner Geschichte.
Facebook steckt im größten Datenskandal seiner Geschichte. (©picture alliance / AP Photo 2017)
Patrick Schulze Fragt sich, wann VR-Brillen endlich so massentauglich werden wie in "Ready Player One".

Das Unternehmen Cambridge Analytica hat offenbar unbefugt die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern verwendet und etwa im US-Wahlkampf genutzt. Nun steht Facebook selbst vor dem größten Datenskandal seiner Geschichte. Doch was steckt überhaupt dahinter?

Facebook steht am Pranger – mal wieder. Diesmal könnte es für das größte soziale Netzwerk der Welt jedoch eng werden, denn der Datenskandal rund um das Verbraucherforschungsunternehmen Cambridge Analytica treibt nicht nur Datenschützer auf die Barrikaden, sondern auch Brancheninsider und sogar Politiker. Doch worum geht es dabei eigentlich und warum ist der Skandal um Cambridge Analytica für Facebook so kritisch?

Facebook und die Daten: Was weiß die Plattform?

Jeder, der ein Profil bei Facebook betreibt, weiß sehr gut, mit wie vielen persönlichen Daten die Plattform arbeitet. Viele Nutzer vertrauen Facebook beinahe ihr gesamtes Leben an: Name, Adresse, Arbeitsstelle, Karrierelaufbahn, Freunde und Verwandte, Freizeitaktivitäten, genutzte Apps, Bilder, Videos, soziales oder politisches Engagement – all diese Daten sind in einigen Facebook-Profilen hinterlegt.

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Facebook sammelt unentwegt Nutzerdaten.

Wie viele Daten wir Facebook überlassen, entscheiden wir als Nutzer letztlich selbst. Doch nicht immer ist es einfach zu erkennen, wann wir dem Unternehmen überhaupt Daten "schenken". Es sind nämlich nicht nur die Dinge, die wir öffentlich in unser Profil posten, sondern auch Dinge, die wir unbewusst tun, aus denen sich Facebook Daten saugt.

Wenn wir uns unterwegs mit dem Smartphone einloggen, weiß Facebook zum Beispiel mit hoher Wahrscheinlichkeit, wo wir uns gerade befinden – und mit wem. Denn unsere Freunde, mit denen wir einen Ausflug machen, nutzen vielleicht in dem Moment auch Facebook und selbst wenn wir absichtlich nichts von dem gemeinsamen Ausflug posten, kann die Plattform anhand der gewonnenen Daten eins und eins zusammenzählen. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Plattform Daten und Informationen sammelt, ohne dass die Nutzer davon etwas mitbekommen.

Was macht Facebook mit den ganzen Daten?

Facebook selbst nutzt diese Daten vor allem für Werbezwecke und ist nach Google der zweitgrößte Anbieter von Online-Werbung. Basierend auf den erhobenen Daten bekommen Nutzer also ganz gezielt zu ihnen passende Anzeigen präsentiert – so weit, so bekannt.

Doch was passiert eigentlich, wenn all diese Daten in die Hände von Dritten gelangen und am Ende für ganz andere Zwecke genutzt werden, denen die Nutzer gar nicht zugestimmt haben? Um diese Frage geht es im aktuellen Datenskandal rund um Cambridge Analytica. Das Unternehmen hatte nach Recherchen von The Guardian, The Observer und New York Times nämlich Zugriff auf die Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern, die es eigentlich gar nicht hätte haben dürfen. Diese Daten wurden möglicherweise auch eingesetzt, um den US-Wahlkampf von Donald Trump zu steuern.

Wie gelangte Cambridge Analytica an die Daten?

Die Story, wie das Unternehmen an die Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern kam, könnte aus einem Kriminalroman stammen und zeugt gleichzeitig von enorm schlampigen Sicherheitsmaßnahmen bei Facebook selbst. Alles begann mit dem Psychologie-Professor Alexandr Kogan von der Universität Cambridge, der einen Persönlichkeitstest für Facebook-Nutzer als Drittanbieter-App programmiert hatte.

Facebook-App
Facebook-Daten wurden unbefugt an Cambridge Analytica weitergegeben.

Dieser Test wurde insgesamt zwar nur von 270.000 Usern durchgeführt, doch durch die laschen Datenschutzregeln auf der Plattform selbst gelangte der Professor auch an die Daten der Personen, die diese Nutzer in ihrer Freundesliste hatten. Ziemlich schnell sammelten sich so die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern, von denen die meisten gar nicht wussten, dass ihre Informationen überhaupt gesammelt werden. Diese Daten wurden dann wiederum widerrechtlich an die Firma Cambridge Analytica weitergegeben.

Was tat Facebook gegen das Datenleck?

Facebook selbst bekam laut aktuellen Recherchen bereits 2015 von dem ganzen Vorgang Wind und löschte den Persönlichkeitstest von seiner Plattform. Gleichzeitig forderte das Netzwerk das Unternehmen Cambridge Analytica auf, die erworbenen Daten zu löschen. Eine Überprüfung, ob diese Daten wirklich gelöscht wurden, erfolgte aber nicht. Stattdessen entschied sich Facebook anscheinend, mit dem Datenskandal lieber nicht an die Öffentlichkeit zu gehen und das Ganze unter den Tisch zu kehren.

Gibt es weitere Datenlecks bei Facebook?

Noch ist nicht bekannt, ob auch weitere Unternehmen unbemerkt an Daten von Facebook-Nutzern gelangt sind und diese möglicherweise unbefugt für ihre Zwecke verwenden. Der Vorfall rund um Cambridge Analytica legt jedoch den Verdacht nahe, dass ähnliche Datenlecks auch an anderen Stellen existieren könnten. Wenn es einem Drittanbieter einer Facebook-App nämlich gelingt, unbefugt an Millionen von Nutzerdaten zu kommen und diese weiterzugeben, dann könnte dies anderen Anbietern möglicherweise ebenfalls gelungen sein.

Welche Folgen hat der Skandal für Facebook?

Das Unternehmen Facebook selbst steht möglicherweise vor seiner größten Krise. Allein in der ersten Woche nach dem Bekanntwerden des Datenskandals verlor die Aktie den Konzerns rund 50 Milliarden US-Dollar an Wert. Das ruft die Aktionäre auf den Plan, die durch die Vorgänge sehr viel Geld verlieren. Sie haben nun gegen die Unternehmensführung von Facebook Klage eingereicht. Der Vorwurf lautet: Irreführung hinsichtlich der Fähigkeiten beim Schutz von Nutzerdaten.

Doch auch Politiker sind über die massiven Versäumnisse von Facebook beim Datenschutz entsetzt und fordern nun eine stärkere Überwachung des Konzerns. Sowohl das Europäische Parlament als auch das britische Unterhaus haben mittlerweile Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich vorgeladen. Er soll zu den Vorgängen Stellung beziehen.

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Mark Zuckerberg steht mittlerweile selbst im Kreuzfeuer.

Die US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC hat zudem mittlerweile eine Untersuchung gegen den Konzern eingeleitet. Er könnte möglicherweise gegen eine Einigung von 2011 zum Schutz der Nutzerdaten verstoßen haben. Sollte sich dies bestätigen, dann drohen Facebook hohe Geldstrafen.

Das sind immer noch nicht alle Seiten des Problems: Bei Twitter macht mittlerweile der Hashtag #deletefacebook die Runde, mit dem Nutzer ankündigen, ihren Facebook-Account zu löschen. Wie groß die Bewegung ist, lässt sich momentan nur schwer abschätzen. Immerhin kann sie sich aber über prominente Unterstützung freuen. Auch WhatsApp-Mitbegründer Brian Acton, der sein Unternehmen bekanntlich 2014 an Facebook verkauft hatte, beteiligte sich am Donnerstag an dem Aufruf.

Was können Facebook-Nutzer jetzt machen?

Eigentlich haben Facebook-Nutzer nicht so viele Möglichkeiten. Wer die Plattform weiterhin nutzen möchte, muss zumindest bis auf Weiteres wohl oder übel mit den laschen Datenschutzmechanismen leben. Allerdings könnten sich Nutzer zumindest einen Überblick darüber verschaffen, welche Daten sie Facebook überhaupt anvertrauen:

Natürlich könnte man sich auch der #deletefacebook-Kampagne anschließen und der Plattform ein für alle Mal den Rücken kehren. Hier gibt es eine detaillierte Anleitung zum Aussteigen:

Wer nicht sofort den ganz harten Cut wagen möchte, kann sich zunächst auch erstmal eine Auszeit von der Plattform gönnen. Vielleicht fällt der dauerhafte Ausstieg danach ja leichter:

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