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CES 2018: 8 Highlights von der Technik-Messe in Las Vegas

Das war es dann auch schon wieder von der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Es war ein gelungener Auftakt ins Technikjahr 2018. Was die Messe in diesem Jahr besonders gemacht hat, liest Du hier in unseren Highlights.

1. Alles fällt ins Wasser

Dass es in der Wüste regnet, ist recht selten. Als wir in Vegas gelandet sind, sagte uns der Uber-Fahrer, dass es seit 120 Tagen nicht geregnet hätte. Tja, am nächsten Tag war es dann so weit. Zwei ganze Tage hat es durchgeregnet. Die Stadt versank regelrecht im Wasser. Der Verkehr war teilweise lahmgelegt, Pickup-Points für Uber und Lyft waren nicht mehr erreichbar, weil Straßen zu reißenden Bächen wurden. Es wurde kalt und viel zu nass. So nass, dass Google sein Zelt im Freien schließen musste, weil es nicht wasserdicht war. Das Verrückte: Am Tag nach dem Regen war die Stadt wieder völlig normal. Als ob nie etwas gewesen wäre.

Eins meiner Highlights ist die Stadt selbst. Ich bin zum ersten Mal in Vegas und verstehe nun den Ausruf "Vegas, Baby!" total. Alles blinkt und leuchtet, hier gibt es Luxus pur, die gesamte Stadt ist aufregend. Super also, dass die CES 2018 über die gesamte Stadt verteilt ist und man so möglichst viele Casinos und Hotels von innen bewundern kann. Der Nachteil ist allerdings, dass man sehr viel Zeit einplanen muss, um bei dem verstopften Verkehr noch halbwegs pünktlich zu einem Termin zu kommen.

Autofahrer sind in Vegas übrigens völlig verrückt. Im krassesten Regen drosseln sie ihre Geschwindigkeit nicht. Und niemand nimmt Rücksicht auf die anderen Fahrzeuge. Kreuzungen werden regelmäßig blockiert, weil jeder egoistisch seinen Weg fortsetzen und nicht auf die nächste Grünphase warten will. Die Folge: ein regelrechtes Hupkonzert, alle regen sich auf. Ein sehr emotionaler Straßenverkehr.

2. Fernseher bleiben wichtig

 Samsung präsentierte auf der CES 2018 den mächtigen Fernseher "The Wall". fullscreen
Samsung präsentierte auf der CES 2018 den mächtigen Fernseher "The Wall". (©Samsung 2018)

Werfen wir nun einen Blick in die Messehallen. Fernseher gab es einige zu bestaunen, schließlich ist die CES vor allem für Unterhaltungselektronik gut. LG sorgte für das erste "wow" und zeigte hinter verschlossener Tür ein riesiges 8K-Panel in 88 Zoll und einen OLED-Bildschirm zum Aufrollen. Leider konnten wir beide Geräte nicht live sehen, doch die Technik ist beeindruckend. Am Stand von Sony und vielen weiteren Fernseher-Herstellern ist 4K immer noch das Thema Nummer 1.

Allerdings kommen die Geräte nun alle mit HDR-Technik und liefern so sehr farbstarke und kontrastreiche Bilder. Spannend war am Ende noch das Konzept von Samsung namens "The Wall". Basierend auf MicroLED-Technik soll sich das Panel auf jede beliebige Größe skalieren lassen, sodass Ihr theoretisch eine ganze Wand zu Hause in einen Fernseher verwandeln könnt. Jetzt ist die Frage, was mit Inhalten passiert, die zum Beispiel ein Format von 16:9 haben und dann nicht auf die nahezu quadratische Wand passen? Samsung zeigt den Film größtmöglich an und füllt des Rest des Bildschirms mit anderen Inhalten, wie zum Beispiel demselben Muster oder derselben Farbe wie Deine Tapete.

3. Ein Smartphone mit Laptopgehäuse

In der Vergangenheit gab es von einigen Herstellern schon Versuche, Smartphones in den Laptop einzuklinken und deren Technik zu nutzen. Doch so ganz hatte das Konzept bisher nicht überzeugt. Razer präsentierte nun auf der CES das "Project Linda". Hier steckt im Laptopgehäuse nur der Bildschirm und ein Extra-Akku – die gesamte Leistung kommt vom Razer Phone, das an die Stelle des Touchpads gesteckt wird. In der ersten Demo hat das nahtlos und schnell funktioniert. Auch Spiele liefen flüssig. Das Smartphone ist dann gleichzeitig ein angenehmes Touchpad, was den Mauszeiger ohne Latenz auf den großen Bildschirm zaubert. Solange das Phone im Laptop steckt, wird es von Project Linda aufgeladen. Ob und wann das Gerät auf den Markt kommt und was es kosten könnte, steht noch nicht fest.

Abseits von diesem Konzept gefiel mir das erneut weltweit dünnste Notebook von Acer sehr gut. 8,98 Millimeter – und trotzdem hat es gute Technik unter der Haube. Sehr hübsch war auch das neue Farbkonzept von Dells XPS 13. Hier baut der Hersteller zum einen den aktuellen Intel-Prozessor ein und färbt die Innenseite des Laptops zum ersten Mal weiß. Außen ziert Roségold das Metallgehäuse. Auch von Dell kommt ein 2-in-1-Gerät mit 15 Zoll. Hier steckt zum ersten Mal Intels Prozessor mit AMD-Grafikchip unter der Haube. Nicht so gefallen hat mir an dem Gerät allerdings die hohe Latenz des Eingabestiftes. An sich fühlt sich der von Wacom gebaute Stift super an, doch wir konnten zugucken, wie zuerst der Stift über das Display bewegt wurde, und dann erst die gemalte Linie erschien. Schade.

4. Tanzende und nützliche Roboter

Ganz besonders niedlich war eine Gruppe tanzender Roboter, die eine perfekte Choreografie von "Gangnam Style" nachempfunden haben. Auch aus der Kategorie "super süß" kommt Sonys Neuauflage des Roboterhundes Aibo. Seine Bewegungen sehen sehr weich aus, er klimpert mit den Augen, apportiert Spielzeuge und schubst sogar Bälle. Man kann ihn streicheln und so eine Beziehung zu ihm aufbauen. In Japan wird der Hund bereits verkauft. Ob oder wann er nach Europa kommen könnte, steht noch nicht fest.

Eher aus der praktischen Richtung kommen die bekannten Putzroboter von zum Beispiel Ecovacs. Die können saugen und wischen und funktionieren einfach und zuverlässig, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Neu ist jetzt die Integration der Sprachassistenten von Google und Amazon. So kann der Roboter den Befehl zum Losfahren bekommen, in dem wir die smarten Lautsprecher einfach dazu auffordern. Auf Deutsch kommt das Feature ungefähr im April. Ein Softwareupdate der Roboter wird bald außerdem dafür sorgen, dass der Grundriss Deiner Wohnung nicht einmal vor der Inbetriebnahme gemacht werden muss, sondern sich dynamisch bei jedem Putzvorgang automatisch anpasst.

5. AR und VR kommen in Fahrt

Technologien für Augmented Reality und Virtual Reality stecken immer noch in den Kinderschuhen, kommen aber langsam in Fahrt. Am Stand der NASA konnte ich mit Microsofts HoloLens zum Beispiel auf den Mars gucken und den Marsrover sehen. Spannend war die Technikdemo, denn jeder Stein auf dem 360-Grad-Foto wurde als echtes 3D-Modell erkannt.

Angeschaut habe ich mir auch die 8K-VR-Brille von Pimax. Gefallen hat mir die Auflösung, denn die Pixel sind sehr viel kleiner als bei anderen VR-Headsets. Doch insgesamt hat mich das Headset eher weniger überzeugt. Objekte in der Demo hatten schnell ein Warping-Problem, wenn ich meinen Kopf bewegt habe. Außerdem ist es sehr groß und auch wenn das Gerät auf der Waage nicht schwerer ist, als beispielsweise die HTC Vive, trägt es sich unbequemer und ist komplizierter am Kopf festzustellen. Letzteres soll sich aber in Zukunft ändern.

Viel besser war da die HTC Vive Pro, über die Du in unserem Hands-on-Test mehr erfahren kannst.

6. Spielend leicht Gitarre lernen

Wenn Du schon immer mal Gitarre spielen lernen wolltet, aber keinen Erfolg hattest, kann Dir Fret Zealot vielleicht helfen. Das ist ein LED-Sticker, den Du auf das Griffbrett der Gitarre klebst. Per App wählst Du dann Akkorde, Noten, Skalen oder ganze Songs aus, die Du lernen willst, und das neue LED-Griffbrett zeigt leuchtende Punkte an den Saiten an. So weißt Du sofort, wo welcher Finger platziert werden muss, damit alles richtig klingt.

7. Gesundheitsgadgets und Unsterblichkeit

 Netflix hatte auf der CES 2018 zur Serie "Altered Carbon" einen gruseligen Stand. fullscreen
Netflix hatte auf der CES 2018 zur Serie "Altered Carbon" einen gruseligen Stand. (©TURN ON 2018)

Viele Gadgets siedeln sich im Gesundheitsbereich an. Einige wollen für Sportler das Maximum herausholen, andere konzentrieren sich auf besseren Schlaf und wieder andere bauen Stress ab und lockern Muskeln. Am besten gefallen hat mir hier ein Massage-Gerät von truemedic. Der InstaShiatsu+ ist ein Gürtel, den ich mir in den Nacken lege oder um Schultern oder Rücken spanne. Starke Motoren drücken dann auf meine Muskeln. Es fühlt sich tatsächlich an wie eine echte Massage. Sehr entspannend. Ähnliche Konzepte gibt es auch von anderen Herstellern.

Auch spannend waren die Gadgets zur Gehirnmanipulation. Eines soll dafür sorgen, dass wir abnehmen, das andere soll beruhigen und Stress abbauen. In unserem Bericht über die ShowStoppers im Rahmen der CES 2018 haben wir uns beide Geräte genauer angesehen.

Ein Stand wirkte auf dem Messegelände sehr seltsam. Es war ein bisschen neblig und in großen Glasröhren standen menschliche Körper. Da sprach mich eine in weiß gekleidete Frau an und erklärte mir, dass sie die Unsterblichkeit möglich gemacht haben. Äh, was? Offensichtlich quatsch, aber was soll das hier auf der CES? Ich war neugierig und ging in den Stand. Es wurde immer absurder. Der Plan: Ich könnte meine Persönlichkeit durch einen Chip in der Wirbelsäule in einen maßgeschneiderten Körper transferieren und so die Sterblichkeit verhindern oder einfach anders aussehen. Präsentiert wurde ein "zu 100% organischer Körper" in einer Plastiktüte. Am Ende der Tour war es dann klar: Der gesamte Messestand ist eine gelungene Werbeaktion von Netflix für die neue Serie "Altered Carbon".

8. Lieblingsprodukte von der CES 2018

Am Ende der Messe steht mein persönliches Lieblingsprodukt fest: Sennheisers Dolby-Atmos-Soundbar hat mich klanglich total überzeugt. Bisher ist es noch ein Prototyp, aber die Richtungseffekte der Sounds konnten präzise wahrgenommen werden. Dazu kommt, dass nicht nur derjenige, der in der Mitte sitzt, ein gutes Klangbild bekommt, sondern die Freunde links und rechts daneben das gleiche Erlebnis teilen. Ungefähr zur IFA soll das finale Design feststehen, Marktstart könnte noch Ende des Jahres sein. Preise wird Sennheiser auch bald bekanntgeben.

Ganz besonders an Herz ging mir die Roboterente des Versicherungsunternehmens Aflac. Die Firma spendet diese Enten an krebskranke Kinder. Sie bekommen damit einen kleinen Kumpel, der für sie da ist, wenn es Familie und Freunde gerade nicht sind. Die Kinder können mit ihr spielen und sie füttern. Und Kinder, die vielleicht noch zu klein sind, um ihre Gefühle richtig auszudrücken, können das mithilfe der Ente machen. Dafür halten sie Smilies aus Holz an deren Bauch und die Ente ändert ihr Quaken, sodass man erkennen kann, wie sie sich fühlt. Ein wundervolles Projekt.

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