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HDMI drahtlos übertragen: Diese 3 Möglichkeiten gibt es

HDMI cable
HDMI cable (©Thinkstock/iStockphoto/Andregric 2017)

Wer ein HDMI-Signal drahtlos übertragen möchte, steht vor einigen Herausforderungen. Zwar gibt es mittlerweile mehrere Lösungen, die HDMI ohne HDMI-Kabel bieten, doch sind diese alle mit gewissen Kompromissen verbunden. Wir erklären drei verschiedene Möglichkeiten.

Während Internet-Signale schon seit Jahren drathlos über Funk und WLAN um uns herumfliegen, ist das kabellose Übertragen von klassischen Video- und Audio-Signalen nicht ganz so einfach möglich. Wer einen Monitor, Fernseher oder Beamer mit dem Abspielgerät verbinden möchte, ist daher in den meisten Fällen immer noch auf ein HDMI-Kabel angewiesen. Trotzdem gibt es einige Alternativen, die eine drahtlose Übertragung mittlerweile ermöglichen.

1. Wireless HD

Als Wireless HD bezeichnet man einen Übertragungsstandard, der HDMI-Signale ohne Komprimierung im Frequenzbereich von 60 GHz überträgt.

 Übertragungen per Wireless HD funktionieren nicht durch Wände hindurch. fullscreen
Übertragungen per Wireless HD funktionieren nicht durch Wände hindurch. (©Acer 2017)

Die Vorteile: Dank hoher Bandbreite lassen sich mit diesem Verfahren bis zu 7 Gbit/s übertragen. Damit die kabellose Übertragung von HDMI-Signalen funktioniert, werden ein Sender und ein Empfänger benötigt. Der Sender wird logischerweise mit dem Abspielgerät, wie einem Blu-ray-Player oder einem Computer verbunden, und der Empfänger mit einem TV-Gerät, Monitor oder Beamer.

Die Nachteile: Ein Nachteil der 60-GHz-Technologie ist jedoch die starke Dämpfung des Funksignals durch Hindernisse. Übertragungen funktionieren deshalb in der Regel nur innerhalb eines Raums über eine Distanz von maximal zehn Metern. Idealerweise sollte zwischen Sender und Empfänger sogar eine Sichtverbindung bestehen. Ist diese gegeben, sollten selbst HD-Videosignale ohne nennenswerte Verzögerung und Störung übertragen werden.

Die Preise: Wirklich günstig sind die Übertragungslösungen auch nicht. Entsprechende Systeme wie das Celexon-Expert-HDMI-Set oder das Acer-WirelessHD-Kit werden im Handel meist für rund 200 Euro angeboten.

2. WHDI (Wireless Home Digital Interface)

Ein weiterer Übertragungsstandard für drahtlose HDMI-Signale nennt sich WHDI (Wireless Home Digital Interface). Dieser funkt nicht auf 60 GHz, sondern setzt auf das wesentlich verbreitetere 5-GHz-Band, das auch für viele WLAN-Netze verwendet wird.

 Wände sind für WHDI-Lösungen grundsätzlich kein Problem. fullscreen
Wände sind für WHDI-Lösungen grundsätzlich kein Problem. (©Oelbach 2017)

Die Vorteile: Technisch wird die kabellose Übertragung ähnlich gehandhabt wie bei Wireless HD: Es gibt einen Sender, der mit dem Abspielgerät verbunden wird, und einen Empfänger, der an Monitor, TV oder Beamer angeschlossen sein sollte. Der wohl größte Vorteil von WHDI ist die Tatsache, dass zwischen Sender und Empfänger keine Sichtverbindung bestehen muss und die Übertragung auch über mehrere Räume hinweg funktioniert.

Die Nachteile: Allerdings ist das 5-GHz-Band natürlich durch die Verwendung von WLAN-Übertragungen kein unbeschriebenes Blatt. Je nachdem, wie stark das Frequenzband in der eigenen Nachbarschaft genutzt wird, kann es hier zu Bildstörungen und Verzögerungen kommen. Latenzen von einigen Sekunden sind für das Anschauen von Filmen kein Problem. Wer jedoch eine Spielekonsole über WHDI mit dem TV verbinden möchte, wird daran keine Freude haben.

Die Preise: Preislich bewegen sich WHDI-Systeme noch über den Wireless-HD-Lösungen. Günstige Varianten starten bei etwa 200 Euro, aber für eine hochwertige Lösung wie das Oelbach Falcon HD werden schon knapp 400 Euro fällig.

3. HDMI über das Stromnetz

Diese Variante ist nicht wirklich kabellos, benötigt aber zumindest kaum sichtbare Kabel, die über längere Distanzen verlegt werden müssen. Ähnlich wie bei der LAN-Übertragung via Powerline werden die HDMI-Signale hier über das vorhandene Stromnetz von einem Raum in den nächsten verschickt.

 HDMI über das Stromnetz bietet viele Vorteile, ist aber eine teure Lösung. fullscreen
HDMI über das Stromnetz bietet viele Vorteile, ist aber eine teure Lösung. (©Oelbach 2017)

Die Vorteile: Der erste Vorteil liegt auf der Hand: Mit dem Stromnetz wird für die Übertragung der HDMI-Signale eine vorhandene Infrastruktur genutzt. Auch hier kommen Sender und Empfänger zum Einsatz. Da die Übertragung nicht über Funkfrequenzen geschieht, sind die Signale jedoch nicht anfällig für Störungen und Interferenzen und auch das Überbrücken von Raumgrenzen durch Wände spielt keine Rolle.

Die Nachteile: Ähnlich wie bei Powerline-Lösungen sind auch Systeme, die HDMI-Signale über das Stromnetz verteilen, an die Phasen im Stromnetz gebunden. Die Übertragung funktioniert mit den meisten Systemen deshalb nur, wenn die Steckdose mit dem Sender und die mit dem Empfänger an der gleichen Phase hängen.

Die Preise: Auch diese Lösung ist alles andere als günstig. Systeme von Megasat werden etwa ab 300 Euro angeboten. Eine hochwertige Lösung wie der Oelbach HDMI Extender schlägt sogar mit knapp 600 Euro zu Buche.

Das Fazit: Das Kabel ist immer noch die beste Lösung

Drahtlose Lösungen zur Verteilung von HDMI-Signalen gibt es einige, wirklich zu 100 Prozent überzeugen können diese jedoch allesamt nicht. Den Vorteilen von Wireless HD, WHDI und der Signalverteilung über das Stromnetz stehen jeweils auch einige Nachteile gegenüber, die bei der Einrichtung einer entsprechenden Lösung beachtet werden sollten. Zudem sind die kabellosen Varianten deutlich teurer als klassische HDMI-Kabel.

Deshalb gilt: Wer kann, sollte am besten das Kabel nehmen. Wer zwingend auf eine kabellose Lösung angewiesen ist, sollte hingegen genau abwägen, welche Kompromisse am leichtesten zu verschmerzen wären.

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